Symbolbild. Screenshot Youtube / Arutz Sheva
Symbolbild. Screenshot Youtube / Arutz Sheva

Wie viele Migranten kommen mit falscher Identität nach Deutschland? Einem israelischen Journalisten gelang es spielend leicht, so in Deutschland politisches Asyl zu erhalten. Beamte erklärten ihm gar, wie er die Behörden weiter betrügen könne.

 

Es dürfte Zvi Jecheskelis gefährlichster Auftrag gewesen sein. Seit Jahren berichtet der israelische Journalist für Israels Sender Channel 10 über die muslimische Welt, besuchte palästinensische Flüchtlingslager, interviewte Terroristen der Hamas und reiste durch arabische Staaten. Doch für seine neueste Dokumentarserie begab Jecheskeli sich in Lebensgefahr, mitten in Europa: Mit Mossad-Methoden getarnt und mit Geheimkameras und Mikrofonen bewaffnet, drang Israels bekanntester Arabien-Experte tief in die Netzwerke der Muslimbruderschaft in Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und der Türkei ein, um ihre Weltanschauung und Praktiken zu entdecken. Die neuste Folge seiner Serie, die seit Donnerstag in Israel ausgestrahlt wird, zeigt wie erschreckend leicht es ist, mit falscher Identität in Deutschland Asyl zu erhalten. Und wie deutsche Beamte dabei helfen, deutsche Gesetze zu umgehen.

Dafür musste Jecheskeli wie ein Spion agieren: „Die Muslimbrüder sind bekannt für ihr Misstrauen. Aussenstehenden würden sie nie Einblick in ihre Arbeitsmethoden geben, oder ihre wahren Absichten mitteilen“, sagt er. Also verwandelte er sich mit Hilfe aktiver und ehemaliger Geheimdienstagenten in Scheich Khaled Abu Salaam alias „Abu-Hamsa“. Der trat entweder als palästinensischer Journalist eines islamistischen Senders aus Hebron auf, oder als strenggläubiger muslimischer Geschäftsmann aus Jordanien mit palästinensischen Wurzeln. Die Geheimdienstler arbeiteten mit Jecheskeli eine minutiös durchdachte Cover Story aus und kümmerten sich um jedes Detail: Von der fiktiven Webseite seines Unternehmens bis hin zum richtigen Weg, in der Moschee zu beten. Hätte Jecheskeli vor anderen Muslimbrüdern den Gebetsteppich mit dem linken statt dem rechten Fuss zuerst beträten, wäre seine wahre Identität als Ungläubiger enthüllt, sein Leben in Gefahr. Um Kontakte zu den Muslimbrüdern aufzunehmen, gab er vor, sein Geld in Europa in die Dawa investieren zu wollen – das soziale Netzwerk der Islamisten mit Kindergärten, Fussballclubs, Schulen und Moscheen, die ihre radikale Ideologie verbreiten.

1250 Dollar für einen syrischen Pass

Diesmal zeigte Jecheskeli wie einfach es für die Islamisten ist, Anhänger nach Europa zu schleusen. „Alles was man braucht, um in Deutschland Asyl zu erhalten, ist ein syrischer Pass.“ Und den bekommt man erstaunlich leicht. Dank eines Tipps eines Geheimdienstlers begab Jecheskeli sich ins Viertel der syrischen Flüchtlinge in Istanbul und suchte dort einen Handyladen auf. Dort gewann Jecheskeli, der perfekt Arabisch spricht, mit Geplauder über den politischen Islam schnell das Vertrauen des Verkäufers. Dann berichtete er vom Leid eines „Freundes“, der unbedingt nach Europa will: „Kein Problem“, sagte der Händler. „Für 1250 US-Dollar besorge ich dir einen syrischen Pass.“ „Was so ganz einfach?“, fragt der verblüffte Abu Hamsa zurück. „Was passiert, wenn er damit an internationalen Flughäfen ankommt, oder wenn die Behörden in Deutschland ihn in ihren Datenbanken überprüfen?“ Das sei kein Problem, so sein Gegenüber: „Ausser in Syrien kann niemand feststellen, dass der Pass nicht echt ist.“ Die Anzahlung betrage bloss 250 US-Dollar, der Rest bei Übergabe. Jecheskeli stieg ein. Wenige Tage später zitierte ein anonyme Anrufer ihn an eine Brücke am Bosporus: „Bist Du allein?“, fragt der Fälscher ihn misstrauisch. „Ja“, antwortet Jechsekeli. Tatsächlich wurde er ständig von einem geheimen Sicherheitsteam begleitet. „Geh in ein Restaurant im Flüchtlingsviertel. Ich folge Dir und stelle sicher, dass Du allein bist. Setz dich dort an einen Tisch, ich komme zu dir.“

Palästinensischer Sachbearbeiter

Kurze Zeit später, nach der Übergabe des Geldes, hält Jecheskeli einen syrischen Pass in Händen: „Der ist nicht gut gefälscht, der ist praktisch echt“, konstatiert er nachher im sicheren Hotelzimmer. Wenige Tage später trifft im Auffanglager für syrische Flüchtlinge in Berlin Tempelhof ein. Dort wendet er sich an die deutschen Sozialarbeiter, um einen Asylantrag zu stellen. Jecheskeli hat Glück. Sein Sachbearbeiter ist ein Palästinenser, der 1978 aus Gaza nach Deutschland auswanderte. Schnell ist man sich sympathisch, witzelt darüber, wie gut es wäre, wenn den pragmatischen Palästinenserpräsident Mahmud Abbas endlich das Zeitliche segnen würde. Nach wenigen Stunden hat Jecheskeli alle notwendigen Papiere in der Hand und gilt offiziell als Flüchtling. Er erhält somit Anrecht auf Sozialleistungen. „Mit Allahs Hilfe beginnst Du hier jetzt ein neues, islamisches Leben“, beglückwünscht ihn der deutsche Beamte mit palästinensischem Wurzeln. Und gibt dem vermeintlichen Flüchtling auch noch Ratschläge, wie er die Behörden überlisten kann. „Wie bringe ich meine Frau und Kinder her?“, fragt Jecheskeli. „Eigentlich musst du drei Jahre warten, dann können sie nachziehen“, erwidert sein Gesprächspartner. Das sei zu lang. „Dann bring sie einfach jetzt übers Meer her“, erwidert der Beamte, der laut Jechsekeli sogar Hilfe bei der Planung der Fluchtroute anbot. Nach der Ankunft könne man dafür sorgen, dass sie ebenfalls Flüchtlingsstatus erhielten. „Ein gefälschter Pass reicht für eine ganze Sippe aus“, sagt der israelische Journalist. „Bei den Geldern, die man in Deutschland erhält, sind die 1250 US-Dollar eine hervorragende Investition.“

Jecheskeli geht es nicht um Ruhm oder Anerkennung. Davon geniesst er in seinem Heimatland genug. Sorge treibt ihn um: „Ich wollte über die Gefahren berichten, denen Europa wegen des radikalen Islams ausgesetzt ist. Ich bin nicht an die Codes politischer Korrektheit gebunden und kann offen die Wahrheit sagen“, sagt Jecheskeli. Er macht hinter den Flüchtlingsströmen ein klares strategisches Ziel aus: „Dass es in der Türkei so leicht ist, am helllichten Tag einen falschen Pass zu kaufen, zeigt, dass jemand dies duldet oder gar erwünscht.“ Jecheskeli ist überzeugt, dass der türkische Präsident Recep Tayyep Erdogan trotz des Flüchtlingsabkommens den steten Strom von Flüchtlingen unterstützt: „Er könnte das sofort stoppen wenn er wollte. Aber er hat ein strategisches Interesse.“

Enorme Gefahr für Deutschland

Jecheskeli hält „die Gefahr für Deutschland enorm“, und meint damit nicht islamistischen Terror. „Niemand versteht wirklich, was der politische Islam für Europa bedeutet.“ Deswegen zeigt er in seiner Serie eine Predigt Jussuf Kardawis, dem wichtigsten Prediger der Muslimbruderschaft: „Der Islam wird wieder den Westen und Europa beherrschen“, verspricht er darin. Das müsse nicht unbedingt mit dem Schwert geschehen. „Es gibt auch eine stille Eroberung“, so Kardawi. „Er spricht von der Dawa“, erklärt Jecheskeli, „der gewaltlosen Unterwanderung mit Schulen, Kindergärten zur Bekehrung der „Ungläubigen.“ Die wahren Absichten der Zuwanderer würden nicht überprüft. Keiner der Flüchtlinge, die Jecheskeli traf, wollten sich integrieren: „Die Imam verbieten ihren Anhängern, dass ihre Töchter Deutsche heiraten, sie predigen Disintegration. Sie betrachten den Westen als technologisch überlegen und moralisch unterlegen“, sagt der Journalist. „Langfristig wollen sie Deutschlands Identität verändern.“

Dieses Ziel verfolge auch Erdogan. „Er ist im Augenblick der mächtigste Vertreter der Muslimbruderschaft auf der Welt. Er hält sich für Patron dieser sunnitischen Flüchtlinge, die dem enormen Einfluss der Islamisten ausgesetzt sind.“ Zum Beispiel durch die Imame, die Ankara in aller Welt finanziere. So stelle Erdogan sicher, dass Flüchtlinge ihm in der fernen Diaspora treu blieben. „Er will sie noch lange kontrollieren, über sie Einfluss auf fremde Staaten gewinnen. Langfristig rächt er sich so dafür, dass sein Land nie in die EU aufgenommen wurde, indem er Europa langsam von innen übernimmt.“

Zuerst erschienen bei Die Welt.

Über Gil Yaron

Dr. Gil Yaron ist Buchautor, Dozent und Nahostkorrespondent der Tageszeitung und des Fernsehsenders WELT, sowie der RUFA, der Radioabteilung der dpa. Er schreibt ebenso für die Straits Times in Singapur, und arbeitet als freier Analyst in zahlreichen Fernsehsendern.

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