Bei einem Anschlag im Dezember 2016 kamen 29 Christen in der koptischen St.-Peter-und-Paul-Kirche in Kairo ums Leben. Foto Screenshot Youtube / ArabNews
Bei einem Anschlag im Dezember 2016 kamen 29 Christen in der koptischen St.-Peter-und-Paul-Kirche in Kairo ums Leben. Foto Screenshot Youtube / ArabNews
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Zu einer Zeit, in der das Leben des ägyptischen Volkes, wie das der meisten Menschen auf der ganzen Welt, durch das Coronavirus beeinträchtigt wird; zu einer Zeit, in der auch die Ägypter Masken tragen, sich drinnen aufhalten und sozial distanzieren – bereitete sich eine Gruppe unbeirrter islamistischer Terroristen darauf vor, einen grösseren Terroranschlag auf die koptisch-orthodoxen Kirchen Ägyptens an ihrem heiligsten Tag zu verüben.

von Raymond Ibrahim

Am Dienstag, dem 14. April, waren ägyptische Sicherheitskräfte in ein stundenlanges Feuergefecht mit einer islamistischen Terrorzelle verwickelt, die sich in einem Wohnhaus im Kairoer Stadtteil Amiriyah versteckte, welches dafür bekannt ist, dass es eine grosse christliche Bevölkerung und mehrere Kirchen beherbergt. Einige Fernsehstationen zeigten Filmaufnahmen des Schusswechsels; im Hintergrund waren viele Schüsse zu hören. Am Ende wurden bei der Schießerei sieben mutmaßliche Terroristen und ein Polizeibeamter getötet. Mehrere Munition und automatische Waffen wurden gefunden und in ihrer Wohnung beschlagnahmt.

Erste Meldungen in den Nachrichten stellten die Zelle als Takfiri dar – eine Bezeichnung für muslimische Extremisten, die andere Muslime beschuldigen, attackieren und bisweilen töten, weil sie nicht islamisch genug seien. Andere behaupteten, dass der primäre, wenn nicht gar ausschliessliche Zweck der Zelle darin bestand, Christen in ihren Kirchen zu ermorden.

Das ägyptische Innenministerium hat bestätigt, dass „die Verdächtigen Angriffe auf die koptischen Christen des Landes während der Karwoche und am Ostersonntag planten.“ Die koptisch-orthodoxen Christen Ägyptens, eine der ältesten christlichen Gemeinschaften der Welt, feierten Ostern am 19. April.

Zuvor betonte auch ein koptischer Aktivist in einem Live-Telefongespräch, dass das „Ziel der Terrorzelle darin bestehe, Christen zu töten und Kirchen, während den Feiertagen zu bombardieren, was wir inzwischen leider gewohnt sind“.

In der Tat haben es die ägyptischen Kirchen anscheinend praktisch jedes Jahr um die Osterzeit mit Schikanen, Steinwürfen, Übergriffen und nicht zuletzt mit tödlichen Terroranschlägen zu tun.

Am 9. April 2017 – Palmsonntag, mit dem die Osterwoche beginnt – wurden in Ägypten während der Messe zwei christliche Kirchen bombardiert; mindestens 50 Gottesdienstbesucher wurden getötet und 130 verletzt und/oder verstümmelt. Zwei Tage später wurde ein weiterer Terroranschlag auf ein koptisches christliches Kloster vereitelt.

Es gibt zwar viele solcher Angriffe, aber über diejenigen, die keine Todesopfer fordern, wird in den westlichen Medien nur selten berichtet. Zum Beispiel fanden am 12. April 2015, dem Ostersonntag, in Ägypten zwei Explosionen statt, die zwei verschiedene Kirchen zum Ziel hatten. Obwohl keine Opfer zu beklagen waren, hätte es zu einer grossen Zahl von Todesopfern kommen können. In ähnlicher Weise wurde am Sonntag, dem 5. April 2015, als Christen den Palmsonntag feierten, eine weitere Kirche in Alexandria angegriffen; Bewaffnete in einem Fahrzeug eröffneten in der Nacht das Feuer auf die Kirche und verletzten einen Polizisten und zwei Zivilisten.

Es sei darauf hingewiesen, dass andere christliche Feiertage, insbesondere Weihnachten, ebenfalls Hauptziele sind. So wurde eine Kirche in Kairo bombardiert, bei dem um Weihnachten 2016 27 Tote zu beklagen waren. Am Neujahrstag 2011 – den orthodoxe Christen in der Kirche feiern – wurde eine weitere Kirche bombardiert, wobei 23 Tote zu beklagen waren.

Warum Dschihadisten um Ostern und Weihnachten Kirchen ins Visier nehmen, liegt auf der Hand: Angriffe auf Christen während ihrer wichtigsten heiligen Tage haben nicht nur eine symbolische Bedeutung; weil die Kirchen dann oft überfüllt sind, bieten sie auch die grösste Menge an Todesopfern.

Was zu der grossen Ironie dieses neuesten, aber fehlgeschlagenen Attentats auf Christen führt: Wegen des Coronavirus sind Kirchen, genauso wie Moscheen in Ägypten geschlossen, auch am Ostersonntag. Doch selbst das schreckte die sieben getöteten Terroristen nicht ab. So von blindem Hass verzehrt, übersahen sie diese Tatsache entweder, oder aber sie waren direkt zu „Plan B“ übergegangen – das Feuer auf Christen zu eröffnen und sie bei Sichtkontakt, auf den Strassen und/oder vielleicht durch die Fenster ihrer Häuser, während des Ostersonntags zu massakrieren.

Raymond Ibrahim ist Distinguished Senior Fellow am Gatestone Institute und Judith Rosen Friedman Fellow am Middle East Forum. Auf Englisch zuerst erschienen bei The Middle East Forum. Übersetzung Audiatur-Online.

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