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129 Jahre Zionistenkongress: Der Auftrag von Basel bleibt

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Im Jahr 1897 versammelten sich mehr als 200 jüdische Delegierte aus 17 Ländern für drei Tage – vom 29. bis zum 31. August – in Basel. Foto IMAGO / World History Archive
Im Jahr 1897 versammelten sich mehr als 200 jüdische Delegierte aus 17 Ländern für drei Tage – vom 29. bis zum 31. August – in Basel. Foto IMAGO / World History Archive
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Von Anfang an vereinte die Bewegung Menschen, die in Fragen der Religion, der Wirtschaft, der Politik, der Kultur und des besten Weges zur jüdischen nationalen Erneuerung weit auseinanderlagen.

von Mark Levenson

Im Jahr 1897 versammelten sich in Basel mehr als 200 jüdische Delegierte aus 17 Ländern, darunter auch fünf Amerikaner, für drei Tage – vom 29. bis zum 31. August – mit einem kühnen Ziel: Die alte jüdische Sehnsucht nach Zion sollte in eine organisierte politische Bewegung überführt werden.

Einberufen wurde der Erste Zionistenkongress vom Journalisten Theodor Herzl, dem Vater des modernen Zionismus. Der Kongress gründete die Zionistische Organisation, die später in Zionistische Weltorganisation umbenannt wurde, und verabschiedete das «Basler Programm» als Plattform der zionistischen Bewegung. Ein verstreutes Volk hatte sich damit ein Forum geschaffen, in dem es gemeinsam beraten, entscheiden und handeln konnte.

In diesem Jahr, in dem wir den 129. Jahrestag des Kongresses begehen, steht Basel erneut im Blickpunkt, allerdings aus einem ganz anderen Grund. Die Schweizer Polizei ermittelt wegen dem Aufruf zu einer Kundgebung, die für den 29. August in der Nähe des ursprünglichen Kongressortes unter dem Motto «Tod dem Zionismus» angekündigt worden war. Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt. Ebenso bewusst muss unsere Antwort ausfallen: nicht Furcht, nicht Rückzug und keine Entschuldigung, sondern eine erneuerte Klarheit darüber, was der Zionismus ist, was er erreicht hat und weshalb seine Arbeit unverzichtbar bleibt. (Anmerkung der Redaktion: Dieser Beitrag entstand vor der Kundgebung vom 29. August, die von der Kantonspolizei Basel-Stadt unterbunden wurde.)

Der Zionismus ist die nationale Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes. Er hält fest, dass Juden nicht allein Angehörige einer Religion sind, sondern ein Volk, das durch gemeinsame Geschichte, Kultur und Bestimmung sowie durch die Verbindung zu seiner angestammten Heimat zusammengehalten wird. Er besteht auf dem Recht dieses Volkes auf Selbstbestimmung in einem souveränen jüdischen und demokratischen Staat und auf dem Recht der Israeli, in Frieden und Sicherheit zu leben.

Der Kontrast zwischen den beiden Veranstaltungen in Basel könnte kaum deutlicher sein. Der Kongress schuf eine Institution durch Überzeugung, Vertretung und gemeinsames Handeln. Die geplante Kundgebung antwortet auf eine Idee mit dem Ruf nach deren Tod. Kritik an einzelnen politischen Entscheiden Israels ist legitim, ebenso die lebhafte Debatte innerhalb der zionistischen Bewegung. Die Forderung aber, den Zionismus auszulöschen, verlangt vom jüdischen Volk den Verzicht auf ein Recht, das andere Völker selbstverständlich für sich beanspruchen: das Recht, die eigene Zukunft in der eigenen Heimat zu gestalten.

Herzl wusste, dass Ideen Institutionen brauchen. Der Kongress formulierte nicht nur einen Traum, er gab ihm auch eine Struktur. Über die Jahrzehnte half die zionistische Bewegung mit, die politischen, diplomatischen und gesellschaftlichen Grundlagen für die Gründung des Staates Israel zu legen. Ihre nationalen Institutionen unterstützten Juden bei der Alija, beim Aufbau und der Entwicklung des Landes, bei der Wiederbelebung der hebräischen Kultur und Bildung sowie bei der Pflege der Beziehung zwischen Israel und den jüdischen Gemeinden weltweit.

Diese Arbeit endete 1948 nicht. Israel ist ein blühender, souveräner Staat, doch die Aufgaben des Zionismus sind nicht abgeschlossen. Die Zionistische Weltorganisation, die Jewish Agency for Israel und der Keren Kayemeth LeIsrael – Jüdischer Nationalfonds stärken Israel weiterhin, unterstützen die Alija, fördern die jüdische Identität und verbinden Juden über Grenzen hinweg.

Sie helfen den Gemeinden im Umgang mit Antisemitismus, vertiefen die zionistische Bildung, entwickeln das Land und schaffen Begegnungen, in denen Juden der Diaspora und Israeli ihr gemeinsames Schicksal erkennen. Unzählige Menschen kennen Israel genauer und verstehen sich als Teil eines weltweiten jüdischen Volkes, weil diese Institutionen Solidarität in Handeln übersetzt haben.

Heute ist Handeln dringend nötig. Jüdische Gemeinden leben mit den Folgen eines Klimas, in dem die Feindseligkeit gegenüber Israel und dem Zionismus zu oft in Einschüchterung und Gewalt gegen Juden umschlägt.

Vom erschütternden Mord an 15 Menschen, die am Bondi Beach in Australien Chanukka feierten, über die Fahrzeugattacke im März auf den Temple Israel in Michigan, in dem sich kleine Kinder aufhielten, bis zum Angriff mit Molotowcocktails auf Juden, die im Juni 2025 in Boulder im US-Bundesstaat Colorado für die Freilassung der israelischen Geiseln demonstrierten: Die Ereignisse der vergangenen Jahre haben den Ernst dieser Bedrohung nur bestätigt. Diese Vorfälle geschahen an unterschiedlichen Orten und unter unterschiedlichen Umständen, gemeinsam machen sie jedoch eine beunruhigende Wirklichkeit sichtbar. Juden werden in Gemeindeeinrichtungen und bei öffentlichen Versammlungen immer häufiger angegriffen, weil sie Juden sind, weil sie mit Israel verbunden sind oder aus beiden Gründen.

Die geplante Demonstration «Tod dem Zionismus» in Basel muss vor diesem Hintergrund verstanden werden. Sprache, die zur Zerstörung der jüdischen nationalen Selbstbestimmung aufruft, lässt sich nicht als harmlose Rhetorik abtun, erst recht nicht in einer Zeit, in der Juden überall auf der Welt bereits mit Angst, Isolation und körperlicher Bedrohung konfrontiert sind.

Das Versprechen des Zionismus auf jüdische Sicherheit und Solidarität ist kein Überbleibsel jener Verhältnisse, mit denen Herzl es zu tun hatte. In diesem schwierigen Moment bleibt es eine Verpflichtung: einander zu schützen, die eigenen Gemeinden zu stärken und die jüdische Zugehörigkeit zu bekräftigen.

Der Erste Zionistenkongress hält auch für unsere eigene zerrissene Zeit eine Lehre bereit. Der Zionismus war nie eine einzige Sichtweise. Von Anfang an vereinte die Bewegung Menschen, die in Fragen der Religion, der Wirtschaft, der Politik, der Kultur und des besten Weges zur jüdischen nationalen Erneuerung weit auseinanderlagen. Was sie verband, war nicht Einheitlichkeit, sondern ein gemeinsames Ziel.

Dieser Pluralismus gehört bis heute zu den grössten Stärken des Zionismus. Die American Zionist Movement umfasst gegenwärtig 51 nationale jüdische zionistische Organisationen aus einem breiten ideologischen, politischen und religiösen Spektrum. Wir verlangen nicht, dass alle Zionisten gleich denken. Wir bitten sie darum, ihr gemeinsames Interesse an Israel, am jüdischen Volk und an unserer gemeinsamen Zukunft zu erkennen und Meinungsverschiedenheiten in einen Dialog zu verwandeln, statt sich voneinander abzuwenden. Für die amerikanischen Juden ist das besonders dringend.

Der Zionismus verbindet uns nicht nur mit Israel, sondern auch untereinander. Er gibt uns eine Sprache der Volkszugehörigkeit und der gegenseitigen Verantwortung in einer Zeit, in der jüdische Identität zu oft von der Feindseligkeit anderer bestimmt wird. Wir müssen der nächsten Generation vermitteln, dass der Zionismus keine Parole ist, die ihm seine Gegner aufdrängen. Er ist ein lebendiger und sich wandelnder Ausdruck jüdischer Selbstbehauptung, Zugehörigkeit und Hoffnung.

Ein Jahrestag wird dann bedeutsam, wenn aus Erinnerung Verantwortung erwächst. In unseren Schulen, Synagogen, Gemeindeorganisationen und Familien sollten wir die Debatten des Ersten Zionistenkongresses studieren, die Errungenschaften der von ihm angestossenen Bewegung würdigen und uns den Herausforderungen stellen, vor denen der Zionismus und das jüdische Volk stehen.

Herzl schrieb bekanntlich, in Basel habe er den Judenstaat gegründet, und sagte voraus, die Welt werde ihn innert fünfzig Jahren anerkennen. Die Geschichte hat seine Vision bestätigt, doch das Werk, das er begonnen hat, ist damit nicht vollendet.

Heute, da Israel und jüdische Gemeinden weltweit einem wachsenden Antisemitismus und weiteren tiefgreifenden Herausforderungen gegenüberstehen, besteht unsere Aufgabe darin, aus diesem Erbe Kraft und Orientierung zu schöpfen. Wir müssen den Zionismus selbstbewusst, offen und gemeinsam weitertragen.

Mark Levenson ist Präsident der American Zionist Movement. Auf Englisch zuerst erschienen bei Jewish News Syndicate. Übersetzung Audiatur-Online.

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