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Brasilien – Teherans Hintertür in Südamerika

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Der iranische Präsident Ebrahim Raisi (rechts) am 24. August 2023 im Rahmen des 15. BRICS-Gipfels in Johannesburg, Südafrika, mit dem brasilianischen Präsidenten Inacio Lula da Silva (links). Foto IMAGO / Anadolu Agency
Der iranische Präsident Ebrahim Raisi (rechts) am 24. August 2023 im Rahmen des 15. BRICS-Gipfels in Johannesburg, Südafrika, mit dem brasilianischen Präsidenten Inacio Lula da Silva (links). Foto IMAGO / Anadolu Agency
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Eine neue Analyse des israelischen Institute for National Security Studies (INSS) beschreibt, wie der Iran und die Hisbollah in Brasilien auf bestehende religiöse, gesellschaftliche, kriminelle und finanzielle Strukturen zurückgreifen können, um Einfluss zu gewinnen, Geld zu beschaffen und möglicherweise verdeckte Operationen vorzubereiten. Nach der Wiederwahl von Präsident Lula da Silva sehen die Verfasser eine zunehmende Lücke in der Sicherheitsarchitektur Lateinamerikas.

Der Iran und die Terrororganisation Hisbollah müssen in Brasilien keine Geheimstrukturen von Grund auf aufbauen. Sie können auf etwas zurückgreifen, das bereits besteht: Moscheen und Kulturzentren mit Verbindungen nach Teheran, Familienbeziehungen in den Libanon, Propagandakanäle, kriminelle Netzwerke und einen grossen Kryptomarkt mit informellen Finanzvermittlern. Zu diesem Schluss kommt eine Publikation des Institute for National Security Studies in Tel Aviv vom 26. Oktober 2026, verfasst vom Iran-Experten Danny Citrinowicz und von Charlotte Cobb, Analystin beim Blockchain-Unternehmen NOMINIS. Diese Strukturen, so die zentrale These, lassen sich für Einflussnahme, Geldbeschaffung und Anwerbung nutzen und bei Bedarf auch für verdeckte Operationen aktivieren. Brasilien stuft die Hisbollah bis heute nicht als Terrororganisation ein. Einen Tag vor Erscheinen der Publikation wurde Luiz Inácio Lula da Silva für eine weitere Amtszeit wiedergewählt. Für Citrinowicz und Cobb ist das kein Nebenaspekt: Lulas diplomatische Beziehungen zu Teheran und das fehlende Verbot könnten den Iran und die Hisbollah ermutigen, ihre Aktivitäten im grössten Land Südamerikas auszubauen.

Die Lücke im Süden

Der Text setzt bei einer politischen Verschiebung an, die Lateinamerika seit einigen Jahren prägt. Mehrere Regierungen rückten nach rechts, suchten die Nähe zu Washington und gingen härter gegen den Iran und die Hisbollah vor. Argentinien unter Präsident Javier Milei setzte am 17. Januar 2026 die Quds-Truppe, also die für Auslandsoperationen zuständige Einheit der iranischen Revolutionsgarden, sowie dreizehn ihr zugerechnete Personen auf das nationale Terrorregister; seither gelten für sie Finanzsanktionen und operative Einschränkungen. Brasilien hat diesen Schritt nicht mitgemacht und bleibt damit der grosse Ausreisser in der Region. Zwar ermittelten brasilianische Behörden mehrfach gegen Netze mit Hisbollah-Bezug, denen Finanzierung, Anwerbung und logistische Unterstützung vorgeworfen wurden, ein Verbot der Organisation gibt es aber nicht. Je stärker die Nachbarländer den Druck erhöhen, desto attraktiver werde Brasilien als Raum für Einflussoperationen, Geldbeschaffung, Anwerbung und Logistik, warnt das Papier.

Dabei gehe es nicht um eine einzelne Terrorzelle, die auf Befehle aus Teheran oder Beirut wartet. Das Bild, das sich aus öffentlich zugänglichen Quellen ergebe, sei das einer Infrastruktur, in der sich legitime religiöse und kulturelle Arbeit, ideologische Einflussnahme, Diaspora-Beziehungen, Finanznetze, Propagandaplattformen und Personen mit Draht zur Hisbollah oder zu iranischen Institutionen überlagern. Gemeint ist damit, was in der Politikwissenschaft Soft Power heisst: Einfluss, der nicht über Zwang, sondern über Religion, Kultur und persönliche Beziehungen wirkt. «Soft Power und Terrorismus sind nicht dasselbe», heisst es in der Analyse. «Aber eine Soft-Power-Infrastruktur kann Zugang, Beziehungen, Legitimität, Rekrutierungsmöglichkeiten und logistische Netzwerke schaffen, die feindliche Akteure ausnutzen können.»

Qom, São Paulo und ein sanktionierter Scheich

Wie solche Zugänge entstehen, zeigt der Blick auf die religiöse Ausbildung. Eine zentrale Rolle spielt die Al-Mustafa International University in der iranischen Stadt Qom, einem Zentrum der schiitischen Religionsgelehrsamkeit. Brasilianische Studenten gelangen über Empfehlungen von Imamen, über Familie und Freunde oder über Werbung in sozialen Medien an die Hochschule. Manche Absolventen kehren zurück und engagieren sich in Moscheen, im Religionsunterricht und in Kulturvereinen, wobei sie ihre im Iran geknüpften Kontakte weiter pflegen. Die US-Regierung geht davon aus, dass die Hochschule mehr ist als eine Bildungseinrichtung, und das Finanzministerium sanktionierte sie am 8. Dezember 2020 mit der Begründung, die Quds-Truppe nutze das internationale Studentennetz, um Personal für Geheimdienstoperationen und für von ihr geführte Milizen zu gewinnen, unter anderem in Syrien. Die Verfasser betonen, ein Studium in Qom bedeute nicht automatisch eine Verwicklung in illegale Tätigkeiten. Die dort entstandenen Beziehungen verschafften iranischen Institutionen aber einen Zugang zu lokalen Gemeinschaften, den die Sicherheitsorgane des Regimes ausnutzen könnten.

Wie kurz der Weg von der Moschee zum Terrornetzwerk sein kann, zeigt ein von den US-Behörden dokumentierter Fall aus São Paulo. Der an der Mesquita do Brás wirkende Geistliche Bilal Mohsen Wehbe wurde am 9. Dezember 2010 vom US-Finanzministerium als Terrorunterstützer gelistet. Washington bezeichnete ihn als «obersten Vertreter der Hisbollah in Südamerika», der Informationen und Anweisungen zwischen der Führung im Libanon und Hisbollah-Elementen in Südamerika weitergeleitet und in Brasilien gesammelte Gelder in den Libanon transferiert habe. Nach dem Krieg von 2006 soll er laut der US-Behörde zusammen mit dem Hisbollah-Finanzier Ali Muhammad Kazan bei libanesischen Geschäftsleuten im Dreiländereck von Argentinien, Brasilien und Paraguay mehr als 500’000 Dollar zusammengetragen haben. Die Moschee habe Gastprediger aus dem Libanon und dem Iran empfangen, Gedenkveranstaltungen für iranische Politiker und Geistliche organisiert und Spendengelder eingeworben, heisst es in der Analyse; mehrere mit ihr verbundene Geistliche sollen Kontakte zu Hisbollah-nahen Netzen unterhalten haben. Daraus leiten Citrinowicz und Cobb eine Kette ab: Religiöse Legitimität öffnet soziale Türen, soziale Nähe schafft Vertrauen, Vertrauen trägt Spenden- und Logistiknetze, und in Ausnahmefällen, wenn Hinweise auf konkrete Aufträge oder Anwerbung vorliegen, entstehe daraus ein Umfeld für klandestine Aktivitäten.

Die letzte Meile wird ausgelagert

Religiöse und kulturelle Netzwerke arbeiten weitgehend in der Öffentlichkeit. Der zweite Teil des Papiers beschreibt die verdeckte Seite, die die Verfasser das iranische Modell nennen: Teheran muss keine eigenen Agenten schicken. Für Überwachung, Informationsbeschaffung oder Anschläge greifen die iranischen Sicherheitsorgane zunehmend auf Mittelsmänner, kriminelle Netzwerke und lokal angeworbene Personen zurück, die keine erkennbare Verbindung zum Iran haben. Das US-Finanzministerium hat diese Praxis dokumentiert: Teheran setze Dritte ein, um die eigene Beteiligung zu verschleiern und glaubhaft abstreiten zu können. Für die Spionageabwehr entsteht damit ein schwer lösbares Problem, denn wer am Ende handelt, kann ein Krimineller sein, der für Geld arbeitet, ein ideologisch motivierter Einheimischer oder ein Mittelsmann, der mehrere Ebenen vom ursprünglichen Auftrag entfernt ist.

Was das in der Praxis bedeutet, zeigte sich im vergangenen Jahr in Australien, einem Fall, den die Publikation ausdrücklich als Lehrstück für Brasilien anführt. Am 26. August 2025 teilte Premierminister Anthony Albanese mit, der Inlandgeheimdienst ASIO habe genügend Hinweise gesammelt, um den Schluss zu ziehen, dass die iranische Regierung mindestens zwei antisemitische Anschläge gesteuert habe: den Brandanschlag auf das koschere Geschäft Lewis‘ Continental Kitchen in Sydney am 20. Oktober 2024 und jenen auf die Adass-Israel-Synagoge in Melbourne am 6. Dezember 2024. «Der Iran hat versucht, seine Beteiligung zu verschleiern, aber ASIO kommt zum Schluss, dass er hinter den Anschlägen steht», sagte Albanese. Nach Einschätzung des Geheimdienstes operierten die Revolutionsgarden über mehrere Schichten von Mittelsmännern und kriminellen Handlangern, die Teherans Rolle verbergen sollten. Für Brasilien sei die Lehre daraus eindeutig, schreiben Citrinowicz und Cobb: Der Iran habe Absicht und Fähigkeit bewiesen, verdeckte Aktionen im Ausland zu steuern und zugleich seine Beteiligung abstreitbar zu halten. Daraus folge, dass die iranische Staatspräsenz in Brasilien, vom diplomatischen Personal bis zu den kulturellen Einrichtungen, systematisch beobachtet werden müsse.

Ein zweites Beispiel, das das Papier anführt, stammt aus Europa: italienische Medienberichte vom Januar 2026, wonach iranische Geheimdienstnetze in Rom aktiv seien und das Kulturzentrum der iranischen Botschaft als Drehscheibe für Anwerbung, nachrichtendienstliche Tätigkeit und Cyber-Überwachung gedient haben soll. Anders als in Australien handelt es sich hier um Vorwürfe aus Medienrecherchen und nicht um behördliche Feststellungen; die Verfasser halten fest, sie seien kein Beweis für Fehlverhalten, zeigten aber den möglichen Doppelcharakter diplomatischer und kultureller Einrichtungen. Für Brasilien stehen die beiden Fälle für zwei Risiken: operative Aktivitäten unter diplomatischer Deckung und Kultureinrichtungen als Umfeld für nachrichtendienstliche Arbeit. Wer erst reagiert, wenn eine Bedrohung sichtbar wird, erkennt sie womöglich zu spät.

Der Fall Trapiche

Dass die Gefahr in Brasilien nicht nur theoretisch ist, zeigt die Operation Trapiche. Am 8. November 2023 nahm die brasilianische Bundespolizei zwei Verdächtige fest und vollzog elf Durchsuchungen in São Paulo, Minas Gerais und im Bundesdistrikt. Der Verdacht lautete, ein mit der Hisbollah verbundenes Netz habe Anschläge auf jüdische und israelische Ziele in Brasilien geplant. Für Citrinowicz und Cobb zeigt der Fall, dass von Hisbollah-nahen Strukturen in Brasilien eine greifbare Gefahr ausgehen kann, die über ideologische Einflussnahme, politische Kontakte und Geldbeschaffung hinausreicht und bis zur Vorbereitung von Anschlägen auf brasilianischem Boden geht. Die Operation ist zugleich das einzige Beispiel, das die Publikation als positiven Schritt der brasilianischen Behörden anführt.

Krypto als neue Finanzschicht

Religiöse Netzwerke, Einflussarbeit und geheime Operationen brauchen Geld, und dieses Geld muss über Grenzen bewegt werden. Traditionell verschob die Hisbollah ihre Mittel zwischen Lateinamerika und dem Nahen Osten über Kuriere, informelle Überweisungssysteme, Handelsfirmen und Vertrauensleute. Kryptowährungen hätten eine weitere Dimension hinzugefügt, schreiben Citrinowicz und Cobb: Geld fliesse über Kanäle, die auf den ersten Blick keine Verbindung zum Iran oder zur Hisbollah aufweisen, was zugleich die Umgehung westlicher Sanktionen erleichtere. Dass die Hisbollah stark auf Krypto setzt, gilt als gut dokumentiert, und die Behörden in den USA und in Israel verschärfen ihr Vorgehen dagegen. Die USA reagierten am 24. August 2026 mit der Operation Economic Outcast. Das Finanzministerium stufte den iranischen Sektor für digitale Vermögenswerte als einen von fünf Wirtschaftsbereichen ein, in denen künftig jedem Akteur weltweit Sekundärsanktionen drohen, also Strafmassnahmen gegen Unternehmen aus Drittstaaten, die mit diesem Sektor Geschäfte machen. Brasilien mit seinem grossen Kryptomarkt und seinen informellen Finanzvermittlern habe das neue Phänomen dagegen noch nicht erkannt, lautet der Vorwurf: Personen ohne erklärte Nähe zur Hisbollah oder zum Iran, die dennoch erhebliche Summen in deren Netzwerke schicken. Sichtbar werde das erst, wenn man die Geldflüsse ihrer Wallets nachzeichne.

Als Beispiel dient der Fall Braiscompany, in dem am 18. April 2025 ein brasilianisches Bundesgericht drei Führungsfiguren des zusammengebrochenen Kryptoinvestmentunternehmens zu insgesamt 171 Jahren Haft wegen Betriebs einer unlizenzierten Finanzinstitution und Geldwäsche über Briefkastenfirmen und unregulierte Wallets, also digitale Geldbörsen für Kryptowährungen. Joel Ferreira de Souza, der Hauptbetreiber des Systems, erhielt 128 Jahre. Die Staatsanwaltschaft identifizierte zwei Wallets, die ihm zugeordnet werden, und verfolgte Geldflüsse zu den ebenfalls verurteilten Gründern der Firma, weiter reichte die Anklage aber nicht.

An dieser Stelle setzt die Arbeit von NOMINIS an. Das Unternehmen hat die beiden Wallets nachträglich untersucht und dafür öffentlich einsehbare Blockchain-Transaktionen mit Daten zur Zuordnung von Wallets, mit Sanktionslisten und mit brasilianischen Gerichtsakten kombiniert. Möglich ist das, weil jede Transaktion mit Kryptowährungen dauerhaft in der Blockchain gespeichert wird, einer öffentlichen Datenbank; wer eine Wallet kennt, kann nachvollziehen, mit welchen anderen Wallets sie Geld ausgetauscht hat. Laut NOMINIS zeigt dieser Transaktionsgraph für beide Wallets Ferreiras direkte Berührungspunkte mit einem Cluster von Diensten, die der Hisbollah und der Terrorfinanzierung zugerechnet werden, und innerhalb von drei Transaktionsschritten einen Pfad zu einer Wallet mit Bezug zur Infrastruktur der Revolutionsgarden. Eine der Wallets sei zudem mit PagCripto verbunden, einem brasilianischen Handelsplatz für grosse Kryptogeschäfte ausserhalb der regulären Börsen, der heute unter dem Namen PagFinance auftritt. Solche ausserbörslichen Handelsplätze erschweren es, die Personen hinter einer Transaktion zu identifizieren und den Übergang zwischen digitalem Geld und dem klassischen Finanzsystem zu verfolgen.

Was sagen diese Verbindungen aus, und was nicht? Ausdrücklich festgehalten wird, dass die Nähe zu PagCripto für sich genommen kein Fehlverhalten des Handelsplatzes belegt. Ebenso wenig beweisen die Transaktionsverbindungen, dass Ferreira oder andere Wallet-Inhaber wissentlich die Hisbollah finanziert oder im Auftrag iranischer Stellen gehandelt haben. Es handelt sich um Indizien für mögliche finanzielle Verbindungen, die eine weitere Untersuchung rechtfertigen, nicht um den Nachweis bewusster Terrorfinanzierung. Gerade darin liegt für Citrinowicz und Cobb der Wert des Falls. Ferreira sei ein Anwendungsfall des beschriebenen Modells: «ein lokal rekrutierter, finanziell motivierter Mittelsmann ohne sichtbares iranisches oder Hisbollah-Profil, der ein gewöhnlich wirkendes, wenn auch illegales Finanzgeschäft betreibt, dessen Infrastruktur ein oder zwei Schritte von Terrornetzwerken entfernt liegt». Die Kritik richtet sich an die Strafverfolgung: Ferreira sei verurteilt worden, ohne dass je gefragt wurde, wohin sein Geld letztlich floss. Wenn diese Lücke bei einem Verfahren dieser Grössenordnung bestehe, gebe es wenig Grund zur Annahme, dass sie bei anderen, parallel laufenden Verfahren nicht bestehe.

Zur religiösen, zur kriminellen und zur finanziellen Ebene kommt die Informationsebene hinzu. HispanTV, der spanischsprachige Sender des iranischen Staatsrundfunks IRIB, ist eines der wichtigsten Instrumente Teherans in Lateinamerika, und portugiesischsprachige Inhalte erweitern die Reichweite nach Brasilien. Die Botschaften seien antiamerikanisch, antiisraelisch, gegen den «Imperialismus» und für den «Widerstand» gerichtet. Das als blosse Propaganda abzutun, wäre nach Ansicht der beiden Verfasser ein Fehler. Einflussoperationen prägten das Umfeld, in dem aggressivere Aktivitäten stattfinden: Sie identifizierten empfängliche Zielgruppen, normalisierten extremistische Erzählungen, verschärften die Polarisierung und schüfen digitale Gemeinschaften, aus denen Online-Kontakte in direkte Beziehungen übergehen könnten.

Von der Beobachtung zur Prävention

Fasst man die Befunde zusammen, ergibt sich das Bild, das die Publikation zeichnet: Iranisch geprägte religiöse und ideologische Netzwerke existieren in Lateinamerika, die Hisbollah hat eine dokumentierte Geschichte finanzieller und organisatorischer Tätigkeit in der Region, US-Behörden haben Hisbollah-Figuren mit Brasilien-Bezug identifiziert, und brasilianische Behörden selbst haben gegen mutmassliche Anwerbung für Anschläge ermittelt. Die Empfehlungen richten sich deshalb an die brasilianische Regierung und ihre Sicherheitsbehörden. Brasilien solle die Hisbollah als Terrororganisation einstufen, die Strukturen kartieren und verdächtige Geldflüsse verfolgen, auch mit Blockchain-Analysen und auch bei Personen ohne erklärte Zugehörigkeit zu einem der beschriebenen Netzwerke. Die Zusammenarbeit zwischen Bundes- und Landesbehörden müsse gestärkt, die Verbindungen zwischen ausländischen Akteuren und lokalen Mittelsmännern geprüft und die Grenze beobachtet werden, an der legitime religiöse oder politische Tätigkeit in Informationsbeschaffung, Anwerbung oder Anschlagsvorbereitung übergeht. Brasilien könne zugleich Einflussraum, Finanzumfeld, Rekrutierungsreservoir und Anschlagsziel sein. Die entscheidende Frage sei nicht mehr, ob der Iran oder die Hisbollah in Brasilien einen operativen Unterbau aufbauen könnten, sondern ob Teile davon bereits bestehen und ob die Behörden den Moment erkennen, in dem Einfluss in operative Vorbereitung umschlägt.

Lulas Wahlsieg vom 25. Oktober 2026 verschärft diese Frage. Während rechte, prowestliche Regierungen in der Region die Sicherheitszusammenarbeit mit den USA ausbauen und iranische wie Hisbollah-Aktivitäten einschränken, dürfte der Iran Brasilien als Arena von wachsender strategischer Bedeutung betrachten, so die Einschätzung aus Tel Aviv. Lulas fortgesetzte Amtszeit, sein diplomatischer Draht nach Teheran und das fehlende Hisbollah-Verbot könnten den Iran und die Hisbollah ermutigen, ihre Einflussarbeit auszuweiten, Kontakte zu lokalen Akteuren aufzubauen und finanzielle und logistische Strukturen zu entwickeln. Brasiliens Führung dürfe ihr vergleichsweise gutes Verhältnis zum Iran deshalb nicht mit Immunität vor iranischer Geheimdienst- und Operationstätigkeit auf eigenem Boden verwechseln. Und trotz der politischen Spannungen zwischen Israel und Brasilien solle Jerusalem den brasilianischen Behörden weiterhin mit Geheimdienstinformationen und Fachwissen helfen, Finanzierungsnetze und verdeckte Strukturen aufzudecken, denn die Bedrohung treffe nicht nur israelische und jüdische Ziele, sondern auch Brasiliens eigene Sicherheit und Souveränität.

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