
In der Nacht auf den 29. September 2026 haben israelische Randalierer im Dorf Jalud bei Nablus Brandanschläge verübt. Sie wollten verhindern, dass die israelische Armee eine arabische Familie auf Anordnung des Obersten Gerichts in ihr Haus zurückbringt. Soldaten und Grenzpolizisten schirmten die Familie mit ihren Körpern ab und drei Verdächtige wurden festgenommen. Staatspräsident Herzog, Premierminister Netanyahu und die Armee verurteilen die Tat in scharfen Worten.
Die Familie Tubasi hatte ihr Haus in Jalud am 22. Juli verlassen. Laut der Tageszeitung Ynet begannen die Übergriffe Anfang April mit einem ersten Brandanschlag. Danach liessen sich Siedler in der Nähe der Häuser nieder, brachen eine Mauer auf, setzten einen Lagerraum in Brand und sperrten Ende Juni die Zufahrtsstrasse und kappten die Versorgungsleitungen. Familienvater Mahmoud Tubasi sagte: «Fast drei Monate lang waren wir in unserem Haus belagert, und am Ende haben sie uns vertrieben.»
Der Fall kam vor das Oberste Gericht, und die Familie bekam recht. Das Oberste Gericht Israels verpflichtete den Staat am 6. September, die sichere Rückkehr der Familie innert 14 Tagen zu ermöglichen.
In der Nacht auf Dienstag schickte die Armee Truppen nach Jalud, um die Familie wie angeordnet nach Hause zu begleiten. Dort warteten nach Angaben der Armee israelische Randalierer. Sie blockierten Strassen, zündeten Reifen an und bewarfen die Sicherheitskräfte mit Steinen. Zudem setzten sie Fahrzeuge und weiteres Eigentum in Brand. Zwei Häuser der Familie Tubasi gingen dabei offenbar in Flammen auf. Laut israelischen Medienberichten wurden drei Grenzpolizisten durch Steinwürfe leicht verletzt. «Wegen der Gewalt konnte der Auftrag, die Familie nach Hause zu bringen, nicht abgeschlossen werden», hielt die Armee fest.
Die Tageszeitung Israel Hayom schildert, wie Soldaten und Grenzpolizisten die Angehörigen der palästinensischen Familie mit ihren eigenen Körpern vor den Angreifern schützten, Mittel zur Auflösung der Randalierer einsetzten und Verstärkung anforderten. Aus den Sicherheitskreisen hiess es: «Für solche Ereignisse gibt es im Staat Israel keinen Platz. Diese Erscheinungen müssen an der Wurzel ausgerottet werden.»
Ermittlungen von Polizei und Schin Bet
Die Sicherheitskräfte nahmen drei Verdächtige fest. Zwei Jugendliche im Alter von 15 und 17 Jahren wurden von Soldaten festgehalten und der Polizei übergeben. Einen 18-jährigen Jerusalemer verhafteten Polizisten am Rand des Dorfes. In seinem Auto fanden sie Sturmhauben, einen Knüppel und weitere Gegenstände, die ihn mit der Gewalt in Verbindung bringen. Die Polizei beschlagnahmte sein Fahrzeug sowie ein zweites Auto, das nach ihrer Einschätzung von Beteiligten benutzt wurde. Kriminalpolizei und Inlandsgeheimdienst Schin Bet haben ein formelles Ermittlungsverfahren eröffnet. Ermittler sollen unter dem Schutz der Armee und zusammen mit der Spurensicherung ins Dorf zurückkehren, um Beweise zu sichern und Aussagen aufzunehmen. Ein Polizeisprecher kündigte an, man werde alles daransetzen, sämtliche Beteiligten zu finden, festzunehmen und vor Gericht zu bringen.
Klare Worte von ganz oben
Die Armee verurteilte den Angriff in ihrer Mitteilung: «Vorfälle dieser Art destabilisieren die Lage und schaden den Verteidigungs- und Terrorabwehreinsätzen der Sicherheitskräfte.»
Staatspräsident Isaac Herzog schrieb: «Die schwere Gewalt von Randalierern mitten in der Nacht im Dorf Jalud ist eine sehr schwere Tat, die mit der vollen Härte des Gesetzes geahndet werden muss. Das ist ein moralischer Schandfleck, der den Rechtsstaat und unsere grundlegendsten Werte als Volk und als Staat verletzt.»
Premierminister Benjamin Netanyahu erklärte: «Ich verurteile die gewalttätigen Ausschreitungen der vergangenen Nacht in Samaria und die Angriffe auf die Sicherheitskräfte, die vor Ort waren, um Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten, aufs Schärfste. Die Handvoll Randalierer repräsentiert nicht die gesetzestreue Siedlerbevölkerung in Judäa und Samaria, tut ihr grosses Unrecht und hindert unsere Kräfte daran, ihren Auftrag zu erfüllen.» Er stehe voll hinter Armee und Grenzpolizei, «die Terror vereiteln und für Sicherheit sorgen», und fordere die Strafverfolgungsbehörden auf, die Randalierer «mit der ganzen Härte des Gesetzes» zu verfolgen. Aussenminister Gideon Saar nannte die Tat laut der Jerusalem Post «schwerwiegend und verabscheuungswürdig».
Gründer der Siedlerbewegung ziehen eine klare Grenze
Dass solche Angriffe von Juden in Israel breit abgelehnt werden, zeigt auch die Haltung von Pinhas Wallerstein. Er gehört zu den Gründern der Siedlerbewegung und war Generaldirektor des Jescha-Rats, des Dachverbands der jüdischen Gemeinden in Judäa und Samaria. In einem Interview mit der linken Zeitung Haaretz im April sagte er über Gewalt gegen Palästinenser und Angriffe auf Soldaten: «Das ist ein Angriff auf die Souveränität des Staates. Das ist Verrat am Staat Israel.»
Siedler aus der Umgebung stellen den Ort des Geschehens anders dar. Gegenüber dem Portal JDN erklärten sie, die beiden Gebäude der Familie Tubasi stünden auf einem seit Jahren umstrittenen Hügel bei der Siedlung Esch Kodesch, den Bewohner von Jalud erst vor rund acht Jahren zu bebauen begonnen hätten. Über diesen Streit hatte das Oberste Gericht entschieden.
Kritiker werfen der israelischen Regierung vor, zu wenig gegen dieses Phänomen zu unternehmen. Zudem sind die Sicherheitskräfte knapp: Die Armee hat ihre Präsenz in Judäa und Samaria zwar von 11 auf 25 Bataillone erhöht, ist aber dennoch über ein grosses Gebiet verteilt.
Netanyahu hatte das Thema bereits in seiner Rede vor der UNO-Generalversammlung am 24. September angesprochen. Er wies den Vergleich mit dem palästinensischen Terror zurück, der aus Judäa und Samaria ausgeht. Palästinensische Terroristen «versuchen, uns zu ermorden, Tausende Versuche pro Jahr gegen Familien, friedliche Familien, die auf den Strassen fahren. Sie schiessen auf schwangere Frauen, sie schiessen auf ganze Familien.» Die internationale Presse berichte stattdessen über «eine Handvoll jugendlicher Straftäter, etwa 150 an der Zahl, die Steine werfen, Olivenbäume fällen und gelegentlich Feuer legen». Er fügte hinzu: «Das kann ich nicht ausstehen. Selbstjustiz dulde ich nicht. Wir sind ein Rechtsstaat. Deshalb haben wir den Schin Bet auf sie angesetzt.»


















