Start International Nach dem Anschlag von Karak: Assyrer verlangen von al-Scharaa Taten statt Worte

Nach dem Anschlag von Karak: Assyrer verlangen von al-Scharaa Taten statt Worte

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Bei Selbstmordanschlägen in der Mar-Elias-Kirche im Stadtteil Al-Dweilaa in Damaskus am 22. Juni 2025, kamen mehr als 20 Menschen ums Leben und Dutzende wurden verletzt. Foto IMAGO / ABACAPRESS
Bei Selbstmordanschlägen in der Mar-Elias-Kirche im Stadtteil Al-Dweilaa in Damaskus am 22. Juni 2025, kamen mehr als 20 Menschen ums Leben und Dutzende wurden verletzt. Foto IMAGO / ABACAPRESS
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Nach dem Terroranschlag auf eine griechisch-orthodoxe Kirche im jordanischen Gouvernement Karak, bei dem am 23. Oktober 2026 neun Menschen getötet wurden, hat die jordanische Luftwaffe Ziele in Südsyrien angegriffen. Zwei assyrische Vereine aus Deutschland würdigen in einer gemeinsamen Presseerklärung das harte Vorgehen von König Abdullah II. Vom syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa verlangen sie den gleichen Ernst beim Schutz der Christen und ein gesetzliches Verbot der Symbole der Terrororganisationen Islamischer Staat (IS) und al-Qaida.

Drei bewaffnete Männer eröffneten während einer Trauerfeier in der St.-Georgs-Kirche im Dorf Hmoud das Feuer. Neun Menschen starben, Dutzende wurden verletzt. König Abdullah II. kündigte eine harte Antwort an: «Jedes jordanische Leben ist kostbar, und wir werden mit eiserner Faust gegen jene vorgehen, die es wagen, unsere Nation zu bedrohen.»

Am 26. Oktober nahmen die Sicherheitskräfte drei Verdächtige fest. Am Abend griff die Luftwaffe nach jordanischen Angaben Stellungen von Terrorgruppen in Südsyrien an, die mit den Tätern in Verbindung stehen sollen. Damaskus bestreitet eine vorherige Absprache.

Auch Israel verurteilte den Anschlag. George Deek, Israels Sonderbeauftragter für die christliche Welt, schrieb noch am selben Tag: «Israel verurteilt diesen schrecklichen Terroranschlag auf unschuldige Gläubige aufs Schärfste.»

Fragen an Ahmed al-Scharaa

Hinter der Erklärung stehen der Assyrische Kulturverein Saarlouis unter dem Vorsitz von Charli Kanoun und die Assyrische Autonomie Bewegung Deutschland unter dem Vorsitz von Majed Bahi. Sie danken König Abdullah II. für seine klare Haltung und fragen zugleich, warum Christen und andere religiöse Minderheiten in Syrien weiterhin um ihre Sicherheit fürchten müssen, während islamistische Symbole öffentlich zu sehen sind.

Al-Scharaa steht an der Spitze der syrischen Übergangsregierung und führte früher die mit al-Qaida verbundene al-Nusra-Front. Für die Vereine macht gerade diese Vergangenheit seine Verantwortung dringlich: «Wer aus einer solchen Vergangenheit an die Spitze eines Staates gelangt, muss durch überprüfbare Taten beweisen, dass er tatsächlich mit islamistischem Extremismus gebrochen hat.»

Als Belege nennen die Vereine mehrere Gewaltausbrüche. Im März 2025 wurden an der syrischen Küste zahlreiche Alawiten getötet, Menschenrechtsorganisationen dokumentierten Massentötungen durch Angehörige staatlicher Sicherheitskräfte und verbündeter Gruppen. Im Juni 2025 tötete ein Selbstmordattentäter in der Mar-Elias-Kirche in Damaskus mehr als zwei Dutzend Menschen. Im Sommer 2025 forderte die Gewalt gegen Drusen in der Provinz Suweida zahlreiche Tote. Anfang Oktober 2026 beschossen Bewaffnete in der überwiegend christlichen Stadt Al-Suqaylabiyah Wohnhäuser, ein Priester wurde nur knapp verfehlt.

Die Vereine verlangen von der Übergangsregierung, diese Vorfälle unabhängig aufzuklären, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und offenzulegen, welche Schutzmassnahmen sie ergreift. «Ein neues Syrien muss sich an Taten messen lassen – nicht an internationalen Versprechen», schreiben sie.

Verbot der Terrorflaggen gefordert

Aus der assyrischen Gemeinschaft erhalten die Vereine nach eigenen Angaben Berichte über öffentlich sichtbare Flaggen und Embleme von IS und al-Qaida in Syrien, zudem lägen ihnen Videos vor. Die Vereine verweisen auch auf die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die 2025 über öffentlich verkaufte IS-Symbole berichtete und das Einschreiten der Behörden als ungenügend kritisierte.

Gefordert wird ein ausdrückliches gesetzliches Verbot der Flaggen, Embleme und Propagandasymbole von IS und al-Qaida sowie ein konsequentes Vorgehen gegen deren Verbreitung im Rahmen rechtsstaatlicher Verfahren. «Diese Symbole sind keine harmlose Dekoration. Sie stehen für Terror, religiöse Verfolgung und schwerste Verbrechen», heisst es in der Erklärung.

Die Assyrer verstehen sich als indigenes Volk des Nahen Ostens, dessen Geschichte von Verfolgung und Vertreibung geprägt ist. Der Terror des IS hat nach ihren Worten ihrer Gemeinschaft und anderen christlichen Völkern unermessliches Leid zugefügt. Als 2014 Christen und Jesiden vor dem IS in den kurdischen Norden des Irak flohen, verteilte die israelische Hilfsorganisation IsraAID Matratzen, Decken, Hygieneartikel und Kleidung an Tausende Flüchtlinge. Heute warnen die Vereine, politische Anerkennung und wirtschaftliche Hilfe für Damaskus dürften nicht dazu führen, dass die Sicherheit der Minderheiten aus dem Blick gerät. Ihr Anliegen fassen die Vereine so zusammen: «Wir fordern keine Privilegien. Wir fordern Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit, Religionsfreiheit und gleiche Rechte für alle Menschen in Syrien.»

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