Am 29. November 1947 feierte der Yishuv – die Juden in Palästina – die Resolution der UN-Generalversammlung zur Teilung des britischen Mandatsgebiets Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat.

 

Doch David Ben-Gurion, der Vorsitzende der Jewish Agency, wusste, dass kein Land der Welt den Teilungsplan gegen die Waffengewalt der Araber durchsetzen würde. Er wusste ebenfalls, dass der Yishuv es bald nicht nur mit den Überfällen bewaffneter arabischer Banden zu tun haben würde – die Ende 1947 alltäglich waren –, sondern mit Armeen, die über Panzer, Flugzeuge und Artillerie verfügten. Ende November rief er Ehud Avriel in sein Büro, der für Waffenkäufe in Europa zuständig war, und sagte zu ihm: „Wir müssen unsere Taktik ändern.“ Es sei nicht ausreichend, weiter wahllos irgendwelche Waffen ins Land zu schmuggeln. Wie überliefert ist, soll Ben-Gurion einen zusammengefalteten Zettel aus seiner Hemdtasche gezogen haben, auf dem stand, was er wünschte: 10.000 Gewehre, 2,5 Millionen Patronen, 500 Maschinenpistolen, 100 Maschinengewehre. Das zu beschaffen, war nicht leicht; die Vereinigten Staaten hatten ein Waffenembargo gegen die ganze Region verhängt, das vor allem die traf, die noch keine Waffen hatten: die Juden. In der Tschechoslowakei liessen sich – mit Stalins Einverständnis – Waffen besorgen, doch wie sollten sie bezahlt werden? Das Geld konnte nur von Juden aus der Diaspora – aus Amerika – kommen.

Der bei der Jewish Agency für Finanzen zuständige Eliezer Kaplan wurde entsandt, in den USA Spenden in Höhe von sieben Millionen Dollar zu sammeln. Anfang Januar 1948 kehrte er zurück – mit leeren Händen. Bei einem Treffen der Jewish Agency in Tel Aviv erklärte er, es sei nicht möglich gewesen; die amerikanischen Juden hätten das Gefühl, während des Krieges und danach bereits genug gegeben zu haben.

Ben-Gurion „brodelte“, erinnerte sich Golda Meyerson (später Golda Meir), die Vorsitzende der politischen Abteilung der Jewish Agency, später. Ben-Gurion erklärte, er werde selbst in die Vereinigten Staaten reisen. Oft hat Golda Meir später erzählt, was sie daraufhin zu ihm sagte: „Was du hier tun kannst, kann ich nicht tun, aber was du in den Vereinigten Staaten tun kannst, kann ich tun.“ Es wurde abgestimmt. Am 13. Januar schrieb Ben-Gurion in sein Tagebuch: „Es wurde beschlossen, dass Golda nach Amerika reist.“

In ihrer kürzlich erschienenen Biografie Golda Meirs kommentiert Francine Klagsbrun: Meirs eigener späteren Erinnerung nach sei sie unverzüglich nach Amerika gereist, ohne vorher auch nur in ihre Wohnung in Jerusalem zurückzukehren, um sich umzuziehen und einen Koffer zu packen. „In Wirklichkeit“, so Klagsbrun, „reiste sie nicht vor dem 22. Januar ab, neun Tage später. Sie war lange genug in Palästina, um von dem Gemetzel an 35 Haganah-Männern zu erfahren, die meisten von ihnen Studenten der Hebrew University aus prominenten Familien des Yishuv.“ Arabische Kräfte hatten die Strasse zum Etzion-Block, einer Gruppe von Siedlungen südlich von Jerusalem, abgeschnitten, und die jungen Männer machten sich zu Fuss auf den Weg, durch die Hügel, um die Strasse zu umgehen und die eingekesselten Menschen mit Proviant zu versorgen. Ein arabischer Schafhirte bemerkte sie, rasch wurden sie von Hunderten Dorfbewohnern angegriffen. Der Kampf dauerte sieben Stunden. Als der letzte Mann tot war, verstümmelten die Araber die Leichen. „Das Gemetzel an den jungen Männern war ein schwerer Schlag für den Yishuv“, so Klagsbrun, Verzweiflung und Pessimismus machten sich breit. „In Jerusalem traf Golda die schmerzgeplagten Eltern, teilte ihre Trauer und ihre Tränen. Sie würde die Geschichte mit sich in die Vereinigten Staaten tragen.“

Goldas Familie war 1906 von der Ukraine in die USA ausgewandert. Ihre Schwester Clara lebte 1948 in Bridgeport, Connecticut und war dort Vorsitzende des Wohltätigkeitsvereins Jewish Federation. Sie begrüsste Golda in den USA und schlug ihr vor, eine Rede vor dem Dachverband, dem Council of Jewish Federations and Welfare Funds, zu halten, der für Ende Januar eine Veranstaltung im Sheraton-Hotel in Chicago geplant hatte, zu der zahlreiche Mäzene erwartet wurden. Es gelang, Golda kurzfristig Redezeit am 25. Januar einzuräumen. „Sie hielt ihre Rede ohne Notizen“, schreibt Klagsbrun, „die von ihr favorisierte Form der öffentlichen Rede.“

  • Die Rede

„Ich hatte das Privileg, das Judentum Palästinas in diesem Land und in anderen Ländern zu repräsentieren, als die Probleme, denen wir gegenüberstanden, derart waren, mehr Kibbuzim zu bauen und mehr Juden ins Land zu bringen, trotz der politischen Hindernisse und der arabischen Gewaltausbrüche. Wir hatten immer das Vertrauen, dass wir am Ende gewinnen würden, dass alles, was wir in dem Land tun, zur Unabhängigkeit des jüdischen Volkes und zu einem jüdischen Staat führen würde.

Lange, bevor wir es gewagt hatten, dieses Wort auszusprechen, wussten wir, was auf uns wartete. Heute haben wir einen Punkt erreicht, wo die Nationen der Welt uns ihre Entscheidung gegeben haben – die Gründung eines jüdischen Staates in einem Teil Palästinas. Jetzt kämpfen wir in Palästina, um die Resolution der Vereinten Nationen Wirklichkeit werden zu lassen, nicht, weil wir hätten kämpfen wollen. Wenn wir die Wahl gehabt hätten, hätten wir Frieden gewählt, um in Frieden zu bauen.

„Der Mufti und seine Männer haben uns den Krieg erklärt.“

Wir haben keine Alternative

Freunde, wir haben in Palästina keine Alternative. Der Mufti und seine Männer haben uns den Krieg erklärt. Wir müssen um unser Leben kämpfen, um unsere Sicherheit und für das, was wir in Palästina erreicht haben, und vielleicht mehr als alles andere müssen wir für die jüdische Ehre und jüdische Unabhängigkeit kämpfen. Ohne Übertreibung kann ich euch sagen, dass die jüdische Gemeinschaft in Palästina dies gut macht. Viele von euch haben Palästina besucht; ihr alle habt von unseren jungen Leuten gelesen und habt eine Vorstellung davon, wie unsere Jugend ist. Ich kenne diese Generation seit 27 Jahren. Ich dachte, ich würde sie kennen. Jetzt erkenne ich, dass nicht einmal ich sie kannte.

Die jungen Knaben und Mädchen, viele von ihnen Teenager, tragen die Last dessen, was in unserem Land geschieht, mit einem Geist, den Worte nicht beschreiben können. Ihr seht diese Jugendlichen in offenen Autos – nicht in gepanzerten Fahrzeugen – in Konvois, die von Tel Aviv nach Jerusalem fahren, im Wissen, dass jedes Mal, wenn sie von Tel Aviv oder Jerusalem losfahren, wahrscheinlich Araber hinter den Orangenhainen oder den Hügeln sind, die darauf warten, den Konvoi aus dem Hinterhalt zu überfallen.

Diese Jungen und Mädchen haben die Aufgabe, Juden in Sicherheit über diese Strassen zu begleiten mit einer Selbstverständlichkeit akzeptiert, als wenn sie zu ihrer täglichen Arbeit oder einem Seminar an der Universität gehen würden.

Wir müssen die Juden überall auf der Welt auffordern, uns als die Frontlinie zu betrachten.

Alles, was wir von den Juden überall auf der Welt, und vor allem von denen in den Vereinigten Staaten, verlangen, ist, uns die Möglichkeit zu geben, unseren Kampf fortzusetzen.

Als die Probleme anfingen, forderten wir alle jungen Leute im Alter zwischen 17 und 25, die keine Mitglieder der Haganah waren, auf, sich freiwillig zu melden. Bis Donnerstagmorgen, als ich aus dem Haus ging, während die Registrierung dieser Altersgruppe immer noch im Gange war, hatten sich 20.000 junge Männer und Frauen gemeldet. Derzeit haben wir rund 9.000 Menschen in verschiedenen Teilen des Landes mobilisiert. Wir müssen diese Zahl innerhalb der nächsten Tage verdreifachen.

Wir müssen diese Männer versorgen. Keine Regierung schickt ihre Soldaten an die Front und erwartet, dass sie die allernötigsten Dinge wie Bettdecken, Bettwäsche und Kleidung von zu Hause mitnehmen.

Ein Volk, das um das schiere Überleben kämpft, weiss, wie es die Männer versorgt, die es an die Front schickt. Wir müssen das auch.

Fünfunddreissig unserer Jungs haben sich, weil sie nicht mit dem Auto in das belagerte Kfar Etzion fahren konnten, um Hilfe zu bringen, zu Fuss auf den Weg durch die Hügel gemacht; sie kannten die Strasse, die arabischen Dörfer auf dem Weg und die Gefahr, der sie sich auszusetzen hätten. In dieser Gruppe waren einige der grossartigsten Jugendlichen, die wie im Land haben, und sie alle wurden getötet, jeder von ihnen. Wir haben die Schilderung eines Arabers, wie sie bis zum Ende gekämpft haben, über sieben Stunden, gegen Hunderte von Arabern. Laut diesem Araber wurde der letzte Junge getötet, als keine Munition mehr übrig war, er starb mit einem Stein in seiner Hand.

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Wir werden bis zum Ende kämpfen

Ich will euch sagen, Freunde, dass die jüdische Gemeinschaft in Palästina bis ganz zum Ende kämpfen wird. Wenn wir Waffen haben, mit denen wir kämpfen können, werden wir mit ihnen kämpfen, und wenn nicht, werden wir mit Steinen in unseren Händen kämpfen.

Ich will, dass ihr mir glaubt, wenn ich sage, dass ich heute in dieser besonderen Mission in die Vereinigten Staaten nicht gekommen bin, um 700.000 Juden zu retten. Während der letzten Jahre hat das jüdische Volk sechs Millionen Juden verloren, und es wäre dreist von uns, dem jüdischen Volk überall auf der Welt Sorgen zu bereiten, weil ein paar Hunderttausend Juden mehr in Gefahr wären. Darum geht es nicht.

Es geht darum, dass wenn diese 700.000 Juden in Palästina am Leben bleiben können, das jüdische Volk als solches lebt und die jüdische Unabhängigkeit gesichert ist. Wenn diese 700.000 Menschen getötet werden, dann sind wir für viele Jahrhunderte lang durch mit dem Traum von einem jüdischen Volk und einer jüdischen Heimat.

Meine Freunde, wir sind im Krieg. Es gibt in Palästina keinen Juden, der nicht glaubt, dass wir am Ende siegreich sein werden. Das ist der Geist des Landes. Wir kennen arabische Gewaltausbrüche seit 1921 und `29 und `36. Wir wissen, was mit den Juden Europas im letzten Krieg geschehen ist. Und jeder Jude im Land weiss auch, dass innerhalb weniger Monate ein jüdischer Staat in Palästina gegründet werden wird.

Wir wussten, dass der Preis, den wir würden zu zahlen haben, die Besten unseres Volkes sein würde. Über 300 wurden bis jetzt getötet. Es werden mehr werden. Es gibt keinen Zweifel daran, dass es mehr werden. Aber es gibt auch keinen Zweifel daran, dass der Geist unserer jungen Leute so beschaffen ist, dass egal wie viele Araber in das Land einmarschieren werden, ihr Geist nicht wanken wird. Jedoch kann dieser tapfere Geist allein es nicht mit Gewehren und Maschinengewehren aufnehmen. Gewehre und Maschinengewehre ohne Geist sind nicht viel wert, doch Geist ohne Waffen kann früher oder später mit dem Körper gebrochen werden.

Vieles muss nun vorbereitet werden, damit wir aushalten können. Es gibt unbegrenzte Möglichkeiten, doch werden wir die notwendigen Mittel erhalten? Da ich mich nicht als Gast betrachte, sondern als einer von euch, sage ich, dass die Frage, die vor jedem einzelnen liegt, einfach die ist, ob der Yishuv und die Jugendlichen, die an der Frontlinie sind, scheitern werden, weil Geld, das Palästina heute erreichen sollte, es erst in ein oder zwei Monaten erreicht.

Ist es möglich, dass die Zeit die Angelegenheit entscheidet, nicht weil die palästinensischen Juden Feiglinge wären, nicht weil sie unfähig wären, sondern allein deshalb, weil es ihnen an den nötigen materiellen Mitteln fehlte, um weiterzumachen?

Ich muss in die Vereinigten Staaten kommen und ich hoffe, ihr werdet mich verstehen, wenn ich sage, dass es kein Leichtes für irgendeinen von uns ist, momentan von zu Hause wegzugehen – zu meinem Leid bin ich nicht an der Frontlinie. Ich bin nicht bei meiner Tochter im Negev oder bei unseren Söhnen und Töchtern in den Gräben. Doch ich habe einen Job zu erledigen.

Ich bin hierhergekommen, um zu versuchen, die Juden in den Vereinigten Staaten mit der Tatsache zu beeindrucken, dass wir innerhalb einer kurzen Frist, wenigen Wochen, einen Geldbetrag in Höhe von 25 bis 35 Millionen Dollar haben müssen. In den nächsten zwei bis drei Wochen können wir uns einrichten. Davon sind wir überzeugt, und ihr müsst Vertrauen haben; wir sind sicher, dass wir weitermachen können.

Ich sagte bereits, dass der Yishuv geben wird, gibt, was er an Mitteln hat. Doch bitte erinnert euch, dass selbst während das Schiessen im Gange ist, wir weitermachen müssen, damit unsere Wirtschaft intakt bleibt. Unsere Fabriken müssen weiterlaufen. Unsere Siedlungen dürfen nicht abgerissen werden.

Wir wissen, dass diese Schlacht geschlagen wird für diejenigen, die noch nicht im Land sind.

30.000 Juden sind gleich neben Palästina auf Zypern interniert. Ich glaube, dass innerhalb einer sehr kurzen Frist, längstens innerhalb der nächsten zwei oder drei Monate, diese 30.000 bei uns sein werden, unter ihnen Tausende von Babys und Kleinkindern. Wir müssen jetzt daran denken, wie wir die Mittel vorbereiten, um sie aufzunehmen. Wir wissen, dass in sehr naher Zukunft Hunderte oder Tausende weitere ankommen werden. Wir müssen zusehen, dass unsere Wirtschaft intakt ist.

Ich will, dass ihr versteht, dass es im Yishuv keine Verzweiflung gibt. Das gilt nicht nur für die jungen Leute. Ich bin ziemlich oft auf der Strasse von Tel Aviv nach Jerusalem und auf anderen Strassen gereist. Ich habe diese gefährlichen Busse gesehen, die nicht nur mit jungen Haganah-Männern und -Mädchen gefüllt sind, sondern mit alten Leuten, die ganz selbstverständlich auf diesen Strassen unterwegs sind.

Wenn ihr jetzt nach Tel Aviv kommt, werdet ihr die Stadt voller Leben finden; nur die Schüsse, die man in den Aussenbezirken von Tel Aviv und Jaffa hört, erinnern einen daran, dass die Situation im Land nicht normal ist. Doch es wäre ein Verbrechen meinerseits, wenn ich euch die Situation nicht genauso beschreiben würde, wie sie ist.

Allein mit unseren zehn Fingern und allein mit unserem Geist und Opferbereitschaft können wir diese Schlacht nicht weiterführen, und das einzige Hinterland, das wir haben, seid ihr. Der Mufti hat die arabischen Staaten – nicht alle von ihnen sind enthusiastisch, ihm zu helfen, doch es sind Staaten mit Regierungshaushalten. Die ägyptische Regierung kann einen Haushalt beschliessen, um unseren Widersachern zu helfen. Die syrische Regierung kann das gleiche.

Wir haben keine Regierung, doch wir haben Millionen von Juden in der Diaspora

Wir haben keine Regierung, doch wir haben Millionen von Juden in der Diaspora, und genauso, wie ich Vertrauen in unsere Jugendlichen in Palästina habe, habe ich Vertrauen in die Juden in den Vereinigten Staaten; ich glaube, dass sie die Gefahr unserer Situation begreifen werden und tun werden, was sie zu tun haben.

Ich weiss, dass wir nicht etwas Leichtes verlangen. Ich war selbst manchmal aktiv bei verschiedenen Kampagnen und Spendensammlungen, und ich weiss, dass es nicht einfach ist, auf einen Schlag eine Summe zu sammeln, wie ich sie fordere.

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Doch ich habe unsere Leute zu Hause gesehen. Ich habe gesehen, wie sie aus den Büros zu den Krankenhäusern gekommen sind, als wir sie dazu aufgerufen haben, Blut für die Blutbank zu spenden, um die Verwundeten zu behandeln. Ich habe gesehen, wie sie stundenlang Schlange standen, gewartet haben, damit etwas von ihrem Blut zu dieser Bank hinzugefügt werden kann.

Es ist Blut plus Geld, das in Palästina gegeben wird.

Ich weiss, dass viele von euch ebenso bestrebt sind wie unsere Leute, ganz vorne an der Frontlinie zu sein. Ich habe keinen Zweifel, dass es in der jüdischen Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten viele junge Leute gibt, die genau dasselbe tun würden, was unsere jungen Leute in Palästina tun. Wir sind nicht von einem besseren Schlag; wir sind nicht die besten Juden des jüdischen Volkes. Es hat sich so ergeben, dass wir dort sind und ihr hier. Ich bin sicher, dass wenn ihr in Palästina wärt und wir hier in den Vereinigten Staaten, ihr das tun würdet, was wir dort tun und ihr uns bitten würdet, hier das zu tun, was ihr werdet tun müssen.

Ich möchte schliessen, indem ich eine der grössten Reden paraphrasiere, die während des Zweiten Weltkriegs gehalten worden sind – die Worte von Churchill.

Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass der Yishuv in Palästina im Negev kämpfen und in Galiläa kämpfen und in den Aussenbezirken Jerusalems kämpfen wird bis ganz zum Ende. Ihr könnt nicht entscheiden, ob wir kämpfen sollen oder nicht. Wir werden. Die jüdische Gemeinschaft in Palästina wird vor dem Mufti nicht die weisse Flagge hissen. Die Entscheidung ist gefallen. Niemand kann sie ändern. Ihr könnt nur über eine Sache entscheiden: ob wir in diesem Kampf siegreich sein sollen oder ob der Mufti siegreich sein wird. Diese Entscheidung können die amerikanischen Juden treffen. Sie muss rasch entschieden werden, innerhalb von Stunden, innerhalb von Tagen.

Und ich flehe euch an – seid nicht zu spät. Bereut nicht in drei Monaten bitter das, was zu tun ihr heute versäumt. Der Zeitpunkt ist jetzt.

Ich habe zu euch ohne ein Körnchen von Übertreibung gesprochen. Ich habe nicht versucht, das Bild in falschen Farben zu malen. Es besteht aus dem Geist und der Gewissheit unseres Siegs auf der einen Seite und düsterer Notwendigkeit, die Schlacht fortzusetzen auf der anderen.

Ich möchte euch noch einmal dafür danken, mir die Möglichkeit gegeben zu haben, auf einer Konferenz, von der ich sicher bin, dass sie eine volle Tagesordnung hat, diese wenigen Worte an euch zu richten. Ich verlasse die Bühne ohne irgendeinen Zweifel in meinem Kopf oder meinem Herzen, dass die Entscheidung, die von den amerikanischen Juden getroffen werden wird, dieselbe sein wird wie die, die die jüdische Gemeinschaft in Palästina getroffen hat, so dass wir in einigen Monaten nicht nur an der Freude über den Beschluss zur Gründung eines jüdischen Staats werden teilhaben können, sondern an der Freude darüber, den Grundstein eines jüdischen Staates zu legen.“

„Die normalen Geräusche einer Menschenmenge erlahmten.“

  • Die Wirkung der Rede

Die Wirkung der Rede beschreibt Francis Klagsbrun so: „Die Rede dauerte 35 Minuten. ‚Die normalen Geräusche einer Menschenmenge erlahmten’, heisst es in einem zeitgenössischen Bericht. Als sie geendet hatte, stand das Publikum auf, einige Leute weinten offen, während sie applaudierten. […] In ihrem einfarbigen dunklen Kleid, ohne ein Körnchen Make-up, ihr Haar streng in der Mitte gescheitelt und eng zurückgebunden, wirkte sie wie eine Frau aus der Bibel. Einige staunten über ihr ‚Genie’, darüber, dass sie ohne einen vorbereiteten Text redete. […] In jeder Hinsicht war Chicago ein Triumph; ihre Rede eine der besten ihres Lebens.“

Von Chicago aus bereist Meir weitere Grossstädte im ganzen Land, hielt Reden vor jüdischen Organisationen und sammelte Geld. Als sie am 19. März 1948 nach Palästina zurückkehrte, hatte sie nicht sieben Millionen, 25 Millionen oder 35 Millionen Dollar an Spenden gesammelt, sondern 50 Millionen. Bei ihrer Rückkehr sagte ihr Ben-Gurion: „Eines Tages, wenn die Geschichte geschrieben werden wird, wird man sagen, dass es da eine jüdische Frau gab, die das Geld gefunden hat, das die Gründung des Staates möglich machte.“

Über Stefan Frank

Stefan Frank ist freischaffender Publizist und lebt an der deutschen Nordseeküste. Er schreibt regelmässig über Antisemitismus und andere gesellschaftspolitische Themen, u.a. für die „Achse des Guten“, „Factum“, das Gatestone Institute, die „Jüdische Rundschau“ und „Lizas Welt“. Zwischen 2007 und 2012 veröffentlichte er drei Bücher über die Finanz- und Schuldenkrise, zuletzt "Kreditinferno. Ewige Schuldenkrise und monetäres Chaos."

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