Start Innovation Israels Abfangrakete gegen Hyperschallwaffen nimmt Gestalt an

Israels Abfangrakete gegen Hyperschallwaffen nimmt Gestalt an

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SkySonic-Abfangrakete. Foto Screenshot RAFAEL / Youtube
SkySonic-Abfangrakete. Foto Screenshot RAFAEL / Youtube
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Der israelische Rüstungskonzern Rafael Advanced Defense Systems zeigt an der Jahresmesse der Association of the United States Army (AUSA) in Washington erstmals ein Modell seiner Abfangrakete Sky Sonic in Originalgrösse. Das System soll manövrierende Hyperschallraketen abfangen, die sich mit den meisten heutigen Luftabwehrsystemen nur schwer erfassen, verfolgen und bekämpfen lassen.

Die Messe im Walter E. Washington Convention Center wurde am Montag eröffnet und dauert bis Mittwoch. Der Auftritt gewährt einen seltenen öffentlichen Einblick in ein Programm, das Rafael seit Juni 2023 weitgehend unter Verschluss gehalten hat.

Als Hyperschallwaffen gelten Flugkörper, die schneller als mit fünffacher Schallgeschwindigkeit fliegen. Anders als herkömmliche ballistische Raketen können manche von ihnen während des Flugs ihren Kurs ändern, was ihre Abwehr erheblich erschwert. Laut Rafael ist Sky Sonic für Ziele ausgelegt, die bis zu zehnfache Schallgeschwindigkeit erreichen.

Wie die Abfangrakete funktionieren soll, erläuterte Rafael an der Luftfahrtmesse in Paris. Laut Aviation Week besteht Sky Sonic aus zwei Stufen, wobei eine grosse Startstufe die zweite Stufe in die Nähe des Ziels bringt. Diese zweite Stufe ist der eigentliche Abfangflugkörper und steuert danach mit eigenen Manövern auf das Ziel zu, etwa auf einen Gleitflugkörper oder einen Marschflugkörper. Das System ist als Teil einer mehrschichtigen Luftabwehr gedacht und nicht als eigenständige Lösung. Das nötige Radar entwickelt Rafael nicht selbst, die Abfangrakete hingegen finanzierte der Konzern aus eigenen Forschungsmitteln. Pini Yungman, damals Leiter der Luftabwehrdivision bei Rafael, ordnete das Projekt so ein: «Diese Rakete ist eine Generation weiter als David’s Sling.»

Als Rafael Sky Sonic am 14. Juni 2023 öffentlich machte, war die internationale Sorge über Hyperschallwaffen gross. Russland hatte solche Raketen gegen die Ukraine eingesetzt, und Iran beanspruchte für sich, auf diesem Gebiet einen technologischen Durchbruch erzielt zu haben. Nur acht Tage vor der Ankündigung von Rafael hatten die iranischen Revolutionsgarden in Teheran im Beisein des damaligen Präsidenten Ebrahim Raisi die Rakete Fattah vorgestellt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur ISNA soll sie eine Reichweite von 1400 Kilometern haben und vor dem Einschlag 13- bis 15-fache Schallgeschwindigkeit erreichen.

Später behaupteten die Revolutionsgarden, sie hätten Fattah-Raketen gegen Israel eingesetzt, erstmals beim Angriff vom Oktober 2024 und erneut im Juni 2025. Unabhängig bestätigt wurden diese Angaben nicht, und einige westliche Fachleute halten die iranischen Leistungsangaben für übertrieben.

Der Verwaltungsratspräsident von Rafael, Yuval Steinitz, erklärte 2023, die Entwicklung habe bereits früher in diesem Jahrzehnt begonnen und beruhe auf einer innovativen Technologie aus dem eigenen Haus. «Das Projekt Sky Sonic ist eine innovative, in ihrer Art einzigartige Entwicklung gegen die Bedrohung durch Hyperschallwaffen», sagte er. Steinitz bezeichnete die Abfangrakete als weit fortgeschritten und stellte erste Flugtests in naher Zukunft in Aussicht.

Rafael stellt Sky Sonic an einer Messe vor, an der sich rund 25 israelische Rüstungsfirmen beteiligen, um ihre Präsenz auf dem amerikanischen Markt auszubauen. Neben Sky Sonic zeigt der Konzern eine breite Palette von Waffensystemen, darunter die Abfangraketen von Iron Dome und David’s Sling. Yair Kulas, Leiter der Direktion für Verteidigungsexporte (SIBAT) im israelischen Verteidigungsministerium, sagte gegenüber Calcalist: «Mit den Vereinigten Staaten liegt alles auf dem Tisch, und die Firmen zeigen auch ihre nächste Produktgeneration und ihre Innovationen.»

Rafael präsentiert in Washington auch Neuerungen bei seinen präzisionsgelenkten Panzerabwehrlenkwaffen vom Typ Spike. Dazu gehört die Möglichkeit, Spike-Lenkwaffen aus den vorhandenen TOW-Startern abzufeuern, die auf den Schützenpanzern vom Typ Bradley der US-Armee montiert sind. Die modernisierten Bradley, die jüngst an die amerikanischen Truppen ausgeliefert wurden, tragen bereits israelische Technik, nämlich das aktive Schutzsystem Iron Fist von Elbit Systems, das anfliegende Panzerabwehrlenkwaffen abwehren soll. Nach Angaben von Calcalist Tech hat die 1. Kavalleriedivision der US-Armee begonnen, die Version M2A4E1 mit Iron Fist einzuführen. Elbit erhielt dafür 2024 einen ersten Auftrag über 37 Millionen Dollar und im Januar 2026 einen weiteren über 228 Millionen Dollar.

Auch die Schweizer Armee setzt beim Nachfolger der TOW auf Spike. Das Bundesamt für Rüstung armasuisse hat im April 2023 die Typenwahl für eine neue Boden-Boden-Lenkwaffe getroffen und sich für die Spike LR2 entschieden. Die vor mehr als dreissig Jahren beschaffte TOW war die Hauptbewaffnung des Panzerjägers 90, dessen Ausserdienststellung das Parlament 2018 beschlossen hat. Hergestellt wird die Spike LR2 von Eurospike, einem Gemeinschaftsunternehmen von Diehl Defence, Rheinmetall Electronics und Rafael mit Sitz in Deutschland. Entwicklung, Design und Qualifikation des Systems erfolgen laut armasuisse grösstenteils bei Rafael in Israel.

Die israelischen Rüstungsexporte erreichten 2025 laut dem Verteidigungsministerium einen Rekord von 19,2 Milliarden Dollar. Das sind rund 30 Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2024 mit 14,8 Milliarden Dollar und der fünfte Rekord in Folge. Rund 10 Milliarden Dollar entfielen auf Geschäfte von Regierung zu Regierung. Europa blieb mit 36 Prozent der grösste Abnehmer, auf die USA und Nordamerika entfielen 13 Prozent. Diesen Anteil zu vergrössern, gehört 2026 zu den Prioritäten des Verteidigungsministeriums. Der Zuwachs kam laut Calcalist trotz Boykotten, Protesten gegen Rüstungsfirmen und Versuchen zustande, israelische Hersteller von internationalen Messen auszuschliessen. Verteidigungsminister Israel Katz sagte bei der Vorstellung der Zahlen: «Allein die Tatsache, dass Israel selbst im dritten Kampfjahr weiterhin Rekorde bei den Rüstungsexporten bricht, beweist, wie hoch der Militärisch-industrielle Komplex weltweit geschätzt wird.»

Die Frage, wie sich solche Hyperschallwaffen und Raketen abwehren lassen, betrifft Israel unmittelbar. Iran griff das Land im April 2024 mit mehr als 300 Raketen und Drohnen an, im Oktober 2024 mit über 180 ballistischen Raketen und im Juni 2025 in mehreren Angriffswellen.

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