Jemenitische Juden auf dem Weg in ein Flüchtlingslager, 1949. Foto Kluger Zoltan - Israeli National Photo Archive, Public Domain, Wikimedia Commons.
Jemenitische Juden auf dem Weg in ein Flüchtlingslager, 1949. Foto Kluger Zoltan - Israeli National Photo Archive, Public Domain, Wikimedia Commons.
Lesezeit: 4 Minuten

Es ist keine Lösung für die palästinensische Flüchtlingsfrage möglich, solange der Gerechtigkeit für die jüdischen Flüchtlinge aus arabischen Ländern nicht Genüge getan wird.

von Dr. Edy Cohen

Die Palästinenser und ihre einstigen internationalen Fürsprecher feierten am 15. Mai den Gedenktag der Nakba. Ebenso, wie der Jerusalemer Mufti Hajj Amin al-Husseini – von den frühen 1920er bis in die späten 1940er Jahre Führer der palästinensischen Araber – in seinem Hauptquartier im Zweiten Weltkrieg in Berlin mit notorischer Regelmässigkeit die Balfour-Deklaration verurteilte, um sich bei seinen Nazi-Herren einzuschmeicheln, wurde der 15. Mai, der Tag an dem das britische Mandat endete und der Staat Israel entstand, der Tag, an dem die Palästinenser Jahr für Jahr ihrer selbstverursachten „Katastrophe“ (oder Nakba) gedenken.

Niemand kann das palästinensische Flüchtlingsproblem ignorieren. Zugleich spricht jedoch auch niemand von der noch grösseren Zahl von Juden, die nach der Gründung des Staates Israel aus den arabischen Ländern vertrieben wurden. Nachdem ihre Absicht den neugegründeten jüdischen Staat mit Waffengewalt abzuschaffen, gescheitert war, rächten sich diese Staaten an ihren eigenen jüdischen Gemeinschaften, von denen einige im 7. Jahrhundert v. Chr. also schon lange vor der arabisch/muslimischen Eroberung, in diesen Ländern lebten.

„900.000 Juden wurden gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen“

Rund 900.000 Juden aus arabischen Staaten wurden gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen und ihr Besitz wurde kurzerhand enteignet. In einigen dieser Länder – in erster Linie Ägypten und dem Irak – schätzt man heute die Höhe dieses gestohlenen Besitzes auf Hunderte Milliarden Dollar. Dazu zählen viele Gebäude und Hunderte herrlicher Synagogen, Unternehmen und Privatvermögen, die ausschliesslich aus dem Grund konfisziert wurden, weil ihre Eigentümer Juden waren.

Diese Juden wurden vertrieben und/oder waren gezwungen aus ihren Heimatländern zu fliehen, weil sie um ihr Leben fürchten mussten. Sie wurden verfolgt und wurden Opfer von Pogromen, obwohl sie ihren arabischen Mitbürgern in keiner Weise Schaden zugefügt hatten – im Gegensatz zu den palästinensischen Flüchtlingen, die im Zuge des Vernichtungskrieges flohen, den ihre eigenen Anführer und die arabischen Regimes angezettelt hatten.

Im Rahmen des jüngsten Gipfels der Arabischen Liga wurde die arabische Friedensinitiative von 2002 wiederbelebt. Sie bietet Israel eine Normalisierung der Beziehungen mit den arabischen und muslimischen Staaten – als Gegenleitung für den Rückzug aus Judäa und Samarien und die Gründung eines palästinensischen Staats mit Jerusalem als dessen Hauptstadt.

Es ist nicht weiter verwunderlich, dass die bei dem Gipfeltreffen abgegebene Erklärung ausschliesslich Zugeständnisse seitens Israels verlangt. Wenn sich jedoch Israel dafür entscheiden sollte, auf Grundlage dieses Plans an Friedensgesprächen teilzunehmen, muss es eine explizite Entschuldigung von den arabischen Staaten verlangen, die ihre jüdischen Bürger im Zuge des Konflikts vertrieben haben. Weiterhin muss Israel darauf bestehen, dass diese Juden für den Verlust ihrer Besitztümer und für das mit ihrer Vertreibung verbundene Leid entschädigt werden.

Im Laufe der Geschichte haben zahllose Völker dem jüdischen Volk hart zugesetzt. Einige haben sich dafür entschuldigt und einige haben sogar Sühne für ihre Missetaten geleistet. So haben sich beispielsweise die Portugiesen und die Spanier für ihre Verfolgung der Juden entschuldigt und bieten heute allen Juden, deren Familien aus diesen Ländern vertrieben wurden – zurückreichend bis zur Vertreibung der Juden im Jahr 1492 – Ausweispapiere für ihre jeweiligen Länder an. Die Deutschen, die ein Drittel des jüdischen Volks vernichteten, haben sich entschuldigt, eine Vereinbarung zur Leistung von Reparationszahlungen mit dem Staat Israel unterzeichnet und einer Vielzahl von Holocaust-Überlebenden Entschädigungsgelder gezahlt.

Im Gegensatz dazu sind die arabischen Staaten nicht nur nicht willens, Entschädigungen an die von ihnen vertriebenen Juden zu zahlen, vielmehr weigern sie sich vor allen Dingen, diese Gräueltat überhaupt zuzugeben. Es ist an der Zeit, dass diese Länder und ihre Staatsoberhäupter sich ihre Vergehen eingestehen, sich für diese Ungerechtigkeit entschuldigen und die, deren Besitz sie widerrechtlich gestohlen haben, entschädigen.

Israel kann dazu beitragen, eine historische Ungerechtigkeit wiedergutzumachen, wenn es unmissverständlich klar macht, dass es keine Vereinbarung zur Beendigung des Konflikts mit den Palästinensern und/oder den arabischen Staaten treffen wird, solange die Frage der jüdischen Flüchtlinge und deren in den arabischen Ländern geraubtem Eigentum gelöst ist.

Als Staat des jüdischen Volkes hat Israel die höchste moralische Verpflichtung – einhergehend mit einem in internationalem Recht verankerten Anspruch – von den arabischen Staaten zu verlangen, ihre ehemaligen jüdischen Bürger für das ihnen unrechtmässigerweise entrissene Vermögen und Grundeigentum zu entschädigen.

Leider haben alle bisherigen israelischen Regierungen dieses Thema bislang ignoriert. Man kann nur hoffen, dass die aktuelle sowie künftige Regierungen so bald wie möglich zur Besinnung kommen. Denn solange es keine Gerechtigkeit für die jüdischen Flüchtlinge aus arabischen Staaten gibt, solange ist auch keine Lösung für die palästinensische Flüchtlingsfrage möglich.

Dr. Edy Cohen ist Autor des Buchs „The Holocaust in the Eyes of Mahmoud Abbas„. Auf Englisch zuerst erschienen bei BESA Begin Sadat Center for Strategic Studies.

Diesen Beitrag teilen
  • 4
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

1 KOMMENTAR

  1. Ja, genau das bedeutet es, wenn man sagt: „Auf Augenhöhe verhandeln!“

    Viele Juden wurden ermordet, anderen alles abgenommen
    – eine Entschädigung ist unter solchen Umständen nicht mehr möglich,
    da die individuellen Ansprüche nicht mehr nachgewiesen werden können,
    bzw. nur noch in Einzelfällen.

    Was nicht bedeutet, dass damit auch alle Ansprüche des Staates Israel für seine
    ehemals ermordeten oder vertriebenen Juden hinfällig wären
    – im Rahmen bilateraler Verträge mag es zu einer Einigung kommen.
    Eines sehr fernen Tages!

Comments are closed.