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Wie die Uni Zürich einem palästinensischen Aktivisten ihre Bühne gab

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Foto Screenshot Youtube
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Am 4. Mai 2026 sprach der palästinensische Aktivist und Professor Mazin Qumsiyeh via Zoom an der Universität Zürich. Audiatur-Online liegt ein verifiziertes Transkript eines Teils des Abends vor. Es wurde gegen Israel gehetzt und zentrale Aussagen des Aktivisten sind nachweislich falsch.

Schon die Fragestellungen der Moderation lesen sich wie ein politisches Glaubensbekenntnis. Der Moderator spricht von «Wasser-Apartheid», von «zionistischer Expansion in den Libanon», von «andauernder zionistischer Kolonisierung Palästinas», von einer «genozidalen Gegenwart» und von «andauernder ethnischer Säuberung im Westjordanland».

Hamas-Zahlen und mehr

Auf die Frage nach der Wassersituation in Gaza antwortete Qumsiyeh wörtlich: «Vor diesem aktuellen Krieg in Gaza waren 2,3 Millionen Menschen dort. Wahrscheinlich sind jetzt mindestens 300 000 von ihnen weg.»

Selbst das von der Hamas geführte Gesundheitsministerium in Gaza, eine seit vielen Jahren als propagandistisch zurückgewiesene Quelle, nennt aktuell eine Gesamtzahl von rund 71.000 Toten. Dieser Wert umfasst allerdings keine Differenzierung zwischen Kombattanten und Zivilisten. Qumsiyeh nennt im Hörsaal eine Zahl, die das Vier- bis Fünffache der vom Hamas-Gesundheitsministerium propagierten Toten beträgt – ohne Quelle, als wissenschaftliche Tatsache, vor Studenten in einem Raum der Universität Zürich.

Bereits in früheren Jahren mussten Medien Korrekturen zu Qumsiyehs Zahlenangaben veröffentlichen, weil er etwa die Zahl, der durch israelische Siedler getöteten palästinensischen Zivilisten oder den US-Auslandshilfeanteil an Israel grob «überzeichnet» hatte. Die Organisation CAMERA dokumentiert solche Korrekturen seit vielen Jahren und kommt zum Schluss, der Aktivist zeige eine «Geringschätzung gegenüber Fakten».

Das Wasser-Märchen

Eine weitere Behauptung des Abends ist nachweislich falsch und in ihrer dreisten Schlichtheit kaum zu überbieten. Qumsiyeh sagte: «Israelische Siedler, israelisch-jüdische Kolonialisten in unserem Land, bekommen etwa 800 Liter pro Tag. […] Palästinenser bekommen etwa ein Zehntel davon, 80 Liter pro Tag, 84 Liter pro Tag.»

Der durchschnittliche häusliche Wasserverbrauch in Israel beträgt nach Daten des israelischen Statistikamts CBS, die direkt von der israelischen Wasserbehörde stammen, 165 Liter pro Person und Tag – einschliesslich Trinken, Kochen, Baden, Waschen und Gartenbewässerung. Das Jerusalem Institute for Policy Research nennt für 2020 einen fast identischen Wert von 152 Litern pro Kopf täglich. Selbst der von der linken NGO B’Tselem für das Westjordanland politisch motivierte Vergleichswert liegt bei 247 Litern pro Person – und damit immer noch beim weniger als einem Drittel der von Qumsiyeh behaupteten 800 Liter.

Der Wert von 800 Litern, den Qumsiyeh dem UZH-Publikum als Faktum verkaufte, taucht ausschliesslich als regionaler Spitzenwert in einzelnen Luxusvororten wie Kfar Schmaryahu auf – Orten mit Privatpools und grossen Rasenflächen, die nichts mit dem Durchschnittsverbrauch «jüdischer Siedler» zu tun haben. Dass Reuters im August 2025 die von B’Tselem stammende, ebenfalls überhöhte Zahl publizierte und nach Intervention von CAMERA förmlich korrigieren musste, zeigt, wie diese Falschangaben durch die internationalen Medien wandern – und im Mai 2026 im Hörsaal einer Schweizer Uni landen.

Die WHO

Qumsiyeh berief sich für seine Wasservorwürfe auf die Weltgesundheitsorganisation: «Die WHO sagt, ein gesunder Mensch braucht ein Minimum von 100 Litern pro Tag.» Auch das stimmt nicht. Die WHO nennt 50 bis 100 Liter als Wert, mit dem alle Bedürfnisse einschliesslich Wäsche und Komfort gedeckt sind. Als Notfallminimum nennt die WHO 15 bis 20 Liter pro Person und Tag; der humanitäre Sphere-Standard nennt 15 Liter, das UNHCR setzt 20 Liter als Grösse und für die ersten Tage einer Notlage genügen laut WHO sogar 7,5 Liter, um Trinken, Kochen und elementare Hygiene sicherzustellen. Qumsiyeh hat den Komfortwert zum Mindestwert umgewidmet – eine freche Manipulation.

Was Israel tatsächlich nach Gaza liefert

Die für die humanitäre Lage in Gaza zuständige israelische Behörde COGAT veröffentlicht regelmässig Daten zur Wasserversorgung. Vor dem 7. Oktober 2023 lieferte Israel rund 49 Millionen Liter Wasser täglich durch drei Pipelines in den Gazastreifen: Nahal Oz im Norden, Bani Suheila im Süden und das Sayid-Becken in der Mitte. Inzwischen ist eine vierte, von den Vereinigten Arabischen Emiraten finanzierte Leitung dazugekommen. Im März 2026 bezifferte COGAT die tägliche Liefermenge auf über 70’000 Kubikmeter, das entspricht rund 33 Litern pro Person und Tag – also mehr als das Doppelte des Sphere-Notfallstandards und über dem von der UNO für Konfliktgebiete genannten Mindestwert von 14 Litern.

Vor allem aber: Israel hat während des Krieges nicht nur Wasser geliefert, sondern auch die zerstörte Infrastruktur auf der Gaza Seite reparieren lassen. Der ehemalige Vorsitzende der israelischen Wasserbehörde Giora Shaham berichtete der Times of Israel im Detail, wie palästinensische Ingenieure unter IDF-Schutz die Pipelines auf der Gazaer Seite reparierten  – auch deshalb, weil die Wasserverlustrate im südlichen Gazastreifen schon vor dem Krieg zwischen 70 und 90 Prozent lag, und ohne diese Reparaturen jeder Liter aus der israelischen Leitung ohne Wirkung im Sand versickert wäre. Im Juli 2024 verband Israel zudem die Entsalzungsanlage in Khan Yunis direkt mit dem israelischen Stromnetz, um die Wasserproduktion vor Ort zu sichern – die Anlage produziert seither bis zu 20’000 Kubikmeter Trinkwasser pro Tag und wird von UNICEF betrieben.

Was Hamas mit den Wasserrohren machte

Im Hörsaal der UZH erfuhren die Studierenden nichts davon, warum die Wasserinfrastruktur Gazas in einem so katastrophalen Zustand ist. Auch nicht, dass Hamas seit Jahren systematisch Wasserrohre aus dem Boden gräbt, um sie zu Raketen für den Beschuss israelischer Zivilisten umzuschmieden. Diese Entwendung war nie ein Geheimnis – Hamas selbst hatte Bilder von in Raketenrohlinge umgewandelten Wasserleitungen verbreitet. Wer also über die humanitäre Lage in Gaza spricht und die Wasserversorgung als Beleg für eine angebliche Genozid-Politik anführt, betreibt keine wissenschaftliche Analyse, sondern reine Propaganda.

«Konzentrationslager», «Bantustans», «Menschen-Lagerhäuser»

An einer anderen Stelle, gefragt nach Herausforderungen seiner Arbeit, gerät Qumsiyeh ins schwärmerische Aufzählen: «Es ist ein Apartheidsystem, das unsere Bewegung einschränkt, uns in diese Ghettos, Bantustans, Konzentrationslager steckt – wie auch immer Sie sie nennen wollen. Ich nenne sie lieber Menschen-Lagerhäuser.»

Vier Begriffe, in einem Atemzug. «Ghettos» mit unmittelbarem Bezug zur Verfolgung der Juden im Dritten Reich, «Bantustans» (eine Anspielung auf die Apartheidsstrukturen Südafrikas), «Konzentrationslager» – und dann, als bevorzugte Eigenschöpfung, «Menschen-Lagerhäuser». Wer die nötigen israelischen Sicherheitsmassnahmen im Westjordanland mit dem System der nationalsozialistischen Konzentrationslager auf eine Stufe stellt, betreibt eindeutig Holocaust-Relativierung. Die Antisemitismus-Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA), an der sich auch der Schweizer Bundesrat orientiert, nennt genau dieses Vorgehen – «Vergleiche der gegenwärtigen israelischen Politik mit der Politik der Nationalsozialisten» – als Beispiel für Antisemitismus.

Es passt zum Aktivisten Qumsiyehs. Wie bereits erwähnt bezeichnete er israelische Soldaten bereits früher als handelnd «wie Nazi-Wächter». Im Hörsaal der Universität Zürich hat er diese Linie nun aktualisiert: nicht nur die Soldaten, das ganze System sei ein Konzentrationslager.

«Genozid», «Ökozid», «beschleunigter Tod»

Mehrfach spricht Qumsiyeh von «Genozid» und «Ökozid» – als Tatsachenbehauptungen, nicht als Vorwürfe, die ein Verfahren zu klären hätte. Zudem übernimmt er den aus der Palliativmedizin bekannten Begriff «beschleunigter Tod» und verwendet ihn in einer Weise, um israelische Militäraktionen indirekt als Form struktureller Tötung darzustellen.

An anderer Stelle vergleicht Aktivist Qumsiyeh die israelische Kriegsführung mit dem Einsatz von Agent Orange durch die USA in Vietnam. «Das ist im Grunde dasselbe, was die Vereinigten Staaten mit Agent Orange in Vietnam gemacht haben», sagt er über den mutmasslichen israelischen Einsatz von weissem Phosphor im Südlibanon. Dass weisser Phosphor unter strengen Regeln völkerrechtlich zulässig ist, dass es um zwei vollkommen unterschiedliche Substanzen mit unterschiedlicher Wirkung geht, dass die Hisbollah seit 1982 vom Südlibanon aus Israel beschiesst – all das vergisst der feine Professor zu erwähnen.

Die UZH

Die Medienstelle der Universität Zürich teilte Audiatur-Online am Montagnachmittag mit, die Veranstalter seien aufgefordert worden, «zu Beginn des Events eine Kontextualisierung vorzunehmen, die aufzeigt, dass Prof. Qumsiyeh neben seiner wissenschaftlichen Karriere auch als Aktivist agiert, und dass dessen Perspektive auf den Nahostkonflikt nur eine von vielen darstellt».

Im Audiatur-Online vorliegenden Transkript gibt es keine solche Kontextualisierung. Aber selbst wenn. Die Moderation der PSA bezeichnet Qumsiyeh durchgehend als «Professor», nennt ihn keine Sekunde lang einen Aktivisten, und benutzt selbst – wie eingangs gezeigt – eine Sprache, die direkt aus dem antisemitischen BDS-Vokabular stammt. Die Auflage der Universität wurde, nach Aktenlage, schlicht ignoriert.

Der Code of Conduct

Die UZH verweist in ihrer Stellungnahme darauf, dass alle Veranstaltungen «unter Einhaltung des Code of Conduct» stattzufinden hätten. Der Code of Conduct der Universität Zürich verbietet «Diskriminierung jeglicher Art, Hassreden, Mobbing, sexuelle Belästigung, Machtmissbrauch, Manipulation, Gewalt und Bedrohung».

Wer israelische Sicherheitsmassnahmen mit Konzentrationslagern gleichsetzt, wer eine Todeszahl für Gaza erfindet, die das Vier- bis Fünffache der mutmasslichen Zahl der Toten beträgt, wer von absurden Wasserzahlen für „jüdische Siedler” redet – verletzt dieser Mensch dann den „Code of Conduct”? Oder gilt dieser Kodex, wenn es um den jüdischen Staat geht, plötzlich nicht mehr? Die Universitätsleitung muss sich diese Frage stellen lassen.

Doch es geht eigentlich gar nicht nur um Mazin Qumsiyeh. Der Mann ist, wie seit Jahren dokumentiert, einfach ein palästinensischer Aktivist, der die Abschaffung Israels als jüdischen Staat anstrebt. Das ist seine Haltung, und in einer freien Gesellschaft kann er sie sogar äussern. In Bethlehem, in Ramallah, in Beirut, von mir aus auch in einem privaten Saal in Zürich.

Das Problem ist die Universität Zürich. Sie hat diesem Mann einen ihrer grössten Hörsäle zur Verfügung gestellt. Sie hat zugelassen, dass eine politisch aktive Studentenorganisation zusammen mit der offiziellen Studierendenvertretung eine Plattform schuf, auf der Falschzahlen, Holocaust-Vergleiche und antisemitische Rhetorik unter dem Siegel akademischer Lehre verbreitet wurden.

Die Universität Zürich schuldet ihren jüdischen Studenten, allen anderen Studenten, ihren Steuerzahlern sowie sich selbst eine Antwort.

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