Start News Das Mekka-Abkommen: Eine Gefahr für die Sicherheit der Region?

Das Mekka-Abkommen: Eine Gefahr für die Sicherheit der Region?

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (links), der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (Mitte) und der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif (rechts) unterzeichnen am Freitag, dem 7. August 2026, in Mekka, Saudi-Arabien, ein trilaterales Verteidigungsabkommen. Foto IMAGO / UPI Photo
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (links), der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (Mitte) und der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif (rechts) unterzeichnen am Freitag, dem 7. August 2026, in Mekka, Saudi-Arabien, ein trilaterales Verteidigungsabkommen. Foto IMAGO / UPI Photo
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Das gemeinsame Verteidigungsabkommen von Mekka, das Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan am 7. August unterzeichnet haben, sollte für die Vereinigten Staaten und für Israel ein Weckruf sein. Das Abkommen hält fest, dass ein bewaffneter Angriff auf einen der drei Staaten als Angriff auf alle drei gilt. Die Unterzeichner stellen es als rein defensives Abkommen dar. Pakistanische und türkische Vertreter betonen, es sei gegen kein bestimmtes Land gerichtet. Das ist allerdings möglicherweise nicht ganz richtig – und es ist nur ein Teil des Problems.

von Khaled Abu Toameh

Manche loben das Mekka-Abkommen als Beispiel dafür, dass Staaten endlich Verantwortung für ihre eigene Verteidigung übernehmen, statt sich ausschliesslich auf die Vereinigten Staaten zu verlassen, wie Saudi-Arabien es bisher tut. Trotzdem dürfte diese Konstruktion «unbeabsichtigte Folgen» haben.

Die USA scheinen zu vergessen, dass sie nach dem Zweiten Weltkrieg alles andere wollten als starke Streitkräfte in Europa und in anderen Regionen. Viele im Westen kamen zum Schluss, dass Deutschland innerhalb eines Jahrhunderts zwei Weltkriege ausgelöst hatte und generell Mühe hatte, friedlich mit anderen auszukommen. Der Schutz der Verbündeten mag für die USA teuer sein, doch sie nicht zu schützen, könnte noch teurer werden.

Dasselbe gilt für ein Bündnis wie das Mekka-Abkommen. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als könnte die saudisch-pakistanisch-türkische Allianz den Vereinigten Staaten einen Teil der Verteidigungslast abnehmen. Längerfristig könnte der Pakt für Washington aber eine deutlich grössere Last bedeuten.

Seit bald einem Jahrhundert schützen die USA grosszügig vor Staaten, die den Westen und westliche Interessen bedrohen. Nun bauen mit dem Mekka-Abkommen drei wichtige muslimische Länder eine regionale Sicherheitsarchitektur auf, die nicht von Washington abhängt. Zwei von ihnen sind langjährige Partner der Vereinigten Staaten, eines ist Mitglied der NATO.

Saudi-Arabien betrachtete die Vereinigten Staaten jahrzehntelang als seinen wichtigsten Sicherheitsgaranten. Die Türkei bleibt NATO-Mitglied. Pakistan verbindet mit Washington eine lange und komplizierte Sicherheitsbeziehung. Jetzt schaffen diese drei Länder ihren eigenen Mechanismus der kollektiven Verteidigung.

Einige der traditionellen Partner Amerikas haben offenbar kein Vertrauen mehr in die Vereinigten Staaten als Schutzmacht. Saudi-Arabien erklärt unmissverständlich, dass es seine Sicherheit nicht länger allein auf die amerikanische Karte setzen will.

Die Staaten des Mekka-Abkommens werden nicht zwangsläufig zu Feinden Amerikas. Sie könnten aber gegen die Interessen der USA und des Westens arbeiten.

Das saudische Misstrauen wurde vor Jahren gesät. 2019 wurde Iran des verheerenden Angriffs auf die saudischen Ölanlagen Abqaiq und Khurais beschuldigt. Der Angriff legte einen grossen Teil der saudischen Ölproduktion zeitweise lahm.

Washington reagierte jedoch nicht militärisch, wie es viele Saudis offenbar erwartet hatten. Der Vorfall hat Berichten zufolge «das saudische Vertrauen in die USA erschüttert». Das Middle East Institute schrieb, der iranische Angriff von 2019 und das Ausbleiben einer amerikanischen Reaktion hätten «jegliches saudische Vertrauen in die amerikanische Sicherheitszusage praktisch beseitigt».

Das Mekka-Abkommen erscheint als weitere Folge dieses Vertrauensverlusts.

Saudi-Arabien bringt enorme finanzielle Mittel in die neue Partnerschaft ein. Pakistan bringt militärische Erfahrung mit und ist zudem das einzige Land mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit, das über Nuklearwaffen verfügt. Die Türkei bringt eine der grössten Armeen der NATO und eine rasch wachsende eigene Rüstungsindustrie ein.

Das bedeutet nicht zwingend, dass Pakistans nuklearer Schutzschirm auf Saudi-Arabien oder die Türkei ausgedehnt worden ist. Es bedeutet auch nicht, dass die drei Länder automatisch in einen Krieg ziehen, sobald eines von ihnen angegriffen wird. Die operativen Einzelheiten bleiben tatsächlich vage.

Die politische Symbolik sollte man allerdings nicht unterschätzen.

Für Israel ist die Entwicklung besonders beunruhigend, weil sie in eine Zeit fällt, in der die Hoffnungen auf eine Normalisierung mit Saudi-Arabien in weiter Ferne liegen.

Saudi-Arabien hat sich für eine Verteidigungspartnerschaft mit der Türkei und Pakistan entschieden, also mit zwei Ländern, deren Regierungen erbittert israelfeindliche Positionen vertreten. Dabei hat Riad möglicherweise mit dem Gedanken gespielt, den Abraham-Abkommen beizutreten, kam aber stets mit irgendeiner «Giftpille» daher. Zudem hat der amerikanische Präsident Donald J. Trump dem Königreich soeben erlaubt, Uran für Kernreaktoren anzureichern.

Jonathan Spyer, Forschungsdirektor beim Middle East Forum, schrieb, vor dem Überfall der Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 sei der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman häufig zusammen mit den Führungen der Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrains als Teil einer neuen Führungsschicht am Golf wahrgenommen worden. Diese habe die traditionellen regionalen Rivalitäten hinter sich lassen und auf wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit setzen wollen, auch auf engere Beziehungen zu Israel.

«Man sollte nicht davon ausgehen, dass Riad diese Ausrichtung endgültig aufgegeben hat», mahnte Spyer. Er hielt aber auch fest, dass im Nahen Osten nach dem 7. Oktober militärische Erwägungen sowie «religiöse und zivilisatorische symbolische Loyalitäten» wieder im Zentrum stehen.

Das Mekka-Abkommen gibt Saudi-Arabien genau dann den entgegengesetzten strategischen Rahmen, wenn Washington gehofft hatte, eine engere amerikanisch-saudische Sicherheitszusammenarbeit könnte die Normalisierung zwischen Saudi-Arabien und Israel erleichtern.

Die Rolle der Türkei ist besonders gefährlich.

Unter Präsident Recep Tayyip Erdogan positioniert sich die Türkei seit Jahren als einer der feindseligsten Gegner Israels. Ankara pflegt enge Beziehungen zur Hamas und hat die Terrororganisation politisch wiederholt unterstützt (etwa hier, hier, hier und hier).

Die Sorge ist deshalb, dass eine immer mächtigere Türkei den Ausbau ihrer militärischen Fähigkeiten in eine regionale Hegemonie umsetzen will und gleichzeitig einen aggressiven Kurs gegenüber Israel, Zypern und Griechenland verfolgt.

Wenn die Türkei zum Beispiel die Tarnkappenjets F-35 erhält, die sie von den Vereinigten Staaten haben will, dann Israel angreift und Israel zurückschlägt: Wird Pakistan anschliessend behaupten, die Türkei sei «angegriffen» worden, und Nuklearwaffen gegen Israel einsetzen? Ist dieser langfristige Wunsch in Wahrheit der Kern des «Verteidigungspakts»?

Spyer warnt, die entstehende Konstellation Türkei–Pakistan–Saudi-Arabien sei auf der rhetorischen Ebene «gemeinsam und äusserst israelfeindlich». Er verweist auf den Aufruf des pakistanischen Verteidigungsministers Khawaja Asif zu einer geeinten islamischen Front gegen Israel und auf Erdogans Behauptung, der Zionismus bedrohe alle. Bedeutsamer ist für Spyer, dass die Türkei und Katar zu den «praktischen Unterstützern» der Hamas gehören.

Das Mekka-Abkommen lässt sich deshalb nicht isoliert betrachten.

Die Türkei baut zudem ihren Einfluss in Syrien rasch aus. Sowohl die Türkei als auch Katar sind wichtige Verbündete der Regierung des syrischen Präsidenten Ahmed al-Sharaa, und die Türkei ist am Aufbau der neuen syrischen Streitkräfte tief beteiligt. Israel, Zypern und Griechenland müssen deshalb mit einer wachsenden strategischen Präsenz der Türkei rechnen, die sich über Syrien bis in die weitere sunnitisch-muslimische Welt erstreckt und die von einer engeren militärischen Zusammenarbeit mit dem Nuklearstaat Pakistan sowie von saudischer Finanzkraft gestützt wird.

Die Türkei bringt zudem hochentwickelte Militärtechnologie in die Rechnung ein. Ankara und Islamabad haben ihre rüstungsindustrielle Zusammenarbeit stetig ausgeweitet, unter anderem bei Flugzeugen, Drohnen und weiteren militärischen Systemen. Saudisches Geld könnte diese Projekte deutlich beschleunigen.

Die Türkei positioniert sich als Anführerin eines immer selbstbewussteren, sunnitisch-islamistisch geprägten Blocks. Pakistan versucht, seinen Nuklearstatus in grösseren politischen Einfluss umzuwandeln, und Saudi-Arabien ist der Geldgeber der beiden und ein möglicher Partner bei Nuklearwaffen.

Selbst wenn aus dem Mekka-Abkommen nie eine echte «islamische NATO» wird und es teilweise symbolisch bleibt, ist es deswegen nicht harmlos.

Die wirkliche Gefahr ist die strategische Richtung, für die es steht. Es ist eine Antwort auf den wahrgenommenen Rückgang des amerikanischen Einflusses, auf die wachsende türkische Macht, auf die schwächer werdenden Aussichten auf einen friedlichen Nahen Osten und nun auf die Entstehung eines neuen regionalen Blocks, dessen führende Mitglieder Israel, Zypern, Griechenland und den Westen insgesamt immer stärker nicht als mögliche Partner, sondern als Gegner betrachten.

Khaled Abu Toameh ist ein preisgekrönter arabisch-israelischer Journalist und TV-Produzent. Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute. Übersetzung Audiatur-Online.

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