
Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) berichtete am 20. Mai 2026 über die Abfangaktion der israelischen Marine gegen die sogenannte Global Sumud Flotilla. Auslandredaktorin Susanne Brunner «ordnete» das Geschehen auf SRF 4 News und in einer «Analyse» auf srf.ch ein. Was dabei herauskam: Eine Anklage gegen Israel, verpackt als Berichterstattung. Fakten, die nicht in das Bild passen, wurden konsequent über Bord geworfen.
Gleichzeitig veröffentlichte SRF auf seinen Social-Media-Kanälen auch ein Kurzvideo zur Flotilla. Dort fällt jede Zurückhaltung komplett weg. Im Reel heisst es «das Ziel der Global Sumud Flotilla ist, einen humanitären Korridor einzurichten und Israels illegale Blockade von Gazastreifen zu durchbrechen.» Die Türkei darf unwidersprochen von «Piraterie» sprechen. Israels Position wird ganz am Schluss in einem einzigen Satz abgehandelt, eingeleitet mit «Israel sagt hingegen», als sei das bloss eine unwichtige Meinung.
«Israel ist den Beweis schuldig geblieben»
Brunners Behauptung: Israel werfe einigen Aktivisten Verbindungen zur Hamas vor, sei aber «den Beweis schuldig geblieben» ist falsch.
Einen Tag vor ihrer «Einordnung», setzte das US-Finanzministerium (OFAC) einen der zentralen Flotilla-Anführer, Saif Abu Keshek, auf die Sanktionsliste. Grund: Abu Keshek ist Mitglied des Generalsekretariats der Popular Conference for Palestinians Abroad (PCPA) – einer Organisation, die OFAC bereits im Januar 2026 als Hamas-Frontorganisation eingestuft hatte. PCPA wurde laut dem US-Finanzministerium «mit Geldern des Hamas-Büros für internationale Beziehungen gegründet», und «Hamas steuert ihre Aktivitäten durch die Platzierung von Hamas-Funktionären in der gesamten Organisation, einschliesslich ihres Exekutivorgans, des Generalsekretariats» – also genau jenem Gremium, in dem Abu Keshek sitzt. Abu Keshek ist gleichzeitig CEO der spanischen Scheinfirma Cyber Neptune, die Dutzende der Flotilla-Schiffe besitzt.
Zusammen mit Abu Keshek sanktionierte das US-Finanzministerium drei weitere Personen: Hisham Abu Mahfuz (PCPA-Präsident), Mohammed Khatib (Samidoun-Koordinator Europa) und Jaldia Abubakra (Samidoun Madrid).
Samidoun, eine Frontorganisation der PFLP, ist in Deutschland verboten und wird in den USA sowie in Kanada als Terrororganisation eingestuft. Khatib, gegen den seit Juni 2024 ein Einreiseverbot in die Schweiz besteht, bezeichnete das Hamas-Massaker vom 7. Oktober als «glorreichen Tag». Er trat mehrfach in der Schweiz auf, unter anderem in Basel und Brüssel, wo er zur Zerstörung der USA, EU und Israel aufrief. Audiatur-Online berichtete darüber im März 2024 ausführlich: «PFLP-Mann, der Hamas-Massaker rechtfertigt, tourt unbehelligt durch die Schweiz» und «Schweiz-Besucher mit Terror-Bezug».
Darüber hinaus veröffentlichte Israel ein Dokument mit der Unterschrift des ehemaligen Hamas-Politbürochefs Ismail Haniyeh, das die PCPA ausdrücklich unterstützt und Abu Keshek namentlich nennt. Das Dokument belegt laut dem Middle East Forum, dass Hamas sowohl die Flotilla vom Oktober 2025 als auch jene vom April 2026 «gesteuert» hat.
Israel ist den Beweis also keineswegs «schuldig geblieben». Susanne Brunner hat sie bloss nicht erwähnt.
Davon abgesehen: Israel ist weder Frau Brunner noch SRF noch der Schweiz irgendetwas «schuldig». Israel ist ein souveräner Staat, der eine anerkannte Seeblockade durchsetzt. Er muss seine Geheimdiensterkenntnisse nicht vor einer Auslandredaktorin in Zürich ausbreiten, um deren Zustimmung einzuholen.
Die Seeblockade: legal – aber bei SRF ein Willkürakt
Brunner stellt die Abfangaktion als unverhältnismässigen Militäreinsatz gegen harmlose Segelboote dar: «Gegen einen PR-Stunt muss man keine Armee einsetzen.» Und: «Auf die unerträgliche Lage der Bevölkerung im Gaza-Streifen aufmerksam zu machen, ist für die israelische Regierung fast schon ein Terrorakt.»
Was Brunner verschweigt: Die israelische Seeblockade über Gaza ist völkerrechtlich legitimiert – und zwar nicht nur nach israelischer Rechtsauffassung, sondern nach internationaler Prüfung.
Der Palmer-Bericht der Vereinten Nationen von 2011 – erstellt von einem Untersuchungspanel unter dem Vorsitz des neuseeländischen Premierministers Geoffrey Palmer – kam zum Schluss, dass die Seeblockade «als legitime Sicherheitsmassnahme verhängt wurde, um den Waffenschmuggel nach Gaza über den Seeweg zu verhindern» und ihre Umsetzung «den Anforderungen des Völkerrechts entsprach».
Die Turkel-Kommission (2011) – eine israelische Untersuchungskommission mit zwei internationalen Beobachtern, dem nordirischen Friedensnobelpreisträger Lord David Trimble und dem kanadischen Militärjuristen Brigadegeneral Ken Watkin – bestätigte diese Einschätzung unabhängig. Beide internationalen Beobachter stimmten dem Befund zu, dass die Blockade völkerrechtskonform ist.
Das San-Remo-Handbuch zum internationalen Seerecht in bewaffneten Konflikten (1994) legt in den Paragraphen 93 bis 104 die Bedingungen fest, unter denen eine Seeblockade zulässig ist – einschliesslich der Pflicht zur Verhältnismässigkeit und zur Zulassung humanitärer Hilfe. Paragraph 67(a) erlaubt ausdrücklich das Aufbringen von Schiffen, die eine rechtmässige Blockade brechen.
Das Abfangen der Gaza-Flottille wird also von mehreren juristischen Untersuchungen nicht als willkürlicher Akt, sondern als Durchsetzung einer als rechtmässig bewerteten Seeblockade eingeordnet.

Gleichzeitig gelangen täglich humanitäre Hilfslieferungen über israelisch kontrollierte Übergänge nach Gaza. Gemäss Statistiken des Koordinierungsbüro für Regierungsaktivitäten in den Gebieten (COGAT) werden regelmässig hunderte Lastwagen mit Lebensmitteln, Medikamenten und weiteren Hilfsgütern abgefertigt. Laut Berichten aus Gaza werden grosse Teile dieser Hilfslieferungen von der Terrororganisation Hamas systematisch umgeleitet, konfisziert oder auf lokalen Märkten weiterverkauft. Brunner erwähnt dies alles mit keinem Wort.
Mavi Marmara – die Geschichte, die SRF vergessen hat
Brunner bezeichnet die Flotilla-Teilnehmer durchgehend als «Aktivistinnen und Aktivisten» und fragt rhetorisch, warum Israel «zu solch drastischen Mitteln» greife, wo diese Menschen doch «keine akute Bedrohung» seien.
Wer so fragt, muss die Mavi Marmara vergessen haben – oder will, dass die Zuhörer sie vergessen. Am 31. Mai 2010 stoppten israelische Marinesoldaten das türkische Schiff Mavi Marmara in internationalen Gewässern. An Bord griffen rund 40 solcher «Aktivisten» der türkischen Organisation IHH die Soldaten sofort mit Eisenstangen, Messern und Metallstäben an. Dabei gab es Tote und Verletzte. Die Mavi Marmara ist einer der Gründe, warum Israel solche Flotillas nicht einfach passieren lässt.
Hamas-Netzwerk statt «Hilfsflotte»
SRF präsentiert die Global Sumud Flotilla als spontane humanitäre Geste besorgter Bürger. Die Realität sieht anders aus.
Die Flotilla ist Teil eines dezentralen Netzwerks mit dokumentierten Verbindungen zur Hamas und zur Muslimbruderschaft. Eine Analyse des israelischen Diaspora-Ministeriums vom September 2025 identifizierte drei Achsen: eine zivilgesellschaftlich-öffentliche (BDS/March to Gaza), eine palästinensisch-internationale (Global March to Gaza) und eine religiöse (algerische Muslimbruderschaft). Die Steuerung erfolgt über zentrale Telegram-Kanäle.
Schlüsselfiguren des Netzwerks:
Saif Abu Keshek: Sprecher der Global Sumud Flotilla, CEO der Scheinfirma Cyber Neptune, die die Schiffe besitzt. Am 20. Mai 2026 von den USA als Hamas-Verbindungsmann sanktioniert.
Yahia Sarri: Vorsitzender der algerischen Initiative zur Unterstützung Palästinas, fotografiert neben Hamas-Funktionär Osama Hamdan (2022), Treffen mit Bassem Naim (Hamas, Leiter internationale Beziehungen, 2024). General Hatem Atif (ehemals ägyptische Armee) warnte: Der Konvoi werde von der internationalen Muslimbruderschaft gesteuert.
Khaled Safi: Gaza-Blogger mit 330’000 Followern, ehemaliger «Grafikdesigner» bei Shehab, der Hamas-Nachrichtenagentur.
Sotiris Lapieris: Griechischer Akademiker, BDS Griechenland. Am 7. Oktober 2023 lobte er den Hamas-Angriff auf Facebook und stellte sich hinter Hamas, PFLP und Hisbollah.
Nichts davon findet sich bei SRF. Stattdessen: «Aktivistinnen und Aktivisten».
Immer wieder Ben Gvir
Brunner berichtet über das Video von Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir, der gefesselte und mit Augenbinden versehene Aktivisten demütigte. Die internationale Presse übersetzte seine Worte mit «Willkommen in Israel, wir sind die Herrscher» – als ob er sich als «Master» über Menschen inszeniert hätte. Was sagte Ben Gvir tatsächlich? Im hebräischen Original lautet der Satz: «ברוכים הבאים לישראל, אנחנו בעלי הבית» – «Willkommen in Israel, wir sind die Hausherren». «Ba’alei ha-bayit» (בעלי הבית) ist ein geläufiger hebräischer Ausdruck, der nicht «Herrscher» über Menschen bedeutet, sondern «Eigentümer des Hauses», also kein Sklaverei-Vokabular. Ben Gvir sagte ausserdem: «נגמרה הקייטנה» – «Das Ferienlager ist vorbei» – und: «Wer gegen den Staat Israel handelt, wird auf einen entschlossenen Staat stossen.»
Das ändert nichts daran, dass die Szene – gefesselte, kniende, mit Augenbinden versehene Zivilisten, so nicht in Ordnung war. So weit, so richtig.
Was Brunner aber nur am Rande erwähnt und im Radio-Interview komplett unterschlägt, ist die scharfe israelische Kritik:
- Premierminister Benjamin Netanyahu: «Die Art und Weise, wie Minister Ben Gvir mit den Flotilla-Aktivisten umgegangen ist, entspricht nicht den Werten und Normen Israels.»
- Aussenminister Gideon Saar: «Sie haben unserem Staat mit diesem schändlichen Auftritt wissentlich Schaden zugefügt – und nicht zum ersten Mal. Sie haben die enormen, professionellen und erfolgreichen Anstrengungen so vieler Menschen zunichtegemacht – von IDF-Soldaten bis zu Mitarbeitern des Aussenministeriums.»
- Israels Botschafter in Washington, Yechiel Leiter: «Ben Gvirs rücksichtslose Selbstinszenierung entspricht nicht der Regierungspolitik.» Und weiter: «Ben Gvirs Eskapaden schlagen mit einem Vorschlaghammer auf unsere diplomatischen Bemühungen ein, während Israels Feinde sich genüsslich auf jeden solchen Unsinn stürzen, um uns zu diskreditieren.»
Premierminister, Aussenminister, Botschafter in Washington. Führende Israelis haben Ben Gvirs Verhalten öffentlich und unmissverständlich kritisiert oder verurteilt. Ben Gvir spricht nicht für Israel. Ben Gvir spricht für Ben Gvir. Aber für Brunners Erzählung von «diese Regierung scheint nur ein Narrativ anzuerkennen, ihr eigenes» – ist das ein störendes Detail. Also lässt sie es einfach weg.
«Eingesperrt»
Brunner schreibt: «Die Menschen in Gaza sind eingesperrt.» Sie beschreibt die humanitäre Lage in düsteren Farben: Ratten, Krankheiten, kein sauberes Wasser, zerstörte Infrastruktur. Der Schuldige ist klar: Israel.
Was fehlt: Die Hamas kontrolliert seit 2007 den Gazastreifen. Die Hamas verwendet zivile Infrastruktur – Spitäler, Schulen, Wohnhäuser – als militärische Stellungen. Die Hamas entscheidet, wer in Gaza Hilfsgüter erhält und wer nicht. Die Hamas hat wiederholt Hilfslieferungen beschlagnahmt und umgeleitet.
Brunner erwähnt die Hamas genau einmal – und zwar nur, um Israels Argument zu relativieren: Israel gebe «der Hamas die Schuld», aber das «greift zu kurz». Ein paar Wörter für die Terrororganisation, die den Krieg ausgelöst hat. Hunderte Worte für Israel als Bösewicht.
Kein Schiff nach Sudan
Und noch etwas: Niemand hat diese Menschen gezwungen, mit Schiffen auf ein Land zuzusteuern, das sich mitten in einem Krieg befindet – einem Krieg, den die Hamas am 7. Oktober 2023 mit dem schlimmsten Massaker an Juden seit dem Holocaust ausgelöst hat. Die Teilnehmer wussten, was sie taten. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat die Organisatoren der Schweizer Delegation bereits im April zu einem Austausch eingeladen und sie «ausdrücklich auf die erheblichen Risiken und die Reisehinweise» hingewiesen. Weiter hat das EDA unmissverständlich erklärt: «Schweizer Staatsangehörige, die sich trotz dieser Warnungen für eine Teilnahme an der Flotilla entschieden haben, handeln fahrlässig und auf eigene Verantwortung. Die konsularische Hilfe kann in solchen Fällen gemäss Auslandschweizergesetz eingeschränkt oder verweigert werden.»
Und was macht Brunner aus dieser klaren EDA-Stellungnahme? Im Radio-Beitrag sagt sie lediglich, das EDA habe die Teilnehmer «vorher gewarnt» und «behält sich vor», konsularische Dienstleistungen «sogar zu verweigern». Das Wort «fahrlässig» fällt im Radiobeitrag nicht. Dass das EDA die Organisatoren persönlich eingeladen hat, um sie zu warnen, erwähnt Brunner nicht.
Bemerkenswert ist auch, was diese «Aktivistinnen und Aktivisten» nicht tun. Im Sudan tobt seit April 2023 ein Bürgerkrieg, der laut den Vereinten Nationen über zehn Millionen Menschen vertrieben und Hunderttausende getötet hat. In der Ukraine bombardiert Russland seit über vier Jahren systematisch zivile Infrastruktur. Im Jemen hungern Millionen. Wo sind die Flotillas nach Port Sudan? Wo sind die Segelboote nach Odessa? Wo ist die «Global Sumud» für den Jemen? Nirgends. Denn dort ist kein Israel, das man anklagen kann.
Das alles wusste Susanne Brunner – oder sollte es wissen. Stattdessen lieferte sie ihrem Publikum eine Geschichte von guten Aktivisten und bösem Israel. Keine Fakten, die stören. Keine Quellen, die widersprechen. Keine Fragen, die wehtun.
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