
Die israelische Armee hält sich selbst den Spiegel vor. In einer Rede vor dem Senior Command Forum hat IDF-Stabschef Generalleutnant Eyal Zamir unethisches Verhalten in den eigenen Reihen scharf verurteilt – und gleichzeitig ein klares Bekenntnis zu den Grundwerten der Armee abgelegt. Die Botschaft: zweieinhalb Jahre intensivster Kriegsführung rechtfertigen keine Abstriche beim moralischen Standard.
«Unethische Vorfälle, die wir erlebt haben, sind nicht zu rechtfertigen. Wir dürfen keine Abstriche bei unseren Werten machen», sagte Zamir. «Die Erosion von Werten und Standards kann genauso gefährlich sein wie operationelle Bedrohungen.»
Plündern, soziale Medien, politischer Diskurs – drei rote Linien
Zamir sprach drei konkrete Problembereiche an. Zur Frage des Plünderns sagte er unmissverständlich: «Das Phänomen des Plünderns, wenn es existiert, ist eine Schande. Wenn solche Vorfälle vorkamen, werden wir sie untersuchen und bestrafen.»
Zu sozialen Medien zog er eine klare Grenze: «IDF-Angehörige – ob im Aktiv- oder Reservedienst – werden soziale Medien nicht als Werkzeug zur Verbreitung kontroverser Botschaften oder zur Selbstdarstellung nutzen. Das ist eine rote Linie, die nicht überschritten werden darf. Wer sie überschreitet, wird disziplinarisch verfolgt werden.»
Ebenso deutlich positionierte er sich zu politischer Einflussnahme innerhalb der Armee: «Wir werden politischen Diskurs in unseren Reihen nicht zulassen. Die Öffentlichkeit schaut auf uns und verlässt sich auf uns. Wir werden nicht fragen, was andere über uns sagen, sondern was richtig für die IDF ist.»
Hintergrund des Treffens war auch ein Vorfall, der international Aufmerksamkeit erregt hatte: Ein Bild, das IDF-Soldaten bei der Beschädigung einer Jesusstatue im südlichen Libanon zeigt, hatte für Kritik gesorgt. Netanyahu reagierte darauf mit einem klaren Signal und die verantwortlichen Soldaten wurden sanktioniert.
Frauen und christliche Soldaten: Ein anderes Bild der IDF
Zamir bekräftigte auch die vollständige Integration von Frauen in die Streitkräfte: «Frauen sind ein integraler Bestandteil der IDF und ihrer operationellen Stärke. Es wird keine Ausgrenzung von Frauen in der IDF geben. Ihre Integration ist in Werten und Gleichheit verwurzelt und ist eine operationelle Notwendigkeit.»
Wenige Tage zuvor empfing Premierminister Benjamin Netanyahu eine Gruppe christlicher Soldaten, die in der IDF dienen. Netanyahu bezeichnete sie als «aussergewöhnliche junge Männer und Frauen» und sagte: «Das ist das genaue Gegenteil von dem, was nach aussen dargestellt wird. Nicht nur kämpft Israel für die Rechte der Christen im gesamten Nahen Osten – Israel hat christliche Soldaten, die für die Verteidigung Israels und für unsere christlichen Brüder in der Region kämpfen.» Er fügte hinzu: «Israel ist das einzige Land im Nahen Osten, in dem die christliche Gemeinschaft gedeiht, wächst und sich ausbreitet.»
Hisbollah greift weiter an – neue Drohnenbedrohung
Die Rede Zamirs fand vor dem Hintergrund einer anhaltend angespannten Lage im Norden Israels statt. Seit der Ankündigung einer Waffenruhe mit dem Libanon gab es über 40 separate Angriffe der Hisbollah mit Raketen und Drohnen auf Nordisrael und auf IDF-Kräfte im südlichen Libanon.
Die IDF hat dabei eine neue Bedrohung identifiziert: Die Hisbollah setzt zunehmend auf Selbstmorddrohnen, die über Glasfaserkabel gesteuert werden – bis zu 15 Kilometer weit – und dank eingebauter Kamera mit hoher Präzision ein Sprengstoffpaket von sechs Kilogramm liefern können. Diese Drohnen sind elektronisch schwerer zu stören als herkömmliche ferngesteuerte Modelle. Eine ähnliche Technologie setzt Russland in der Ukraine ein. Ein IDF-Soldat wurde am Wochenende durch eine solche Drohne getötet, mehrere weitere wurden verletzt.
Die IDF hat im Libanon vorwärts verlegte Verteidigungsstellungen eingerichtet. Stabschef Zamir erklärte: «Die Vorwärtsverteidigungsposition im Libanon wird aufrechterhalten, bis die Sicherheit der nördlichen Gemeinden gewährleistet ist.»
Libanesischer Präsident Aoun gegen Hisbollah
Bemerkenswert sind die Aussagen des libanesischen Präsidenten Joseph Aoun, der Verhandlungen mit Israel verteidigt und Hisbollah-Vorwürfen des Verrats entschieden widerspricht: «Verrat ist, wer sein Land für fremde Interessen in den Krieg führt.» Und weiter: «Wenn dies ein Krieg für den Libanon wäre, würden wir ihn unterstützen. Aber es ist ein Krieg für die Interessen anderer» – gemeint ist Iran – «und daher lehne ich ihn vollständig ab.»




















