In einem von einer SP-Politikerin moderierten 1.-Mai-Podium in Zürich stellt ein langjähriger Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen Gaza in eine Reihe mit Holocaust und Genozid. Medico International Schweiz verbreitet die Aussage stolz auf Instagram. Erst auf Nachfrage von Audiatur-Online wird das Reel gelöscht.
Am 2. Mai 2026 fand im Glaspalast des Kasernenareals in Zürich eine Veranstaltung von Medico International Schweiz statt. Der Titel: «Genozid, Besatzung – Widerstand: Palästinensische und antizionistische israelische Perspektiven». Organisiert wurde der Anlass in Kooperation mit dem 1. Mai Komitee Zürich. Moderiert wurde er von Alice Froidevaux, Verantwortliche für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit bei Medico International Schweiz sowie Co-Parteipräsidentin der SP Stadt St. Gallen und Stadtparlamentarierin.
Auf dem Podium sass unter anderem Dr. Mohamed Abu Mughaisib, ein palästinensischer Arzt aus Gaza, der seit 2002 für Médecins Sans Frontières (MSF) – besser bekannt als Ärzte ohne Grenzen – tätig ist. Mughaisib war Deputy Medical Coordinator in Gaza und wurde im September 2025 nach Dublin «evakuiert». MSF setzt ihn regelmässig als Sprecher ein.
An diesem Abend in Zürich sagte Mughaisib unter anderem:
«So we saw everything. I mean that’s why when I, when they say genocide, holocaust, ethnic cleansing, I think for Gaza everything happened in Gaza in the last two years and the history will give a special term for Gaza and we are waiting for this term because this term will mix and will include all of these war crimes and ethnic cleansing and genocide and holocaust, all of these terms will be in one term.»
«Wir haben also alles miterlebt. Ich meine, wenn man von Völkermord, Holocaust oder ethnischer Säuberung spricht, dann denke ich, dass in Gaza in den letzten zwei Jahren all das geschehen ist, und die Geschichte wird einen eigenen Begriff für Gaza finden. Wir warten auf diesen Begriff, denn er wird all diese Kriegsverbrechen, ethnische Säuberungen, den Völkermord und den Holocaust vereinen und umfassen – all diese Begriffe werden in einem einzigen Begriff zusammengefasst sein.»
Ein langjähriger MSF-Mitarbeiter stellt den Krieg in Gaza damit ausdrücklich in eine Reihe mit Holocaust, Genozid und ethnischer Säuberung. Er suggeriert, dass die Ereignisse in Gaza bisherige historische Kategorien sprengen würden.
Medico International Schweiz – eine linke NGO, die sich selbst der ‹internationalen Solidaritätsbewegung› zurechnet und seit Jahren eine dezidiert anti-israelische Linie fährt – verbreitete diese Aussage anschliessend aktiv als Instagram-Reel und bedankte sich bei Mughaisib.
Die Organisation unterstützt laut eigenem Jahresbericht unter anderem die ‹Palestinian Medical Relief Society› (PMRS), deren Funktionäre wiederholt mit der Terrororganisation PFLP in Verbindung standen. Weitere Medico-Partner beteiligen sich laut NGO Monitor und israelischen Sicherheitsdiensten an Israel-Boykott-Aktionen – Audiatur-Online hat darüber berichtet.
Das Reel mit Mughaisib wurde von Audiatur-Online vor der Löschung durch Medico International Schweiz gesichert und archiviert. Auf eine Wiederveröffentlichung des Videos verzichten wir; die zentralen Aussagen dokumentieren wir mit Screenshots.

272-mal «Genozid» – Eine Kampagne
Mughaisibs Holocaust-Vergleich fügt sich in eine dokumentierte politische und kommunikative Linie ein. Ein am 27. April 2026 veröffentlichter, 35-seitiger Bericht des Forschungsinstituts NGO Monitor beschreibt detailliert, wie sich MSF zunehmend von einer strikt humanitären Organisation zu einem politischen Akteur im antiisraelischen Diskurs entwickelt hat.
Zwischen dem 7. Oktober 2023 und dem 14. Januar 2026 verwendete MSF in Publikationen und sozialen Medien insgesamt 272-mal den Begriff «Genozid» – ausschliesslich in Bezug auf Israel. Auf Instagram veröffentlichte die Organisation Slogans wie «Stop the Genocide. Let aid in. Let Gaza live» oder «this isn’t aid, this is orchestrated killing».
Der Kontrast zu anderen Konflikten ist auffällig. Im Sudan-Konflikt in Darfur, bei dem laut Schätzungen über 300’000 Menschen getötet und rund 2,7 Millionen vertrieben wurden, vermied MSF den Begriff «Genozid». Die Organisation hielt es seinerzeit ausdrücklich für nicht ihre Rolle, als medizinische Organisation einen solchen Schluss zu ziehen. Auch bei Syrien, Myanmar oder dem Jemen verwendete MSF den Begriff nicht.
Besonders auffällig ist dabei ein Widerspruch in der eigenen Argumentation von MSF. In ihrem Bericht «Gaza: Life in a Death Trap» vom Dezember 2024 räumt die Organisation selbst ein, «keine rechtliche Befugnis» zu haben, Vorsatz festzustellen – also genau jenes zentrale Kriterium, das die UN-Genozidkonvention von 1948 für die Feststellung eines Genozids voraussetzt.
Trotzdem verwendet MSF den Begriff seit Jahren systematisch gegen Israel.
Mughaisib geht auf dem Zürcher Podium noch weiter. Er spricht nicht nur von «Genozid», sondern verbindet Gaza explizit mit Holocaust, ethnischer Säuberung und historischen Menschheitsverbrechen.
Terrorverbindungen
Der NGO-Monitor-Bericht dokumentiert zudem mehrere MSF-Mitarbeiter mit Verbindungen zu Terrororganisationen. Darunter Fadi Al-Wadiya, der laut israelischem Militär ein «bedeutender operativer Mitarbeiter im Raketenbereich» des Palästinensischen Islamischen Jihad gewesen sei und gleichzeitig während Jahren für MSF tätig war. Der Palästinensische Islamische Jihad hat Al-Wadiyas Funktion im Februar 2026 selbst bestätigt.
Entschlüsselte Hamas-Dokumente sollen zudem ein Bürgschaftssystem belegen, das NGOs in Gaza faktisch dazu zwang, nur von Hamas akzeptierte Mitarbeiter einzustellen.
Auch in der Schweiz trat MSF zunehmend politisch auf. In einem öffentlichen Appell forderte die Organisation den Bundesrat auf, Israel unter Druck zu setzen: «Angesichts des Genozids in Gaza darf sich die Schweiz nicht hinter ihrer Neutralität verstecken!»
Alain Destexhe, ehemaliger Generalsekretär von MSF International (1991–1995), wirft seiner früheren Organisation heute offen Parteilichkeit und Hamas-Nähe vor: «MSF lügt, MSF ist parteiisch, MSF ist voreingenommen und MSF ist ein Komplize der Hamas.»
Medico International: Holocaust-Vergleich als Reel
Die Veranstaltung vom 2. Mai 2026 reiht sich nahtlos in dieses Muster ein. Bereits der Veranstaltungstitel – «Genozid, Besatzung – Widerstand» – behandelt den Genozid-Vorwurf als feststehende Tatsache.
Medico International Schweiz verbreitete Mughaisibs Holocaust-Aussage aktiv als Instagram-Reel. Die Moderation lag bei Alice Froidevaux, Verantwortliche für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit bei Medico International Schweiz sowie Co-Parteipräsidentin der SP Stadt St. Gallen. Den Holocaust-Vergleich liess sie während der Veranstaltung unwidersprochen stehen.
Kein Holocaust-Gedenken
Neben Mughaisib sass auch Orly Noy auf dem Podium – israelische Journalistin und Vorsitzende der linken NGO B’Tselem. Nur wenige Wochen zuvor schrieb Noy auf +972 Magazine:
«Ein Staat, der Völkermord begeht, kann den Holocaust nicht ernsthaft gedenken. Jede Gedenkfeier, die er in seinem Namen abhält, entweiht das Andenken an die Opfer.»
Israel sei ein «Königreich des Todes», die Erinnerung an den Holocaust «nicht mehr als ein Instrument der Manipulation».
Stellungnahme von Alice Froidevaux / Medico International Schweiz
Audiatur-Online hat Alice Froidevaux um eine Stellungnahme gebeten. Die Antwort datiert vom 13. Mai 2026 und wird nachfolgend ungekürzt wiedergegeben:
«Es ist falsch, die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Vernichtung der europäischen Juden mit heutigen Ereignissen gleichzusetzen. Von Holocaust-Vergleichen distanzieren wir uns bei medico international schweiz klar, ebenso ich persönlich. Deshalb haben wir das entsprechende Social-Media-Reel nach dem Hinweis umgehend gelöscht. Unabhängig davon halten wir die Bezeichnung ‹Genozid› für die Situation in Gaza für gerechtfertigt. Grundlage dafür sind die Einschätzungen zahlreicher internationaler Expertinnen und Experten sowie Menschenrechtsorganisationen. Insbesondere verweisen wir auf die Resolution der International Association of Genocide Scholars vom August 2025. Ausschlaggebend sind unter anderem das gezielte Aushungern der Bevölkerung, die Zehntausenden getöteten Zivilisten sowie wiederholte Äusserungen von Mitgliedern der israelischen Regierung zur Vertreibung und Vernichtung der palästinensischen Bevölkerung.»
Froidevaux distanziert sich damit zwar vom Holocaust-Vergleich, hält jedoch ausdrücklich am Genozid-Vorwurf fest. Zur Begründung verweist sie auf die International Association of Genocide Scholars (IAGS). Die IAGS ist jedoch ein akademischer Fachverband und keine juristische oder völkerrechtliche Instanz.
Die Frage, ob Holocaust-Vergleiche mit den Werten der SP vereinbar seien, beantwortete Froidevaux nicht. Froidevaux ist nicht zum ersten Mal in dieser Rolle: Am SP-Parteitag 2024 setzte sie persönlich durch, dass der Satz zur Verurteilung der Hamas-Praxis menschlicher Schutzschilde aus einer Resolution gestrichen wurde – Audiatur-Online berichtete über den Vorgang.

Stellungnahme von MSF Schweiz
Audiatur-Online fragte auch bei MSF Schweiz nach einer Stellungnahme zum Holocaust-Vergleich ihres langjährigen Mitarbeiters an. Die Antwort von Yvonne Eckert, Medienverantwortliche von MSF Schweiz vom 13. Mai 2026:
«Dr. Mohamed Abu Mughaisib ist ein palästinensischer Arzt mit über 20 Jahren Erfahrung in Allgemeinmedizin, öffentlicher Gesundheit und psychischer Gesundheit. Er arbeitete bis September 2025 für Ärzte ohne Grenzen im Gazastreifen. Seit September 2025 lebt er in Irland. Ärzte ohne Grenzen Schweiz war über den von Ihnen erwähnten Anlass nicht informiert. Die Positionen von Ärzte ohne Grenzen zur humanitären Lage im Gazastreifen, zu unseren medizinischen Einsätzen sowie zu unserer Einschätzung der Situation sind öffentlich zugänglich und auf unserer Website ausführlich dargelegt. Als medizinisch-humanitäre Organisation konzentriert sich Ärzte ohne Grenzen darauf, medizinische Hilfe zu leisten und auf das Leid der Zivilbevölkerung aufmerksam zu machen.»
MSF beantwortete damit keine der zentralen Fragen. Die Organisation distanzierte sich weder vom Holocaust-Vergleich noch äusserte sie sich zum Widerspruch zwischen ihrer politischen Rhetorik und der eigenen Aussage, keine juristische Kompetenz zur Feststellung eines Genozids zu besitzen.
Auffällig ist zudem die Formulierung, Mughaisib habe «bis September 2025» für Ärzte ohne Grenzen im Gazastreifen gearbeitet. Tatsächlich tritt er auch nach seiner «Evakuierung» nach Irland weiterhin regelmässig bei MSF-Webinaren, Medienauftritten und institutionellen Veranstaltungen verschiedener MSF-Sektionen auf.
Stellungnahme von MSF Schweiz zum NGO-Monitor-Bericht
Bereits im April 2026 hatte Audiatur-Online MSF Schweiz zum NGO-Monitor-Bericht befragt. Auf die Frage nach der rechtlichen Grundlage für den Genozid-Vorwurf erklärte Yvonne Eckert am 28. April 2026:
«Ärzte ohne Grenzen verwendet diesen Begriff nicht leichtfertig. Was unsere Teams im Gazastreifen seit Oktober 2023 gesehen und erlebt haben, lässt für uns jedoch keine andere Schlussfolgerung zu.»
Eine konkrete rechtliche Grundlage nannte MSF auch damals nicht.
Ärzte ohne Grenzen und andere internationale NGOs leisten in vielen Krisenregionen der Welt wichtige und oft lebensrettende humanitäre Arbeit. Umso gravierender ist es, wenn Teile ihrer Führung oder ihres Umfelds sich immer stärker auf «Palästina» und gegen Israel fixieren und dabei politische Aktivismus-Rhetorik übernehmen, die bis zu Holocaust-Vergleichen reicht.
Weniger politische Aktivisten und mehr Helfer
Nicht die humanitäre Hilfe beschädigt die Glaubwürdigkeit solcher NGOs, sondern die zunehmende Ideologisierung und Politisierung ihrer Führungsebenen. Wenn Hilfsorganisationen ihre Neutralität und das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen wollen, sind personelle Konsequenzen und neue Verantwortliche an der Spitze nötig, solche die nicht an politischen Pöstchen interessiert sind. Es braucht Menschen, die sich wieder auf medizinische Hilfe und humanitäre Arbeit konzentrieren, statt Kampagnen und Aktivismus vor allem gegen Israel zu betreiben.























