Anthropic, OpenAI und SpaceX haben angekündigt, den israelischen Markt künftig selbst oder über einheimische Partnerfirmen zu bearbeiten. Bisher nutzten israelische Kunden die KI-Systeme der drei Konzerne aus der Ferne über monatliche Lizenzen.
Als Grund nennt die israelische Wirtschaftszeitung Globes den Druck der Investoren, vor oder während eines Börsengangs mehr Umsatz zu erzielen, sowie den scharfen Wettbewerb unter den Anbietern. Die Nachfrage in Israel ist hoch: Im Nutzungsindex, den Anthropic im Rahmen seines Economic Index veröffentlicht, belegt Israel bei der Verwendung von Claude im Verhältnis zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter weltweit den ersten Platz.
OpenAI hat seit Anfang Oktober zwei erfahrene israelische Manager eingestellt, die seine Produkte im Land verkaufen sollen. Motti Hadas war laut Globes früher in leitender Funktion beim IT-Konzern Matrix und arbeitete vor seinem Wechsel mehrere Jahre beim Datenbankanbieter MongoDB, wie das Portal Calcalist berichtet. Ido Perlson verantwortete bei Amazon Web Services (AWS) den Verkauf an israelische Start-ups und gründete danach ein eigenes Unternehmen, das er an den Softwarekonzern Amdocs verkaufte. Hadas bezeichnete sich auf LinkedIn als ersten Mitarbeiter von OpenAI für den Marktaufbau in Israel. Seine Ernennung zeige, «welche Bedeutung OpenAI dem israelischen Tech-Ökosystem beimisst».
Laut Globes sollen die beiden direkt der britischen Division von OpenAI unterstellt sein, sodass es keinen eigenen Regionalchef für Israel braucht. Ein Kaderangehöriger aus der israelischen IT-Branche, der anonym bleiben wollte, erwartet, dass Hadas und Perlson eine «A-Liste» der ersten 100 grossen und schnell wachsenden Kunden zusammenstellen. Die beiden könnten relativ grosse Unternehmen finden, «die bereit sind, ein Risiko einzugehen und erhebliches Kapital in OpenAI zu investieren, zuerst im Kleinen, um dann gemeinsam mit OpenAI zu wachsen». Schon seit Monaten arbeitet OpenAI zudem über sein internationales Select-Partnerprogramm mit CloudZone zusammen, der Cloud-Sparte von Matrix, sowie mit den israelischen Firmen Abra und AllCloud.
Anthropic wählt seine Partner streng aus
Am Sonntag gab CloudZone bekannt, dass die Firma im Partnernetzwerk von Anthropic für Dienstleistungen rund um Claude den Status «Select» erhalten hat. Zu diesem Netzwerk gehören in Israel auch Abra und AllCloud, und alle drei mussten laut Globes strenge Kriterien erfüllen. Ori Tabachnik, Vizepräsident für den weltweiten Verkauf bei CloudZone, beschreibt das Verfahren so: «Wir haben alle unsere Mitarbeiter zertifizieren lassen, und diese Zertifikate gelten nur sechs Monate. Das ist in der Branche beispiellos.» Anthropic habe ausserdem Nachweise ihrer Fähigkeiten und eine Liste der bestehenden und möglichen Kunden verlangt und am Ende nur die am schnellsten wachsenden Anbieter zugelassen.
CloudZone hatte zuvor jahrelang Amazon, Google und Microsoft in Israel vertreten. Tabachnik vergleicht die heutige Lage mit dem Jahr 2012, als die Nachfrage nach Cloud-Diensten einsetzte. Eine ähnliche Nachfrage sehe er jetzt bei der künstlichen Intelligenz: «Es fühlt sich an, als würde sich die Geschichte wiederholen.» Die Kunden wollten Anwendungen, die auf ihre eigenen Bedürfnisse zugeschnitten sind, statt fertige Software wie Salesforce zu kaufen. Solche Kunden finden sich laut Globes vor allem im Finanz- und Gesundheitswesen, in der Verwaltung und im Verteidigungsbereich, wo lokale Beschaffung, die Einhaltung einheimischer Vorschriften, eine sichere Anmeldung der Nutzer und strenge Cybersicherheit verlangt werden.
SpaceX setzt auf einen einzigen Vertreter
SpaceX ist erst durch zwei Übernahmen zu einem KI-Konzern geworden. Anfang 2026 übernahm Elon Musks Raumfahrtfirma das KI-Unternehmen xAI, das hinter dem Sprachmodell Grok steht. Mitte August schloss SpaceX zudem den Kauf von Cursor ab, einem verbreiteten Werkzeug für das Programmieren mit KI, für 60 Milliarden Dollar in Aktien. In Israel will SpaceX laut Globes vor allem Grok Bot, ein System für persönliche KI-Agenten, und Cursor verkaufen. Als ersten und vorerst einzigen Vertreter hat der Konzern E-Square gewählt, die KI-Beratungs- und Entwicklungssparte der IT-Gruppe Malam Team.
«Der Wechsel zwischen verschiedenen KI-Werkzeugen und Modellen ist sehr einfach, und die Firmen bemühen sich, eine solche Abwanderung zu verhindern», sagt Eliran Eliasy, Chef von E-Square. Ein Weg dazu sei ein Team vor Ort, das die Kunden begleitet und Werkzeuge mitbringt, um die Rechenkosten zu senken und die Nutzung im Unternehmen zu überwachen. Abgerechnet wird bei KI-Diensten nach sogenannten Tokens, also nach der Menge der verarbeiteten Textbausteine. «Niemand will eines Morgens mit einer überraschenden Rechnung über 100’000 Dollar aufwachen, die ein Entwickler durch unkontrollierten Tokenverbrauch verursacht hat.»
Die Vertreter vor Ort bringen den Konzernen zwar grössere Aufträge, schmälern aber ihre Gewinnmarge, weil Partner wie CloudZone oder E-Square die aufwendigen Projekte umsetzen. Viele in der Branche verweisen auf Palantir, das ebenfalls mit Vertretern beim Kunden arbeitet. Der Datenanalyse-Konzern wies Anfang August für das zweite Quartal eine bereinigte operative Marge von 62 Prozent aus. Palantir bewegt sich jedoch in einem Markt mit wenig Konkurrenz, während Anthropic und OpenAI laut Globes derzeit hohe Verluste schreiben.
Zudem binden sich die israelischen Partner bewusst nicht an einen einzigen Anbieter. E-Square ermuntert Nutzer von Grok, je nach Bedarf und Kosten zwischen verschiedenen Sprachmodellen zu wechseln, und bietet für einfache Aufgaben auch kostenlose quelloffene Modelle an. CloudZone wirbt mit einem eigenen Produkt, das den raschen Wechsel zwischen den Modellen von OpenAI, Anthropic und Google erleichtert und so Kosten senken soll. Die Konzerne wollen ihre Kunden in Israel enger an sich binden, doch ihre Partner vor Ort verdienen gerade daran, dass diese Kunden leicht von einem Anbieter zum anderen wechseln können.





























