
In der Woche, in der sich die libanesische Regierung auf die Teilnahme an den von den USA vermittelten Gesprächen mit Israel in Washington, D.C., vorbereitete, fällte die Hisbollah, die vom Iran unterstützte Terrororganisation, ihr Urteil: Keine Verhandlungen, kein Kompromiss. Nur Krieg.
von Khaled Abu Toameh
Die Gespräche, die am 14. April stattfanden, haben zum Ziel, die „langfristige Sicherheit der Nordgrenze Israels“ zu gewährleisten und gleichzeitig die Bemühungen des Libanon zu unterstützen, „die volle Souveränität über sein Territorium zurückzugewinnen“.
In einer Fernsehansprache bezeichnete Hisbollah-Generalsekretär Naim Qassem die Gespräche als „sinnlos“ und bekräftigte, dass seine Organisation ihre Waffen nicht niederlegen werde. Unter Bezugnahme auf Äusserungen des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, wonach die Waffen der Hisbollah unschädlich gemacht werden müssten und Israel ein echtes Friedensabkommen mit dem Libanon anstrebe, erklärte Qassem:
„Wir werden nicht ruhen, nicht aufhören und nicht aufgeben. Wir lassen das Schlachtfeld für sich selbst sprechen. Wir werden bis zu unserem letzten Atemzug auf dem Schlachtfeld bleiben.“
Qassem fügte hinzu:
„Wir lehnen Verhandlungen mit der widerrechtlichen Entität ab … Wir appellieren an eine historische und heldenhafte Haltung, indem wir dieses Verhandlungstreffen absagen.“
Wafiq Safa, ein hochrangiger Hisbollah-Vertreter, erklärte gegenüber The Associated Press, dass seine Organisation sich weigern werde, Vereinbarungen zu akzeptieren, die aus den direkten Gesprächen zwischen dem Libanon und Israel hervorgehen könnten:
„Was die Ergebnisse dieser Verhandlungen zwischen dem Libanon und dem israelischen Feind angeht, so interessieren oder betreffen sie uns überhaupt nicht … Wir sind nicht an das gebunden, worauf sie sich einigen.“
Diese Aussagen sind nicht blosse Rhetorik. Vielmehr sind sie eine Erklärung, dass die Hisbollah – nicht die libanesische Regierung – darüber entscheiden wird, ob der Libanon in den Krieg zieht oder den Frieden anstrebt.
Der Libanon von heute hat kaum noch etwas mit dem Land gemein, das er einst war.
Vor dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 war der Libanon als „Schweiz des Nahen Ostens“ bekannt. In den 1960er- und 1970er-Jahren erlebte das Land einen bedeutenden Aufschwung, verfügte über strenge Bankgeheimnisgesetze und genoss den Ruf eines sicheren, neutralen Finanzzentrums für regionales und internationales Kapital. Sein Bankensektor gehörte zu den fortschrittlichsten in der arabischen Welt. Er zog ausländische Investitionen an und etablierte Beirut als eines der weltweit führenden Finanzzentren.
Der französische Journalist Julien Ricour-Brasseur schrieb 2021 in Middle East Eye:
„Libanesische Bürger, die nicht bereit sind, die verzweifelte Überquerung des Mittelmeers zu wagen, stürmen die Behörden, um Visa für jedes mögliche Reiseziel zu erhalten. Sie suchen nach einem Ort jenseits des Meeres, wo das Leuchten des Grüns lockt, das grüne Licht der Hoffnung – und des Dollars….
„Die Geschichte des Libanon könnte so beginnen: Es war einmal eine Nation, die als die Schweiz des Nahen Ostens bekannt war. Und ehrlich gesagt, endet die Geschichte auch schon dort.“
Der Libanon zeichnete sich zudem durch seine konfessionelle Vielfalt und seinen religiösen Pluralismus aus – ein Ort, an dem zahlreiche muslimische und christliche Gemeinschaften innerhalb eines relativ offenen politischen Systems zusammenlebten. Seine geografische Lage, die schneebedeckte, für Wintersport geeignete Berge mit einer Mittelmeerküste verband, machte ihn zu einem bedeutenden Reiseziel. In seiner Blütezeit wies der Libanon eines der höchsten Pro-Kopf-BIPs der Region auf und galt als seltene Oase der Stabilität im turbulenten Nahen Osten. Dieser Libanon existiert jedoch nicht mehr.
Jahrzehntelange Bürgerkriege, Korruption und politische Lähmung waren die Hauptursachen für seinen Niedergang. Doch auch der Aufstieg der Hisbollah zu einer bewaffneten Macht innerhalb des Staates und ihre wiederholten Kriege gegen Israel im Auftrag ihrer Gönner im Iran sind entscheidende Faktoren, die zum Zusammenbruch des Libanon beigetragen haben.
Der Libanon ist derzeit ein gescheiterter Staat. Im Jahr 2022 schrieb die UNO:
„Die destruktiven Handlungen der politischen und finanziellen Führungskräfte des Libanon sind dafür verantwortlich, dass der Grossteil der Bevölkerung des Landes in die Armut getrieben wurde, was einen Verstoss gegen die internationalen Menschenrechte darstellt“, erklärte der UN-Sonderberichterstatter für extreme Armut und Menschenrechte, Olivier De Schutter, in einem Bericht…
„Straflosigkeit, Korruption und strukturelle Ungleichheit sind fest in einem korrupten politischen und wirtschaftlichen System verankert, das darauf ausgelegt ist, die Menschen am unteren Ende der Gesellschaft im Stich zu lassen, aber das muss nicht so sein“, sagte De Schutter, ein vom UN-Menschenrechtsrat ernannter unabhängiger Experte.
„Das politische Establishment wusste seit Jahren von der drohenden Katastrophe, unternahm aber wenig, um sie abzuwenden. Personen mit guten Verbindungen haben sogar ihr Geld aus dem Land geschafft…“
„Insbesondere die Politik der Zentralbank führte zu einer Abwärtsspirale der Währung, zur Zerstörung der Wirtschaft, zum Verlust der Ersparnisse eines ganzen Lebens und dazu, dass die Bevölkerung in die Armut gestürzt wurde.“
Noch schlimmer ist, dass der Libanon faktisch zu einem Protektorat des Iran geworden ist. Die Folgen für die libanesische Bevölkerung sind verheerend.

Die Hisbollah hat den Libanon allein in den letzten drei Jahren in zwei katastrophale Konfrontationen mit Israel hineingezogen.
Die erste fand nach der von der Hamas angeführten Invasion des südlichen Israels am 7. Oktober 2023 statt, als die Hisbollah vom Libanon aus Israel beschoss, um ihren terroristischen Verbündeten im Gazastreifen als „Unterstützungsfront“ zu dienen.
Der zweite Krieg, den die Hisbollah gegen Israel führte, folgte auf israelische und amerikanische Angriffe auf iranische Ziele im Juni 2025. Die Hisbollah startete erneut Raketen- und Drohnenangriffe auf Israel aus „Solidarität“ mit dem iranischen Regime. Beide Konflikte brachten dem libanesischen Volk erneut Zerstörung, Vertreibung und wirtschaftlichen Zusammenbruch.
Das Muster ist mittlerweile klar: Die Hisbollah entscheidet sich für Tod und Zerstörung, und das libanesische Volk zahlt den Preis dafür.
Die vom iranischen Regime gegründete, finanzierte und bewaffnete Hisbollah agiert weiterhin als Irans mächtigster Stellvertreter im Nahen Osten. Ihre Führer schwören keine Treue dem Libanon, sondern den Mullahs im Iran. Ihre Waffen stehen nicht unter der Kontrolle des libanesischen Staates. Ihre Entscheidungen über Krieg und Frieden werden von der regionalen Strategie des Iran bestimmt und nicht von den nationalen Interessen des Libanon.
Auch wenn es sich nicht um formelle Friedensverhandlungen handelte, signalisierte das Treffen in Washington einen möglichen Schritt hin zu einem strukturierteren Dialog und einer Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und dem Libanon.
Ein Frieden zwischen dem Libanon und Israel käme vor allem dem libanesischen Volk zugute. Er würde den Libanon stabilisieren, den Weg für eine wirtschaftliche Erholung ebnen, Investitionen anziehen und damit beginnen, den jahrzehntelangen Zerfall des Staates umzukehren. Noch wichtiger ist, dass er dem Libanon das zurückgeben würde, was die Hisbollah ihm genommen hat: die Fähigkeit, als souveräner Staat zu agieren, der seine eigenen nationalen Interessen verfolgt.
Der Aufruf des Hisbollah-Führers, die Gespräche in Washington abzusagen, spiegelt die Angst der Terrororganisation wider, dass diplomatische Bemühungen Erfolg haben könnten und der Libanon beginnen könnte, sich aus dem Würgegriff des iranischen Regimes zu befreien. Für das libanesische Volk könnte der Frieden mit Israel etwas Grundlegenderes bieten: die Chance, ihr Land aus dem Kreislauf von Krieg, Tod und Zerstörung zu befreien. Solange sich diese Realität nicht ändert, wird der Libanon nicht nur im Konflikt mit Israel gefangen bleiben, sondern auch in einer tieferen Krise der Souveränität, Identität und des Überlebens.
Khaled Abu Toameh ist ein preisgekrönter arabisch-israelischer Journalist und TV-Produzent. Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute. Übersetzung Audiatur-Online.
























Und nie vergessen was die Mullahs sagen: Der Iran sei heiliger Boden und das gelte ebenso wie der Bau an der Atombombe.
Immerhin müssen sich D. Trump und B. Netanjahu sich an Regeln halten im aktuellen Kriegszustand, was nicht für die Mullahs gilt, die im Namen Gottes töten.
Da ist klar, wenn die Mullahs im Westen eine grosse Fangemeinde haben und viele von denen noch behaupten, Israel sei keine Demokratie.
Solcher Unsinn ist in Europa weit verbreitet. Die haben offenbar nicht verstanden was eine Demokratie ausmacht und wie sie definiert wird.
Am Ende ist es daher nur gerecht, wenn der Mullah-Unterstützer ebenso von der Öl-Knappheit und der damit einhergehenden Teuerungswelle betroffen ist, wie alle anderen die fest zur Demokratie stehen.