Start Israel und Region Wachposten an der Grenze der Philister: Festung Gal’on wieder offen

Wachposten an der Grenze der Philister: Festung Gal’on wieder offen

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Die Festung nach Abschluss der Ausgrabungen – ein Zeugnis aus der Zeit der biblischen Richter. Foto Israelische Altertumsbehörde
Die Festung nach Abschluss der Ausgrabungen – ein Zeugnis aus der Zeit der biblischen Richter. Foto Israelische Altertumsbehörde
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Im Guvrin-Wald in der Schefela, dem Hügelland zwischen der Küstenebene und dem Bergland von Judäa, ist am Donnerstag, 29. Oktober 2026, die Festung Gal’on neu eingeweiht worden. Der Jüdische Nationalfonds Keren Kayemeth LeIsrael (KKL-JNF) und die israelische Antikenbehörde haben die rund 3200 Jahre alte Anlage aus der Mitte des 12. Jahrhunderts vor Christus restauriert und auch für Besucher mit Behinderung zugänglich gemacht.

Laut Israel National News hat der KKL-JNF rund 400’000 Schekel (ca. 115’000 Euro) in die Arbeiten investiert. Mit dem Geld wurde die Zitadelle selbst konserviert und erneuert. Die Bauten erhielten einen Schutzanstrich, der sich in die Landschaft und in den Charakter des Ortes einfügt, und die Räume der Zitadelle wurden so hervorgehoben, dass die ganze Anlage gut zu erkennen ist. Für die Besucher entstanden ein Parkplatz, eine neue Zufahrtsstrasse, ein Picknickplatz und eine neue Beschilderung, dazu Parkplätze für Menschen mit Behinderung und ein barrierefreier Weg bis zur Zitadelle.

Für Besucher ist der Ort nicht ganz neu. Die Antikenbehörde hatte den Fund im August 2020 vorgestellt, und am 25. August 2020 wurde die Stätte erstmals und vorläufig für das Publikum geöffnet, damals kostenlos und mit einem Picknickplatz sowie einigen Erklärungstafeln. Mit der jetzigen Erneuerung haben die beiden Institutionen die Arbeiten an Grabung, Konservierung, Erschliessung und Barrierefreiheit abgeschlossen.

Mitten im Wald, über einer alten Strasse

Die Festung liegt im Herzen des Guvrin-Waldes, dessen Anpflanzung 1963 begann. Der Wald umfasst rund 4400 Dunam, also etwa 440 Hektaren, und liegt nach Angaben von Israel National News rund 40 Autominuten südlich von Jerusalem. Neben Nadelbäumen wachsen dort Laubbäume und mediterraner Buschwald. Die Fundstelle befindet sich beim Kibbuz Gal On in der Nähe von Kirjat Gat, unweit des Guvrin-Baches.

Die Anlage misst 18 auf 18 Meter, an ihren vier Ecken standen Wachtürme. Am Eingang blieb eine mächtige Schwelle erhalten, die aus einem einzigen, rund drei Tonnen schweren Felsblock gehauen wurde. Im Inneren lag ein mit Steinplatten ausgelegter Hof mit Säulen in der Mitte, an beiden Seiten schlossen Räume an. Darin fanden die Ausgräber Hunderte Tongefässe, einige davon noch ganz, darunter eine Schale und einen Becher, die wahrscheinlich für religiöse Rituale dienten. Viele Schalen waren im Stil ägyptischer Gefässe gefertigt. Der Bautyp ist laut der Antikenbehörde als ägyptisches «Gouverneurshaus» bekannt und wurde auch an anderen Orten in Israel ausgegraben.

Freigelegt wurden die Mauern unter der Leitung der Archäologen Saar Ganor und Itamar Weissbein von der Antikenbehörde. Mitgegraben haben Schüler der Abteilung für Israel-Studien an der Multidisziplinären Schule in Beerscheba, Teilnehmer der vormilitärischen Vorbereitungsschule Nachschon und weitere Freiwillige. Die Behörde wollte damit, wie sie 2020 schrieb, die breite Öffentlichkeit und besonders die junge Generation näher an die Archäologie heranführen.

Zwischen Gat und Lachisch

Die beiden Ausgräber sehen in der Festung ein Zeugnis der unruhigen Zeit, die in der Bibel im Buch der Richter geschildert wird. «Die Festung Gal’on gewährt einen Einblick in die geopolitische Wirklichkeit, die das Buch der Richter beschreibt, in der Kanaaniter, Israeliten und Philister gegeneinander kämpften», erklärten Ganor und Weissbein. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts vor Christus sei das Land Kanaan noch von den Ägyptern beherrscht worden, und seine Bewohner seien deren Untertanen gewesen. «In dieser Zeit traten zwei weitere grosse Akteure in der Region auf, die Israeliten und die Philister, was zu einer Reihe blutiger Kämpfe um Gebiete führte», so die Archäologen.

Nach der Darstellung der Antikenbehörde von 2020 liessen sich die Israeliten in unbefestigten Siedlungen im Bergland von Benjamin und Judäa nieder. Die Philister gewannen an der südlichen Küstenebene an Macht und gründeten grosse Städte wie Aschkelon, Aschdod und Gat. Bei ihrem Versuch, weitere Gebiete zu erobern, stiessen sie an einer Grenzlinie auf Ägypter und Kanaaniter. Diese Grenze verlief wahrscheinlich am Guvrin-Bach, zwischen dem philistäischen Königreich Gat und dem kanaanitischen Königreich Lachisch, in deren Nähe die Festung steht. «Es scheint, dass die Festung Gal’on an einem strategischen Ort errichtet wurde, mit Blick auf die Hauptstrasse, welche die Küstenebene mit der Schefela verband, als Teil eines kanaanitischen oder ägyptischen Versuchs, mit der neuen geopolitischen Lage umzugehen», sagen Ganor und Weissbein.

Lange hielt diese Ordnung nicht, denn Mitte des 12. Jahrhunderts vor Christus verliessen die Ägypter Kanaan und kehrten nach Ägypten zurück. Ihr Abzug führte laut den Ausgräbern zur Zerstörung der nun schutzlosen kanaanitischen Städte, vermutlich durch die Philister. Nach dieser Einschätzung war die Festung also kein israelitischer Bau, sondern eine kanaanitische oder ägyptische Anlage. Sie zeigt aber, wie umkämpft das Land in der Zeit war, in der sich die Israeliten im Bergland niederliessen.

Vom Grabungsfeld zum Ausflugsziel

Für den KKL-JNF gehört die Festung zum Kern seines Auftrags. Eyal Ostrinsky, der die Organisation seit Anfang 2026 führt, sagte bei der Einweihung: «Die Bewahrung der Kulturerbestätten des Landes Israel ist Teil unserer Verbindung zu unseren Wurzeln und unserer Verantwortung, die Geschichte dieses Landes an künftige Generationen weiterzugeben.» Die Zusammenarbeit mit der Antikenbehörde ermögliche es, historisch bedeutende Orte in lebendige, zugängliche und bedeutungsvolle Stätten für die ganze Öffentlichkeit zu verwandeln.

Ami Shahar, stellvertretender Generaldirektor für Konservierung bei der Antikenbehörde, betonte den zweiten Teil der archäologischen Arbeit: «Für uns endet die Archäologie nicht mit dem Freilegen antiker Überreste. Ebenso wichtig ist es, dafür zu sorgen, dass die von der Antikenbehörde ausgegrabenen Stätten für viele Jahre erhalten bleiben, damit die Öffentlichkeit sie auch in Zukunft geniessen kann.» Gal’on sei ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit mit dem KKL-JNF, die bei der Grabung beginne, über die Konservierung führe und mit der Öffnung für Besucher abgeschlossen werde.

Eine Brücke zur Gegenwart schlug Kulturerbe-Minister Amichai Eliyahu von der Partei Otzma Jehudit. «In diesen Tagen, in denen der Staat Israel für seine Sicherheit wachsam sein muss, erinnert uns die Festung Gal’on daran, dass der Kampf um das Land keine neue Geschichte ist», sagte er. Schon in den Tagen der Richter hätten die Gemeinschaften des alten Israel Konflikte mit Nachbarvölkern erlebt. «Und genau wie heute entstand aus einer komplexen Wirklichkeit heraus in dieser Region nach und nach Israels fester Halt im Land unseres Erbes. Der Besuch der Stätte verbindet uns mit unseren Wurzeln und schärft unsere Verantwortung, unser Land weiterhin wachsam zu schützen, aus jeder Richtung.»

Erreichbar ist die Festung heute über die neue Zufahrtsstrasse und einen barrierefreien Weg mitten im Guvrin-Wald. Ob der Besuch wie bei der ersten Öffnung im Jahr 2020 kostenlos ist, geht aus den Berichten zur Wiedereröffnung nicht hervor.

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