Vierundzwanzig Jahre lang unterrichtete David Bollag an der Universität Luzern. Dann fanden linke «Palästina-Aktivisten» heraus, wo er wohnt, und verlangten seine Entlassung. Das Portal zentralplus machte daraus eine «Recherche». Ein Kommentar von Gerardo Raffa
Zweimal zeichnete die Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät David Bollag für hervorragende Lehre aus. Er war Co-Präsident der Jüdisch/Römisch-katholischen Gesprächskommission und gehörte der Evangelisch-Jüdischen Gesprächskommission an. Über den Inhalt seines Unterrichts ist in vierundzwanzig Jahren keine einzige Beschwerde öffentlich geworden.
Im November 2024 entdeckte die anonym agierende Gruppe namens Lucerne for Palestine, seine Wohnadresse in Efrat, eine israelische Siedlung im sogenannten Westjordanland. Die Gruppe hat mehrere Namensänderungen hinter sich und hiess auch auch mal Students for Palestine unilu oder noch ganz harmlos Global South Learning Group Luzern. Efrat gehört zum israelischen Bezirk Judäa und Samaria. Die anonymen «Palästina-Aktivisten» schrieben dem Rektor der Universität Luzern und forderten, David Bollag sei zu entlassen.
In ihrem eigenen Communiqué, das dieser Redaktion vorliegt, schrieben die anonymen Aktivisten, man habe keine Rückmeldung zu Bollags Status erhalten. Sei er inzwischen umgezogen oder lägen die auffindbaren Quellen falsch, «hätte sich die Sache gegessen». Und dann: «Unter anbetracht des Verhaltens der Uni müssen wir also annehmen, dass Dr. Bollag noch ein aktiver Siedler ist.»
Auf dieser Grundlage sollte ein Mann also seine Stelle verlieren.
Im Flyer derselben Aktion steht, ein akademischer Boykott ziele «nicht darauf ab, Individuen zu isolieren und zu bestrafen». Zwei Absätze weiter: «Solange Dr. Bollag die illegale Siedlung Efrat nicht verlässt, soll er von der Universität entlassen werden.» Ja, was denn jetzt?
Drohende «Palästina-Aktivisten»
Der elfseitige Brief an den Rektor verrät den Rest. Als Nachweis für Terrorismus wird ein Wikipedia-Artikel herangezogen. Als Beleg für ethnische Säuberung dient Ilan Pappé, dessen Forderung nach dem Ende des Staates Israel in seiner heutigen Form von Kritikern oft als antisemitisch eingestuft wird. Israel heisst bei den «Palästina-Aktivisten» durchgehend «völkermörderischer Apartheidstaat». Verlangt wird ein Fahrplan für den akademischen Boykott israelischer Hochschulen, mit Frist. Werde nicht gehandelt, so die Drohung, werde man «entsprechend handeln».

Den Termin für die Aktion wählten sie mit Bedacht: Bollags letzte Vorlesung des Semesters, der 16. Dezember 2024, 16.15 Uhr. Am selben Abend schrien «Aktivisten» in Zürich eine Ringvorlesung über Antisemitismus nieder, mit dem Präsidenten des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes auf dem Podium. In Luzern brach die Universität an jenem Nachmittag eine Lehrveranstaltung ab und liess den Lehrbeauftragten zum Ausgang begleiten.
Was zentralplus daraus machte
Gut anderthalb Jahre später, am 31. Juli 2026, erschien der Text von Julian Amrein: «Ein Siedler im Hörsaal: Das Schweigen der Uni Luzern». Als Quellen nennt er unter anderem einen schriftlichen Austausch mit Lucerne for Palestine, das er aktivistisch «Kollektiv» nennt, und einen Instagram-Post derselben Gruppe. Material, Chronologie und Deutung stammen also von der Partei, die die Entlassung verlangt hatte.
Amrein schreibt, Bollag lebe «seit rund 30 Jahren» in Efrat. Er lebt dort seit 2005. Als Beleg für seine Gesinnung dient ein Satz aus einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk Kultur vom 22. März 2014: «Es hat nie ein Palästina gegeben.» Historisch ist das nicht falsch, ein souveräner arabischer Staat dieses Namens hat nie existiert.
Aus demselben Interview stammt auch Bollags Begründung für seinen Wohnort. Er habe die Rabbinerstelle in Efrat angenommen, weil er am Aufbau von «Eretz Israel» mitwirken wolle. «Eretz Israel» ist Hebräisch für «Land Israel» und bezeichnet in der jüdischen Tradition das biblisch verheissene Land. Das ist korrekt wiedergegeben, und Bollag hat es nie bestritten.

Nicht zitiert wird allerdings, was Bollag im selben Gespräch wenige Zeilen zuvor sagt. Der Moderator fragt ihn nach Rabbinern, die es für religiös angebracht halten, Siedlungsgebiete zu verlassen, wenn dadurch Frieden möglich wird. Ob das auch seine Ansicht sei. Bollag: «Ja, hundert Prozent. Also lieber weniger von diesem Land Israel und am Leben bleiben können, als Gross-Israel und in bleibender Gefahr zu leben.»
Derselbe Mann, der aus religiöser Überzeugung nach Efrat gezogen ist, erklärt sich im selben Gespräch bereit, Land zurückzugeben. Beides steht nebeneinander, drei Absätze auseinander. Nur eines davon hat es in den Text von Amrein geschafft.
Eine Adresse ist keine Tat
Niemand wirft David Bollag eine Tat oder gar ein Verbrechen vor. Keinen Satz im Hörsaal, keine Äusserung, keinen Vorfall. Es geht um seine Adresse.
Der Rektor der Uni Luzern, Martin Hartmann, lehnte die Entlassungsforderung ab. Prorektor Bernhard Rütsche begründete es juristisch: Ein Arbeitgeber kann seinen Angestellten nicht vorschreiben, wo sie wohnen. Das war richtig.
Anfang 2025 endete Bollags Lehrtätigkeit. Nach Angaben beider Seiten wurde das Arbeitsverhältnis einvernehmlich beendet. Bollag verweist darauf, dass seine Pensionierung zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Jahre überfällig gewesen sei. Einen Zusammenhang mit der Kampagne behauptet keine der beiden Seiten.
Im Kleinen ist die Uni trotzdem eingeknickt. Bollags Bezug zu Efrat verschwand von der Website. Rütsche nennt es laufende Aktualisierung, Bollag sagt, man habe gemeinsam entschieden, die Angaben zu entfernen, «um Konflikte zu minimieren». Wie man es auch dreht: Eine Hochschule hat die Biografie eines jüdischen Lehrbeauftragten gekürzt, nachdem eine anonyme linke Gruppierung seine Entlassung verlangt hatte.
Bollag selbst weist die Bezeichnung Siedler zurück, wenn damit gemeint sei, jemand nehme Arabern Land weg. Formal lebe er nun einmal in diesem Gebiet, weshalb Kritiker ihn so nennen.
Übrig bleibt ein Schweizer Rabbiner, der regelmässig die jüdische Predigt für den Dies iudaicus der Schweizerischen Bischofskonferenz schrieb, für hervorragende Lehre ausgezeichnet wurde, ein Leben lang im jüdisch-christlichen Dialog tätig war, über den nun zu lesen ist, er sei ein Fremdkörper im Hörsaal.
«Ein Siedler im Hörsaal». Der Titel behauptet nicht, dass jemand etwas verbrochen hat. Er behauptet, dass jemand nicht dorthin gehört. Ersetzen Sie das Wort Siedler durch eine andere Herkunfts- oder Wohnortsbezeichnung und lesen Sie ihn noch einmal. Wenn er dann unerträglich klingt, war er es vorher auch.
Audiatur-Online hat zentralplus am Dienstag, 4. August 2026, einen Fragenkatalog vorgelegt und am Freitag, 7. August 2026, daran erinnert. Bis zur Publikation des Artikels lag keine Antwort vor. Auch Lucerne for Palestine hat auf Anfrage nicht reagiert.
Offenlegung: David Bollag hat zwischen 2016 und 2017 drei Beiträge zu jüdischen Feiertagen bei uns veröffentlicht.
























Abgesehen von dem Fakt, dass Ausgrabungen belegen, dass Judäa und Samaria , welches schon seit ewigen Zeiten den Juden gehört, immer mal wieder von ortsfremden, auch heute ausgestorbenen Volksstämmen, besetzt, und die Juden von dort vertrieben worden sind, ist Vertretern der Organisationen for Palästine ( von wem finanziert ?) hierzulande jedes Mittel recht, um die Juden aus unsrer Gesellschaft zu entfernen.
Auch sind sie zu feige, um dies auf anderem Weg als aus der Anonymität heraus zu betreiben.
Die Organisation for Palästine ist bereits in jedem Land der westlichen Welt bis heute ungehindert tätig.