Auf einer Wandgrafik der Ausstellung «Wir und der Krieg» im Landesmuseum Zürich wird der Nahostkonflikt unter der Bezeichnung «Palästina und Gaza» geführt. Israel kommt in diesem Eintrag nicht vor, obwohl die gleiche Grafik andere Konflikte nach beiden Kriegsparteien benennt. Auf eine Anfrage von Audiatur-Online hat das Museum den Einwand anerkannt und eine Korrektur zugesagt. Aufmerksam geworden war Audiatur-Online durch Besucher der Ausstellung, die den Eintrag beanstandeten.
Die Ausstellung «Wir und der Krieg» ist seit dem 17. April 2026 im Landesmuseum Zürich zu sehen und läuft bis zum 17. Januar 2027. Sie behandelt, wie Kriege die Schweiz über Jahrhunderte geprägt haben. Eines der Kapitel ist der Migration gewidmet. Dort steht eine grosse Wandgrafik, die Konflikte aus rund fünfhundert Jahren aneinanderreiht, jeweils mit Zeitraum, Gebietsangabe, Konfliktbezeichnung und Migrationsgrund in vier Sprachen.
Ein Eintrag dieser Grafik lautet «1948–, Palästina und Gaza, Nahostkonflikt, Kriegsgewalt». Israel wird dort nicht genannt. Die übrigen Einträge sind teils nach Staaten benannt, etwa Ungarn, Tibet, Afghanistan, Sri Lanka, Sudan, Syrien und Ukraine, teils nach Grossregionen wie Europa, Südostasien oder Ex-Jugoslawien. Beides ist für sich genommen nachvollziehbar. Auffällig ist etwas anderes: Wo an einem Konflikt zwei Staaten beteiligt sind, nennt die Grafik beide. Nur zwei Spalten neben dem Nahost-Eintrag steht «1980–1988, Iran und Irak, Iran-Irak-Krieg». Beim Nahostkonflikt erscheint dagegen ausschliesslich eine Seite.
Die Erklärung des Museums
Audiatur-Online hat dem Landesmuseum einige Fragen zu diesem Eintrag geschickt. Alexander Rechsteiner, der Leiter des Bereichs Marketing und Kommunikation des Museums, bestätigte zunächst den Wortlaut der Beschriftung. Anschliessend erläuterte er die Logik der Grafik. Diese sei «keine chronologische Darstellung einzelner Kriege», sondern verdichte komplexe historische Zusammenhänge. Ziel sei es zu zeigen, wie sich Kriegsmigration im Lauf der letzten fünfhundert Jahre verändert habe: Bis ins 19. Jahrhundert habe es sich um Wanderungsbewegungen innerhalb Europas gehandelt, ab dem 20. Jahrhundert seien die Konflikte globaler geworden.

Für den beanstandeten Eintrag hält das Museum fest, er beziehe sich nicht auf einen bestimmten Krieg, sondern auf die Konflikte, «die seit dem ersten israelisch-arabischen Krieg von 1948 in dieser Region stattfinden». Und weiter: «Die beiden Bezeichnungen ‹Palästina› und ‹Gaza› benennen keine Staatsgebiete, sondern dienen als Herkunftsangaben von Fluchtmigration.»
Wenn die Spalten Herkunftsgebiete von Flüchtlingen bezeichnen und nicht Kriegsparteien, dann folgt daraus tatsächlich, dass Israel an dieser Stelle nicht aufzuführen wäre. Der Einwand entfällt damit allerdings nicht, denn die Grafik erklärt diese Lesart nirgends. Sie stellt Einträge nebeneinander, die nach zwei verschiedenen Prinzipien gebildet sind, und markiert den Unterschied nicht. Wenn unmittelbar daneben «Iran und Irak» steht, liegt die Deutung als Konfliktparteien nahe. Der Eintrag zum Nahostkonflikt liest sich dann so, als sei Israel an einem Krieg, der 1948 mit dem israelisch-arabischen Krieg begann, nicht beteiligt gewesen.
‹Wir werden anpassen›
Genau diesen Punkt räumt das Museum auch ein. Zur Frage nach der Doppelnennung antwortet Rechsteiner: «Wir verstehen, dass die Bezeichnungen ‹Palästina› und ‹Gaza› hier missverständlich sind. Wir werden den Eintrag entsprechend anpassen.»
«Wir können den Einwand zu diesem Eintrag nachvollziehen und sehen ein, dass die Begriffe ‹Palästina› und ‹Gaza› in diesem Kontext missverständlich wirken können. Wir werden den Eintrag auf der Wandgrafik deshalb anpassen sowie die Grafik in ihrer gesamten Verständlichkeit prüfen. Da die Anpassungen einen Neudruck erfordern, wird dies etwas Zeit in Anspruch nehmen.» so das Museum.
Israel in der übrigen Ausstellung
Auf die Frage, ob der Staat Israel andernorts in der Ausstellung vorkommt, antwortet das Museum: Im Prolog würden die Kriege in Gaza und in der Ukraine anhand von Nachrichtenausschnitten als aktuelle Beispiele behandelt, zusammen mit dem Umgang der Schweizer Politik mit diesen Konflikten. Im Kapitel «Helvetische Aufrüstung» werde bei der ausgestellten Aufklärungsdrohne ADS 95 Ranger erwähnt, dass diese ab den 1980er-Jahren von der israelischen Firma IAI entwickelt und in Lizenz bei der RUAG produziert wurde.
Im Schlusskapitel «Handlungsräume» geht es laut dem Landesmuseum um die Schweizer Beteiligung an der UNO-Friedensmission UNTSO, welche die Waffenstillstandsvereinbarungen zwischen Israel und seinen vier arabischen Nachbarstaaten überwacht. Diese Mission wurde von Dezember 2021 bis Ende Februar 2026 vom Schweizer Divisionär Patrick Gauchat geleitet, dem ersten Schweizer an der Spitze einer UNO-Friedensmission. Darüber hinaus verweist das Museum auf die rechtliche Gleichstellung der jüdischen Bevölkerung in der Schweiz seit den 1870er-Jahren, auf den Antisemitismus, auf die Zurückweisung jüdischer Flüchtlinge während des Zweiten Weltkriegs und auf die NS-Raubkunst.
Ein Museum das reagiert
Dass das Landesmuseum eine solche Antwort innerhalb eines Tages erteilt und einen berechtigten Einwand ohne Umschweife anerkennt, ist nicht der Regelfall, wie die Erfahrung dieser Redaktion zeigt. Häufiger sind ausweichende Antworten – oder noch häufiger gar keine. Der Umgang des Landesmuseums mit dieser Anfrage verdient deshalb eine positive Erwähnung.

























Die schnelle und positive Reaktion des Landesmuseum ist erfrischend-erfreulich und verdient erwähnt zu werden.