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Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Seit diesem Morgen ist nichts mehr wie vorher

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Eine Frau weint vor einem Bild, das Shiri Bibas mit ihren beiden beiden Söhnen Kfir und Ariel zeigt, die von palästinensischen Terroristen ermordet wurden. Foto IMAGO / Middle East Images
Eine Frau weint vor einem Bild, das Shiri Bibas mit ihren beiden beiden Söhnen Kfir und Ariel zeigt, die von palästinensischen Terroristen ermordet wurden. Foto IMAGO / Middle East Images
Lesezeit: 5 Minuten

Am 7. Oktober 2023 überfiel die Terrororganisation Hamas Israel und verübte das schlimmste Massaker an Juden seit der Schoah. Ein Kommentar.

Drei Jahre sind vergangen seit jenem 7. Oktober 2023, und noch immer erinnere ich mich genau an diesen Schabbatmorgen, an dem mich SMS, WhatsApp-Nachrichten und immer neue Alarmmeldungen aus Israel aus dem Schlaf rissen. Während ich noch versuchte zu verstehen, was überhaupt geschehen war, erschienen bereits die ersten Bilder und Videos: Raketenalarm, Terroristen in israelischen Ortschaften, Menschen auf der Flucht, Tote auf den Strassen, Meldungen aus den Kibbuzen und vom Nova-Festival, Berichte über Verschleppte. Ich sass mit dem Smartphone in der Hand da und konnte kaum glauben, was ich sah. Mit jeder neuen Nachricht wurde deutlicher, dass an diesem Morgen etwas geschehen war, das weit über diesen einen Tag hinausreichen würde.

An diesem Tag ermordeten Terroristen der Hamas rund 1200 Menschen, die meisten von ihnen Zivilisten. Sie töteten Familien in ihren Häusern in Be’eri, Kfar Aza und Nir Oz, junge Menschen am Nova-Festival, Kinder und Holocaust-Überlebende. 251 Menschen verschleppten sie in den Gazastreifen, viele von ihnen kamen nicht lebend zurück. Erst im Januar dieses Jahres wurden die sterblichen Überreste der letzten Geisel, des Polizisten Ran Gvili, nach Israel gebracht. Dieser 7. Oktober ist der erste seit dem Massaker, an dem keine Geisel mehr in Gaza festgehalten wird. Für die Familien der Ermordeten, der Verschleppten und der seither gefallenen Soldaten ist dieser Tag bis heute nicht zu Ende.

Was ich damals noch nicht wusste, wie tiefgreifend der 7. Oktober auch meinen Blick auf unsere Gesellschaft verändern würde. Drei Jahre später erinnere ich mich nicht nur an das Massaker, sondern ebenso an das, was sehr schnell danach kam: an den Hass, der wieder offener ausgesprochen wurde, an gehässige Demonstrationen und Universitätsbesetzungen, an antisemitische Vorfälle, an Politiker, die nach wenigen Tagen bereits von einem bis heute nicht bewiesenen «Genozid» sprachen, und an die Geschwindigkeit, mit der sich der politische und mediale Blick vom Terror der Hamas auf Israel als Angeklagten verschob.

Dass weite Teile der politischen Linken dabei in alte Reflexe zurückfielen, hat mich nicht überrascht. Viel beunruhigender finde ich, wie bereitwillig eine neue Generation diese alten Parolen wieder übernommen hat. Junge Menschen, die die Verbrechen des Kommunismus, den linken Terrorismus und die Massaker sogenannter «revolutionärer Bewegungen» des vergangenen Jahrhunderts eigentlich bestens aus Geschichtsbüchern kennen sollten, entdecken plötzlich «Imperialismus», «Kolonialismus», «Widerstand» und «Befreiung» wieder und halten diese Begriffe für besonders fortschrittlich.

Besonders bedenklich wird es, wenn solche Vorstellungen an Universitäten und teilweise auch im schulischen Umfeld nicht kritisch hinterfragt, sondern von Professoren und Lehrern sogar noch bestätigt werden. Wer den ganzen Tag von Apartheid, Kolonialismus und Unterdrückung hört, hält das irgendwann für die ultimative Wahrheit. Palästinensische Mörder und Terroristen als Widerstandskämpfer zu bezeichnen, ist dann nur noch die logische Folge dieser Indoktrination.

Politiker wie Fabian Molina, Cédric Wermuth und viele andere führende Vertreter von SP oder Grünen, aber auch Gewerkschaften wie SGB, VPOD, syndicom oder Unia standen in den vergangenen drei Jahren Seite an Seite, wenn es gegen Israel ging. Begriffe wie «Genozid», «Apartheid», «ethnische Säuberung» oder «Kriegsverbrecher» wurden zum festen Bestandteil ihrer Wortwahl und Politik.

Zu diesem Gesamtbild gehören für mich ebenso die Medien und dabei besonders SRF. Seit dem 7. Oktober habe ich immer wieder erlebt, wie stark Auswahl, Gewichtung und Sprache die Wahrnehmung Israels in der Schweiz beeinflussen. Durch Wortwahl, Schwerpunktsetzung und Auslassungen, durch die Gestik der nervös zappelnden «SRF-Video-Hosts» und die ständige Wiederholung einseitiger Perspektiven entstand die mediale Erzählung, dieser Krieg habe nicht am 7., sondern am 8. Oktober 2023 begonnen.

Gleichzeitig stieg der Antisemitismus in der Schweiz auf ein Niveau, das weit über dem der Jahre vor dem Massaker lag. Juden werden bis heute bedroht und angegriffen. Synagogen müssen stärker geschützt werden. Schon nur das öffentliche Zeigen einer Israel-Flagge ist höchst gefährlich. Im Jahr 2024 wurde ein jüdischer Mann in Zürich mit einem Messer lebensgefährlich verletzt.

Die politische Schnittmenge zwischen Teilen der linken Parteien, linksextremen und islamistisch beeinflussten Milieus wird immer grösser. Seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023 verwischen auch in der Schweiz die Grenzen zwischen der radikalen Linken und Teilen der «Palästina-Bewegung», die sich offen auf die Terrororganisationen Hamas und PFLP beziehen. Vor der Krawall-Demo vom 11. Oktober 2025 in Bern mobilisierten anonyme Gruppen mit dem roten Dreieck aus der Hamas-Propaganda und nannten das Massaker «Al-Aksa-Flut». Zur Teilnahme aufgerufen hatte auch die Juso, die Jungpartei der SP. Für den kommenden 11. Oktober wird in Bern erneut in gleicher aggressiver Manier zu einer Demonstration aufgerufen. Wehe wenn sich eine jüdische Person darin verlaufen würde.

Auch SP und Grüne tun sich mit klaren Grenzen schwer. Ein Hamas-Verbot lehnten SP und Grüne im Nationalrat noch 2022 ab, zusammen mit der Mehrheit von FDP und Mitte. Als der Nationalrat im Dezember 2024 ein Verbot der Terrororganisation Hisbollah verlangte, standen sie dann weitgehend allein: Die Nein-Stimmen kamen alle von den Grünen, während sich die SP-Fraktion feige der Stimme enthielt. In Kraft ist dieses Verbot bis heute nicht.

Drei Jahre nach dem 7. Oktober beschäftigt mich deshalb weniger, dass mich Politiker enttäuscht haben. Mehr Sorgen macht mir, dass die historischen Erfahrungen des vergangenen Jahrhunderts offenbar weniger tief verankert sind, als ich einmal geglaubt und gelernt hatte. Eine junge Generation wird zu Recht vor Faschismus gewarnt, weiss aber oft erstaunlich wenig über kommunistischen Totalitarismus, linken Terror, sowjetischen Antizionismus und die Zusammenarbeit sogenannt «revolutionärer Bewegungen» mit palästinensischen Terrororganisationen. Gleichzeitig wird der politische Islam häufig gehätschelt, während sein eigener Antisemitismus und sein totalitärer Anspruch zu wenig thematisiert werden.

Drei Jahre nach jenem Schabbatmorgen ist deshalb für mich tatsächlich nichts mehr wie vorher. Wir müssen aus dieser Starre herauskommen. Das bedeutet, dass wir nicht länger still bleiben, sondern diesen Entwicklungen offen widersprechen müssen, selbst wenn es unbequem wird. Wir müssen unsere Stimme erheben und das Feld nicht jenen überlassen, die mit Hass, Einschüchterung und ideologischen Parolen am lautesten auftreten.

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