
Die Civil Commission on October 7th Crimes hat den bislang umfassendsten Bericht über die sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt der Hamas veröffentlicht. Die Ergebnisse sind erschütternd und lassen keine Leugnung zu.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Bericht enthält Einzelheiten zu massiven sexuellen Übergriffen und Gewalt.
Die israelische Civil Commission on October 7th Crimes by Hamas Against Women and Children hat am 12. Mai 2026 ihren Abschlussbericht veröffentlicht: «Silenced No More – Sexual Terror Unveiled: The Untold Atrocities of October 7 and Against Hostages in Captivity». Der Bericht gilt als eine der bisher umfassendsten unabhängigen Dokumentationen sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt, die Hamas und ihre Kollaborateure am 7. Oktober 2023 und während der anschliessenden Geiselhaft verübten. Die zentrale Schlussfolgerung: Sexuelle Gewalt war kein Nebenprodukt des Angriffs, sondern eine systematische, weitverbreitete und gezielte Strategie der Hamas.
«Die wichtigste Erkenntnis ist die Tatsache, dass die sexuelle Gewalt am 7. Oktober und gegen die Geiseln in der Gefangenschaft eine kalkulierte Strategie der Hamas war», sagte die Leiterin der Kommission, Dr. Cochav Elkayam-Levy, gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN.
Zwei Jahre Ermittlungen, über 430 Zeugenaussagen
Die Civil Commission wurde kurz nach dem 7. Oktober 2023 als unabhängige, nichtstaatliche Organisation gegründet, um Beweise für die sexuellen Kriegsverbrechen zu sichern und zu analysieren. Geleitet wird sie von Dr. Cochav Elkayam-Levy, Expertin für Menschenrechte und internationales Recht, die 2024 den Israel-Preis erhielt – die höchste zivile Auszeichnung des Landes.
Über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren führte das rund 25-köpfige Team aus Forschern, Juristen und Dokumentationsspezialisten über 430 formelle und informelle Interviews, Zeugenaussagen und Gespräche mit Überlebenden, Zeugen, zurückgekehrten Geiseln, medizinischem Fachpersonal, Ersthelfern und Familienangehörigen. Die Kommission prüfte mehr als 10’000 Fotografien und Videosequenzen des Angriffs und investierte über 1’800 Stunden in die visuelle Analyse. Sämtliches Material wurde im eigens eingerichteten «October 7th War Crimes Archive» der Kommission gesichert.
Der Bericht stützt sich bewusst nicht auf Informationen aus staatlichen Verhören, um die Unabhängigkeit der Arbeit zu wahren. Jeder einzelne Fall wurde laut Elkayam-Levy kreuzreferenziert und durch Ersthelfer, Zeugen vor Ort oder forensische Experten bestätigt.
13 identifizierte Muster sexueller Gewalt
Durch die systematische Auswertung des Materials identifizierte die Kommission dreizehn wiederkehrende Muster sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt, die an verschiedenen Tatorten und in verschiedenen Phasen des Angriffs dokumentiert wurden:
- Vergewaltigung, Gruppenvergewaltigung und andere Formen sexueller Übergriffe
- Sexuelle Folter, einschliesslich absichtlichen Verbrennens und Verstümmelns
- Gezielte Schüsse in Kopf, Gesicht und Genitalbereich
- Tötungen und Hinrichtungen im Zusammenhang mit sexueller Gewalt
- Sexueller Missbrauch, Erniedrigung und Schändung von Leichen nach dem Tod
- Erzwungene Nacktheit und Entblössung
- Fesselung und körperliche Fixierung der Opfer
- Öffentliches Zur-Schau-Stellen und Vorführen von Frauen und Kindern
- Entführung von Müttern und Kindern
- Sexuelle Gewalt in Anwesenheit oder Nähe von Familienmitgliedern
- Filmen und digitale Verbreitung der Taten über soziale Medien
- Drohungen mit Zwangsheirat
- Vergewaltigung und sexuelle Gewalt gegen Jungen und Männer
Diese Wiederholung der Muster an verschiedenen Orten zeigt laut dem Bericht, dass es sich nicht um isolierte Akte der Brutalität handelte, sondern um eine operative Methode des Angriffs.
Am Nova–Musikfestival
Am Nova-Musikfestival nahe Re’im, wo rund 3’400 Menschen feierten, wurden 396 Personen ermordet und 44 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Die Kommission dokumentierte dort klare und überzeugende Beweise für Vergewaltigungen, Gruppenvergewaltigungen, sexuelle Folter, erzwungene Nacktheit und Verstümmelung.
Eine Überlebende, die sich in einem Wohnwagen versteckt hatte, hörte drei Vergewaltigungen aus drei verschiedenen Richtungen in unmittelbarer Nähe. Über eine der Vergewaltigungen berichtete sie der Kommission: «Ich hörte eine Vergewaltigung, bei der sie sie herumreichten. Sie war wahrscheinlich verletzt, nach ihren Schreien zu urteilen – Schreie, wie man sie nie zuvor gehört hat. Es liegt zwischen Stille und Schreien, zwischen Schmerz und Sterben-Wollen.» Nach dem Ende der Gewalt folgte laut der Zeugin jeweils ein Schuss: «Du hörst die Schreie, und dann hörst du Stille. Du hörst einen Knall – und dann eine Art Ruhe.»
Ein männlicher Überlebender des Festivals sagte aus, er sei von mehreren Tätern brutal vergewaltigt und gefoltert worden. Ein Lügendetektor-Test bestätigte seine Aussage. Er schilderte, wie Bewaffnete ihn zu Boden drückten, fesselten und stundenlang misshandelten: «Du versuchst, dich zu wehren, sie reissen dir die Kleider vom Leib, sie lachen dich aus, erniedrigen dich, spucken auf dich, berühren deine Genitalien, vergewaltigen dich.»
Der Nova-Überlebende Raz Cohen schilderte gegenüber der Kommission eine Szene, die er direkt beobachtete: «Die Männer zogen eine Frau aus dem Fahrzeug, rissen ihr gewaltsam die Kleidung vom Leib und vergewaltigten sie. Sie stachen wiederholt auf sie ein, töteten sie – und vergewaltigten sie nach ihrem Tod weiter.»
Gezielte Entstellung der Opfer
Die Leichen vieler Opfer wiesen laut dem Bericht Verstümmelungen im Gesichts- und Genitalbereich auf, die häufig nach dem Tod zugefügt wurden. Noa Lewis, die in der Shura-Leichenhalle an der Identifizierung der Toten mitwirkte, berichtete: «Was besonders auffiel, war, dass sie bei einigen dieser Mädchen die Tötung verifizierten, ihnen aber ins Gesicht schossen. Man sieht … es zerstört ihre Schönheit.» Sharon Laufer, ebenfalls in der Shura-Leichenhalle tätig, bestätigte: «Viele dieser schönen jungen Frauen wurden ins Auge geschossen, ihre Gesichter entstellt. Und sie starben nicht daran – sie wurden mit einem Schuss ins Herz getötet.»
Elkayam-Levy erklärte dazu gegenüber CNN: «Sexuelle Gewalt soll foltern und erniedrigen. Sie haben die Intimorgane der Opfer verstümmelt, ihre Genitalbereiche verbrannt, und damit einen Schmerz und ein Leiden geschaffen, an das man sich über Generationen erinnern wird.»
In der Geiselhaft
Der Bericht dokumentiert erstmals in diesem Umfang, dass die sexuelle Gewalt auch während der Geiselhaft in Gaza systematisch fortgesetzt wurde. Laut der Kommission berichteten nahezu alle zurückgekehrten Geiseln davon, sexuelle Gewalt entweder selbst erlebt oder miterlebt zu haben. Die Taten umfassten Vergewaltigungen, sexuelle Folter, erzwungene Nacktheit, Drohungen mit Zwangsheirat sowie sexuellen Zwang gegen Frauen, Männer und Minderjährige.
Eine zurückgekehrte Geisel schilderte öffentlich, wie sie nach ihrer Entführung im Al-Schifa-Spital in Gaza von mehreren Männern umringt, vollständig entkleidet und ihrer Wertsachen beraubt wurde: «Ein Mann beginnt einfach, mir alle Kleider vom Leib zu schneiden. Etwa 15 Personen berühren mich gleichzeitig. Und dann liege ich nackt da.» In der Folge erlitt sie während 16 Tagen wiederholte sexuelle Übergriffe durch ihre Bewacher.
Ilana Gritzewsky, eine weitere ehemalige Geisel, sagte vor dem UNO-Sicherheitsrat aus und berichtete der Kommission: «Ich wache halb nackt auf, auf Felsen liegend, umgeben von Hamas-Terroristen. Ich muss sie anflehen, mich nicht zu vergewaltigen.» Sie erlitt eine gebrochene Hüfte, ein gebrochenes Becken, Verbrennungen und einen Gehörverlust.
Die ehemalige Geisel Agam Goldstein-Almog, die zum Zeitpunkt ihrer Entführung 17 Jahre alt war, beschrieb das Gefühl der völligen Machtlosigkeit: «Es sind die kleinen Dinge, die einen zerbrechen. Wenn man keine Kontrolle über seinen Körper hat und keine Kontrolle darüber, wie man für seinen Körper sorgen kann.»
Familien als Zielscheiben
Besonders erschütternd ist das erstmals umfassend dokumentierte Muster der von der Kommission als «kinocidal sexual violence» bezeichneten Gewalt, die gezielt auf die Zerstörung familiärer Bindungen abzielt. Opfer wurden in Gegenwart von Familienmitgliedern missbraucht und gedemütigt. In einem dokumentierten Fall wurden Familienmitglieder gezwungen, sexuelle Handlungen aneinander vorzunehmen. Eltern wurden vor den Augen ihrer Kinder ermordet, bevor Geschwister entführt wurden.

Die Mutter von Shani Louk, Ricarda Louk, deren 22-jährige Tochter ermordet und deren Leichnam halbnackt auf einem Pickup-Truck durch die Strassen von Gaza paradiert wurde, sagte gegenüber der Kommission: «Sie filmten alles. Sie wollten, dass die Welt sieht, was sie ihr angetan haben.»
Juristische Einordnung: Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, völkermordähnliche Handlungen
Die rechtliche Analyse des Berichts kommt zu dem Schluss, dass die dokumentierten Taten Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und völkermordähnliche Handlungen im Sinne des Völkerrechts darstellen. Die Kommission empfiehlt die Einrichtung spezialisierter Strafverfolgungsstrukturen und eine umfassende internationale Zusammenarbeit bei der strafrechtlichen Verfolgung.
Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) hatte Haftbefehle gegen drei Hamas-Führer beantragt – unter anderem wegen Vergewaltigung und anderer Formen sexueller Gewalt. Alle drei wurden jedoch getötet, bevor es zu einem Verfahren kam.
Die Hamas hat die Vorwürfe sexueller Gewalt stets bestritten.
Gegen die Leugnung
Prof. Irwin Cotler, ehemaliger kanadischer Justizminister und internationaler Vorsitzender des Raoul Wallenberg Centre for Human Rights, schrieb im Vorwort des Berichts: «Es ist nicht nur das Verbrechen, das verurteilt werden muss, sondern auch die Leugnung, die darauf folgt. Denn wie Elie Wiesel uns lehrte: Schweigen angesichts des Bösen ist Mitschuld am Bösen selbst.»
Der Bericht wurde von zahlreichen internationalen Persönlichkeiten unterstützt, darunter die ehemalige US-Aussenministerin Hillary Clinton, Sheryl Sandberg (Gründerin von Lean In), Prof. Aharon Barak (ehemaliger Präsident des Obersten Gerichts Israels), Prof. David Crane (Gründungs-Chefankläger des UN-Sondergerichts für Sierra Leone) sowie die ehemalige UN-Untergeneralsekretärin Alice Wairimu Nderitu, Sonderberaterin für die Verhütung von Völkermord.
Elkayam-Levy fasste die Bedeutung der Arbeit gegenüber dem CNN zusammen: «Diese Männer und Frauen, Opfer sexueller Gewalt, sind auf die schlimmste und grausamste Weise zum Schweigen gebracht worden. Hoffentlich ist das, was wir getan haben, der Anfang vom Ende dieses Schweigens.»
Der vollständige Bericht «Silenced No More» ist auf der Website der Civil Commissionverfügbar.






















