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Hisbollah eskaliert Drohnenkrieg gegen Nordisrael

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Anhänger der Hisbollah anlässlich einer Grosskundgebung zum 26. Jahrestag des libanesischen Tages der "Befreiung und des Widerstands" in den südlichen Vororten von Beirut, 25. Mai 2026. Foto IMAGO / ZUMA Press
Anhänger der Hisbollah anlässlich einer Grosskundgebung zum 26. Jahrestag des libanesischen Tages der "Befreiung und des Widerstands" in den südlichen Vororten von Beirut, 25. Mai 2026. Foto IMAGO / ZUMA Press
Lesezeit: 4 Minuten

Die Hisbollah hat ihre Angriffe auf den Norden Israels in den vergangenen Tagen massiv verschärft. Allein am Montag feuerte die Terrororganisation über 30 Kampfdrohnen auf israelische Ortschaften und Militärposten entlang der Grenze sowie auf IDF-Truppen im Südlibanon ab.

Sirenen zwangen die Zivilbevölkerung wiederholt in Schutzräume. Zwei Drohnen trafen ein Wohnhaus in Metula, weitere eine militärische Anlage. Rund 20 Drohnen drangen in israelisches Territorium ein — zwei davon schlugen in ein Gebäude in Shtula ein, in dem ausländische Arbeiter untergebracht sind. Eine auf Galiläa abgefeuerte Rakete wurde vom Iron-Dome-System abgefangen.

Zwei junge Soldaten getötet

Bei Drohnenangriffen der Hisbollah wurden in den vergangenen Tagen zwei weitere IDF-Soldaten getötet: Am Freitag fiel Staff Sergeant Noam Hamburger, 23 Jahre alt, aus Atlit. Er diente als Technologie- und Wartungsspezialist im 9. Bataillon der 401. «Iron Tracks»-Brigade. Die Drohne traf den Aussenposten «Biranit» zwischen Kibbuz Sasa und Moschaw Netua, etwa einen Kilometer von der libanesischen Grenze entfernt. Am Sonntag wurde Sergeant Nehoray Leizer getötet — er war 19 Jahre alt, stammte aus Eilat und diente als Kampfpionier im 601. Bataillon. Eine Drohne traf den Schützenpanzer, den er steuerte, nahe dem Dorf Debel im Bezirk Bint Jbeil. Seit dem Waffenstillstand Mitte April hat die Hisbollah mehr als 1000 Drohnen und rund 700 Raketen auf Israel abgefeuert. Elf Israelis wurden dabei getötet, Dutzende verletzt.

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Foto Screenshot Alma

Israels Antwort: Über 70 Hisbollah-Stellungen zerstört

Die israelischen Streitkräfte reagierten mit Angriffen auf mehr als 70 Infrastruktureinrichtungen der Hisbollah im gesamten Libanon — darunter rund zehn Kommandozentralen und Waffenlager in der Stadt Tyros, im Südlibanon und im Bekaa-Tal. Die IDF erklärte, die betroffenen Standorte seien von der Hisbollah zur Planung und Durchführung von Angriffen auf israelische Zivilisten und Soldaten genutzt worden. Zudem griff die Luftwaffe Hisbollah-Kämpfer an, die sich auf Motorrädern in Gebieten mit israelischer Truppenpräsenz bewegten.

Premierminister Netanyahu erklärte, die IDF habe in den vergangenen Wochen über 600 Hisbollah-Kämpfer eliminiert, und kündigte an, den Druck aufrechtzuerhalten und zu verstärken. In einer Videobotschaft sagte er: «Wir nehmen den Fuss nicht vom Gaspedal. Im Gegenteil — ich habe der IDF gesagt, sie soll noch stärker aufs Pedal drücken. Es stimmt, sie feuern Drohnen auf uns — glasfasergesteuerte Drohnen. Wir haben ein spezielles Team, das daran arbeitet, und wir werden auch dieses Problem lösen.»

Drohnenkrieg als strategische Bedrohung

Die Hisbollah verfolgt eine Strategie der kalibrierten Eskalation. Statt Israel militärisch frontal herauszufordern, setzt die vom Iran finanzierte Organisation auf permanente Nadelstiche durch Drohnen- und Raketenfeuer — mit dem Ziel, die IDF durch andauernde kleinräumige Angriffe zu zermürben.

Die technologische Dimension dieser Bedrohung wird immer deutlicher: Vergangene Nacht veröffentlichte die Hisbollah Videomaterial, das Drohnen mit Wärmebildkameras zeigt — eine Fähigkeit, die auch nächtliche Angriffe ermöglicht. Die IDF betrachtet die Drohnenkampagne mittlerweile nicht mehr als taktisches Ärgernis, sondern als strategische Bedrohung. Der Drohnenkrieg hat die Einsatzplanung verändert, das Tempo bei der Räumung von Ortschaften im Südlibanon verlangsamt und viele Operationen in die Nacht verlagert.

Gegen die glasfasergesteuerten First-Person-View-Drohnen (FPV) der Hisbollah existiert bisher keine umfassende Abwehrlösung. Israel erprobt verschiedene Technologien — darunter Fangnetze, Laser, Präzisionsfeuer, Radar, akustische Sensoren und Mikrowellenwaffen —, doch eine verlässliche Gesamtlösung fehlt, wie auch der Krieg in der Ukraine gezeigt hat.

Von Südlibanon nach Israel: Eine neue Eskalationsstufe

Bis vor wenigen Tagen konzentrierte die Hisbollah ihre Operationen auf IDF-Truppen im Südlibanon. Nun hat sie begonnen, auch israelische Militärposten auf israelischem Territorium direkt anzugreifen. Das IDF-Nordkommando bezeichnet die wiederholten Drohnenangriffe auf Ortschaften wie Metula und Shomera als Überschreitung einer inakzeptablen roten Linie.

Am Boden greift die Hisbollah zudem auf klassische Guerillataktiken zurück. Ranghohe Kommandeure sehen Parallelen zu den Hisbollah-Terrorzellen der 1990er-Jahre — bevor die Organisation zu einer hochgerüsteten Miliz wurde. All dies zeigt: Die Hisbollah kann trotz schwerer Verluste weiterhin operativ handeln.

Schulen geschlossen, Kabinett berät Ausweitung

Die Folgen für die Zivilbevölkerung sind unmittelbar: Schulen nahe der nördlichen Grenze blieben heute geschlossen. Ranghohe IDF-Offiziere haben dem Sicherheitskabinett verschiedene Optionen für eine Ausweitung der Operationen im Libanon vorgelegt. Sie argumentieren, dass das aktuelle Ausmass der Feuerkraft nicht ausreiche, um die Hisbollah wirksam abzuschrecken. Die IDF arbeitet zudem an Plänen, die Drohnen-Infrastruktur der Hisbollah gezielt auszuschalten und weitere ihrer ranghohen Kommandeure ins Visier zu nehmen.

Gleichzeitig hat Israel bisher darauf verzichtet, die Bodenoffensive auszuweiten oder Beirut anzugreifen — ein Zeichen dafür, dass Jerusalem trotz der Eskalation eine Ausweitung des Konflikts zu vermeiden sucht.

Diplomatie unter iranischem Schatten

Die Eskalation im Libanon fällt zusammen mit den laufenden US-Verhandlungen über ein umfassendes Abkommen mit dem Iran. Teheran besteht darauf, dass jeder Waffenstillstand den Libanon einschliesst — und verknüpft damit die Hisbollah-Front mit der iranischen Nukleardiplomatie.

US-Aussenminister Rubio bekräftigte am Montag Israels Recht auf Selbstverteidigung: «Israel hat immer das Recht, sich zu verteidigen. Wenn die Hisbollah Raketen auf Israel abfeuert, hat Israel jedes Recht, darauf zu reagieren oder dies zu verhindern. Das war während des Waffenstillstands so und wird so verstanden.»

Israels zentrale Herausforderung bleibt, die Bewohner des Nordens vor einem Zustand dauerhafter Unsicherheit zu schützen. Je länger die Angriffe anhalten, desto drängender wird die Frage, ob dieses Ziel allein militärisch erreichbar ist — oder ob es einen diplomatischen Rahmen braucht, der den libanesischen Staat stärkt, die Hisbollah einhegt und Israel ein berechenbares Sicherheitsumfeld an seiner Nordgrenze verschafft.

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