Unabhängigkeitserklärung durch David Ben Gurion, 14. Mai 1948. Foto PD
Unabhängigkeitserklärung durch David Ben Gurion, 14. Mai 1948. Foto PD

Am Donnerstag, dem 13. Mai 1948, inmitten der hektischen Vorbereitungen zur Ausrufung der Unabhängigkeit, setzten sich drei hochrangige Funktionäre zusammen und berieten über eine nebensächliche und doch wichtige Angelegenheit: die Selbstbezeichnung des israelischen Staates in der arabischen Sprache. Der nur eine Seite umfassende Bericht über ihre Diskussion ist äusserst aufschlussreich.

 

von Yaacov Lozowick

Die endgültige Entscheidung über die Ausrufung der Unabhängigkeit des jüdischen Staates war erst in der vorangegangenen Woche getroffen worden. Die Erklärung wurde für den 14. Mai angesetzt und sollte um Mitternacht zwischen dem 14. und dem 15. in Kraft treten. Erst am Tag zuvor, am 12. Mai, hatte man entschieden, den neuen Staat „Israel“ zu nennen. Weitere Optionen waren unter anderem Judäa oder Zion gewesen. Da viele Bewohner des neuen Staates Araber sein würden, musste natürlich noch entschieden werden, wie das Land in ihrer Sprache genannt werden sollte. Zwei der drei mit dieser Angelegenheit beauftragten Männer – David Remez und Bechor Shitrit – waren zukünftige Kabinettsmitglieder; dieses Thema erforderte die Aufmerksamkeit wichtiger Beamter.

Sie entschieden, dass der arabische Name des Landes wie der hebräische lauten sollte. Ihre Argumentation war dabei interessanter als das Ergebnis.

  1. Der Name sollte ausnahmslos in allen anderen Sprachen gleich sein.
  2. Der Name existierte bereits im Arabischen und würde leicht als solcher erkannt werden.
  3. Die Benennung in „Palästina“ würde vermutlich Anstoss erregen, da damit, dem Anschein nach, das gesamte Gebiet des Völkerbundsmandats Palästina eingeschlossen wäre.
  4. Palästina würde vermutlich der Name des anderen Staates sein, der nach dem Beschluss der Vereinten Nationen neben Israel entstehen sollte.

Der Ausschuss fügte dann noch zwei Kommentare hinzu. Zum einen könnte es auch negative Folgen für die in muslimischen Staaten lebenden Juden haben, wenn sie mit dem neuen Staat identifiziert würden. Der Ausschuss hatte in der Tat in Betracht gezogen, den neuen Staat „Zion“ zu nennen. Er verwarf dies jedoch wieder, da dadurch die Verbindung zwischen den Juden dieser Länder und dem Zionismus gestärkt und sie dadurch gefährdet würden.

Foto Screenshot archives.gov.il
Foto Screenshot archives.gov.il

Was lernen wir also aus diesem kurzen Dokument? Einen Tag vor der Erklärung der israelischen Unabhängigkeit gingen drei hochrangige Funktionäre von zwei grundsätzlichen Annahmen über die Welt aus, die sich schon bald als falsch erweisen würden.

Erstens: Die Araber im Völkerbundsmandat für Palästina würden kurz darauf ihren eigenen Staat ausrufen und ihn Palästina nennen.

Zweitens: Die Juden in der arabischen Welt, etwa eine Million Menschen, würden dort bleiben, wo sie sind.

Letzten Endes ist alles ganz anders gekommen.

Das eingescannte Dokument kann auf Seite 89 dieser Datei eingesehen werden.

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