Die irakische Regierung und die UNO haben kürzlich damit begonnen, in Anwesenheit der Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad, deren getötete Verwandte vermutlich in der Gegend begraben wurden, ein Massengrab in Sinjar zu exhumieren. Abgebildet: Nadia Murad. Foto Department of State, Ron Przysucha/ Public Domain
Die irakische Regierung und die UNO haben kürzlich damit begonnen, in Anwesenheit der Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad, deren getötete Verwandte vermutlich in der Gegend begraben wurden, ein Massengrab in Sinjar zu exhumieren. Abgebildet: Nadia Murad. Foto Department of State, Ron Przysucha/ Public Domain
Lesezeit: 6 Minuten

Eine Gruppe von Jesiden, die am 15. März eine Demonstration vor dem Weissen Haus abhielt, forderte die Trump-Regierung auf die geschätzten 3.000 Frauen und Kinder, die von ISIS-Terroristen gefangen genommen, festgehalten oder getötet wurden, zu lokalisieren oder zu retten.

 

von Uzay Bulut

Die Demonstranten wiesen auf den jüngsten Vorfall hin, bei dem ISIS-Kämpfer, die aus einer ihrer letzten Hochburgen im Osten Syriens flohen, 50 jessidische Frauen enthaupteten, die von den Terroristen des islamischen Staates als Sexsklavinnen eingesetzt worden waren.

Die meisten Teilnehmer der Kundgebung waren Überlebende der genozidalen Angriffe des IS auf Jesiden, eine verfolgte nicht-muslimische Minderheit, die im Irak, in Syrien und in der Türkei ihre Heimat hat.

Laut einer Studie aus dem Jahr 2017, die in der Wochenzeitschrift PLOS Medicine veröffentlicht wurde, geschah innert weniger Tage im August 2014 folgendes:

„Schätzungsweise 3.100 Jesiden wurden [im Irak] getötet, von denen fast die Hälfte hingerichtet wurde – entweder erschossen, enthauptet oder lebendig verbrannt – während der Rest auf dem Berg Sinjar durch Hunger, Dehydrierung oder Verletzungen während der ISIS-Belagerung starb. Die geschätzte Anzahl der Entführten beträgt 6.800. Geflüchtete erzählten von den Missbräuchen, die sie erlitten hatten, darunter religiöse Zwangskonversionen, Folter und Sexsklaverei. Mehr als ein Drittel der mutmasslichen Entführten fehlte zum Zeitpunkt der Umfrage noch. Alle Jesiden, unabhängig von Alter und Geschlecht, wurden ins Visier genoommen, aber Kinder waren überproportional betroffen. Sie wurden genauso oft hingerichtet wie Erwachsene, machten aber 93,0% derjenigen aus, die auf dem Berg Sinjar starben. Ausserdem machten Kinder nur 18,8% derjenigen aus, denen es gelang, aus der Gefangenschaft zu entkommen.“

Solche Horrorgeschichten sollten auf der ganzen Welt Schlagzeilen machen, aber leider wurden sie ignoriert. Im Gegensatz dazu wurde über Shamima Begum, eine in Grossbritannien geborene Frau, die 2015 Grossbritannien verliess um sich in Syrien dem islamischen Staat anzuschliessen und die im Februar dieses Jahres nach Hause zurückkehren wollte, ausführlich berichtet. Der Fall Begum hat eine breite Debatte über den Status und den Umgang mit Dschihadisten aus dem Westen ausgelöst die versuchen ihren Wohnsitz wieder aufzunehmen und die Staatsangehörigkeit in ihren Herkunfts- oder Einbürgerungsländern zu behalten.

Einige Experten beschrieben Begum als Opfer der „Anbahnung“ und „Gehirnwäsche“ durch die ISIS-Terroristen, zu denen sie sich gesellte. In einem Interview mit Sky News im Februar sagte Begum jedoch, dass sie sich der Enthauptungen und anderer Gräueltaten von ISIS vor ihrer Reise nach Syrien voll bewusst gewesen sei. „Ich wusste von diesen Dingen und ich war damit einverstanden“, sagte sie. „Weil ich, weisst du, kurz bevor ich ging, religiös wurde. Nach dem, was ich gehört habe, ist das islamisch gesehen alles erlaubt.“

Auf die Frage ob sie irgendetwas davon in Frage gestellt habe antwortete Begum: „Nein, überhaupt nicht.“

Die Free Yezidi Foundation, die sich für die Gerechtigkeit für Opfer und Überlebende des ISIS-Völkermordes einsetzt, äusserte Wut und Frustration über die wohlwollende Aufmerksamkeit, die Begum, die sich willentlich dem ISIS angeschlossen hat, von bestimmten Politikern in Grossbritannien erfährt.

An die britische Abgeordnete Diane Abbott gerichtet, die sagte, dass es „gefühllos und unmenschlich“ sei, Begum „staatenlos“ zu machen, twitterte die Foundation:

„Wussten Sie, dass einige unserer Mädchen schon im Alter von sechs Jahren auf Sklavenmärkten im Gebiet von #ISIS verkauft wurden? Als die Männer hinausgingen, um zu kämpfen, war es #ISISBride, die sie im Haus einsperren würde.

„Darüber hinaus war es #ISISbride, die die Frauen & Mädchen #Yazidi#Yezidi duschen, kleiden, schminken würde, um sie darauf vorzubereiten, in Gruppen vergewaltigt oder verkauft zu werden. Viele männliche und weibliche Täter waren #Britisch, vielleicht können wir stattdessen die Aufmerksamkeit auf den unmenschlichen und herzlosen Völkermord lenken, den sie begangen haben?…

„… es ist abscheulich, dass das Wohlergehen dieser Frau und ihres Babys so grosse Aufmerksamkeit erfährt, während die TAUSENDEN von Frauen, die von ihrer Organisation (unter Beteiligung von ISIS-Frauen) entführt und in die Sklaverei gezwungen wurden, dies nicht tun.“

Einer der Teilnehmer der Kundgebung in Washington, Salim Shingaly, ein jesidischer Aktivist aus dem Irak, sagte zu Gatestone:

„Während wir hofften, uns wieder mit jesidischen Kindern und Frauen zu vereinen, die von ISIS-Terroristen entführt wurden, erfuhren wir kürzlich von den 50 von ihnen, die enthauptet wurden. In der Zwischenzeit steht es den Menschen, die unsere Frauen vergewaltigt und getötet haben, frei, in ihre Länder zurückzukehren und ein normales Leben zu führen. Das gibt uns das Gefühl, dass wir als Menschen in den Augen der anderen keinen Wert haben; wir sind dabei, unseren Glauben an die Menschheit zu verlieren.“

Shingaly fügte hinzu,

„Es sollte für westliche Regierungen offensichtlich sein, dass ISIS-Terroristen ein grosses Risiko für die Länder darstellen, die sie wieder hereinlassen.“

Dawood Saleh, ein Überlebender des jesidischen Völkermords und Autor von Walking Alone, sagte zu Gatestone:

„Es tut mir so leid für die Tausenden von jesidischen Frauen und Kindern, die in den Händen von ISIS leiden, während einige Medien im Westen versuchen, die Handlungen derer zu verharmlosen, die unser Volk vergewaltigt, gefoltert und getötet haben. Diese Presseorgane geben den Überlebenden der Jesiden nicht genug Stimme.

„Meine Familie hat als Folge der Aktionen von ISIS-Monstern ihr Zuhause verloren und landete in einem Flüchtlingslager, in dem sie seit fast fünf Jahren leben. ISIS hat unsere Dörfer und Tempel zerstört und uns gezwungen uns über die ganze Welt zu verteilen. Indem sie unsere Notlage ignorieren und gleichzeitig ISIS-Bräute oder Rückkehrer in den Westen positiv behandeln, zerstören einige westliche Medien und Politiker jeden Hoffnungsschimmer den wir, die wir den Völkermord überlebt haben, hegen könnten“.

Adil Suliman, ein jesidischer Aktivist bei der Demonstration, sagte zu Gatestone:

„Die Jesiden im Irak haben immer noch Angst, dass sich alle Gräueltaten von ISIS wiederholen werden, weil die Jesiden dort immer noch unter Muslimen leben und die Muslime uns nicht als Menschen sehen.“

Haji Ali Hameka, ein weiterer Aktivist und Dolmetscher der Jesiden, zeigte sich bestürzt über den jüngsten Fall einer Überlebenden des Völkermords an den Jesiden, die entsetzt war, als sie ihrem ISIS-Entführer und Vergewaltiger in Kanada begegnete.


Eine Gruppe von jezidischen Kindern die gerettet und aus Baghouz Syrien zurückgebracht werden konnte. Es bedarf keiner Worte, um das Trauma dieser Kinder auszudrücken: Die Körpersprache und die Kleidung sprechen für sich.

„Es ist sehr enttäuschend zu hören, dass westliche Regierungen es Kriminellen, die unschuldige Menschen vergewaltigt und enthauptet haben, ermöglichen, ungestraft zurückzukehren“, sagte Hameka zu Gatestone. Er betont:

„Ein Krimineller ist ein Krimineller, egal ob er aus dem Westen oder dem Nahen Osten stammt. Der Rechtsstaat muss sich überall durchsetzen. Ich glaube nicht, dass es einen ISIS-Kämpfer gibt, der nicht vergewaltigt oder getötet hat. Die Strafe für ihre Handlungen sollte streng sein. Wie kann Kanada diesen Terroristen erlauben, sich frei zu bewegen?“

Nawaf Ashur Yousif Haskan, ein jesidischer Gelehrter aus dem Irak, bekräftigte die gleiche Einschätzung gegenüber Gatestone:

„Wir sind entschieden dagegen, dass der Westen irgendwelche ISIS-Kämpfer und ihre Bräute zurückbringt. Stattdessen sollten sie im Irak von einem internationalen Gerichtshof für das was sie in Syrien und im Irak getan haben, eingesperrt und angeklagt werden. Jeder von ihnen hat sich für eine gefährliche Ideologie eingesetzt. Wir sagen dem Westen: Wenn ihr nicht erleben wollt, dass das, was mit den jesidischen Frauen passiert ist, auch den Frauen im Westen passiert, dann lasst diese Täter nicht zurückkehren.“

Am Tag der Kundgebung in Washington begannen die irakische Regierung und die UNO in Anwesenheit der Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad, deren getötete Verwandte vermutlich in der Gegend begraben wurden, ein Massengrab in Sinjar zu exhumieren. Auf Murads offizieller Website hiess es, dies sei die erste Exhumierung eines Massengrabes mit den Überresten von Jesiden, die von ihren ISIS-Entführern getötet wurden.

Welche zusätzlichen Beweise braucht der Westen, damit die Opfer von ISIS-Terroristen mehr Aufmerksamkeit und Sympathie erhalten als die „zurückkehrenden“ Terroristen und ihre willigen Bräute?

Uzay Bulut, ist eine türkische Journalistin. Sie ist Distinguished Senior Fellow des Gatestone Institute und lebt derzeit in Washington D.C. Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute.

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