Start Jüdisches Leben Shalom Switzerland: Juden und Christen gegen das Schweigen der Mehrheit

Shalom Switzerland: Juden und Christen gegen das Schweigen der Mehrheit

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Bern. Foto IMAGO / Dreamstime
Bern. Foto IMAGO / Dreamstime
Lesezeit: 3 Minuten

Juden und Christen in der Schweiz haben sich unter dem Namen «Shalom Switzerland» zu einer Plattform zusammengeschlossen. Am Montag, 9. November 2026, dem Jahrestag der Novemberpogrome von 1938, laden sie zu einem Impulstag gegen Antisemitismus und Judenhass nach Bern ein. Im Mittelpunkt steht die öffentliche Verlesung einer gemeinsamen Erklärung, die schon jetzt online unterzeichnet werden kann.

Der Anlass findet von 13.30 bis 18.30 Uhr an der Nägeligasse 9 in Bern statt. Präsident der Plattform ist der Katholik Markus Neurohr-Schäfer, Religionspädagoge und Theologe, Vizepräsident der emeritierte reformierte Pfarrer Christoph Monsch-Rinderknecht aus Fislisbach. Zusammen mit dem Mitinitianten Martin Bühlmann, dem Gründer der Vineyard Bern, erklären sie, es betrübe sie, dass die stille Mehrheit der Schweiz die Einschränkungen der Lebensqualität von Juden einfach so hinnehme. «Sie haben Empathie verdient, erhalten aber das Gegenteil», sagen die drei Initianten. Im Faktenblatt der Plattform heisst es: «Jetzt ist es an der Zeit, aufzustehen, die Stimme zu erheben sowie Israel und unsere jüdischen Mitmenschen aktiv zu verteidigen und zu unterstützen.»

Dreimal mehr Vorfälle als vor dem Massaker

Seit dem Massaker der Terrororganisation Hamas vom 7. Oktober 2023 hat der Judenhass in der Schweiz deutlich zugenommen. Der Antisemitismusbericht des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG) und der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) verzeichnet für 2025 in der Deutschschweiz, im Tessin und in der rätoromanischen Schweiz 177 Vorfälle im realen Raum. Das sind zwar weniger als im Vorjahr mit 221 Fällen, aber noch immer rund dreimal so viele wie 2022. Im Internet stieg die Zahl der erfassten Vorfälle gleichzeitig um 36,9 Prozent auf 2185.

Wie konkret dieser Hass geworden ist, zeigen einzelne Fälle. Im August 2025 wies ein Hotel in Graubünden jüdische Gäste laut Bericht mit den Worten ab: «Wir vermieten keine Zimmer an Juden.» Am 2. Februar 2026 griff in Zürich-Wiedikon ein Mann einen als orthodox erkennbaren Juden mit Fäusten an, bis Passanten ihn überwältigten. Shalom Switzerland beschreibt die Folgen für den Alltag: Viele Juden tragen Kippa oder jüdische Anstecker nicht mehr offen, manche wagen sich kaum noch auf die Strasse, und Eltern haben Angst um ihre Kinder auf dem Schulweg.

Als Beispiel für die Enthemmung nennt die Plattform die unbewilligte Palästina-Kundgebung vom 11. Oktober 2025 in Bern. Nach ihren Angaben wurde dort ein Transparent mit der Aufschrift «Death to IDF» gezeigt, und auf dem Boden des Bahnhofplatzes stand «Kill your local Zionist». Shalom Switzerland spricht von einem öffentlichen Aufruf zum Mord an Juden.

Erinnerung und Erklärung

Ein Kurzfilm erinnert an den Zeitzeugen Walter Strauss, der die Pogromnacht 1938 als 16-Jähriger in Berlin versteckt hinter einem Schrank überstand und danach allein in die Schweiz floh. Auf dem Programm stehen zudem Vorträge und Podien zu den Erfahrungen von Juden in der Schweiz, zum israelbezogenen Antisemitismus seit dem 7. Oktober 2023 und zur Geschichte des christlichen Judenhasses. Angekündigt sind unter anderen der israelische Rechtsanwalt Calev Myers, Gründer des Jerusalem Institute of Justice, und der deutsche Theologe Thomas Schirrmacher, früher Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz.

Die gemeinsame Erklärung bekennt sich zur bleibenden Bedeutung des jüdischen Volkes und bedauert den christlichen Antisemitismus und das Schweigen dazu. Ausdrücklich lehnt sie die Ersatztheologie ab, also die Vorstellung, die Kirche sei an die Stelle Israels getreten. Ihr letzter Satz lautet: «Antisemitismus ist unvereinbar mit dem Evangelium Jesu Christi.» Ab 2027 plant Shalom Switzerland jedes Jahr am 7. Oktober einen ähnlichen Anlass.

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