Start Audiatur Exklusiv Wie die UNO Hamas-Propaganda in «Fakten» verwandelt

Wie die UNO Hamas-Propaganda in «Fakten» verwandelt

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59. Tagung des UN-Menschenrechtsrats in Genf. Foto IMAGO / ZUMA Press Wire
59. Tagung des UN-Menschenrechtsrats in Genf. Foto IMAGO / ZUMA Press Wire
Lesezeit: 7 Minuten

Wenn die Vereinten Nationen eine Zahl veröffentlichen, wird sie geglaubt. Von Regierungen, von Medien, von Gerichten, von der Wissenschaft. Die Autorität der UNO in humanitären Fragen ist nahezu unanfechtbar.

Genau das macht das, was das israelische Aussenministerium in einem im Mai 2026 veröffentlichten Bericht dokumentiert, so gravierend: Zentrale UN-Agenturen und hochrangige UN-Funktionäre haben seit dem 7. Oktober 2023 systematisch ungeprüfte Daten von Hamas-kontrollierten Behörden übernommen, aufbereitet und als «UN-Fakten» in die Welt gesetzt – mit weitreichenden politischen, juristischen und gesellschaftlichen Folgen.

Die 22-seitige Analyse mit 77 Quellenverweisen, die alle auf frei zugänglichen, unabhängig überprüfbaren Quellen basieren, zeichnet ein umfassendes Bild, das über einzelne Fehler hinausgeht. Es handelt sich laut den Autoren nicht um gutgläubige Irrtümer unter schwierigen Bedingungen, sondern um einen «systematischen institutionellen Zusammenbruch» professioneller Standards innerhalb des humanitären Informationssystems der UNO. Israels Minister für Diaspora-Angelegenheiten und Antisemitismusbekämpfung, Amichai Chikli, erklärte dazu: «Die UNO hat ihr Mandat verraten und sich mitschuldig gemacht. Wer Terror-Statistiken wäscht und moderne Blutlügen verbreitet, hat kein Recht, sich hinter einem humanitären Deckmantel zu verstecken.»

«Datenwäsche»: Wie aus Hamas-Zahlen UN-Fakten werden

Der Kern des Problems lässt sich in drei Schritten beschreiben:

Schritt 1: Eine UN-Agentur – meist OCHA (das Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten) – übernimmt eine Information von einer Hamas-kontrollierten Behörde. Etwa vom Gesundheitsministerium in Gaza, der Pressestelle oder dem Ministerium für öffentliche Arbeiten. Die Quelle wird zwar genannt, aber ohne den Hinweis, dass sie von Hamas kontrolliert wird.

Schritt 2: Die Information wird in anderen UN-Berichten, Briefings und Dashboards zitiert – diesmal mit Verweis auf die UN-Agentur, die sie zuerst publiziert hat (z.B. «laut OCHA»). Die ursprüngliche Hamas-Quelle ist verschwunden.

Schritt 3: Medien, Regierungen und Diplomaten zitieren die Zahl als «UN-Daten» – in der falschen Annahme, die UNO habe sie verifiziert.

Das Ergebnis: Hamas-Propaganda trägt das Gütesiegel der Vereinten Nationen.

Die Opferzahlen – ungeprüft, unkorrigiert, wirkungsvoll

Von den ersten Kriegstagen an verbreiteten UN-Agenturen die Opferzahlen des Gesundheitsministeriums in Gaza als kumulative Totale – ohne unabhängige Überprüfung und ohne Unterscheidung zwischen Zivilisten und Kämpfern.

Diese Praxis ist einzigartig. In anderen Konflikten verzichten UN-Agenturen darauf, laufende Opferzahlen einer Konfliktpartei zu übernehmen. Im Fall von Gaza geschah genau das – und zwar durchgehend, obwohl unabhängige Studien wiederholt auf methodische Probleme, Inkonsistenzen und Fehler in den Daten hinwiesen.

Besonders aufschlussreich: Wenn die Zahlen nachträglich nach unten korrigiert wurden, korrigierten die UN-Agenturen ihre eigenen Berichte nicht und fügten keine Richtigstellungen hinzu. So entstand laut der Analyse die absurde Situation, dass in den öffentlich verfügbaren OCHA-Berichten bis April 2024 mehr Frauen getötet worden sein sollen als bis April 2025 – nach einem weiteren Jahr Krieg.

Martin Griffiths, bis Juni 2024 UN-Untergeneralsekretär für humanitäre Angelegenheiten, erklärte bereits am 22. November 2023 auf CNN, die humanitäre Situation in Gaza sei «die schlimmste» im Vergleich zu allen anderen Konflikten – und verwies ausdrücklich auf Kambodscha in den 1970er-Jahren, wo bis zu zwei Millionen Menschen ermordet wurden. Belege für diesen Vergleich nannte er keine.

Das Al-Ahli-Spital – eine widerlegte Behauptung als «bestätigte» UN-Statistik

Am 17. Oktober 2023 meldeten «Gaza-Behörden», ein israelischer Luftangriff habe das Al-Ahli-Spital getroffen und «mindestens 500 Menschen» getötet. Die Zahl wurde rasch auf 471 korrigiert – und von UN-Agenturen übernommen und von hochrangigen UN-Funktionären zitiert.

Innerhalb weniger Tage kamen US-amerikanische und französische Geheimdienste sowie Human Rights Watch zum Schluss: Es handelte sich nicht um einen israelischen Angriff, sondern um eine fehlgeleitete palästinensische Rakete, die den Parkplatz des Spitals traf. Die tatsächliche Opferzahl lag laut europäischen Geheimdienstquellen bei unter 50.

Trotz dieser Erkenntnisse wurde die widerlegte Hamas-Zahl von 471 Toten nie formell aus den UN-Berichten zurückgezogen. Im Gegenteil: Die WHO-Datenbank «Surveillance of Attacks on Health Care» listet den Vorfall bis heute mit 471 Toten und dem Status «confirmed». Fast die Hälfte aller in dieser Kategorie gemeldeten Todesfälle während des gesamten Krieges geht auf diesen einen, widerlegten Eintrag zurück.

«Die Hälfte aller Häuser zerstört» – aus 3 Prozent wurden 45 Prozent

Bereits im November 2023 – nur einen Monat nach Kriegsbeginn – meldeten Medien weltweit unter Berufung auf «UN-Quellen», die Hälfte aller Wohnungen in Gaza sei zerstört. Hochrangige UN-Funktionäre wiederholten die Behauptung, unter anderem vor der UN-Generalversammlung.

Die Quelle war das Hamas-kontrollierte Ministerium für öffentliche Arbeiten. Die Zahl bezog sich auf «beschädigte oder zerstörte» Einheiten – ein entscheidender Unterschied, der beim Weiterzitieren verschwand. Laut den OCHA-Berichten vom Oktober und November 2023 waren nur 9 bzw. 15 Prozent der gemeldeten Einheiten tatsächlich «zerstört».

Gleichzeitig lag eine UN-eigene Analyse vor: UNOSAT – das Satellitenprogramm der Vereinten Nationen – schätzte am 13. November 2023, dass 3 Prozent der Gebäude in Gaza zerstört und weitere 9 Prozent schwer oder mittelschwer beschädigt waren. OCHA zog die Hamas-Zahlen vor.

Die Hungersnot, die keine war

Auch bei der Darstellung der Hilfslieferungen arbeiteten UN-Agenturen laut der Analyse mit irreführenden Teilstatistiken.

Ein Beispiel: Im Mai 2024 meldete OCHA, die Hilfslieferungen nach Gaza seien um zwei Drittel eingebrochen – eine Zahl, die als Beweis für eine israelische Blockade um die Welt ging. Tatsächlich basierte die Meldung auf unvollständigen Echtzeitdaten. Als OCHA die Zahlen später still und leise nach oben korrigierte, ergab sich für Mai 2024 ein Rückgang von lediglich 7 Prozent gegenüber April – nicht zwei Drittel.

Die einzige Quelle, die den Eingang sämtlicher Lieferungen lückenlos erfasst – COGAT, die israelische Koordinierungsstelle –, zeigt ein grundlegend anderes Bild. Laut COGAT war das tatsächliche Volumen an Hilfslieferungen zwischen Mai und September 2024 um 135 Prozent höher als das, was die Welt auf Basis der OCHA-Echtzeitdaten glaubte.

«14’000 Babys sterben in 48 Stunden»

Im Mai 2025 warnte der neue UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher, «14’000 Babys in Gaza» würden «in den nächsten 48 Stunden sterben, wenn keine Hilfe eintrifft». Die Meldung ging um die Welt – auch das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) berichtete. Die BBC verbreitete Fletchers Behauptung prominent.

Wie sich herausstellte, handelte es sich um eine grobe Verzerrung einer IPC-Prognose: Rund 14’100 Fälle von schwerer akuter Mangelernährung bei Kindern unter fünf Jahren wurden über einen Zeitraum von zwölf Monaten (April 2025 bis März 2026) erwartet. Fletcher machte daraus einen 48-Stunden-Alarm und verwandelte prognostizierte Mangelernährungsfälle in «Babys, die sterben werden».

Nach breiter Kritik – britische Parlamentarier nannten es eine «groteske Ungenauigkeit» und Israels Aussenministerium sprach von einer «Ritualmordlegende» – äusserte Fletcher in einem weiteren Interview «Bedauern». Sein Rückzug erhielt einen Bruchteil der Aufmerksamkeit der ursprünglichen Behauptung. Es war laut der Analyse der einzige Fall während des gesamten Krieges, in dem eine UN-Falschmeldung überhaupt zurückgenommen wurde.

«Zehn Kinder verlieren täglich ihre Beine»

Eine weitere Behauptung, die sich über Jahre hielt: «Zehn Kinder verlieren jeden Tag ein oder beide Beine in Gaza» – und Gaza beherberge «die grösste Kohorte von Kinderamputierten der modernen Geschichte». Die Behauptung wurde von UNICEF-Sprecher James Elder, UNRWA-Chef Philippe Lazzarini und schliesslich von OCHA in einem Briefing vor dem UN-Sicherheitsrat als offizielle UN-Position vertreten.

Die Analyse zeigt: Zum Zeitpunkt von Elders erster Behauptung im Dezember 2023 existierten keine offiziellen Statistiken zu Amputationen. Als das Gesundheitsministerium in Gaza im Januar 2025 erstmals Zahlen veröffentlichte, ergab sich eine tägliche Rate von 1,7 Amputationen – nicht zehn. Die UN-Agenturen hatten die Hamas-eigene Propagandaquelle um mehr als das Sechsfache übertroffen.

Was fehlt

Die Analyse dokumentiert auch, was in den UN-Berichten systematisch ausgeblendet wird: die Rolle der Hamas.

Die Verzerrungen der UNO sind nicht abstrakt. Sie haben konkrete Folgen:

  • Der Internationale Strafgerichtshof stützt sich auf UN-Berichte.
  • Regierungen und Parlamente – auch in der Schweiz – berufen sich auf UN-Statistiken, wenn sie über Waffenlieferungen, Sanktionen oder die Anerkennung eines palästinensischen Staates entscheiden.
  • Medien weltweit zitieren UN-Daten als Goldstandard, oft ohne jede eigene Überprüfung.
  • Die verzerrten Narrative haben laut dem Bericht dazu beigetragen, «Feindseligkeit, Belästigung und Gewalt gegen jüdische Gemeinschaften in zahlreichen Ländern zu legitimieren und massiv zu verstärken».

Der Bericht schliesst mit einer klaren Forderung: Die UNO müsse ihre Informationspolitik seit dem 7. Oktober korrigieren, klare Richtlinien für neutrale und überprüfbare Berichterstattung einführen und wirksame Kontrollmechanismen schaffen. Medien sollten UN-Quellen zu Israel-bezogenen Themen eigenständig überprüfen. Und Geberländer – zu denen auch die Schweiz gehört – tragen die Verantwortung sicherzustellen, dass ihre Steuergelder nicht dafür verwendet werden, die Öffentlichkeit durch UN-Agenturen gezielt fehlinformieren zu lassen.

2 Kommentare

  1. Warum wohl agiert und betrügt die UN in dieser Weise:
    Weil deren Chef der Sozialist António Guterres ist.

  2. Die UNO ist kein neutraler Hüter von Menschenrechten und Gerechtigkeit, sondern das Sprachrohr einer politischen Mehrheit, die oft von autoritären und totalitären Staaten dominiert wird. Diese einseitige Anti-Israel-Agenda wurde massgeblich vom Sowjetblock geprägt. (Obwohl selbst Andrei Gromyko 1947 in einer der bemerkenswertesten Reden zur Gründung Israels das außergewöhnliche Leid und die Verfolgung des jüdischen Volkes nach dem Holocaust anerkannte und dessen Recht auf Selbstbestimmung betonte.)

    Das jüdische Volk hat wie jedes andere Volk ein grundlegendes Recht auf Menschenrechte, einen sicheren Ort zum Leben, Selbstbestimmung und gesicherte Grenzen. Dieses Recht wurde von führenden Persönlichkeiten, darunter UN-Generalsekretären und Richtern wie Julia Sebutinde am Internationalen Gerichtshof (ICJ), ausdrücklich anerkannt. Dennoch handelt die UNO als Ganzes durch ihre Resolutionen und Praktiken systematisch dagegen: mit Datenwäsche von Hamas-Propaganda zu ‚UN-Fakten‘, institutioneller Voreingenommenheit (wie Ban Ki-moon selbst einräumte) und doppelten Standards.

    Dringend nötig sind eine tiefgreifende UN-Reform, unabhängige Untersuchungen zu Korruption, Geldflüssen und möglichen Terrorverbindungen bei UNRWA und vergleichbaren Organisationen sowie eine Prüfung solcher Verflechtungen durch internationale Instanzen. Die UNO verrät damit ihr eigenes Mandat und schadet nicht nur Israel, sondern der Glaubwürdigkeit des Völkerrechts und dem Frieden weltweit.

    1947 UNO Gromyko-Rede: https://israeled.org/wp-content/uploads/2015/05/1947.5.14-Gromyko-Speech.pdf

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