Start Israel und Region Israel: Gewerbegebiet aus dem 8. Jahrhundert entdeckt

Israel: Gewerbegebiet aus dem 8. Jahrhundert entdeckt

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Die Ausgrabungsstätte der israelischen Altertumsbehörde neben dem Winter-Stadion. Foto Emil Aladjem / Israelische Altertumsbehörde
Die Ausgrabungsstätte der israelischen Altertumsbehörde neben dem Winter-Stadion. Foto Emil Aladjem / Israelische Altertumsbehörde
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Auf dem Parkplatz des Winter-Stadions in Ramat Gan haben israelische Archäologen ein rund 1300 Jahre altes Gewerbe- und Industrieareal freigelegt: gerade Strassen, Läden, Töpferöfen, Produktionsanlagen. Geplant wurde die Anlage am Reissbrett, vermutlich mit dem Segen der damaligen Behörden. Nur eines fehlt bis heute – die Siedlung, zu der sie gehörte.

Es ist die Art von Entdeckung, die niemand plant. Die israelische Antikenbehörde (Israel Antiquities Authority, IAA) liess auf dem Parkplatz des Winter-Stadions in Ramat Gan graben, weil dort die staatliche Infrastrukturgesellschaft Netivei Ayalon ein grosses Busterminal errichten will. Am Sonntag, 16. August 2026, gab die Behörde die Entdeckung eines Industrie- und Handelskomplexes aus der frühislamischen Zeit bekannt, gut 1300 Jahre alt, mitten im heutigen Stadtgebiet östlich von Tel Aviv.

Gegraben wurde nach Angaben von Ausgrabungsleiter Yoav Arbel gegenüber der Times of Israel seit November 2025, mit einer mehrmonatigen Pause über den Winter; abgeschlossen wurden die Arbeiten Anfang August. Freigelegt wurde ein Raster aus geraden Strassen, die sich im rechten Winkel kreuzen. Entlang dieser Strassen reihen sich Räume, die als Läden oder Lager gedient haben dürften, dazu verputzte Industrieanlagen und grosse Töpferöfen. Mehrere Installationen dienten offenbar der Produktion von Flüssigkeiten, die sich bislang nicht bestimmen liessen.

«Zwar wurden in der Gegend schon früher Gebäude und Funde aus alten Epochen entdeckt, doch die Ergebnisse der aktuellen Ausgrabung übertrafen alle Erwartungen», erklären Yoav Arbel und Lior Rauchberger, die die Grabung im Auftrag der Antikenbehörde leiteten.

Am Reissbrett entworfen

«Ihre Hauptphase wurde offensichtlich im Detail von Ingenieuren vorausgeplant und im Wissen der regionalen Behörden errichtet – vielleicht sogar auf deren Initiative und mit deren Finanzierung», so die beiden Grabungsleiter. Arbel erklärt wie weit diese Regelmässigkeit ging: «Es war so geordnet, dass wir in manchen Fällen voraussagen konnten, wo wir neue Mauern finden würden, weil es einfach Sinn ergab.» Und: «Das Ganze ist so gut organisiert, dass klar ist: Ingenieure haben es im Voraus geplant, und wahrscheinlich war auch die Obrigkeit beteiligt.»

Vergleichbare Gewerbe- und Produktionsareale kennt die Forschung aus Israel, Syrien und dem Libanon – aber in Städten oder an deren Rand. Hier fehlt aber die Stadt. Gegenüber Haaretz sagt Arbel, man habe in der Hauptnutzungsphase keine Hinweise auf Wohnbebauung gefunden: «Wir haben kein Anzeichen dafür, dass es eine Stadt gab.» Die Forscher halten zwei Erklärungen für möglich: eine grosse eigenständige Handels- und Industriestation – oder den Randbereich einer Siedlung, die noch nicht entdeckt worden ist.

Für eine eigenständige Handelsstation spricht die Lage. Das Areal lag nahe der Hauptstrasse, die Jaffa, Ramla – damals Hauptstadt des Verwaltungsbezirks – und Jerusalem verband, möglicherweise an einer davon abzweigenden Nebenstrasse. Dazu kamen fruchtbares Ackerland und verfügbare Wasserquellen. Diese Route war eine der wichtigsten Verkehrsachsen der frühislamischen Epoche; Reisende, Händler und Waren zogen ständig daran vorbei. Dass die Anlage diesen Verkehr bediente, hält Arbel für gesichert. Ob von hier aus zusätzlich Waren in die Region verteilt wurden, ist offen.

150 Jahre Betrieb, dann Stille

Errichtet wurde der Komplex im 7. oder 8. Jahrhundert, in der Zeit der Umayyaden und der frühen Abbasiden. Er war rund 150 Jahre in Betrieb und wurde danach aufgegeben – nach Angaben von Arbels in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts aus unbekannten Gründen. Die Datierung stützt sich auf die Fundobjekte; naturwissenschaftliche Ergebnisse wie Radiokarbondaten liegen noch nicht vor. Archäologen verweisen allgemein darauf, dass Siedlungen der vorindustriellen Welt aus Dürre, Seuchen, Erdbeben, anderen Naturkatastrophen oder langen Kriegen verlassen werden konnten – welcher dieser Gründe hier zutrifft, lässt sich nicht sagen.

Etwa drei bis vier Jahrzehnte später kehrte Leben zurück. Im 10. Jahrhundert, unter fatimidischer Herrschaft, entstanden auf den Ruinen Wohnhäuser und Produktionsstätten, dazu zahlreiche Tabuns, jene Backöfen aus Ton, die bis heute in der Region in Gebrauch sind. Der Charakter des Ortes verschob sich vom Gewerbe zum Wohnen. Im späten 11. Jahrhundert, kurz vor der Eroberung durch die Kreuzfahrer, wurde der Platz ein zweites und letztes Mal aufgegeben und nie wieder besiedelt. Über die Jahrhunderte deckten Sandschichten ihn zu, bis die Bagger für das Busterminal kamen.

Öllampen, Münzen, Spitzhacken

Neben den Baustrukturen kam ein breites Fundspektrum zum Vorschein: Dutzende Keramikgefässe und unversehrte Öllampen, Tafelgeschirr und Kosmetikgerät aus Bronze, eiserne Spitzhackenköpfe, eine Sichel, viele Nägel sowie Dutzende Münzen. Dazu grosse Mengen an Keramik- und Glasfragmenten, teils lokal produziert, teils importiert. «Zusammen ergeben diese Funde ein anschauliches Bild der Kultur, des Handels und der Wirtschaft der Epoche», so die Grabungsleiter. Der importierte Anteil ist dabei der aussagekräftigste: Er zeigt einen Ort, der in überregionale Handelsbeziehungen eingebunden war.

Wer arbeitete hier?

Die Herrschaft war muslimisch, die Bevölkerung des Landes war es nicht. «Wir wissen, dass die Regierung damals muslimisch war, aber die Bevölkerung des Landes war damals sehr heterogen», sagt Arbel. «Es gab Muslime, aber auch viele Christen, Samaritaner und ebenso jüdische Gemeinden. Wir wissen nicht, wer damals hier war, und wir haben keine Gotteshäuser oder andere Hinweise gefunden, um sie zu identifizieren.» Ramla, die Bezirkshauptstadt, hatte laut Antikenbehörde eine muslimische Gemeinde; in der Jarkon-Region lebten wahrscheinlich viele Samaritaner. Kein einziger Fund erlaubt eine ethnische oder religiöse Zuordnung der Menschen, die an diesem Ort arbeiteten.

Dass die Antikenbehörde die Samaritaner als Nachkommen einer einst grossen Bevölkerung bezeichnet, die in byzantinischer Zeit in der Gegend blühte, hat einen historischen Hintergrund. Im Jahr 529 erhob sich die samaritanische Bevölkerung unter einem messianischen Anführer, Julianus ben Sabar, gegen die byzantinische Herrschaft. Der Aufstand griff von Neapolis, dem heutigen Nablus, weit in das Umland aus; Kaiser Justinian I. liess ihn bis 531 mit ghassanidischen Verbündeten niederschlagen. Antike Chronisten nennen Opferzahlen, welche die moderne Forschung mit Vorbehalt behandelt; unbestritten ist, dass die samaritanische Gemeinschaft sich davon nie mehr erholte. Als die muslimischen Heere ein Jahrhundert später das Land eroberten, war die demografische Landschaft der Küstenebene bereits verändert.

Ältere Schichten liegen ohnehin unter Ramat Gan. Am Südufer des Jarkon, innerhalb der heutigen Stadtgrenzen, erhebt sich Tel Gerisa, auch Napoleonshügel genannt, ein Siedlungshügel, der von der Frühbronzezeit bis in die frühislamische Periode bewohnt war. Der Archäologe Binyamin Mazar schlug vor, in ihm das biblische Gath-Rimmon zu erkennen, eine Ortschaft, die das Buch Josua dem Stammesgebiet Dan zurechnet (Josua 19,45). Der Vorschlag gilt als Identifizierung, nicht als Beweis – der antike Name des Hügels ist unbekannt. Das benachbarte Bene-Berak lebt im heutigen Bnei Brak weiter, und der Jarkon selbst erscheint im gleichen Kapitel namentlich.

Befunde zum Schutz wieder überdeckt

Israels Minister für das Kulturerbe, Rabbi Amichai Eliyahu, ordnete den Fund grundsätzlich ein: «Die Entdeckung antiker Funde in einem Wohnquartier von Ramat Gan, direkt neben einem bekannten, seit langem bestehenden Stadion, zeigt einmal mehr den historischen und archäologischen Reichtum des Staates Israel, in dem sich überall Fenster in ferne Epochen der Vergangenheit öffnen können.»

Am Mittwoch, 19. August 2026, öffnet die Antikenbehörde das Areal einmalig für die Öffentlichkeit: Führungen mit einem Archäologen und eine Präsentation der Fundstücke, ausschliesslich mit vorheriger Anmeldung. Danach werden die Befunde zum Schutz wieder überdeckt, während das Busterminal entsteht. Ob einzelne Objekte künftig öffentlich gezeigt werden, prüft die Behörde.

Damit ist nicht alles ausgegraben, denn die Fläche innerhalb der Bauzäune bildet nach Arbels Einschätzung nur einen Teil des Komplexes ab: Das Areal setze sich nach Westen, Norden und Süden fort, möglicherweise auch nach Osten. Andere Grabungen der Behörde in der Umgebung haben bereits weitere Überreste erbracht. «Es ist möglich, dass es zu einer viel grösseren Geschichte gehört, die wir noch nicht haben», sagt Arbel. «Wir haben bislang nur Teile davon.»

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