
Der Dokumentarfilm «NAZA» der israelischen Regisseure Yuval Abraham und Rachel Szor hat am 12. September in Venedig den Spezialpreis der Jury gewonnen. Schon bei der Premiere zwei Tage zuvor hatte das Publikum 25 Minuten lang applaudiert, so lange wie noch nie am Festival. Der Film wirft der israelischen Armee vor, in Gaza den Tod von Zivilisten systematisch einzuplanen. Die Armee weist das zurück. Ein Blick auf die Geldgeber zeigt, wie Kritik am jüdischen Staat zur Exportware geworden ist.
Ein Kommentar von Dan Lazarovici
Wenn sich an den Filmfestspielen in Venedig der Vorhang schliesst und das europäische Kulturbürgertum rund 25 Minuten lang stehende Ovationen spendet, dann gilt dieser Applaus nicht nur einem Film. Er gilt einer hochprofitablen, perfekt geölten Industrie. Im Zentrum dieser Maschinerie steht «NAZA». Doch wer glaubt, hier sprächen mutige, unabhängige Künstler, die gegen den Strom ihres eigenen Landes schwimmen, verkennt das eigentliche Geschäftsmodell: Die radikale Kritik am jüdischen Staat ist für eine kleine Gruppe von Israelis längst zum lukrativsten Karrierebeschleuniger überhaupt geworden.
Man muss nur der Spur des Geldes folgen, um zu verstehen, warum Filme wie «NAZA» überhaupt existieren. Diese Werke sind keine authentischen Aufschreie aus der israelischen Gesellschaft, sondern europäische Auftragswerke mit israelischen Gesichtern. «NAZA» wurde nicht etwa durch israelische Filmförderungen oder Crowdfunding ermöglicht. Hauptproduzent und Financier ist die britische Tageszeitung The Guardian. Als ausführender Produzent zieht der Brite Jonathan Glazer die Fäden – eben jener Regisseur, der bereits bei den Oscars sein Judentum rhetorisch als Waffe gegen Israel in Stellung brachte. Garniert wird das Budget durch US-amerikanische Philanthropen-Millionen. Für den Zugang zu den roten Teppichen sorgt schliesslich MK2, jener elitäre Pariser Filmverleih, der massgeblich bestimmt, was der europäischen Salonlinken auf dem Silbertablett serviert wird.
Die beiden israelischen Filmemacher sind in diesem Setup lediglich das wertvollste Kapital. Ohne die westliche Subventionsmaschinerie und die Gier der europäischen Kulturfestivals nach anti-israelischen Narrativen wären Abraham und Szor kaum über eine Nische hinausgekommen. Erst die Bühnen im Ausland haben sie bekannt gemacht, spätestens mit dem Oscar für «No Other Land» im Jahr 2025.
Der Milliarden-Inkubator des Verrats
Wer den Mechanismus dieses Verrats begreifen will, darf nicht auf die lokalen Kinokassen schauen. Die Szene der israelischen Antizionisten bedient keine echte Nachfrage, sondern operiert in einem künstlich geschaffenen Markt. Ein Film wie «NAZA» ist gar nicht für den israelischen Markt gedacht, sondern massgeschneidert für den europäischen und aussereuropäischen Markt. Filmemacher wie Abraham und Szor oder die Autoren ihres publizistischen Heimathafens, des +972 Magazine, müssen kein heimisches Publikum überzeugen. Sie werden in einem Milliarden-Inkubator für den Export künstlich am Leben gehalten.
Das wahre Paradoxon dieses Geschäftsmodells liegt in seinen Quellen: Hier wendet sich das «alte Geld» des Westens gegen seine eigenen zivilisatorischen Fundamente.
Ein Paradebeispiel ist der Rockefeller Brothers Fund. Aufgebaut durch den Inbegriff des amerikanischen Öl-Kapitalismus, wird das Milliardenvermögen heute von «progressiven» Stiftungsmanagern verwaltet, die es als Waffe gegen westliche Demokratien einsetzen. Mit Hunderttausenden von Dollar pro Jahr alimentiert ausgerechnet das Rockefeller-Erbe radikale Organisationen wie Jewish Voice for Peace oder das +972 Magazine – und finanziert damit exakt jene postkolonialen Kaderschmieden, die den Staat Israel systematisch delegitimieren wollen.
Flankiert wird dieses alte Geld durch die Open Society Foundations von George Soros. Die historische Ironie ist kaum zu überbieten: Ein jüdischer Milliardär, der den Nazi-Terror in Ungarn nur dank falscher Papiere überlebte und später vor dem aufkommenden kommunistischen Regime floh, unterstützt heute als unangefochtener Schwergewichtschampion genau jenes linksextreme NGO-Netzwerk (B’Tselem, Breaking the Silence, Local Call), das die ideologische Munition und die vermeintlichen Beweise für die Propaganda produziert, die in Venedig über die Leinwände flimmert.
Zu diesen amerikanischen Millionen gesellen sich europäische Steuergelder, die über parteinahe Vehikel wie die Heinrich-Böll- oder Rosa-Luxemburg-Stiftung direkt an Israels schärfste Kritiker fliessen.
Diese Finanzströme schaffen eine fatale, aber höchst profitable Ökonomie: Sie nehmen radikale, in Israel völlig marginalisierte Aktivisten, statten sie mit Budgets aus, von denen unabhängige Filmemacher nur träumen können, und heben sie auf die roten Teppiche Europas.
Europas Gier nach Absolution
Doch Geld allein erklärt noch nicht den hysterischen Erfolg. Jedes funktionierende Geschäftsmodell braucht neben dem Kapital vor allem einen gierigen Abnehmer. Und genau hier tritt die europäische Kultur-Schickeria auf den Plan – jene wohlhabende, moralisch selbstgefällige Elite, die in Venedig, Cannes und Berlin die Jurys besetzt, die Fördertöpfe verwaltet und die Premierenfeiern dominiert.
Warum giert dieses Milieu so unersättlich nach Werken wie «NAZA»? Weil die israelischen Filmemacher eine unersetzliche Funktion erfüllen: Sie fungieren als perfekte Belastungszeugen.
Eine europäische Produktion, die Israel derart dämonisiert, würde schnell und zu Recht als antisemitisch entlarvt werden. Kommt die exakt gleiche Verleumdung jedoch von zwei Israelis, wirft das europäische Publikum alle Hemmungen über Bord. Die israelische Identität der Macher wirkt wie ein Schutzschild. Sie liefert dem Saal den perfekten moralischen Ablasshandel: «Wir sind keine Antisemiten – die Israelis sagen es doch selbst!»
In diesem Licht betrachtet waren die 25-minütigen Standing Ovations am Lido kein Beifall für filmische Meisterschaft oder dokumentarische Wahrhaftigkeit. Sie waren ein kollektives, fast religiöses Selbstbestätigungsritual. Eine geschlossene Kaste feierte sich selbst dafür, auf der vermeintlich «richtigen Seite der Geschichte» zu stehen.
Dass man für diesen moralischen Höhenrausch das blutige Massaker der Terrororganisation Hamas vom 7. Oktober 2023, das Schicksal der entführten Familie Bibas, die insgesamt 251 Geiseln sowie die Tatsache komplett ausblenden musste, dass die Hamas ihre eigene Zivilbevölkerung als Schutzschilde opfert, Gegner kurzerhand ermordet und ausländische Hilfslieferungen stiehlt, störte in Venedig niemanden. Im Gegenteil: Das Auslöschen der Realität war die zwingende Voraussetzung für den Applaus. Man wollte keine komplexe Kriegswirklichkeit sehen, sondern ein primitives Gut-gegen-Böse-Theater, in dem Israel das unumstössliche Böse verkörpert.
Das Rauschen als Geschäftsmodell
Am Ende bleibt eine bittere Erkenntnis: Solange der moralische Ausverkauf derart lukrativ bleibt und von westlichen Stiftungen wie ein Start-up finanziert wird, werden die Claqueure auf den Festivals nie verstummen.
Dabei ist die eigentliche Ware gar nicht der Film selbst – solche Dokumentationen werden ausserhalb der Filterblase von einem verschwindend kleinen Publikum gesehen. Das wahre Geschäftsmodell ist das Rauschen darum herum: die Feuilleton-Debatten, die Schlagzeilen und die inszenierten Skandale auf dem roten Teppich.
Doch jedes Geschäftsmodell trocknet aus, wenn der Markt wegbricht. Wir sind nicht gezwungen, als wohlfeiler Resonanzraum für dieses Theater zu dienen.
Wir haben die Wahl, dieser Propagandamaschinerie die einzige Währung zu entziehen, die ihr Überleben am Ende noch sichert: unsere Aufmerksamkeit und unsere intellektuelle Unterwerfung.


























Mit Abstand das übelste was Israel passieren kann. Es nimmt einem komplett den Wind aus den Segeln. Da verteidigt man den jüdischen Staat mit den besten Argumenten die man weiss und dann fallen einem jüdische Israeli so in den Rücken !!! Für mich wäre absolut klar, dass beiden die Staatsbürgerschaft sofort entzogen werden sollte und die Einreise nach Israel verwehrt würde. Sie sollten sich bei der Hamas als Propaganda Spezialisten melden und sich nebenbei die bestialischen Videos von dieser Terrorbande anschauen !!! Hundertfach !!!
Nestbeschmutzer der übelsten Sorte!
Brillant verfasste Analyse einer sonst kaum erklärbaren Entwicklung des jüdischen Antizionismus. Andererseits beschrieb bereits 1834 Heinrich Heine das Phänomen des jüdischen Selbsthasses das im Zuge der Aufklärung aufkeimte.
Ich befürchte dass das der Punkt ist: er fügt sich in die Propaganda der Moslembrüderschaften ein. Die EU und eigentlich alle Grossmächte nutzen den Terror, um ökonomische und politische Ziele zu erreichen. Regimes der Moslembrüderschaften lassen weder Gewerkschaften noch Staatlichkeit zu, es gibt also Willkür und Ausbeutung. Die Macher des Filmes unterstützen das, sind also Teil dieser Systeme. Ihnen die Staatsbürgerschaft zu entziehen ist konsequent und ein wichtiger Schritt. Es müssen aber auch die weiteren Teile des Netzes, wie die ehemalige Militarstaatsanwältin entfernt werden. Das alles sind Kämpfe um Macht und Geld.
Das Seltsame an diesem Film ist, wie gut er sich in die Propaganda der Hamas einfügt. Sind die Macher unterwandert und instrumentalisiert, oder von einem tragischen neurotischen Selbsthass besessen, dem sie nur durch ihre Identifikation mit den Feinden Israels entkommen können? Wahrscheinlich beides und noch mehr, wie der voranstehende Artikel von Dan Lazarovici nahelegt.
Erschreckend zutreffend. In schlimmsten Zeiten gabs die Mär der “ Weltjudenherrsschaft“, heute ist die “ Antisraelweltherrschaft“ REALITÄT.