
Der Chef des deutschen Inlandgeheimdienstes warnt vor der systematischen Unterwanderung politischer Institutionen durch die Muslimbruderschaft. Ein neuer israelischer Bericht kartiert das Netzwerk im Detail – von Moscheen über Immobilienfonds bis zu staatlich finanzierten «Integrationsprojekten». Die Zahlen sind alarmierend: 45 Prozent der jungen Muslime in Deutschland zeigen eine Affinität zu islamistischem Gedankengut.
Was Sinan Selen, der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV), Anfang Juni 2026 bei einem Frühstückstreffen im Deutschen Bundestag sagte, war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Die Gästeliste war handverlesen, die Türen geschlossen. Doch die Informationen sickerten zur BILD-Zeitung durch – und sie sind, so die Zeitung, «äusserst beunruhigend».
Islamistische Gruppen im Allgemeinen und die Muslimbruderschaft im Besonderen würden gezielt Einfluss auf staatliche und politische Strukturen in Deutschland ausüben, so Selen vor dem ausgewählten Publikum. Das Endziel: die Errichtung einer islamischen Gesellschaft.
Die Muslimbruderschaft handle zwar nicht gewaltsam, sei aber nicht weniger gefährlich, weil sie ihre Ziele «in äusserst strategischer Weise mit langfristigen Zielen» verfolge. Die Islamisten respektierten die deutschen Gesetze – allerdings nur insoweit, als diese mit der Scharia vereinbar seien.
Die Methode: Kontakte, Einladungen, Einfluss
Selens Beschreibung der Strategie ist konkret: Die Muslimbruderschaft baue über ein komplexes Netzwerk von Organisationen Kontakte zu politischen Akteuren auf, lade sie zu Veranstaltungen ein und pflege langfristige Beziehungen. Das Ziel sei, Funktionsträger dahin zu bringen, Kritik am politischen Islam abzulehnen oder den Islamismus schlicht zu ignorieren.
Parteien des linken politischen Spektrums seien «offener und anfälliger für Kontakte und Unterwanderung durch Islamisten», warnte der Geheimdienstchef. Dies liege teils an einem mangelnden Verständnis islamistischer Strukturen, teils an einem «falsch verstandenen Toleranzbegriff».
Mehrere Teilnehmer des Treffens, das unter der Schirmherrschaft von Staatssekretär Christoph de Vries stattfand, zeigten sich gegenüber BILD überrascht von der Dringlichkeit von Selens Ausführungen – aber auch zufrieden mit der Klarheit seiner Botschaft.
Die Integrationsbeauftragte bestätigt
In einem Folgeinterview mit der BILD bestätigte Güner Balci, Integrationsbeauftragte von Berlin-Neukölln, das Ausmass der Unterwanderung. Islamisten hätten sich «in vielen Bereichen festgesetzt, und nicht nur in Neukölln». Sie seien nicht bloss in Moscheegemeinden aktiv, sondern betrieben «Bildungsarbeit, Gemeinwesenarbeit» und seien «ansprechbar für alle möglichen Probleme im Kiez».
Das Kernproblem: «Sie arbeiten in vermeintlichen Integrationsprojekten, die mit öffentlichen Geldern finanziert werden – und verschaffen sich so schrittweise Zugang zu immer mehr Bereichen und Räumen und immer mehr Möglichkeiten, junge Menschen zu erreichen.»
Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet Selen – geboren in Istanbul, aufgewachsen in einer säkularen türkischen Familie in Köln – und Balci – Tochter alevitischer Gastarbeiter aus der Türkei – die klarsten Stimmen gegen die islamistische Bedrohung sind. Ihre Biografien unterstreichen die entscheidende Unterscheidung zwischen dem Islam als Glauben und dem Islamismus als politischer Ideologie.
Israelischer Bericht: 12’000 Personen, ein labyrinthisches Netzwerk
Was der BfV-Chef hinter verschlossenen Türen andeutete, belegt ein im Mai 2026 veröffentlichter Bericht des israelischen Ministeriums für Diaspora-Angelegenheiten und Antisemitismusbekämpfung mit Daten und Strukturen. Der 50-seitige Bericht kartiert das Netzwerk der Muslimbruderschaft in Deutschland bis ins Detail.
Die Zahlen: Laut Einschätzungen der deutschen Sicherheitsbehörden sind rund 12’000 Personen ideologisch oder organisatorisch mit dem Netzwerk der Muslimbruderschaft in Deutschland verbunden (Stand 2024). Der arabische Zweig – die Deutsche Muslimische Gemeinschaft (DMG) – zählt rund 1’450 Mitglieder, ein deutlicher Anstieg gegenüber den rund 1’040 im Jahr 2019. Der türkische Zweig – die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) – hat etwa 10’000 Anhänger. Die Schwerpunkte liegen in Nordrhein-Westfalen, Berlin, Bayern und Baden-Württemberg.
Zwei Achsen
Das Netzwerk operiert laut dem Bericht über zwei komplementäre Achsen:
Die arabische Achse wird von der DMG geführt, der früheren Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD). Sie wurde Ende der 1950er-Jahre auf Initiative hochrangiger Muslimbruderschafts-Aktivisten gegründet, allen voran Said Ramadan, Schwiegersohn des Bruderschaftsgründers Hassan al-Banna. Die DMG fungiert als informeller Dachverband für Moscheen, Vereine und Bildungsinitiativen. Ab November 2017 benannte sie sich von IGD in DMG um – die formelle Eintragung erfolgte 2018 – und verlegte im Mai 2019 ihren Sitz von Köln nach Berlin – ein Versuch, so Sicherheitsbehörden, das öffentliche Image aufzupolieren. Im selben Geist zog die Organisation 2021 ihre Klage gegen die Erwähnung im Verfassungsschutzbericht zurück. Trotz der Umbenennungen stufen die deutschen Behörden die DMG weiterhin als Kernorganisation der Muslimbruderschaft in Deutschland ein.
Die türkische Achse wird von der IGMG repräsentiert, dem deutschen Ableger der Milli-Görüs-Bewegung. Die Organisation betreibt ein weitverzweigtes Netz aus Moscheen und Bildungseinrichtungen und pflegt enge Verbindungen zur türkischen Regierung. IGMG-Vorsitzender Kemal Ergün traf im November 2022 auf offizielle Einladung den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Eine öffentliche Einstufung der Hamas als Terrororganisation durch die IGMG ist bis heute nicht dokumentiert.
Dazu kommen Unterorganisationen: die Muslimische Jugend in Deutschland (MJD) als Nachwuchsorganisation der DMG, der Rat der Imame und Gelehrten in Deutschland (RIGD) als religiöse Autorität mit Kofinanzierung durch Qatar Charity, und das Europäische Institut für Humanwissenschaften (EIHW) in Frankfurt, das der Bericht als Ausbildungsstätte für künftige Führungskader im Geist der Muslimbruderschaft beschreibt. Alle diese Organisationen präsentieren sich nach aussen als unabhängig. Die Realität, so der Bericht: Sie sind über einen «Kontrollkern» weniger Schlüsselfiguren miteinander verbunden.
Die Schnittstelle
An der Schnittstelle zwischen arabischer und türkischer Achse steht ein Name: Ibrahim El-Zayat, geboren 1968 in Marburg, deutscher Staatsbürger ägyptischer Herkunft. Hartwig Möller, ehemaliger Chef des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes, bezeichnete ihn laut einem Bericht der Dokumentationsstelle Politischer Islam als «Spinne, die das Netz der islamistischen Organisationen spinnt».
El-Zayat leitete die DMG zwischen 2002 und 2010, war gleichzeitig in den europäischen Dachverbänden FIOE, IESH und FEMYSO aktiv. Sein Bruder Bilal war Mitgründer der MJD. Die offizielle Website der Muslimbruderschaft, Ikhwanweb, führte ihn ausdrücklich als Mitglied. El-Zayat verlor eine Klage gegen einen Bundestagsabgeordneten, der ihn als «hohe Figur in der Muslimbruderschaft» bezeichnet hatte.
El-Zayats Familienverhältnisse verstärken die Verflechtung: Seine Frau Sabiha Erbakan ist Mitglied der Erbakan-Familie, die die Milli-Görüs-Bewegung gründete und lange dominierte. Ihr Bruder Mehmet Sabri Erbakan war Leiter der IGMG in Deutschland. Experten sprechen von einem «integrierten System», in dem die Erbakan-Familie die Türkisierung vorantreibt, während die El-Zayat-Familie Infrastruktur, Finanzierung und Organisation der arabischen Islamisten-Szene sichert.
Zwischen 2002 und 2022 war El-Zayat an einer Reihe von Unternehmen in Deutschland beteiligt – im Bereich Immobilien, Vermögensverwaltung und Beratung. Zudem sass er im Vorstand von Islamic Relief Worldwide (IRW), das 2014 von Israel als illegale Vereinigung eingestuft wurde, und war Board-Mitglied des Europe Trust.
Millionen Euro Staatsgelder für «Antirassismus»
Besonders aufschlussreich ist der Fall des Vereins Inssan. 2002 in Berlin gegründet, gibt sich Inssan als zivilgesellschaftliche Organisation gegen antimuslimischen Rassismus. Doch bereits 2007 bis 2009 stufte der Berliner Verfassungsschutz den Verein als eng mit der Muslimbruderschaft verbunden ein.
Die Verbindung zur Bruderschaft verläuft über Ibrahim El-Zayat: Die damalige Inssan-Vorsitzende Lydia Nofal bestätigte 2008 in einem Interview mit dem Tagesspiegel Kontakte zur damaligen IGD und zu deren Präsidenten Ibrahim El-Zayat. Trotz dieser nachrichtendienstlichen Einstufung gelang es Nofal, in Positionen innerhalb der SPD und in Beratungsgremien der Berliner Regierung aufzusteigen.
Unter der Leitung von Nofal und des späteren Direktors Mohamad Hajjaj – der 2014 das Berliner Büro der vom Berliner Senat als Hamas-nah eingestuften Palästinensischen Gemeinde Deutschland (PGD) leitete und stellvertretender Vorsitzender des vom Verfassungsschutz als Muslimbruderschafts-Knotenpunkt definierten Teiba-Zentrums war – sicherte sich Inssan geschätzte 1,37 Millionen Euro an deutschen Staatsgeldern, deklariert als «Antidiskriminierungsprojekte». Eine Recherche der Welt legte 2021 Hajjajs Aktivitäten in als islamistisch eingestuften Vereinen offen. Hajjaj wurde 2021 in die Berliner Expertenkommission gegen Rassismus berufen. Sicherheitsexperten beschreiben dieses Vorgehen als «Wolf im Schafspelz».
Europe Trust: Immobilien als Machtbasis
Das finanzielle Rückgrat des Netzwerks bildet laut dem Bericht der Europe Trust, eine 1996 in Grossbritannien registrierte Stiftung. Der Trust verwaltet Immobilien im geschätzten Wert von über 8,5 Millionen Pfund und erwirtschaftet jährliche Einnahmen von rund 1,4 Millionen Pfund. Die Mieteinnahmen fliessen informell an Organisationen der Muslimbruderschaft.
In Deutschland erwarb der Trust einen Gebäudekomplex in Berlin, der als Drehscheibe für Vereine und Akteure des islamistischen Milieus dient – unter enger Beobachtung des BfV. Der damalige Bundestagsabgeordnete und heutige Staatssekretär Christoph de Vries bezeichnete den Erwerb als «Aufbau einer organisatorischen Infrastruktur des politischen Islams in Deutschland». Forscher und Sicherheitsbeamte beschreiben die Struktur des Trusts als «mafiaähnlich», weil sie für Steuerbehörden nur schwer durchschaubar sei.
Terrorverherrlichung unter dem Radar
Die dem Bericht zufolge der Bruderschaft zuzurechnenden Organisationen pflegen in der Öffentlichkeit ein moderates Image und vermeiden offene Hetze gegen Israel oder Juden. Doch unter der Oberfläche zeigen sich Risse:
Der IGMG-Vorsitzende Kemal Ergün bezeichnete den Hamas-Angriff vom 7. Oktober als «Grossoperation», die seiner Ansicht nach als Reaktion auf Aktionen israelischer Siedler und Sicherheitskräfte ausgeführt worden sei. In einem Artikel vom 9. April 2025 erklärte die IGMG zudem, internationale Verurteilungen der Lage im Gazastreifen seien ungenügend, und forderte «konkrete Massnahmen» gegen Israel. Im Mai 2024 veröffentlichte die IGMG-Niederlassung Bielefeld ein Video von der Beerdigung des Attentäters eines Messerangriffs in Jerusalem – mit der Bildunterschrift: «Der Märtyrer von Jerusalem». Die Jüdische Allgemeine dokumentierte den Vorfall. Eine offizielle Verurteilung des Anschlags durch die IGMG-Führung blieb aus.
Imam Ferid Heider, Dozent am EIHW, veröffentlichte laut dem Bericht auf seinen Social-Media-Kanälen mehrere Videos, in denen der Hamas-Angriff vom 7. Oktober als legitime Reaktion auf politische Umstände dargestellt werde. Heider ist demnach seit 2020 Mitglied des Fatwa-Rats in Deutschland und dem BfV bekannt. Seine Ausbildung absolvierte er an Institutionen in Château-Chinon (Frankreich) und Frankfurt, die vom Chefideologen der Muslimbruderschaft, Yusuf al-Qaradawi, mitgeprägt wurden.
Radikalisierung der jungen Generation
Die vielleicht alarmierendste Zahl des Berichts stammt aus der MOTRA-Studie 2024/25 – einer Untersuchung des gleichnamigen Forschungsnetzwerks in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt (BKA), finanziert vom Bundesinnenministerium.
Demnach weisen 33,6 Prozent der Muslime unter 40 Jahren in Deutschland latent islamismusaffine Einstellungen auf, weitere 11,5 Prozent sind manifest islamistisch eingestellt. Insgesamt zeigen 45,1 Prozent der jungen Muslime in Deutschland eine Affinität zu islamistischem Gedankengut. 2021, bei der ersten Durchführung der MOTRA-Erhebung, lag dieser Anteil noch bei 22,3 Prozent. Die Zahl hat sich innert vier Jahren verdoppelt.
Weitere Befunde: 23,8 Prozent aller befragten Muslime stimmten der Aussage zu, «Islamische Theokratie ist die beste Regierungsform». 25,1 Prozent erklärten: «Die Regeln des Koran sind mir wichtiger als die Gesetze Deutschlands.»
Was die Politikwissenschaft sagt
Die deutsche Politikwissenschaftlerin Nina Scholz, deren Buch Politischer Islam – eine hybride Bedrohung Europas: Der «Civilization Jihad» der Muslimbruderschaft (gemeinsam mit Heiko Heinisch und Gustav E. Gustenau, Nomos-Verlag 2026) im Frühjahr 2026 erschien, sieht die BfV-Warnung als Bestätigung ihrer Analyse. Die Muslimbruderschaft versuche, den Staat und seine Institutionen zu delegitimieren, indem sie staatliche Strukturen unterwandere, die Gesetzgebung beeinflusse und die Schwäche des Staates durch externe und interne Krisen ausnutze.
Scholz identifiziert die Schwachstelle: Verbündete aus dem linken und alternativen Spektrum, die identitätspolitischen Konzepten der Hierarchisierung vermeintlich marginalisierter Gruppen anhingen, erwiesen sich als besonders anfällig für die Strategie der Bruderschaft. Aufgrund ihrer eigenen Ideologie verfügten sie über keine argumentative Widerstandsfähigkeit gegenüber den normativen Forderungen der Muslimbruderschaft. Sie würden diskursiv vereinnahmt, ordneten sich unter oder lösten sich als eigenständige Akteure auf.
Das strategische Endziel der Muslimbruderschaft sei laut Scholz die vollständige Beseitigung gleichberechtigter Partnerschaften, die durch ein Modell asymmetrischer Allianzen ersetzt würden, in dem potenzielle Partner der Führung der Muslimbruderschaft untergeordnet seien.
Strategie funktioniert
Die Warnung des BfV-Chefs und der israelische Bericht zeichnen dasselbe Bild: ein professionell organisiertes, finanziell gut ausgestattetes Netzwerk, das seit Jahrzehnten systematisch in die deutsche Gesellschaft hineinwächst – durch Bildung, Sozialarbeit, Immobilien, staatlich finanzierte Projekte und politische Kontakte. Die Strategie funktioniert, weil sie gewaltfrei operiert und sich der Sprache der Demokratie bedient, während sie deren Werte untergräbt.
Die Berliner Integrationsbeauftragte Güner Balci bringt das Dilemma auf den Punkt: Islamisten arbeiten «in vermeintlichen Integrationsprojekten, die mit öffentlichen Geldern finanziert werden». Die Frage ist nicht mehr, ob das Netzwerk existiert. Die Frage ist, warum der Staat es weiterhin mitfinanziert.























Die Terrorgruppen Hamas und Islamischer Jihad haben nun bestätigt, was Israel von Anfang an wusste und sagte: Viele von Israel getöteten „Journalisten“ waren Jihad-Kämpfer. Im Internet nennen die Terrorgruppen nun die wahren Identitäten der „Journalisten“.
Damit blamieren sie westliche Medien und Menschenrechtsorganisationen auf ganzer Linie.
(Times of Israel-Finally naming their war dead, Gazan terror groups admit some slain journalists were fighters)
Leider symphatisieren auch, neben den Liberal-Bürgerlichen auch viele Rechte und Linke in Deutschland mit den Islamisten.
Der Boden ist ja bereits da ! Es müssen die Medien wachgerüttelt werden , aber wer soll das machen ?Gestern in Nuhr im ertsen XXL hat er zwar so ganz nebenbei gesagt, „und dann will Deutschland den Israeli erzählen, was Genozid ist. .. “ : auch wenn 50.000 Araber in Gaza nur ( ? ) durch Kriegsgewalt ( HaMaS hat den Krieg angefangen !) umgekommen sein sollten, dann noch sind 1.950.000 Araber noch am Leben. Da kann total nicht die Rede von Genozid sein. Es muss vielmehr relativiert werden
Wir dürfen dem Islam keinen Boden geben!