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«Israel vergiftet offenbar Böden» – SRF prüft offenbar nicht

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Foto Screenshot Instagram / SRF
Foto Screenshot Instagram / SRF
Lesezeit: 6 Minuten

SRF News stellte am 6. August 2026 ein gut einminütiges Video ins Netz. SRF-Videohost Deniz Kurtogullari sagt darin, Israel vergifte «offenbar» die Böden seiner Nachbarländer. Dabei hat SRF aber «offenbar» einiges nicht einmal geprüft.

Die Sprühflüge fanden tatsächlich statt. Die niederländische NGO PAX, die Israels Vorgehen kritisiert, dokumentierte Einsätze über der syrischen Provinz Quneitra ab dem 25. Januar 2026. Nach ihrer Auswertung war entlang der Grenzstrecke die Vegetation betroffen. An einer dokumentierten Teilstrecke beschreibt PAX die sichtbare Wirkung als ungefähr sieben bis zehn Meter breiten Streifen und hält dort einen Sicherheitszweck Israels für plausibel: Vegetation solle freigehalten werden, um Annäherungen an die Grenze zu erschweren.

Am 1. Februar folgte ein Einsatz nahe der Blauen Linie, der Demarkationslinie im Südlibanon. Die UN-Mission UNIFIL bestätigte nicht nur die Operation, sondern auch, dass die israelische Armee (IDF) sie am selben Morgen vorab informiert hatte. Israel habe angekündigt, eine als «nicht toxisch» bezeichnete chemische Substanz auszubringen. UNIFIL nannte den Einsatz «inakzeptabel» und warnte vor möglichen Risiken für Blauhelme, Zivilisten und Landwirtschaft.

Was der SRF weglässt, beginnt Jahre vor diesen Flügen. Nach dem Libanonkrieg 2006 entdeckte die israelische Armee versteckte Hisbollah-Stellungen in bewaldetem Gelände. Audiatur-Online dokumentierte 2017, was dahintersteckt. Hassan Nasrallah erklärte 2010 beim Pflanzen einer der Bäume, Aufforstung gehöre zur «nationalen Sicherheit» des Libanon: Die Natur liefere «unverzichtbare defensive Eigenschaften», Berge, Täler und Bäume seien Teil der «Verteidigung». 2013 trug eine von der Hisbollah unterstützte Konferenz mit Green Without Borders den Titel «Der grüne Widerstand des Südens». Der Vorstand der Organisation nannte Natur und Umwelt «unser grünes Gewand und unser undurchdringbares, widerstandsfähiges Bollwerk».

Eine Installation der libanesischen Landwirtschafts-NGO 'Green without Borders'. Foto IDF
Eine Installation der libanesischen Landwirtschafts-NGO ‚Green without Borders‘. Foto IDF

Im Juni 2017 wies die UN eine israelische Beschwerde über Beobachtungsposten unter diesem Deckmantel zurück: UNIFIL habe nur Baumpflanzungen gesehen, keinen Verstoss gegen Resolution 1701. Erst 2023 wurde Green Without Borders vom US-Finanzministerium als Deckmantel für Hisbollah-Aktivitäten entlang der Blauen Linie sanktioniert. Die Organisation unterhielt an etlichen Orten Aussenposten, die von Hisbollah-Mitgliedern besetzt waren. Durch Baumpflanzungen wurden unterirdische Lager und Munitionsdepots abgeschirmt. Der Vorsitzende der «NGO» Zuhair Nahla beschrieb die Pflanzungen selbst als «Schutzwall für die Hisbollah». Auf dem Blog von Green Without Borders schrieb er schon am 18. Januar 2014, das Projekt sichere «eine Umgebung für grünes Leben und einen geschützten Widerstand, den Blicken des Feindes entzogen»; man dürfe «die Hände der Mudschahedin» nicht vergessen. Laut dem Alma Research Center hat nun die Gruppierung Wataawanou («Help Each Other») diese Arbeit an der Grenze übernommen: Seit dem Waffenstillstand sind wieder mobile Strukturen entlang der Kontaktlinie aktiv. Kein Wort dazu von SRF.

Besonders gravierend ist die Behauptung über 800 Millionen Dollar Schaden. SRF übernimmt die Zahl offenbar ungeprüft aus der Süddeutschen Zeitung und bringt sie mit dem Versprühen von Glyphosat in Verbindung. Doch die 800 Millionen Dollar haben mit diesen Sprühflügen nichts zu tun.

Die Zahl ist eine Schätzung der Schäden und wirtschaftlichen Verluste des Krieges in der libanesischen Landwirtschaft. Sie wurde bereits 2025 genannt. Die zugrunde liegende FAO-Untersuchung erfasst die Kriegsfolgen vom 8. Oktober 2023 bis 27. November 2024. Die FAO schätzte dabei rund 118 Millionen Dollar direkte Schäden und rund 586 Millionen Dollar wirtschaftliche Verluste. Der FAO-Originalbericht bezeichnet die Werte als vorläufige und teilweise Schätzungen.

Dass die Grössenordnung von rund 800 Millionen Dollar bereits den Kriegsfolgen bis Ende 2024 zugerechnet wurde, bestätigte Landwirtschaftsminister Nizar Hani später nochmals. Im Juli 2026 erklärte er, die Schäden und Verluste lägen gemäss neuen Schätzungen inzwischen bei mehr als einer Milliarde Dollar, während sie bis Ende 2024 auf rund 800 Millionen Dollar geschätzt worden waren. Die von PAX dokumentierten Sprühflüge begannen dagegen erst am 25. Januar 2026.

Die rund 800 Millionen Dollar waren also bereits als Kriegsschäden und Verluste geschätzt, lange bevor die hier behandelten Sprühflüge überhaupt stattfanden. Sie sind nicht die Schadenssumme für das Versprühen von Glyphosat.

Trotzdem übernimmt SRF die Zahl aus der Süddeutschen Zeitung und präsentiert sie in diesem Zusammenhang. Eine einfache Prüfung der Daten hätte gezeigt, dass das nicht stimmen kann. Ob aus Schlamperei, Bequemlichkeit oder Absicht, weiss man nicht. Das Ergebnis ist dasselbe: SRF erzählt seinen Zuschauern «offenbar» etwas, das nachweislich falsch ist.

Auch der Laborwert, der die internationale Berichterstattung seither begleitet, stimmt so nicht. Es gibt einen libanesischen Fachbericht. Er umfasst 21 Seiten, stammt vom Organic Pollutants Laboratory der Libanesischen Atomenergiekommission beim CNRS und wurde am 22. Mai 2026 dem Ministerpräsidenten übermittelt. Veröffentlicht wurde der Scan über Legal Agenda. Der Bericht nennt Konzentrationen von Glyphosat und seinem Abbauprodukt AMPA zwischen 5,840 ± 0,002 und 22,750 ± 1,760 Mikrogramm pro Gramm. Abbildung 10 im selben Bericht hat eine Skala von 0 bis 30; der höchste Balken liegt bei rund 22,7. Das englische Uno-Schreiben Libanons vom 11. Juni 2026 (S/2026/486) schreibt dagegen, die Konzentrationen hätten «22,750 micrograms per gram» erreicht. Aus 22,75 wurde so 22’750 – ein tausendfach zu hoher Wert.

Die als unbelastet deklarierten Vergleichsproben liegen im selben Bereich wie die meisten Messpunkte. Die Proben wurden vierzehn Tage nach dem Einsatz und nach ergiebigen Regenfällen genommen. Glyphosat und AMPA werden nicht getrennt ausgewiesen.

«Laut Expert:innen» könne die Erholung des Bodens Jahre oder Jahrzehnte dauern; die betroffenen Gebiete würden «unbewohnbar», so SRF-Videohost Kurtogullari. Eine überprüfbare Quelle für diese Prognose nennt sie nicht. Weiter wird behauptet, betroffen seien Boden, Wasserqualität und Artenvielfalt. Die syrische Landwirtschaftsbehörde erklärte am 11. Februar 2026 über die staatliche Agentur SANA, im Wasser aus Quneitra seien keine schädlichen organischen Stoffe gefunden worden.

Audiatur-Online fragte SRF nach der eigenen Recherche, den 800-Millionen, den syrischen Laborbefunden und der Prognose unbewohnbarer Gebiete. SRF schreibt, über den Einsatz von Herbiziden werde seit Monaten berichtet, dokumentiert unter anderem durch Videos, Augenzeugen und Leitmedien, etwa die ARD-Tagesschau. Im Video habe man sich auf den genannten Bericht in der Süddeutschen Zeitung bezogen; Angaben zu Schäden und Bodenproben würden von der libanesischen Regierung stammen.

Unter dem Clip auf TikTok (rund 11’800 Likes über 660 Kommentare) erschienen neben politischer «Kritik» auch Sätze, die an eine schreckliche Vergangenheit erinnern. Der Nutzer «jemand11099» schrieb: «Krass jetzt vergiften sie sozusagen die Brunnen.» Der Nutzer «Schokoli999» schrieb: «Satansauserwähltesvolk….» Ein anderer, «King Wizard», fragte: «aber ehrlich werum gitz israel no?» Oder «toni1461998236855»: «Man sollte so etwas nicht sagen, aber irgend einer hat in der Vergangenheit etwas falschen gemacht.“ Solche und weitere antisemitischen Kommentare waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Textes noch sichtbar. Sie zeigen, wie schnell ein SRF-Bericht über Israel, Gift, Boden und Wasser zu purem Judenhass und Antisemitismus wird.

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Foto Screenshot Instagram / SRF

Ob SRF daran mitverantwortlich ist? Vor wenigen Monaten hätte ich diese Frage noch verneint. Fehler passieren. Journalisten können irren, Zusammenhänge übersehen oder Quellen falsch einschätzen. Doch nach allem, was Audiatur-Online und andere Quellen in den vergangenen Jahren und Monaten dokumentiert haben, komme ich heute zu einem anderen Schluss: SRF kann sich aus meiner Sicht nicht mehr vollständig aus der Verantwortung nehmen. Wer Israel wiederholt verzerrt darstellt, problematische Quellen übernimmt oder entscheidenden Kontext weglässt, schafft ein Klima, in dem Israelfeindlichkeit und letztlich auch Judenfeindlichkeit geschürt werden. Wer immer wieder so berichtet, kann nicht so tun, als hätte das mit dem wachsenden Hass auf Israel und Juden nichts zu tun.

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