UNESCO: Klagemauer ist (noch) keine Moschee

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Hamas auf dem Tempelberg im Dezember 2014. Foto Ohev Chadashot / Rotter.net

Wenn Algerien in die UN-Generalversammlung einen Resolutionsentwurf einbringen würde, der Israel anklagt, das Leben auf dem Mars vernichtet zu haben, würde diese Resolution automatisch mit dem Stimmenblock von 120 Ländern angenommen werden, sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu einmal.

von Stefan Frank

Dass die UNO und ihre Gremien zuverlässig und vorhersehbar auch die absurdesten Verurteilungen des jüdischen Staates abnicken, selbst wenn die Texte  – wie es fast immer der Fall ist – von einigen der übelsten Diktatoren der Welt verfasst wurden, hat die PLO bzw. Palästinensische Autonomiebehörde übermütig werden lassen. Zweimal ist sie in diesem Jahr auf internationalem Parkett mit diplomatischen Initiativen zur Dämonisierung Israels und der Juden gescheitert. Auf Anraten befreundeter Staaten, die etwas weniger realitätsblind sind als er selbst, musste Mahmoud Abbas Pläne aufgeben, die er und seine Leute als höchst wichtig dargestellt hatten. Der erste war das von Arafats langjährigem Mitarbeiter, Jibril Rajoub, forcierte Vorhaben, Israel aus der FIFA auszuschliessen. Daraus wurde nichts – ausserhalb islamischer Staaten dürfen Juden auch in Zukunft Fussball spielen.

Diese Woche scheiterte Abbas bei der für Bildung und Kultur zuständigen UN-Organisation UNESCO mit einem noch dreisteren Ansinnen: Er hatte die als Klagemauer, Westmauer oder Kotel bekannte westliche Umfassungsmauer des Tempelplatzes in Jerusalem international als Teil des Al-Aksa-Moschee-Komplexes anerkennen lassen wollen.

Dass er abblitzte, war eine Überraschung: Die UNESCO ist als stramm antiisraelisch bekannt. Vor genau fünf Jahren, Ende Oktober 2010, nahm ihr Exekutivkomitee mit 44 zu eins Stimmen ein Dokument an, das zwei der wichtigsten jüdischen Heiligtümer, die Höhle der Patriarchen in Hebron und Rachels Grab in der Nähe von Bethlehem, nicht nur als „Teil der besetzen Palästinensergebiete“ bezeichnete, sondern als „Moscheen“. 1 Die UNESCO war dann auch ein Jahr später die erste UN-Organisation, die den „Staat Palästina“ als vollwertiges Mitglied aufnahm.

Bei der jüngsten Sitzung des Exekutivkomitees, die am Dienstag und Mittwoch stattfand, wollte eine Reihe von arabischen Staaten – Algerien, Ägypten, Kuwait, Marokko, Tunesien und die Vereinigten Arabischen Emirate – einen Resolutionsentwurf einbringen, der die Westmauer ebenso zu einem islamischen Heiligtum umwidmen sollte, wie dies mit Rachels Grab und der Höhle der Patriarchen bereits geschehen ist. Der Schritt war für Dienstag erwartet worden, wurde dann auf Mittwoch verschoben und schliesslich abgesagt – offenbar aufgrund der Intervention von UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova, die ihr „Bedauern“ über den Vorschlag ausgedrückt hatte, der als eine „Änderung des Status der Altstadt von Jerusalem und ihrer Mauern“ betrachtet werden könne, was zu „weiteren Spannungen“ führen könne. 2

Eine Mauer, die vor 2000 Jahren, zur Zeit des zweiten Tempels – lange vor der Gründung des Islam – als Schutz für ebendiesen Tempel gebaut wurde und die seit Jahrhunderten als der wichtigste Ort des Gebets für Juden bekannt ist, zum Teil einer Moschee zu erklären, die erst 700 Jahre später auf dem Fundament des zerstörten Tempels errichtet wurde, war offenkundig zumindest den nichtislamischen Ländern in der UNESCO eine Spur zu dreist (da der moralische Zustand der Welt sich rapide verschlechtert, kann das freilich schon nächstes Jahr anders aussehen). Eingebracht und verabschiedet wurde dann schliesslich eine Resolution, die „bekräftigt“, dass Rachels Grab und das Grab der Patriarchen zu „Palästina“ gehören; zudem wurde Israel die Schuld an der jüngsten von Arabern verübten Mordwelle gegeben.

Das jüngste Theater bei der UNESCO ist Teil eines grösseren Zusammenhangs, der nicht nur Juden und Israelis beunruhigen sollte, sondern jeden Menschen: Es ist das Bestreben radikaler Kräfte in der islamischen Welt, jegliche nichtislamische Religion aus dem „Haus des Islam“ im Zuge einer umfassenden ethnischen und kulturellen Säuberung zu vertreiben.

Das wird klar, wenn man einen Blick auf die jüngere Geschichte der arabischen Länder wirft, auf das, was auf den Zusammenbruch der türkischen Kolonialherrschaft (Osmanisches Reich) und das kurze Intermezzo des britisch-französischen Kolonialismus folgte: Nach 1945 wurden die Juden aus den islamischen Ländern fast vollständig vertrieben, ihr Besitz konfisziert. Es begann die Schlacht um den einzigen Flecken Land im Nahen Osten, wo noch Juden leben konnten: Israel. Während dieser Kampf aus Sicht der radikalen Muslime ins Stocken geraten ist, gingen sie dazu über, nun auch die Christen und Angehörigen anderer Religionen zu vertreiben oder zu töten – und gleichzeitig Kulturdenkmäler zu vernichten: Die afghanischen Taliban sprengten 2001 die 1500 Jahre alten Buddha-Statuen von Bamiyan, der Islamische Staat vernichtet derzeit in seinem Herrschaftsgebiet Kirchen, jesidische Schreine oder antike Ruinen wie den Triumphbogen von Palmyra. Der letztere hat nicht einmal eine religiöse Bedeutung, er stört allein dadurch, dass er davon zeugt, dass es eine Zeit vor dem Islam gab.

Mahmoud Abbas legt wie schon sein Vorgänger Jassir Arafat denselben Fanatismus an den Tag. Die bekanntesten ihrer Geschichtsklitterungen lauten:

  • Der jüdische Tempel stand in Nablus
  • Es hat nie einen jüdischen Tempel gegeben
  • Die Al-Aksa-Moschee steht bereits seit Erschaffung der Welt an ihrem Ort
  • Die Palästinenser haben Jerusalem erbaut
  • Jesus war Palästinenser
  • Adam und Eva waren Palästinenser
  • Vor dem 19. Jahrhundert haben nie Juden in Palästina gelebt
  • Archäologische Funde, die eine jüdische Präsenz im Palästina des Altertums belegen, sind von den Zionisten platzierte Fälschungen.

Alle Christen der Welt müssten empört sein, weil die PLO/Palästinensische Autonomiebehörde damit sagt, dass auch die gesamte Bibel (Altes und Neues Testament) eine zionistische Fälschung sei. Doch die Kirchen schweigen seit jeher dazu, wie auch die Regierungen Europas und der USA. Tag für Tag wird den palästinensischen Arabern über die von Mahmoud Abbas kontrollierten Medien eingebläut, dass Juden nichts in Palästina zu suchen hätten. (Palestinian Media Watch sammelt die frappierendsten Beispiele: http://www.palwatch.org/main.aspx?fi=605 ). Ideen haben Konsequenzen. Dazu gehört das jüngste Messerpogrom ebenso wie die vorsätzliche Zerstörung jüdischer Heiligtümer – kürzlich zündeten arabische Palästinenser das Josefsgrab in Nablus an. Der palästinensische Journalist Bassam Tawil schreibt dazu (3):

„Während unsere Führer Tag und Nacht schreien, dass Juden in die Al-Aksa-Moschee ,eindringen’ und sie ‚entweihen’, werfen Palästinenser aus Bethlehem Steine, Benzinbomben und Sprengsätze auf Rachels Grab in der Nähe der Stadt. Das gibt es nun schon seit mehreren Jahren, man versucht, jüdische Gläubige ebenso zu töten wie israelische Soldaten, die Rachels Grab bewachen. Die Angriffe auf das Josefsgrab und Rachels Grab sind Teil der palästinensisch-islamischen Kampagne, jüdische heilige Stätten zu zerstören und jegliche jüdische Verbindung zu dem Land zu bestreiten. Die Angriffe sind ein Versuch, die Geschichte neu zu schreiben, so dass die Juden keine religiösen Wurzeln mehr zu dem Land beanspruchen können. Das ist genau das, was der Islamische Staat heute in Syrien und im Irak macht.“

Dieser archäologische Dschihad wird ausserhalb Israels nicht ernst genug genommen. Es ist eben kein Zwist zweier Parteien, die sich um ein paar Steine zanken, sondern die eine Seite begründet Tag für Tag, warum sie aus der Geschichte das Recht ableiten könne, die andere auszulöschen. Die Geschichtsklitterung ist Vorbereitung zum Genozid. Die Hand, die schreibt, dass Juden in Palästina keine Geschichte hätten, ist dieselbe, die Juden das Messer in den Hals sticht. Auf derselben offiziellen Website der Fatah, auf der die Geschichte verfälscht wird, sind auch Aufrufe zum Mord, samt blutrünstiger Bilder 3.

Es erinnert daran, wie die Nationalsozialisten einst in Schulbüchern unter Heinrich Heines Gedicht „Loreley“ schrieben, es sei ein „Volkslied“ „eines unbekannten Verfassers“. Hier sollte ein Dichter aus dem Bewusstsein getilgt werden, weil er Jude war; wenige Jahre später wurden in Europa Juden körperlich ausgelöscht. Die Kampagne der Nationalsozialisten zur Ausmerzung alles Jüdischen aus der Kultur wiederholt sich heute in arabischen Ländern, und die treibende Kraft sind Mahmoud Abbas und seine Palästinensische Autonomiebehörde.

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Über Stefan Frank

Stefan Frank ist freischaffender Publizist und lebt an der deutschen Nordseeküste. Er schreibt regelmässig über Antisemitismus und andere gesellschaftspolitische Themen, u.a. für die „Achse des Guten“, „Factum“, das Gatestone Institute, die „Jüdische Rundschau“ und „Lizas Welt“. Zwischen 2007 und 2012 veröffentlichte er drei Bücher über die Finanz- und Schuldenkrise, zuletzt "Kreditinferno. Ewige Schuldenkrise und monetäres Chaos."

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