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SRF – Sieben Sekunden für neun tote Christen in Jordanien

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Beerdigung der Opfer des islamistischen Anschlags auf eine Kirche in Karak, Jordanien, am 25. Oktober 2026. Foto IMAGO / Xinhua
Beerdigung der Opfer des islamistischen Anschlags auf eine Kirche in Karak, Jordanien, am 25. Oktober 2026. Foto IMAGO / Xinhua
Lesezeit: 4 Minuten

Am 23. Oktober ermordeten Terroristen in einer Kirche in der jordanischen Provinz Karak neun Christen während einer Trauerfeier. SRF widmete dem Massaker sieben Sekunden, obwohl seine Nahost-Korrespondentin nur rund 100 Kilometer entfernt in Amman stationiert ist.

Am 23. Oktober 2026 eröffneten bewaffnete Terroristen während einer Trauerfeier in der griechisch-orthodoxen St.-Georgs-Kirche im Dorf Hamoud in der jordanischen Provinz Karak das Feuer auf die Trauergemeinde. Augenzeugen zufolge schossen sie rund fünf Minuten lang auf 150 bis 200 Menschen. Neun Christen wurden getötet und Dutzende verletzt, wobei das neunte Opfer erst am Samstag im Spital starb. Die jordanische Regierung sprach von einem Terroranschlag und machte Täter mit einer extremistischen islamistischen Ideologie verantwortlich. König Abdullah II. besuchte die Verwundeten im Spital und kündigte die härtesten Strafen an, und am Montagmorgen wurden drei mutmassliche Täter festgenommen.

Internationale Medien berichteten ausführlich über das Verbrechen, darunter die linke deutsche «taz». Sie veröffentlichte am 24. Oktober eine umfangreiche Reportage ihrer Reporterin aus Karak über den Anschlag und die erschütterte christliche Gemeinschaft. Auch Papst Leo XIV. und die deutschen Bischöfe äusserten sich bestürzt.

Bei SRF war zunächst keine entsprechende Berichterstattung auffindbar. Audiatur-Online fragte deshalb bei der Medienstelle nach, ob der Sender in irgendeinem seiner Formate über den Anschlag berichtet habe. Da die Medienstelle von SRF, einem Unternehmen der milliardenschweren SRG, am Wochenende nicht besetzt ist, kam die Antwort erst am Montagnachmittag: «Der Angriff wurde am Freitag, dem 23. Oktober 2026, um 19:00 Uhr auf Radio SRF 1 und Radio SRF 3 thematisiert.»

Der mitgelieferte Link zur Nachrichtensendung führt zu einer Kurzmeldung, die zwischen Minute 2:26 und 2:33 ausgestrahlt wurde. SRF widmete dem Anschlag damit gerade einmal sieben Sekunden. Weitere Beiträge nannte die Medienstelle nicht, und auch eine erneute Recherche bis Montagnachmittag ergab keinen Beitrag in der Tagesschau, bei «10 vor 10» oder auf der Nachrichtenwebsite.

Viel Sendezeit für Olivenernte und «Aktivisten»

In derselben Woche beschäftigte sich SRF ausführlich mit der Olivenernte in Judäa und Samaria (Westjordanland). Am 19. Oktober veröffentlichte SRF einen längeren Onlinebericht seiner neuen stellvertretenden Nahost-Korrespondentin Christina Brun, die laut SRF seit September in der jordanischen Hauptstadt Amman stationiert ist, sowie einen rund dreiminütigen Tagesschau-Beitrag über «Aktivisten», die palästinensische Bauern «begleiten». Am 22. Oktober folgte ein weiterer Videobeitrag über die Bedingungen der Olivenernte. Obwohl Karak nur rund 100 Kilometer südlich von Amman liegt, gab es von dort keinen Bericht über die ermordeten Christen.

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Screenshot SRF

Bei den organisierten Einsätzen zur Olivenernte handelt es sich zudem keineswegs ausschliesslich um gewöhnliche Erntehilfe. Organisationen wie die Kampagne «Protect the Harvest», ein Bündnis palästinensischer, israelischer und amerikanischer Gruppen, verbinden die Unterstützung palästinensischer Bauern ausdrücklich mit politischem Aktivismus und internationaler Mobilisierung gegen Israel. Teilnehmer filmen und provozieren die Auseinandersetzungen mit Siedlern und Soldaten und verbreiten die Aufnahmen über soziale Netzwerke und Medien. Diese Öffentlichkeit ist Teil des politischen Konzepts – und SRF verschafft sie diesen «Aktivisten».

Ein bekanntes Muster in der Berichterstattung

Audiatur-Online hat die Problematik fehlender Berichterstattung über Christenverfolgung bereits früher aufgegriffen. Im Februar 2026 erschien der Beitrag «SRF, die Christen und das vertraute Nahost-Narrativ», im Juni folgte «SRF – Wenn Christen nur dann zählen, wenn Israel ‹der Täter› ist».

Welche Ereignisse eine Redaktion auswählt, zeigt, was ihr wichtig ist. Wenn SRF mehrere ausführliche Beiträge über die Olivenernte im sogenannten «Westjordanland» produziert, politische «Aktivisten» und Provokateure begleitet und deren Sichtweise einem breiten Publikum vermittelt, während neun Tote bei einem Anschlag auf eine christliche Trauerfeier lediglich sieben Sekunden erhalten, liegt das sicher nicht an fehlender Sendezeit. Am Samstag, dem 24. Oktober, lief zum gefühlt 700-hundersten Mal wieder einmal der durchaus sehenswerte Klassiker «Gilberte de Courgenay». Christen im Nahen Osten interessieren SRF offenbar nur, wenn sich Israel als Täter darstellen lässt. In Karak waren die Täter laut der jordanischen Regierung Islamisten, was nicht in dieses Bild passt.

Die SRG wies 2025 einen Betriebsertrag von 1,56 Milliarden Franken aus, den grössten Teil davon aus der Medienabgabe. Dass SRF neun ermordete Christen mit sieben Sekunden abspeist, während seine Nahost-Korrespondentin rund 100 Kilometer vom Tatort entfernt stationiert ist und nichts dazu zu sagen hat, ist schlicht und einfach eine Schande.

1 Kommentar

  1. Wenn der Schweizer Landessender sich über Jahre und Jahrzehnte hinweg tendenziös, einseitig, unausgewogen und antisemitisch gibt – und dies mit Zwangsabgaben unausweichlich unterstützt werden muss, lässt dies nur einen Schluss zu: Der Schweizer Staat ist tendenziös, einseitig, unausgewogen und antisemitisch. Kein Wunder, dass der Staat mit seinen Organen nicht ernst genommen und zunehmend als Diktatur empfunden wird.

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