Foto Facebook / Khan Abu Khadija
Foto Facebook / Khan Abu Khadija
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Das Zentrum, das unter dem Namen „Khan Abu Khadija“ bekannt ist, wurde von der türkischen staatlichen Hilfsorganisation TİKA renoviert, die in den letzten Jahren stark in Ostjerusalem investiert hat.

von Nadav Shragai und Yori Yalon

Während Israel, die Vereinigten Staaten, Saudi-Arabien und Jordanien Gespräche über die Aufnahme saudischer Vertreter in die islamische Waqf führen, die das Gelände des Tempelbergs verwaltet, tauchen neue Einzelheiten über ein islamisches Zentrum in der Nähe des Tempelberges und der Klagemauer auf, das laut Berichten von der Türkei finanziert wird.

Einem neuen Bericht eines Jerusalemer Think-Tanks zufolge ist das Zentrum unter dem Namen „Khan Abu Khadija“ bekannt. Das Gebäude wurde von der türkischen staatlichen Hilfsorganisation TİKA renoviert, die in den letzten Jahren stark in Ostjerusalem investiert hat, um den Einfluss der Türkei dort zu vergrössern. TİKA, das Türkische Präsidium für Internationale Kooperation und Koordination (türkisch Türk İşbirliği ve Koordinasyon Ajansı Başkanlığı) ist die staatliche Entwicklungshilfeorganisation der Türkei mit Dienstsitz in Ankara. Sie ist in über 150 Ländern mit 56 Auslandsvertretungen aktiv.

Das neue Zentrum beherbergt arabische Touristen in Ostjerusalem, darunter auch solche mit Verbindungen zur Muslimbruderschaft und zur Türkei. TİKA hat offenbar Geld zur Verfügung gestellt, damit Zehntausende von arabischen Besuchern aus Galiläa und der Dreiecksregion der arabischen Städte östlich von Netanya zur Al-Aqsa-Moschee pendeln können.

Im Zentrum sind Studienführer über das „wahre Erbe“ Jerusalems und der Al-Aqsa-Moschee ausgestellt, von denen einige von TİKA herausgegeben wurden, sowie Flaggen der PLO und der Türkei und Bilder, welche die Aktivitäten von Daʿwa (missionarische Aktivität, die den Menschen den Islam näher bringen will) im Namen der palästinensischen Einwohner Jerusalems dokumentieren.

Das Zentrum zeigt auch Bilder des osmanischen Sultans Abdul Hamid II., der des Völkermords am armenischen Volk beschuldigt wurde und ein entschiedener Gegner der Vision Theodor Herzls von einem jüdischen Staat war, sowie Bilder des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Das Zentrum zeigt regelmässig einen Film, der Ausschnitte einer Rede von Erdoğan enthält, wobei der türkische Machthaber sich auf das „besetzte Jerusalem“ bezieht.

Video Khan Abu Khadija /Facebook

Vor einigen Jahren veröffentlichte der Direktor des Zentrums, Imad Abu Khadija, Social-Media-Beiträge, in denen er seine Solidarität mit dem Führer des inzwischen verbotenen nördlichen Zweigs der Islamischen Bewegung, Scheich Raed Salah, und seinem Stellvertreter Kamal Khatib bekundete. Khadija veröffentlichte auch eine Illustration des ehemaligen Hamas-Führers Scheich Ahmad Jassin und des ehemaligen PLO-Führers Jassir Arafat, die einen Teenager umarmen.

„Besatzungspest und Coronavirus-Pest“

Nach Ansicht des Nahost-Experten Dr. Mordechai Kedar ist das Zentrum ein weiteres Standbein für den „revolutionären Islam“ im Herzen Jerusalems. „Auf diese Weise kaufen sie sich die Öffentlichkeit mit einer dicken türkischen Umarmung – durch Geschäfte, Tourismus und Geld“, sagte Kedar.

«Das ‚Erbe‘, das an Orten wie dem Khan-Zentrum ausgestellt wird, versucht, die Gegenwart im Osten Jerusalems neu zu definieren. Das Khan-Zentrum ist, wie auch andere ähnliche Zentren, ein Ausdruck des Geistes der Koalition der Muslimbruderschaft unter Erdoğans Führung. Im Gegensatz dazu befinden sich andere schwächere muslimischen Institutionen in Ost Jerusalem auf dem Rückzug, so z.B. diejenigen Saudi Arabiens oder Jordaniens», fügte Kedar hinzu.

Die türkische Gruppe Unser Erbe, die aktiv versucht, die Präsenz der Türkei im Osten Jerusalems zu verstärken, hat vor kurzem eine Spendenkampagne für arabische Bewohner im Osten der Stadt unter dem Titel „Jerusalem leidet unter der Besatzungspest und der Coronavirus-Pest“ gestartet.

Zum Ende des islamischen heiligen Monats Ramadan Ende Mai verteilte Unser Erbe Lebensmittelpakete und Bargeld an die Bewohner Ostjerusalems. Die türkische Flagge ist auf allen in der Stadt aufgehängten Schildern und Plakaten an prominenter Stelle zu sehen. Unser Erbe hat auch berichtet, dass es in Zusammenarbeit mit der türkischen Kanaler-Stiftung die Renovierung eines Hauses in der Altstadt abgeschlossen hat.

Maor Tzemach, Vorsitzender der Organisation Lach, Yerushalayim („Für dich, Jerusalem“), sagte: „Israel muss die Aktivitäten von Unser Erbe in Ostjerusalem stoppen. Die Aktivitäten der türkischen Gruppe zielen darauf ab, die israelische Souveränität in der Stadt und die Einheit Jerusalems zu zerstören.“ Tzemach forderte ausserdem die Entscheidungsträger auf, „der Türkei nicht zu gestatten, das zivile gesellschaftliche Leben in Jerusalem an sich zu reissen.“

Auf Englisch zuerst erschienen bei Israel Hayom. Übersetzung Audiatur-Online.

1 KOMMENTAR

  1. Die Nähe des „Zentrums“ zur Klagemauer dürfte auch der Versuch sein, bei möglichen zukünftigen Auseinandersetzungen einen leichteren Vorwand zu haben, den „bedrohten“ Glaubensbrüdern zu Hilfe eilen zu können. Für den türkischen Despoten ist es überdies eine weitere Möglichkeit, inländische Konflikte mit dem beliebten Verweis auf „äußere Feinde“ zu unterdrücken und zu seinem Nutzen kanalisieren zu können.

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