Start Audiatur Exklusiv SRF am Holocaust-Gedenktag: Kein Grund zur Zurückhaltung

SRF am Holocaust-Gedenktag: Kein Grund zur Zurückhaltung

6
Foto Screenshot SRF
Foto Screenshot SRF
Lesezeit: 5 Minuten

Am 14. April 2026 beging Israel den Holocaust-Gedenktag – Jom Hashoah. Für das Schweizer Radio und Fernsehen SRF war das kein Anlass, antiisraelische Berichterstattung zurückzuhalten. Im Gegenteil: Sowohl «Echo der Zeit» als auch «10vor10» sendeten an diesem Tag Beiträge, die das gewohnte Bild zeichneten – Israel als Täter, die Palästinenser als Opfer. Ein Zeichen dafür, mit welcher Selbstsicherheit SRF seine redaktionelle Linie gegen Israel weiterverfolgt.

von Hanspeter Büchi

Die gegen Israel gerichtete Berichterstattung – und das betrifft leider die meisten Schweizer Medien – hat das Bild Israels für viele zum Feindbild gemacht. Online-Kommentare gewisser Zeitungen erinnern an längst vergangene Zeiten. Und gleichzeitig blicken wir auf Konferenzen und Anlässe gegen Antisemitismus zurück, während der Bericht 2025 der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus eine erneute Zunahme antisemitischer Vorfälle dokumentiert. Erstaunlicherweise scheint niemand den Zusammenhang zwischen einseitiger Medienberichterstattung und wachsendem Israelhass wahrnehmen zu wollen. Politiker scheuen die Konfrontation mit den Medien. Zu Unrecht und ein Fehler.

«Echo der Zeit»: Das «besetzte Westjordanland» und seine Auslassungen

In der Sendung «Echo der Zeit» berichtete Anna Trechsel über die Situation der Palästinenser im Westjordanland unter dem Titel «Gefangen im eigenen Land». Das Bild war vertraut: Strassensperren, eingeschränkte Mobilität, 850 Barrieren und Checkpoints gemäss einer UNO-Statistik, grosse Tore vor Dorf- und Stadteingängen. Dazu kamen Berichte über wirtschaftliche Folgen und angebliche Willkür israelischer Soldaten – illustriert durch einen Besuch in der Ortschaft Sinjil. Die IDF-Pressestelle kam zwar kurz zu Wort und erklärte, die Massnahmen basierten auf operativen Erkenntnissen aus dem Massaker vom 7. Oktober, um neue Anschläge zu verhindern. Das war es dann aber auch mit der israelischen Perspektive.

Der Beitrag ist eine Fortsetzung der einseitig antiisraelischen Berichterstattung von SRF. Es wechseln die Umstände, doch die Argumente bleiben dieselben: Einschränkungen, Besatzung, Armee, Siedler. Abgesehen von der IDF-Pressestelle kommen keine israelischen Stimmen zu Wort – und wenn, dann bedient man sich linker, antiisraelischer NGOs, deren Aussagen mehr als fragwürdig sind.

Wo bleiben die Stimmen von Siedlerorganisationen? Wo die Perspektive jener, die sich mit palästinensischen Attacken gegen Juden befassen? Gemäss dem israelischen Inlandsgeheimdienst Shin Bet fanden 2024 über 6’800 palästinensische Angriffe gegen Israelis statt – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Eine Zahl, die Angriffe gegen Palästinenser weit in den Schatten stellt. Bei SRF ist das kein Thema.

Die Armeepräsenz im Westjordanland hat einen Grund: Es muss jederzeit mit Terror gerechnet werden. Umfragen zeigen zudem, dass eine massive Mehrheit der Palästinenser den Staat Israel nach wie vor ablehnt und das Massaker 7. Oktober 2023 als legitimen Widerstand betrachte. Wwas nicht überrascht, denn bereits Kinder werden an UNRWA-Schulen gegen Juden und Israel indoktriniert. Die Charta von PLO und Fatah hat die Vernichtung Israels zum Ziel.

Was SRF verschweigt: Völkerrecht und Geschichte

Anna Trechsel spricht durchgehend vom «besetzten Westjordanland» – und ignoriert dabei den völkerrechtlichen Kontext vollständig.

Seit den Oslo-Verträgen von 1993/95 ist das Westjordanland in drei Zonen aufgeteilt: Zone A und B werden von den Palästinensern autonom verwaltet (die Sicherheit in Zone B verblieb bei Israel), Zone C wird allein von Israel verwaltet. Vom «besetzten Westjordanland» zu sprechen ist seit Oslo faktisch falsch.

Völkerrechtlich gehört das Gebiet – bekannt als Judäa und Samaria – ohnehin zu Israel: Das Völkerbundmandat von 1922 bestimmte das gesamte Gebiet vom Jordan bis zum Mittelmeer für die jüdische Heimstätte. Jordanien besetzte Judäa und Samaria im arabischen Angriffskrieg von 1948/49 illegal und nannte es neu «Westjordanland». Im Sechstagekrieg von 1967 befreite Israel das Gebiet, einschliesslich Ostjerusalems.

Der Internationale Gerichtshof kam 2024 zwar zu einer anderen Auffassung – doch sein Gutachten basiert auf einer antiisraelischen, rechtlich unverbindlichen UNO-Resolution. Weder die Stichhaltigkeit dieser Resolution noch die völkerrechtlichen Grundlagen Israels wurden im Verfahren geprüft. Es fand kein Fact-Finding-Prozess statt. Der Präsident des Gerichts war der Libanese Nawaf Salam – ein langjähriger Gegner Israels in der UNO. Die ablehnende Begründung der Richterin Julia Sebutinde ist in diesem Zusammenhang äusserst lesenswert: eine Lektion in internationalem Recht.

Siedlergewalt: Die verdrehte Statistik

«Siedlergewalt» ist eines der meistgenutzten Schlagwörter in der Berichterstattung über Israel. Doch die UNO-Statistiken, auf die sich Medien wie SRF stützen, sind methodisch höchst fragwürdig. Kritiker – darunter israelische Stellen und unabhängige Medienbeobachter – weisen darauf hin, dass rund 90% der erfassten «Siedlergewalt»-Vorfälle Ereignisse umfasst, die mit Gewalt nichts zu tun haben: Zusammenstösse zwischen Palästinensern und Armee oder Polizei, gefasste oder getötete palästinensische Attentäter, sogar jüdische Besucher auf dem Tempelberg werden mitgezählt.

Jüdische Siedlungen in Zone C waren in den Oslo-Abkommen kein Thema. Umgekehrt sind palästinensische Bauten in Zone C illegal – und von der EU und auch der Schweiz finanziert. Bei SRF ist das kein Thema.

«10vor10»: Libanon ohne Kontext

Auch der «10vor10»-Beitrag zum Libanon folgte dem bekannten Muster. Gleich zu Beginn wurden israelische Geschütze gezeigt, die die Stadt Tyros beschiessen. Eine Million Vertriebene, über 2’000 Tote, mehr als 6’000 Verletzte – diese Zahlen wurden präsentiert, ohne auch nur ansatzweise zu erklären, wie es dazu kam.

Die Hisbollah griff am 2. März mit Raketen Israel an, um dem Iran beizustehen. Doch bereits seit dem 7. Oktober 2023 beschoss die Hisbollah massiv den Norden Israels zur Unterstützung der Hamas. Rund 80’000 Bewohner Nordisraels mussten ihre Häuser verlassen und in den Süden des Landes flüchten. Das Gebiet wurde durch Beschuss und Brände verwüstet. Israel schlug zurück – und muss dies weiterhin tun, denn die Hisbollah beschiesst trotz Waffenstillstand nach wie vor israelisches Gebiet.

Immer wieder berichtet SRF über israelische Angriffe, ohne auf die vorangegangenen Angriffe der Hisbollah hinzuweisen. Wer Angreifer ist und wer Opfer, bleibt im Dunkeln. Eher wird das Bild Israels als erbarmungslose Zerstörerin gezeichnet – die Hisbollah als eigentliche Ursache des Konflikts kommt kaum vor. Und von «Vertriebenen» zu sprechen ist in diesem Zusammenhang falsch und tendenziös: Israel warnt die Zivilbevölkerung vor bevorstehenden Angriffen, damit sie sich in Sicherheit bringen kann.

Was SRF am 14. April 2026 ausstrahlte, war keine ausgewogene Berichterstattung. Es war das Gewohnte: einseitig, lückenhaft, antiisraelisch. Wie Simone de Beauvoir sagte: Die schlimmste Lüge ist die Auslassung.

SRF hat den Auftrag, die Schweizer Bevölkerung umfassend und ausgewogen zu informieren. Diesem Auftrag wird der öffentlich-rechtliche Sender in seiner Israelberichterstattung seit Jahren nicht gerecht. Dass dies ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag so offenkundig wird, ist mehr als stossend.  

6 Kommentare

  1. In der Schweiz sind Bürger gezwungen, Serafe zu zahlen, auch wenn sie die Berichterstattung des SRF als einseitig oder anti-israelisch empfinden.

    Niemand kann jedoch zwingen, dass man SRF schaut.

    Viele meiner Bekannten schalten es einfach nicht ein und suchen sich alternative Quellen wie X, die oft unabhängiger berichten.

    Audiatur-online leistet hier einen unverzichtbaren Beitrag zur Schweizer Demokratie, indem es Fehlberichterstattungen dokumentiert. Es wäre wünschenswert, wenn diese kritische Arbeit mehr Anerkennung fände. Vielleicht sogar eine unabhängige Forschung an Schweizer Universitäten, die die SRF-Narrative im Vergleich zu alternativen Quellen analysiert.

    Die Hamas ist in der Schweiz als Terrororganisation anerkannt. Doch wie oft hat das SRF die Hamas direkt für das Leid in Gaza verantwortlich gemacht? Stattdessen dominieren oft Vorwürfe gegen Israel und ‚radikale Siedler‘. Wo bleiben Berichte über die Finanzierung des Terrors? Gab es je eine tiefgehende Reportage darüber, wie die Terror-Tunnel in Gaza und im Libanon gebaut wurden?

    Historisch betrachtet: 1948 griffen arabische Länder Israel an, mit dem Ziel der Vernichtung und Landnahme. Dabei wurden rund 800.000 Juden aus arabischen Ländern vertrieben, und das Leben europäischer Juden wurde durch Pogrome (wie in Jedwabne) auch nach dem Holocaust weiter bedroht. Wenn heute in europäischen Medien Israel (nur 30 km breit zu sein) dafür kritisiert wird, oder pauschal als ‚Schuldiger‘ gegenüber den Arabern dargestellt wird, stellt sich die Frage: Ist es wirklich so schwierig, die historische Realität und die Sicherheitsdilemmata Israels zu verstehen?

  2. UND NOCH WAS, MIT DIESEN FALSCHEN BEITRÄGEN, WIRD EIN GROSSER TEIL DER SCHWEIZERBEVÖLKERUNG ZUM ANTISEMITISMUS HIN – HIRNGEWASCHEN!

  3. Herr Grütter Sie irren sich, durch das Scheitern der unverbindlichen Res.181 blieb die Landzusage laut Völkerbundmanat gültig. Uebrigens waren die politischen Rechte nur für Juden gültig. Für die anderen galten nur die civil and religious rights. Caradon, Verfasser der Resolution 242 erklärte, dass sich Israel keinesfalls auf die Waffenstillstandslinie von 1949 zurückziehen müsse, „its a rotten line, you could not have a worse border….Israel hat 1967 die von Jordanien 1948 völkerrechtwidrig besetzten Gebiete wie Judäa/ Samaria, wie dss Westjordanland bis 1948 hiess, sowje Ostjerusalem ZURÜCKerobert. Nach Jahren des paläst. Terrors unter Arafat wurden 1993/95 die Osloabkommen geschlossen, von Arafat und dann Abbas x-fach gebrochen. In den Zonen A und B erhielten die Palästinenser das Recht auf Selbstverwaltung ( keinen eigenen Staat). Der Terror gegen Israel ging und geht weiter… Es gibt kein „palästinensisches Territorium“ . Die Charta der PLO/Fatah wurde entgegen den Oslo-Verträgen nicht geändert, ihr Ziel ist das Ende Israels.

  4. Ich kann diese Scheinheiligkeit und Selbstgerechtigkeit nicht mehr ertragen !!! Wenn es darum geht andere zu diskreditieren ( Patrick Fischer ) ist SRF jedes Mittel recht. Bei der skandalösen und wiederwärtigen Berichterstattung zu Nahost scheut man sich nicht davor andauernd Halbwahrheiten und echte Lügen zu verbreiten. Immer und immer wieder wird im Newsticker von SRF eine Meldung verbreitet, zu der die israelische Seite noch nicht einmal Stellung genommen hat. Es heisst dann lapidar „Eine Stellungnahme des israelischen Militärs liegt zunächst nicht vor.“ Es folgt darauf aber nie eine Stellungnahme seitens Israels, im Gegenteil, man verfasst schon die nächste Anklage gegen den jüdischen Staat !!! Gerade heute habe ich nach der 2. Mahnung die Zwangsgebühren von SRF bezahlen müssen. Glaubt mir, es hat sich in mir alles dagegen gesträubt. Einen anti israelischen Propaganda Sender auch noch bezahlen zu müssen ist echt unerträglich !!!

  5. Das Mandat von 1922 garantierte tatsächlich die Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung – ermutigte in Artikel 6 aber ausdrücklich auch zur jüdischen Besiedlung westlich des Jordans, «including State lands and waste lands». Dieser Teil gehört zur vollständigen Zitation.

    Resolution 181 von 1947 war eine Empfehlung der Generalversammlung, nicht bindendes Völkerrecht. Sie wurde von arabischer Seite abgelehnt und militärisch bekämpft – sich heute darauf zu berufen, um Grenzen festzulegen, ist juristisch schwach.

    Resolution 242 verlangt den Rückzug «from territories occupied in the recent conflict» – ohne bestimmten Artikel und ohne «all». Lord Caradon, der britische Hauptverfasser, bestätigte ausdrücklich, das sei bewusst so formuliert worden, um einen Rückzug auf die Linien von 1967 gerade nicht zu verlangen. Zudem wurde 242 nach Kapitel VI der UN-Charta verabschiedet, nicht nach Kapitel VII. UN-Generalsekretär Boutros-Ghali hat 1992 öffentlich klärgestellt, dass Kapitel-VI-Resolutionen wie 242 nicht durchsetzbar und nicht bindend sind. Sie ist ein Verhandlungsrahmen («Land gegen Frieden»), keine einseitige Rückzugsverpflichtung.

    Dass der völkerrechtliche Status von Judäa und Samaria umstritten ist, entspricht der Literaturlage. Dass er entschieden sei, entspricht ihr nicht.

  6. Der Artikel ist in vielen Punkten irreführend. Ich beschränke mich auf einen: Das Völkerbundmandat für Palästina von 1922 sah eine jüdische Heimstätte vor und garantierte gleichzeitig explizit die Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung. Der UN Teilungsplan von 1947 empfahl zwei Staaten. Judäa und Samaria gehören völkerrechtlich NICHT zu Israel, sondern sind Gebiet, aus dem sich Israel zurückziehen muss (verbindliche Resolution 242 des UN Sicheitsrats).

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.