
Die Börse in Tel Aviv schliesst das jüdische Jahr 5786 mit einem Ergebnis ab, das weltweit nur wenige Handelsplätze erreichen. Der Leitindex stieg um 40,5 Prozent, und der Wert aller Aktien an der Börse erreichte einen neuen Rekord, obwohl das Jahr vom Krieg mit Iran geprägt war.
Mit Rosch Haschana beginnt am Abend des 11. September das jüdische Jahr 5787. Kurz vor dem Fest hat die Tel Aviv Stock Exchange (TASE) ihre Zahlen für das zu Ende gehende Jahr vorgelegt. Die israelische Wirtschaftszeitung Globes fasst sie so zusammen: Die Börse hat erneut ein starkes Jahr hinter sich und liegt mit ihren Renditen vor den meisten Börsen der Welt. Dies gelang trotz schwieriger geopolitischer Umstände und einer angespannten Sicherheitslage, allen voran wegen des Kriegs mit Iran, der mit dem gemeinsamen Angriff der USA und Israels am 28. Februar 2026 begann.
Für ihre Auswertung rechnet die Börse das Jahr 5786 vom 25. September 2025 bis zum 4. September 2026. In dieser Zeit stieg der Leitindex Tel Aviv 35 um 40,5 Prozent, der breiter gefasste Tel Aviv 125 um rund 37 Prozent und der Tel Aviv 90 um 25,5 Prozent. Laut Globes legten in New York der S&P 500 und der Dow Jones im gleichen Zeitraum um je 16 Prozent zu, der Nasdaq um 18 Prozent. In Europa gewann der STOXX Europe 600 demnach 17 Prozent, und der MSCI World, der die Aktienmärkte der entwickelten Länder abbildet, stieg um 16,5 Prozent. Das Nachrichtenportal JNS, das sich ebenfalls auf die Zahlen der Börse stützt, nennt für das Ausland etwas höhere Werte: 18,1 Prozent für den S&P 500, 21,8 Prozent für den Nasdaq 100 und 19,1 Prozent für den MSCI World. Nach beiden Berechnungen liegt der Tel Aviv 35 mit seinen 40,5 Prozent weit vor allen grossen Indizes in Amerika und Europa.
Mehr Handel und mehr Geld aus dem Ausland
Auch beim Handel selbst gab es einen deutlichen Schub. In ihrem Jahresbericht schreibt die Börse: «Die Kursanstiege gingen mit einer deutlichen Ausweitung der Aktivität und der Beteiligung der Anleger einher. Der durchschnittliche tägliche Umsatz mit Aktien, an der Börse und ausserbörslich, lag bei 4,9 Milliarden Schekel [rund 1,6 Milliarden Dollar], verglichen mit 3,1 Milliarden Schekel [rund 1 Milliarde Dollar] im vorangegangenen hebräischen Jahr, und der Anteil des Handels durch Anleger mit Wohnsitz im Ausland stieg auf 31 Prozent.»
Einen Teil dieses Erfolgs führt die Börse auf den neuen Wochenrhythmus zurück. Seit dem 5. Januar 2026 wird in Tel Aviv von Montag bis Freitag gehandelt und nicht mehr wie früher von Sonntag bis Donnerstag. Finanzminister Bezalel Smotrich hatte die Umstellung Ende Dezember 2024 genehmigt, damit sich die Handelszeiten besser mit jenen an der Wall Street und an den europäischen Börsen decken. Die Börse zieht nun eine klare Bilanz: «Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Umsatz an Sonntagen vor der Umstellung, der 2025 bei 1,6 Milliarden Schekel [rund 530 Millionen Dollar] lag, und dem durchschnittlichen Umsatz an Freitagen von 4 Milliarden Schekel [rund 1,3 Milliarden Dollar], rund 150 Prozent mehr. Der Anteil des Handels durch Anleger aus dem Ausland stieg von nur 13 Prozent an Sonntagen auf 40 Prozent an Freitagen.»
Versicherer und Energie an der Spitze
Wie schon im Vorjahr war der Versicherungsindex mit einem Plus von 94,5 Prozent der klare Spitzenreiter. Die Börse erklärt das mit sinkenden Zinsen, höheren Gewinnen und wachsenden Anlageportfolios der Versicherungsgesellschaften. Auf dem zweiten Platz folgt der Cleantech-Index, der um 77 Prozent zulegte. Ihm half der Schock bei der Energieversorgung im Nahen Osten, der den Ölpreis steil ansteigen liess. Diese Unruhe weckte bei den Anlegern das Interesse an erneuerbaren Energien, die nicht den Sicherheitsrisiken des Transports auf dem Seeweg ausgesetzt sind.
Der Bankenindex gehörte mit einem Anstieg von 27 Prozent erneut zu den stärksten Branchen, auch wenn er schwächer abschnitt als im Vorjahr, als er um 68 Prozent gestiegen war. Zu den schwächeren Bereichen zählten die Indizes für Immobilien und Bau mit Zuwächsen von 20,4 und 17 Prozent. Selbst diese Nachzügler lagen damit etwa gleichauf mit den grossen Indizes in New York und Europa oder sogar darüber.
Gewinner und Verlierer
Von den fünf Aktien im Tel Aviv 125 mit den höchsten Renditen im Jahr 5786 stammen vier aus den Bereichen Energie und Infrastruktur. An der Spitze steht Doral Energy mit einem Plus von 272 Prozent. Es folgen Mega Or mit 222 Prozent, Ayalon Insurance mit 211 Prozent, Bazan mit 202 Prozent und IES Holdings mit 181 Prozent. Direkt dahinter liegt der Halbleiterhersteller Tower Semiconductor mit einem Anstieg von 178 Prozent.
Auf der anderen Seite der Liste steht ausgerechnet der Star des Vorjahres. Aryt Industries, ein Hersteller elektronischer Systeme für das Militär, dessen Aktie im Jahr 5785 um mehr als 850 Prozent gestiegen war, führt die Verlierer mit einem Minus von 50,5 Prozent an. Allein im letzten Monat verlor die Aktie 30 Prozent, nachdem das Unternehmen angekündigt hatte, eine aussergewöhnlich hohe Dividende von 530 Millionen Schekel (rund 175 Millionen Dollar) ausschütten zu wollen, obwohl es ein schwaches Quartal mit zweistelligen Rückgängen bei Umsatz und Gewinn gemeldet hatte. Deutlich verloren haben auch Electra Real Estate mit 49,2 Prozent, Nice mit 36 Prozent, Tamar Petroleum mit 27,7 Prozent und Gilat Satellite Systems mit knapp 20 Prozent.
Mehr Börsengänge
Auch bei den Neuzugängen war das Jahr lebhaft. Nach Angaben der Börse kamen im Jahr 5786 insgesamt 33 Unternehmen neu an die TASE. 26 davon gingen mit einem Börsengang an den Markt, nach 16 im Jahr zuvor. Fünf Unternehmen liessen ihre Aktien zusätzlich in Tel Aviv kotieren, und zwei entstanden als Abspaltungen von bereits kotierten Firmen. Der grösste Börsengang war jener des Baukonzerns Tidhar, der dabei 1,72 Milliarden Schekel (rund 570 Millionen Dollar) einnahm, bei einer Bewertung von 7,85 Milliarden Schekel (rund 2,6 Milliarden Dollar) nach der Emission. Laut dem Wirtschaftsportal Calcalist war es der grösste Börsengang in Tel Aviv seit jenem der Azrieli-Gruppe im Jahr 2010.
Der Wert aller Aktien an der Börse lag Ende des Jahres erstmals über 3000 Milliarden Schekel, das sind rund 1000 Milliarden Dollar.
Einen grossen Anteil daran hatte der amerikanische Cybersicherheitskonzern Palo Alto Networks. Das Unternehmen, das der israelische Unternehmer Nir Zuk gegründet hat, hatte zuvor die israelische Firma CyberArk für 25 Milliarden Dollar übernommen. Seit dem 23. Februar 2026 wird die Aktie auch in Tel Aviv gehandelt, als Hommage an CyberArk unter dem Kürzel CYBR. Seither ist sie um 115 Prozent gestiegen. Laut der Jerusalem Post machte Palo Alto im August rund einen Viertel des Werts der ganzen Börse aus. Palo Alto begründete den Schritt damals so: «Die Kotierung an der TASE ist eine starke Würdigung der israelischen Wurzeln von CyberArk und unseres Engagements für das lokale Technologie-Ökosystem.»
Israels Anleihen bleiben stabil
Auch am Anleihenmarkt steht Israel gut da. Die Renditen der Staatsanleihen in den USA, in Deutschland, in Frankreich und in Grossbritannien sind laut Globes zuletzt auf Werte gestiegen, die es seit Jahrzehnten nicht mehr gab. Gründe dafür sind grosse Anleiheemissionen, geopolitische Spannungen, hohe Ölpreise, die Inflationsängste schüren, und die Erwartung steigender Zinsen. Der israelische Anleihenmarkt zeigte sich dagegen bemerkenswert robust. Der Index TelGov Shekel 10+ stieg um 8,0 Prozent, der TelGov Shekel 5+ um 7,4 Prozent und der TelGov Shekel 5-10 um 6,5 Prozent. Die an den Konsumentenpreisindex gebundenen Anleihen entwickelten sich mit einem Plus von 3,2 Prozent beim TelGov CPI-Linked zurückhaltender. Dieser Unterschied passt zur sinkenden Inflation und dazu, dass Anleger in einer Zeit fallender Zinsen und Renditen Anleihen in Schekel bevorzugen.
Die Bilanz des Jahres 5786 zeigt, dass Anleger aus dem In- und Ausland Israel auch in einem Kriegsjahr ihr Vertrauen schenken. Der Leitindex stieg um 40,5 Prozent, der Anteil ausländischer Anleger am Handel wuchs auf 31 Prozent, und die Zahl der Börsengänge nahm von 16 auf 26 zu. Mit diesen Zahlen im Rücken geht die Börse in Tel Aviv positiv gestimmt ins neue Jahr 5787.
























