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Falsche Annahmen über den Krieg von 1948

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Soldaten im Kibbuz Mischmar HaEmek erwarten 1948 den Angriff der Arabischen Befreiungsarmee unter Fawzi al-Qawuqji. Foto Boris Karmi, Meitar Collection, The Pritzker Family National Photography Collection, The National Library of Israel
Soldaten im Kibbuz Mischmar HaEmek erwarten 1948 den Angriff der Arabischen Befreiungsarmee unter Fawzi al-Qawuqji. Foto Boris Karmi, Meitar Collection, The Pritzker Family National Photography Collection, The National Library of Israel
Lesezeit: 6 Minuten

Ein grosser Teil der Kritik am Zionismus beruht auf der Wahrnehmung dessen, was im israelischen Unabhängigkeitskrieg von 1948 geschah. Der Vorwurf lautet, es habe eine ethnische Säuberung stattgefunden, welche die nationalen Bestrebungen der Palästinenser untergraben und den siedlerkolonialen Charakter des Zionismus bewiesen habe. Die Wirklichkeit sah ganz anders aus.

von Robert Cherry

Während des Krieges gab es keine umfassende ethnische Säuberung einer einheimischen Bevölkerung. Ein grosser Teil der arabischen Bevölkerung in dem Gebiet, aus dem später Israel wurde, bestand aus Zuwanderern jüngeren Datums, die zuerst im 19. Jahrhundert aus Ägypten und anderen Teilen des Osmanischen Reiches gekommen waren. Danach ermöglichten die Tanzimat-Reformen von 1858 den Kauf von Land in Palästina. Während der britischen Mandatszeit (1920–1948) kam es aus wirtschaftlichen Gründen zu weiterer Zuwanderung aus Judäa und Samaria. Diese Zuwanderer heirateten Frauen aus ihren Heimatdörfern und kehrten zur Erntezeit dorthin zurück. In der Anfangsphase des Krieges von 1948 gingen viele von ihnen einfach in ihre Dörfer zurück, um dort das Ende des Konflikts abzuwarten.

Eine zweite Gruppe, die das Land freiwillig und fast sofort verliess, waren die Wohlhabenden und die Angehörigen der freien Berufe. Sie glaubten, ein arabischer Sieg würde ihnen eine rasche Rückkehr aus dem Libanon und aus Jordanien ermöglichen. Ihre Abwesenheit erklärt, warum die arabischen Bürger nach dem Sieg Israels ohne jede politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Organisation dastanden. Sie hatten keine Zeitungen, keine politischen Parteien und keine zivilgesellschaftlichen Strukturen.

Eine dritte Gruppe bildeten die arabischen Bewohner der grössten Städte, vor allem von Haifa und Jaffa. Die zionistischen Truppen besiegten die arabischen Kräfte in diesen Städten mühelos, zumindest teilweise wegen deren Uneinigkeit. Arabische Muslime und Christen waren zerstritten, ebenso die alteingesessenen arabischen Einwohner und die neue muslimische Arbeiterschicht.

Nach dem Sieg in Haifa setzten die Zionisten alles daran, die arabische Bevölkerung zum Bleiben zu bewegen. Das Arabische Hochkomitee in Kairo forderte jedoch alle Araber auf, diese Städte zu verlassen. Die Briten kamen dem entgegen und stellten Boote nach Gaza und in den Libanon zur Verfügung. Es scheint, dass die arabischen Führer keinem Araber erlauben wollten, unter zionistischer Herrschaft zu leben.

Es gab einige Fälle von ethnischer Säuberung. So wurden nach der Tötung von 250 Menschen, überwiegend Zivilisten, 45’000 arabische Einwohner von Ramle und Lydda in drückender Sommerhitze gewaltsam nach Ramallah getrieben, wobei Dutzende unterwegs starben. «Die Leichen von Männern, Frauen und Kindern lagen entlang des Weges verstreut», klagte ein Soldat der Hagana. «Alte Menschen sassen neben ihren Karren und bettelten um einen Tropfen Wasser – aber es gab keines.»

Solche Vertreibungen kamen jedoch erst während der letzten Offensiven im Herbst in grösserem Umfang vor. Dörfer wurden geräumt, manchmal gewaltsam, und die verbliebenen Bewohner wurden zum Gehen gezwungen. In dieser Phase wurden wahrscheinlich 150’000 Palästinenser zu Flüchtlingen, also weniger als die Hälfte der Gesamtzahl.

Als der Krieg zu Ende ging, bezeichnete ein führender arabischer Intellektueller die Niederlage als Nakba («Unglück» oder «Katastrophe»). Die Katastrophe, um die es dabei ging, hatte jedoch nichts mit den Flüchtlingen zu tun. Sie bestand einzig darin, dass es nun einen jüdischen Staat in einer Region mit muslimischer Mehrheit gab. Das war die einzige Bedeutung des Wortes, bis das Oslo-Abkommen von 1992 Jassir Arafat in Zugzwang brachte und er die Flüchtlinge als Mittel aufgriff, um eine Zweistaatenlösung zu untergraben. Er benutzte ihre elenden Lebensbedingungen in den Flüchtlingslagern als Rechtfertigung dafür, ein uneingeschränktes «Rückkehrrecht» in das heutige Israel zu einer nicht verhandelbaren Forderung zu machen. Länder wie der Libanon behandeln noch immer eine Million Nachkommen von Flüchtlingen als Nichtbürger zweiter Klasse – eine echte Apartheid –, um ihr Bestreben, den jüdischen Staat zu untergraben, am Leben zu erhalten.

Hinzu kommt der Mythos einer palästinensischen Nationalbewegung. Am deutlichsten formuliert ihn der Dokumentarfilm «1936». Der Film behauptet, dass der dreijährige arabische Aufstand ab 1936 den nationalen Bestrebungen der Palästinenser eine feste Form gegeben habe.

Der Dokumentarfilm stellt die Tatsachen völlig falsch dar. So erwähnt er zum Beispiel aus zwei Gründen den Anführer des Aufstands nicht, den Mufti von Jerusalem Hadsch Amin al-Husseini: Nach seinem Exil im Jahr 1937 ging der Mufti in den Irak, um dort antisemitische Pogrome anzuzetteln, wie er es zuvor 1921 und 1929 in Palästina getan hatte. Nachdem er aus dem Irak fliehen musste, ging er nach Deutschland und wurde zu einem Kollaborateur, dem das NS-Regime vertraute. Er verbreitete die NS-Propaganda per Radio in der arabischen Welt und warb bosnische Muslime an, die für das Dritte Reich kämpfen sollten.

Auch die britische Peel-Kommission und ihre Empfehlung einer Teilung in zwei Staaten behandelt der Film nur kurz. Dabei hätte der zionistische Staat nur 12 Prozent des britischen Mandatsgebiets erhalten. Für den Mufti war jedoch jeder jüdische Staat zu viel, und er ging brutal gegen Araber vor, die bereit waren, mit der Kommission zu sprechen. Als der Mufti erfuhr, dass ein angesehener Würdenträger aussagen wollte, schrieb er: «Wer zur Teilungskommission geht, soll sein Leichentuch mitnehmen.» Tatsächlich töteten Anhänger des Muftis bis zu tausend Araber, um den Widerstand gegen seine politischen Positionen zu ersticken. Vor allem aber hatte der Aufstand von 1936 wenig mit nationalen Bestrebungen zu tun, wie die Ablehnung der Empfehlungen der Peel-Kommission zeigt. Es ging vielmehr darum, weitere jüdische Einwanderung und die Möglichkeit eines jüdischen Staates zu verhindern.

Das brutale Vorgehen des Muftis gegen Andersdenkende brachte viele führende Araber im Mandatsgebiet Palästina dazu, seine Führung abzulehnen. Trotz dieses Widerstands wurde er jedoch zum Leiter der palästinensischen Delegation bei der Arabischen Liga ernannt. Darin zeigte sich das Ansehen, das er durch die Renovierung der Al-Aqsa-Moschee gewonnen hatte.

Viele Gegner des Muftis suchten einen Ausgleich mit dem Zionismus, weshalb es keine geschlossene arabische Unterstützung für den Krieg von 1948 gab. Diese Gegner entfremdeten sich noch mehr, als die Arabische Liga einen Syrer an die Spitze der neu gegründeten Arabischen Befreiungsarmee (ALA) stellte. Diese Truppe sollte gegen die Zionisten kämpfen, bevor ausländische arabische Armeen einmarschierten.

Deshalb waren nur wenige einheimische Araber bereit zu kämpfen. Nach Angaben des antizionistischen Historikers Ilan Pappé bestanden 90 Prozent der 3000 Mann starken ALA aus ausländischen Freiwilligen. Weil viele arabische Dörfer nicht bereit waren, die ALA zu unterstützen, hatte diese zudem nur unzureichende Nachschublinien, was längere militärische Feldzüge unmöglich machte. Der Mufti stellte seine eigene Armee des «Heiligen Krieges» auf, doch ihr schlossen sich weniger als 1000 Freiwillige an. Andere Einheimische schlossen sich zwar den Selbstverteidigungstruppen ihrer Dörfer an, doch nur wenige waren bereit, gegen die reguläre zionistische Armee zu kämpfen.

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Das Logo der Arabischen Befreiungsarmee. Foto Benno Rothenberg /Meitar Collection / National Library of Israel / The Pritzker Family National Photography Collection, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=114118537

Die Ankunft ausländischer arabischer Armeen konnte diesen Mangel an lokaler Unterstützung nicht wettmachen. Weil die Christen freundschaftliche Beziehungen zu ihren jüdischen Nachbarn pflegten, weigerte sich der Libanon, Truppen zu schicken. Das irakische Kontingent war klein und blieb nach einer anfänglichen Niederlage für den Rest des Krieges untätig in Judäa und Samaria. Syrien schickte nur einige tausend Soldaten sowie ein drusisches Kontingent, das überlief. Einige dieser Drusen schlossen sich danach den israelischen Drusen in den zionistischen Streitkräften an.

Die von Grossbritannien geförderte Arabische Legion Jordaniens zählte 5000 Mann und war gut ausgebildet. Der jordanische König Abdullah war jedoch ein scharfer Kritiker des Muftis und hatte kein Interesse daran, dessen Kriegsanstrengungen zu unterstützen. Stattdessen setzte der König seine Truppen in den Gebieten ein, die der UNO-Teilungsplan den Palästinensern zugeteilt hatte und die er annektieren wollte. Deshalb waren die ägyptische Armee, die Reste der ALA und die syrische Armee die einzigen ernsthaften Gegner der Zionisten. Weil sich die einheimischen Araber fast gar nicht am Krieg beteiligten, waren die ausländischen Truppen den zionistischen Streitkräften zahlenmässig unterlegen. Diese waren zudem besser organisiert und besser bewaffnet. Es überrascht daher nicht, dass Israel einen entscheidenden Sieg errang.

All diese Tatsachen untergraben die zentralen Behauptungen der Unterstützer der Palästinenser und die moralische Überlegenheit, die sie für sich beanspruchen.

Robert Cherry ist emeritierter Wirtschaftsprofessor am Brooklyn College, assoziiertes Mitglied des American Enterprise Institute und Autor des 2026 erschienenen Buches Arab Citizens of Israel: How Far Have They Come? Der Beitrag erschien zuerst auf Englisch bei Jerusalem News Syndicate (JNS).

5 Kommentare

  1. Es gibt noch weitere Unschärfen: Haj Amin al Husseini liess jeden muslimischen Araber töten, der mit Juden in Frieden leben wollte, er war der Mitbegründer der Moslembrüderschaften die 1926 in Jerusalem und 1928 al bakr, seinem Konkurrenten, in Ägypten gegründet wurden. Al Husseini war kein Kollaborateur, sondern wie auch al Bakr ein eigenständiger Nazi und völkischer Nationalist, der das reine Blut der Araber und besonders derer aus seinem Haus, propagierte. Er hatte große Sympathien mit Mussolini, wechselte aber 1934 endgültig zu den Nazis als deren Verbündeter.

    Simon petljura hat mindestens zehntausende Juden in den Pogromen im Rahmen der Kämpfe um eine „freie“ Ukraine ermorden lassen. Er gilt in der heutigen Ukraine als Held und Gründer der Ukraine. Die Gewalt zwischen 1917 und 1921 führte zu einer Gewöhnung an Gewalt, denn polnischer Adel und russische Offiziere schritten nicht ein, daß waren die Soldaten und vor allem die Thora Schulen, die sich bewaffneten und die Dörfer schützten.
    Ich wünsche mir, die heutigen Haredim würden zutiefst beschämt sich ein Vorbild an diesen Männern nehmen, und ihren Widerstand gegen den Dienst aufgeben.

  2. Vielen, vielen Dank für diese Kommentare ! !
    Ja, das sind die Fakten. Darüber sollten sich die Medien, auch in den Niederlanden, vielmehr halten. Denn Meinungen, ach die kann ja jeder für sich haben.
    In der Tageszeitung TROUW ( Treue ) gab es in 1977 schon ein Seitenlanges Interview mit dem Mitglied der PLO Führung Zuheir Muhsen. Der versicherte : „Es gibt kein Palästinensisches Volk“. Aber er fügte hinzu: „Bitte machen sie weiter zu verbreiten, das es Palästina als Land und Volk gibt, sonst hätten wir ja gar nichts mehr gegen Israel vor zu bringen“. . .
    Auch Mosab Hassan Yousef , Sohn von einem HaMaS Mitgründer, hat sich so ausgelassen in einer seiner vielen Reden. Und er ist ja nun wirklich „Erfahnungsexperte“. . .
    Es ist inzwischen auch in Holland derart schlimm mit der Umkehrung der Fakten, dass z.B. auf dem Damplatz in Amsterdam , ganz normal eine Demo statt fand mit Plakaten und darauf den Tekst: „We support HaMaS“. Man unterstützt also in bestimmten Kreisen die Monster von Hamas und den Pogrom vom 7. Oktober 2023. Keine Polizei , kein Gerichtliches Prozess.
    Und nein, ich bin kein Jude, noch jüdisch, noch christlich.

  3. People die behaupten, Israel oder die Juden hätten die Araber aus Palästina vertrieben, wissen vermutlich, dass etwa 1,5 Millionen Araber Bürger Israels sind. Man könnte sich eines Tages fragen – wie ist es möglich, dass Araber in Nazareth, Haifa, Jaffa und Jerusalem leben, wenn sie doch vertrieben wurden? Sind sie inzwischen sicher zurückgekehrt?

    Ich konnte meinen Augen nicht trauen, als ich eine solche Aussage in der intellektuellen NZZ las.

    Wenn man Aussagen liest wie „Holocaust und Nakba sind zwei Tragödien zweier Völker“ – das geht schlicht gegen Logik und Verstand. Bei einer Bevölkerung von 300 000 in Palästina vor dem Zionismus und heute über 10 Millionen. Es wäre eine ganz andere Geschichte gewesen, wenn die europäische Nakba das jüdische Volk in Europa auf etwa 500 Millionen hätte anwachsen lassen.

    Es ist wirklich bedrohlich, dass diese antiisraelischen Narrative über Jahrzehnte aufrechterhalten werden und niemand in der Schweiz sagt, dass der antiisraelische Diskurs in der Schweiz und die TV-Propaganda einfach keinen gesunden Menschenverstand haben.

    Es gibt eine Antwort darauf, und die Diagnose ist längst gestellt.

    Douglas Murray zitiert oft Wassili Grossman: Antisemiten werfen den Juden immer das vor, wessen sie selbst schuldig sind.

    Pogrome in Russland. Das Zarenreich liess mehr als 1,5 Millionen Juden fliehen; manche Historiker beschreiben die Pogrome unter Petljura und ähnliche als Vor-Holocaust. Die Europäer kollaborierten grösstenteils mit Nazi-Deutschland, um das jüdische Leben in Europa auszurotten; die Überlebenden waren in Polen oder Luxemburg nicht willkommen. Die jüdischen Pogrome in der UdSSR von 1948 bis 1953 hinterliessen die jüdische Intelligenz ermordet, die jüdische Kultur verboten, und angeblich gab es Vorbereitungen zur Deportation der europäischen Juden nach Sibirien – wenn nicht der Tod oder die Ermordung Stalins dazwischengekommen wäre.

    Es ist bedrohlich, dass es keine politische Partei in der Schweiz und keine Intellektuellen gibt, die den Leuten sagen: Genug.

    Genug mit dem Vorwurf an Israel wegen Kolonisation, wegen des Lebens in Israel oder Judäa. Öl ins Feuer zu giessen hilft den Arabern in den umstrittenen Gebieten auch nicht.

    Der Kern der antiisraelischen Propaganda besteht darin, Juden und Israel die Schuld an ihrer eigenen Existenz zu geben und das in Wörter wie Besatzung, Apartheid, illegale Siedlungen usw. zu verpacken.

    Deshalb funktioniert proisraelische Argumentation nicht. Wenn Israel sagt „wir haben das getan, um Zivilisten zu schützen“ oder „wir wurden angegriffen“, ist das Hintergrundargument – das alles ist „uns nicht interessant und nicht wichtig, weil wir glauben, ihr seid schuldig an eurer Existenz“.

  4. Solche faktenbasierte Beiträge gehören in alle Tages- bzw. Wochenzeitungen!
    Sofern a. Linksgerichtete Journalisten dies zulassen und…
    b. die verwirrte TikTok-Generation überhaupt noch mehr als 3 Zeilen lesen kann bzw. sich für Fakten interessiert.

    Vielleicht eine Kurzfassung auf Instagram mit Verweis auf den ganzen Beitrag?

  5. Der Beitrag von Robert Cherry enthält historische Unschärfen, die einer sachlichen Korrektur bedürfen.

    Erstens projiziert der Autor den heutigen nationalen palästinensischen Begriff rückwirkend auf das Jahr 1947/48. Das ist faktisch falsch. Die UN-Resolution 181 sprach unmissverständlich von der Gründung eines «Arabischen Staates» neben einem jüdischen. «Palästina» war damals eine reine geografische Bezeichnung für das britische Mandatsgebiet, kein nationales Konstrukt.

    Zweitens ist es historisch unzulässig, die militärisch harte Räumung von Lydda (heute Lod) und Ramle (Operation Danny) im Juli 1948 mit dem hochpolitischen Kampfbegriff der «ethnischen Säuberung» zu brandmarken. Seriöse Historiker lehnen diesen Begriff für den Krieg von 1948 mehrheitlich ab. Es gab keinen systematischen, ideologischen Masterplan zur Vertreibung der arabischen Bevölkerung. Die Entscheidung fiel aus reiner militärischer Notwendigkeit:

    Lydda und Ramle lagen an einem absoluten strategischen Flaschenhals. Sie befanden sich nur etwa 15 bis 20 Kilometer vom Zentrum Tel Avivs entfernt und blockierten exakt die entscheidende Hauptstrasse, die Tel Aviv mit dem belagerten Jerusalem verband. Zudem kontrollierte Lydda den wichtigsten Flughafen des Landes sowie den zentralen Eisenbahnknotenpunkt. Solange diese Städte in feindlicher Hand waren, drohte der junge Staat an seiner schmalsten Stelle in zwei Hälften gespalten zu werden.

    Die Städte waren zudem nicht nur von lokalen arabischen Milizen besetzt, sondern wurden von Kräften der jordanischen «Arabischen Legion» unterstützt. Für die israelische Armee war es unabdingbar, diesen feindlichen Keil aus dem Zentrum des Landes zu entfernen. Die IDF hatte Lydda am 11. Juli eigentlich schon weitgehend eingenommen. Als am darauffolgenden Tag jedoch einige wenige jordanische Panzerwagen in die Stadt eindrangen, löste dies bei der arabischen Bevölkerung einen sofortigen bewaffneten Aufstand gegen die israelischen Soldaten aus. Die völlig überraschten und zahlenmässig in der Stadt unterlegenen israelischen Truppen gerieten unter schweren Beschuss aus den Häusern und reagierten mit massiver Gegengewalt.

    Nach diesem Aufstand kam das israelische Oberkommando zu einem harten Schluss: Die IDF befand sich in einem Überlebenskrieg an mehreren Fronten und hatte schlicht nicht die Truppenstärke, um Lydda und Ramle dauerhaft mit einer grossen Garnison zu kontrollieren. Man fürchtete zu Recht, eine feindlich gesinnte, bewaffnete Bevölkerung von über 50.000 Menschen im eigenen Rücken zu belassen, während die Truppen weiter in Richtung Jerusalem vorrücken mussten.

    Die Räumung (vertreten durch Jigal Allon, autorisiert durch Ben-Gurion und operativ unterzeichnet von Jitzchak Rabin) war aus israelischer Sicht ein rein militärischer Akt der Rückensicherung, um den drohenden Zusammenbruch der zentralen Front zu verhindern.

    Militärische Überlebensstrategie in einem aufgezwungenen Vernichtungskrieg ist keine ethnische Säuberung.

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