Start Jüdisches Leben Was Friedrich Pollock der Berner Linken zu sagen hätte

Was Friedrich Pollock der Berner Linken zu sagen hätte

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Friedrich Pollock. Foto Archivzentrum Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, Nachlass Friedrich Pollock.
Friedrich Pollock. Foto Archivzentrum Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, Nachlass Friedrich Pollock.
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Der neue jüdische Kulturverein Tayelet70 erinnert an den Ökonomen und Soziologen Friedrich Pollock, der auf dem Jüdischen Friedhof in Bern begraben ist. Am 5. November 2026 stellt der Historiker und Pollock-Biograf Philipp Lenhard im Berner Progr den lebenslangen Freund Max Horkheimers vor, am Tag darauf führt er zu dessen Grab.

Tayelet70 bezeichnet sich selbst als jüdischen Kulturverein «am Puls» in Bern. Mit seiner Veranstaltungsreihe «Café Maidon» will er nach eigenen Angaben zu wenig bekannten Berner Geschichten führen. Warum es ihn braucht, erklärt der Verein auf seiner Webseite: Seit dem Massaker der Terrororganisation Hamas vom 7. Oktober 2023 werde jüdische Existenz und Kultur in Bern zunehmend zur Zielscheibe von Hassaufrufen und aus dem öffentlichen Leben verdrängt. Eine der wenig bekannten Berner Geschichten ist jene von Friedrich Pollock (1894–1970), Ökonom, Soziologe und Max Horkheimers Freund fürs Leben. In der Medienmitteilung des Vereins heisst es, er habe sich stets im Hintergrund gehalten und die Kritische Theorie der «Frankfurter Schule» doch erst möglich gemacht. Schon früh dachte er über Automation, autoritäre Herrschaft und Antisemitismus nach. In Bern ist er dennoch kaum bekannt. Vereinspräsidentin Hannah Einhaus schreibt, Lenhard stelle «sehr lebendig einen Friedrich Pollock vor, der in Bern fast nur durch seinen Grabstein bekannt ist».

Lenhard hat die erste Biografie über Pollock geschrieben. Er zeigt auf, dass die Kritische Theorie als Antwort auf die grossen Katastrophen des 20. Jahrhunderts zu verstehen ist. Nach Stationen in Berkeley und München lehrt er heute jüdische Geschichte an der Universität Wien und leitet das Institut für jüdische Geschichte Österreichs in St. Pölten.

Im zweiten Teil des Abends spricht Lenhard unter der Leitung von Hannah Einhaus mit Rolf Zbinden und Johannes Lortz. Die beiden haben die Berner Kunstgruppe Dark Tears of Babylon mitbegründet und kennen die linke Szene der Stadt seit Jahrzehnten. Im Zentrum steht die Frage: «Was hätte Pollock heute zu sagen – über Maschinen, die Arbeit ersetzen, über die Lust an der Autorität und über Antisemitismus, auch in der Linken Berns?» Einhaus fragt in ihrer Einladung zudem nach der Aktualität von Pollocks Arbeiten «im Zeitalter von KI und postkolonialen Bewegungen».

Am Freitag, 6. November 2026, um 10 Uhr folgt mit Lenhard ein Spaziergang zum Jüdischen Friedhof Bern. Besucht werden die Gräber von Friedrich Pollock sowie von Max und Rose «Maidon» Horkheimer.

Der Vortrag «Friedrich Pollock, die Frankfurter Schule und Bern» ist das zweite «Café Maidon» des Vereins. Er beginnt am Donnerstag, 5. November 2026, um 19.30 Uhr im PROGR Zentrum für Kulturproduktion, PerformanceSpace 369, Waisenhausplatz 30 in Bern, 3. Stock, Raum 369. Ab 18 Uhr gibt es im Café Maidon einen kleinen Imbiss. Der Eintritt kostet 25 Franken, reduziert 20 Franken und für Gönner 35 Franken. Den Treffpunkt für den Spaziergang vom Freitag gibt der Verein nach Anmeldung unter info@tayelet70.ch bekannt. Weitere Informationen bei tayelet70.ch.

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