
Mehrere Personen, die nach ihrem Tod im Gazastreifen als Journalisten oder Medienmitarbeiter geführt wurden, tauchen inzwischen in Mitteilungen von Hamas und Palästinensischem Islamischem Dschihad als Angehörige von Terror-Strukturen auf. Das Committee to Protect Journalists hat einzelne Einträge korrigiert. Andere Organisationen führen manche Betroffene weiterhin als Journalisten.
Eine Auswertung der Times of Israel vom 22. Juni 2026 dokumentiert mehrere Fälle, in denen Hamas und der Palästinensische Islamische Dschihad in den vergangenen Wochen getötete Mitglieder ihrer Organisationen öffentlich benannten. Darunter befinden sich Personen, die zuvor in Medienberichten, bei internationalen Organisationen oder in Datenbanken als Journalisten beziehungsweise Medienmitarbeiter erschienen waren.
In mehreren konkreten Fällen wurden neue Angaben von der Hamas oder dem Islamischen Dschihad öffentlich, die eine frühere Einordnung als rein journalistische Tätigkeit infrage stellen. Laut der Times of Israel wurden bei der Überprüfung zahlreicher Namen aus offiziellen und gruppennahen Telegram-Kanälen mehrere Personen identifiziert, die zuvor als Journalisten oder andere Zivilisten beschrieben worden waren.
Der Fall Ahmed Abu Eisha
Im Zentrum der Recherche steht Ahmed Abu Eisha, der am 10. Juli 2025 in Nuseirat im zentralen Gazastreifen durch einen israelischen Drohnenangriff getötet wurde. Das Committee to Protect Journalists führt auf seiner Personenseite aus, Abu Eisha habe für Palestine Today TV gearbeitet, einen Sender, der dem Palästinensischen Islamischen Dschihad nahesteht. CPJ zitierte eine Kollegin, wonach Abu Eisha kurz vor seinem Tod vom Al-Aqsa-Märtyrer-Krankenhaus in Deir al-Balah zurückgekehrt sei, um über dort stattgefundene Geschehnisse zu berichten.
Die Times of Israel verweist nun auf eine Mitteilung des militärischen Arms des Palästinensischen Islamischen Dschihad vom 1. Juni. Darin sei Abu Eisha als Kommandeur einer Einheit und als Angehöriger der «Central Information Unit» innerhalb der Zentralbrigade bezeichnet worden. Die genaue Funktion dieser Einheit wurde in der Mitteilung nach Angaben der Zeitung nicht offiziell erläutert. Entscheidend ist jedoch, dass die Zuordnung nicht von Israel stammt, sondern aus einer Veröffentlichung der Organisation, für die Abu Eisha nach diesen Angaben tätig gewesen sein soll.
Die Personenseite von CPJ war zum Zeitpunkt der Überprüfung weiterhin online abrufbar und beschreibt Abu Eisha als Journalisten. Zugleich berichtet die Times of Israel, CPJ habe in den vergangenen Wochen andere palästinensische Namen aus seiner Liste entfernt, nachdem spätere Recherchen auf eine Beteiligung an Kampfhandlungen hingedeutet hätten. Diese unterschiedliche Datenlage zeigt, dass die Erfassung solcher Fälle laufend und nicht endgültig ist.
CPJ korrigiert Einträge nach neuen Informationen
Nach Darstellung der Times of Israel teilte CPJ auf Anfrage mit, man überprüfe Personen erneut, sobald neue Informationen bekannt würden, und werde jeden aus der Datenbank entfernen, der als an Kampfhandlungen beteiligt eingestuft werde. Die Zeitung berichtet, CPJ habe mehrere Namen aus seiner Liste gestrichen, nachdem spätere Untersuchungen ergeben hätten, dass die betreffenden Personen an Kampfhandlungen teilgenommen hätten.
Ein weiterer von der Times of Israel genannten Fälle ist Mohammed Nasser Abu Huwaidi. Er wurde nach seinem Tod im Dezember 2023 zunächst als Journalist für Al-Istiqlal beschrieben. Später nahm ihn der Palästinensische Islamische Dschihad nach Angaben der Zeitung in eine Liste getöteter Operativer auf und bezeichnete ihn als Angehörigen einer militärischen Medieneinheit. CPJ entfernte seinen Namen im Mai aus der Liste und erklärte später, die Streichung sei nach weiteren Recherchen erfolgt, die auf Beteiligung an Kampfhandlungen hingedeutet hätten.
Weitere Medienfunktionäre
Die Recherche nennt darüber hinaus Yaqoub Anan al-Bursh. Hamas habe ihn als Angehörigen einer Einheit im Norden des Gazastreifens und als militärischen Medienkommentator bezeichnet. Ein weiterer Fall ist Maysara Salah, der nach Berichten Hamas-naher Medien sowohl dem militärischen Medienapparat als auch einer Kampfstruktur im Norden Gazas zugeordnet worden sei.
Auch Hussam al-Adlouni wird in der Auswertung genannt. Nach seinem Tod im Juli 2025 sei er zunächst als Journalist beschrieben worden, später jedoch auf einem Hamas-nahen Telegram-Kanal als Angehöriger der Militärmedienabteilung der Khan-Yunis-Brigade erschienen. Die verfügbaren Angaben belegen unterschiedliche Formen von Nähe oder Einbindung: journalistische Arbeit, mediale Tätigkeit für bewaffnete Gruppen, militärische Medienarbeit und Kampfteilnahme.























