Wochenkommentar von Giuseppe Gracia: Corona und Antisemitismus

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Aktuelle Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass die Corona-Pandemie zu einer Zunahme an Antisemitismus geführt hat. Nicht nur auf Social-Media-Plattformen, sondern teilweise auch an Demonstrationen. Bereist existierende antijüdische Narrative werden neu verpackt und die Juden indirekt oder direkt für die Pandemie verantwortlich gemacht. Giuseppe Gracia hat sich dazu Gedanken gemacht und bittet um Abrüstung und Zurückhaltung von allen Seiten.

Über Giuseppe Gracia

Giuseppe Gracia (54) ist Schriftsteller, Publizist und Kommunikationsberater. Sein neuer Roman „Glorias Finale“ ist erschienen bei Nagel & Kimche, Zürich

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1 KOMMENTAR

  1. Danke, Herr Gracia, für diesen differenzierten Blick auf die Problematik. Eine Befürchtung von Ihnen würde ich allerdings gerne relativieren und geraderücken. Sie sagen, dass der Antisemitismus in Deutschland ansteigen würde, und da widerspreche ich ihnen nicht. Wo ich allerdings einen anderen Eindruck habe, ist der Ort und die Gesellschaftsgruppe, in der diese Ressentiments zunehmen. Ich hatte ebenfalls die Befürchtung, dass es auf den sog. Corona-Demos sein könnte, und in manchen Foren fand ich auch tatsächlich Leute, wo das unbestritten der Fall ist. Doch auch dort unterscheiden die Verschwörunhgstheoretiker zwischen dem „Reichen Juden“ und „dem Juden“. Immerhin. Ihr Feindbild sind nicht die Juden, es sind die Reichen, die oberen 10 000 dieser Welt, unter denen nun mal auch einige Juden sind. Ausnahmen bestätigen die Regel. Dass diese Machtelite kooperiert, ist keine Verschwörungstheorie, sondern ein Fakt, den Sie in dem Buch „The Great Reset“ nachlesen können, falls an Ihnen die letzten 50 Jahre WEF spurlos vorbeigegangen sein sollten. Jetzt ist es ein Leichtes, unter den Verschwörungstheoretikern Diejenigen anzugreifen, welche die „Jüdische Weltverschwörung“ als Grund allen Übels sehen, doch es ist eigentlich ein biliger Trick, denn diese Leute stellen nicht einmal in dieser Gruppe die Mehrheit, sondern sind allenfalls eine Randerscheinung. Greift man sich jedoch genau Diese heraus und macht sie lächerlich, muss man sich mit den Vorwürfen der Übrigen gar nicht erst beschäftigen. So Läuft Framing und Kontaktschuld.
    Auf den Demos, die ich bisher besucht habe, habe ich solche Leute im Gegenteil gar nicht getroffen, was nicht heißen soll, das sie dort nicht waren. Sie haben sich mir gegenüber vielleicht nur nicht zu erkennen gegeben. Ich habe andererseits noch nie so viele friedliche, tolerante und positive Menschen getroffen, wie eben auf diesen sogenannten Querdenker-Aufmärschen. Das einzige mal, wo ich eine Israelische Fahne gesehen habe, war die Trägerin selbst keine Jüdin, obwohl sie Jahre in Israel gelebt hat, mit ihrem jüdischen Mann. Als ich sie fragte, wieso sie diese Fahne denn zu einer Demo mitbringt, erklärte sie mir gegenüber, sie wäre nun schon auf mehreren Demonstrationen gewesen und hörte von ihrem Mann, der in Israel in einem jerusalemer Vorort lebt, dass dort die Grundrechte noch weit schlimer von der Regierung beschnitten würden wie hier.Sie schwenkte diese Fahne aus Solidarität mit den Menschen in Israel, und nicht, um das Land oder seine Bewohner zu diffamieren. Sie hatte auch nicht vor, sie später anzuzünden, wie wir es leider von anderen Demonstrationen in Deutschland in den letzten Jahren immer wieder sehen mussten.
    Lieber Herr Garcia, ich danke Ihnen für die Stimme gegen den Antisemitismus, und dass Sie diesen Kampf als aufrechter Katholik kämpfen macht Ihren Einsatz umso wertvoller. Aber ich befürchte, sie kämpfen ihn auf dem falschen Feld, in der Annahme, dass es genügen würde, sich aus der Presse und Rundfunk zu informieren, anstatt vor Ort. Für einen besseren Überblick kommen Sie wohl nicht umhin, selbst auf die Straße zu gehen und mit den Menschen zu reden, die Sie im Verdacht haben, antisemitisch zu sein. Wahrscheinlich werden Sie irgendwann sogar Jemanden finden, auf den Ihre Befürchtung zutrifft. Aber ich denke nicht, dass dies häufiger passieren wird, wie in der Kantine von VW, dem Warteflur des Arbeitsamtes oder dem Treffen eines angesehenen Golfclubs. Eher im Gegenteil. Zu ihrer eigenen Beruhigung sollten Sie den Ausflug einmal wagen.Er wird ihren Horizont sicher erweitern. Friedliche Grüße!

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