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Wer die Hamas besticht, schafft keinen Frieden – er finanziert den nächsten Krieg

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Hamas-Terroristen am Grenzübergang Erez zwischen Israel und dem nördlichen Gazastreifen am 7. Oktober 2023. Foto IMAGO / ZUMA Press Wire
Hamas-Terroristen am Grenzübergang Erez zwischen Israel und dem nördlichen Gazastreifen am 7. Oktober 2023. Foto IMAGO / ZUMA Press Wire
Lesezeit: 6 Minuten

Ein kürzlich erschienener Bericht sollte alle beunruhigen, denen an Frieden und Sicherheit im Nahen Osten ernsthaft gelegen ist. Demnach erwägt das Board of Peace von US-Präsident Donald J. Trump, palästinensischen Terroristen im Gazastreifen mehrere tausend Dollar für die Abgabe ihrer Gewehre zu zahlen.

von Khaled Abu Toameh

Falls das zutrifft, bedeutet der Vorschlag einen gefährlichen Rückzug vom ursprünglichen Ziel des Trump-Friedensplans vom September 2025: der vollständigen Entmilitarisierung des Gazastreifens und der bedingungslosen Entwaffnung der Terrororganisation Hamas und anderer Terrorgruppen.

Statt darauf zu bestehen, dass die Hamas ihre terroristische Infrastruktur bedingungslos auflöst, sprechen internationale Vermittler nun offenbar über einen Plan, Terroristen für die Abgabe eines Teils ihrer Waffen zu bezahlen und sie in «Rehabilitationsprogramme» aufzunehmen.

Nach Angaben von KAN, der israelischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt, soll das international finanzierte Programm Bewohnern des Gazastreifens mehrere tausend Dollar für jede abgegebene Schusswaffe bieten, auch Mitgliedern der Hamas. Besonders im Blick stehen Sturmgewehre vom Typ Kalaschnikow. Die Teilnehmer müssten zudem der Gewalt abschwören und sich künftig überwachen lassen.

Der Vorschlag beruht auf zwei Annahmen. Beide sind gefährlich falsch. Die erste lautet, islamistische Terroristen liessen sich mit Geld dazu bewegen, den Dschihad – den Heiligen Krieg – aufzugeben. Die zweite lautet, wer seine Waffen abgibt, sage dem Terrorismus tatsächlich ab.

Die Hamas selbst hat längst gezeigt, warum beide Annahmen falsch sind. Die Antwort kam von ihrem getöteten Anführer Ismail Hanija.

Hanija machte 2020 öffentlich, dass seine Organisation ein Angebot über 15 Milliarden Dollar für Entwicklungsprojekte im Gazastreifen abgelehnt hatte. Das Paket umfasste Berichten zufolge einen Flughafen, einen Seehafen, Industriezonen, grosse Wirtschaftsprojekte und die Aufhebung der von Israel und Ägypten verhängten Beschränkungen. Die einzige Bedingung war, dass die Hamas ihre militärische Infrastruktur auflöst, ihre Waffen abgibt und ihre Kämpfer in zivile Einrichtungen eingliedert. Hanija räumte stolz ein, dass die Hamas das Angebot ausgeschlagen hatte.

«Wir wollen einen Hafen in Gaza», sagte er, «aber als Recht und nicht im Tausch gegen unsere politischen Grundsätze oder gegen unsere Entwaffnung.»

Er erklärte, die Hamas sei aufgefordert worden, «unsere militärischen Verbände aufzulösen … unsere Waffen auszumustern … und die Fähigkeit Gazas zur Selbstverwaltung aufzulösen».

Hanijas Antwort war unmissverständlich. «Unser Grundsatz lautet: Palästina vom [Jordan-]Fluss bis zum [Mittel-]Meer», verkündete er. Damit machte er deutlich, dass die Hamas ihren Dschihad gegen Israel einem Flughafen, wirtschaftlicher Entwicklung und Milliarden an internationalen Investitionen vorzieht.

Die Hamas lehnte 15 Milliarden Dollar schon vor ihrem Massaker in Israel vom 7. Oktober 2023 ab, weil sie den Terrorismus nicht aufgeben wollte. Warum sollte also irgendjemand glauben, dass ein paar tausend Dollar für einzelne Hamas-Mitglieder heute zu einem anderen Ergebnis führen? Das wird nicht geschehen.

Jahrelang haben Unterstützer der Hamas behauptet, die Gewalt sei eine Folge von Armut, Arbeitslosigkeit und der israelischen Blockade des Gazastreifens. Hanija selbst hat dieses Argument zerstört. Seine eigenen Worte zeigten, dass der Gazastreifen die Chance auf eine beispiellose wirtschaftliche Entwicklung hatte. Sie hätte ihn zum Singapur des Nahen Ostens gemacht.

Das Hindernis war nie Israel. Das Hindernis war die Hamas. Die Terrororganisation entschied sich bewusst für den Krieg statt für den Wohlstand. Sie zog Raketen einem Flughafen und einem Seehafen vor, Tunnel den Fabriken, Sturmgewehre den Arbeitsplätzen und den Dschihad der wirtschaftlichen Entwicklung. Die Hamas lehnte all diese Projekte ab, weil sie ihre ideologische Verpflichtung zur Zerstörung Israels nicht aufgeben wollte.

Wer noch immer behauptet, der 7. Oktober sei die Folge wirtschaftlicher Not gewesen, sollte auf Hanijas Eingeständnis hören. Die Hamas hatte die Wahl. Sie entschied sich bewusst für den Terror.

«Die Entwicklung Gazas wurde blockiert, weil die islamistische Terrorgruppe das Gebiet in eine Festung aus Gewalt, Tunneln, Raketen, Schmuggel und Radikalisierung verwandelt hat», kommentierte der palästinensische Politanalyst Ahmed Fouad Alkhatib. «Gaza hatte eine echte Chance, zum Kronjuwel des palästinensischen Volkes zu werden, zu einem wirklich überzeugenden Modell für Wohlstand und Selbstverwaltung.»

Ein weiterer aktueller Bericht macht den Vorschlag, palästinensischen Terroristen mehrere tausend Dollar für ihre Gewehre zu zahlen, noch bedenklicher.

Palästinensischen Quellen zufolge hat die Hamas bereits begonnen, Gewehre als angebliches «Privateigentum» an ihre Kämpfer zu verteilen. Der Zweck ist offenkundig: Die Waffen sollen in den Händen von Hamas-Mitgliedern bleiben, selbst wenn die Organisation einer Entwaffnung formell zustimmt.

Eine palästinensische Quelle sagte unverblümt: «Die Hamas wird sich nicht entwaffnen. Punkt.»

Dieser eine Satz sollte jede Illusion über das geplante Rückkaufprogramm beenden.

Selbst wenn die Hamas nach dem jüngsten Fahrplan des Board of Peace zustimmt, einen Teil der schweren Waffen «einzulagern», bliebe sie im Besitz von Zehntausenden automatischen Gewehren. Diese Gewehre genügen bei weitem für ein weiteres Massaker nach dem Muster des 7. Oktober.

Die Terroristen, die am 7. Oktober in den Süden Israels eindrangen, brauchten weder Panzer noch Kampfjets. Sie ermordeten rund 1200 Israelis und ausländische Staatsangehörige mit Kalaschnikow-Gewehren, Handgranaten, Panzerabwehrgranaten und Sprengsätzen. Die Hamas braucht keine schweren Waffen, um Zivilisten zu massakrieren. Darf sie ihre leichten Waffen behalten, behält sie auch die Fähigkeit, erneut zu morden.

Der jüngste Rückkaufvorschlag übersieht zudem eine grundlegende Tatsache über islamistische Terrororganisationen: Geld macht Dschihadisten nicht gemässigter, es macht sie stärker.

Jedes Hamas-Mitglied, das für ein abgegebenes Gewehr mehrere tausend Dollar erhält, kann über die weitverzweigten Schmuggelnetze der Organisation problemlos eine neue Waffe kaufen. Die Hamas könnte sogar veraltete Waffen abgeben und mit internationalem Hilfsgeld neuere und modernere Waffen beschaffen. Der Vorschlag droht damit zu einem international finanzierten Aufrüstungsprogramm für die Hamas und andere Terrorgruppen im Gazastreifen zu werden.

Ebenso wirklichkeitsfremd ist die Vorstellung, islamistische Terroristen liessen sich mit finanziellen Anreizen «rehabilitieren». Dschihadisten werden nicht zu Friedensaktivisten, weil sie einen Lohn erhalten. Terrororganisationen wie die Hamas, die Hisbollah, al-Qaida und der IS werden von Ideologie und religiösem Extremismus angetrieben. Für sie ist der bewaffnete Dschihad eine göttliche Pflicht. Kein Rehabilitationsseminar kann jahrzehntelange Indoktrination auslöschen.

Das Board of Peace forderte ursprünglich das, was von Anfang an selbstverständlich hätte sein müssen: die vollständige Entmilitarisierung des Gazastreifens. Irgendwie ist aus diesem klaren Ziel eine Debatte über das «Einlagern» von Waffen, über deren Rückkauf und über Zahlungen an Terroristen für teilweise Erfüllung geworden. Für diese Verschiebung gibt es nur ein Wort: Kapitulation.

Keine Terrororganisation sollte finanziell dafür belohnt werden, dass sie Waffen abgibt, die sie nie hätte besitzen dürfen.

Die Botschaft solcher Vorschläge ist verheerend. Sie sagt Terroristen überall: Wer genug Waffen anhäuft und genug Blut vergiesst, den bezahlt die Welt am Ende dafür, dass er einen Teil seines Arsenals abgibt.

Das einzig annehmbare Ergebnis bleibt dasselbe wie vor Beginn der Verhandlungen: Die Hamas muss sich als militärische und als politische Organisation bedingungslos auflösen. Ihre Waffen müssen beschlagnahmt und nicht gekauft oder «eingelagert» werden. Ihre Dschihad-Ideologie darf niemals mit Geld belohnt werden. Alles andere bringt keinen Frieden und keine Sicherheit. Es finanziert nur den nächsten Krieg.

Khaled Abu Toameh ist ein preisgekrönter arabisch-israelischer Journalist und TV-Produzent. Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute. Übersetzung Audiatur-Online.

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