Präsident Donald J. Trump nimmt an der Unterzeichnungszeremonie mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić und dem kosovarischen Premierminister Avdullah Hoti am Freitag, 4. September 2020, im Oval Office des Weißen Hauses teil. Offizielles Foto des Weissen Hauses von Joyce N. Boghosian.
Präsident Donald J. Trump nimmt an der Unterzeichnungszeremonie mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić und dem kosovarischen Premierminister Avdullah Hoti am Freitag, 4. September 2020, im Oval Office des Weißen Hauses teil. Offizielles Foto des Weissen Hauses von Joyce N. Boghosian.
Lesezeit: 6 Minuten

Weniger als einen Monat nach der Erklärung des „Abraham-Abkommens“ – der Normalisierung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Israel – erreichten uns am Freitag erfreulicherweise noch mehr gute diplomatische Neuigkeiten: Serbien und Kosovo werden voraussichtlich ihre Botschaften in Jerusalem eröffnen, zusammen mit den Botschaften der Vereinigten Staaten und Guatemalas.

von Boaz Bismuth 

Hier wird Geschichte geschrieben: Serbien wird das erste europäische Land sein und Kosovo das erste Land mit muslimischer Mehrheit, welches dies tun wird. Und wie im Fall der Vereinigten Arabischen Emirate ist der US-Präsident Donald Trump der Schirmherr. Erinnern Sie sich an den diplomatischen Tsunami, der uns 2011 von Ehud Barak versprochen wurde? Vielleicht meinte er eigentlich Wellen der Liebe?

Trump’s Tweet am Freitag war optimistisch und ermutigend: „Ein weiterer grosser Tag für den Frieden mit dem Nahen Osten – die mehrheitlich muslimischen Länder Kosovo und Israel haben sich darauf geeinigt, ihre Beziehungen zu normalisieren und diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Gut gemacht! Weitere islamische und arabische Nationen werden bald folgen!“

Etwas Gutes geschieht im Nahen Osten unter der Schirmherrschaft von Trump und in der Netanjahu-Ära.

Trotz der zeitlichen Nähe zwischen dem Abkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und der Ankündigung der Botschaftseröffnung und der israelischen Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo am Freitag, sind die beiden Geschichten jedoch recht unterschiedlich.

Die neue Freundschaft mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, die im internationalen Rampenlicht steht, weist auf eine neue Realität im Nahen Osten hin, der sich weitere Länder wie Bahrain, Oman und Sudan anschliessen dürften, sobald Saudi-Arabien ihnen – und, so Gott will, schliesslich auch sich selbst – grünes Licht gibt.

Die Geschichte Serbiens und des Kosovo ist weitaus komplizierter und hat erhebliche internationale Auswirkungen. Obwohl Kosovo ein neues Land ist (es erklärte 2008 seine Unabhängigkeit), ist es aufgrund eines russischen Vetos kein Mitglied der Vereinten Nationen und wird nur von etwa 100 UN-Mitgliedsstaaten und nur 23 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union anerkannt. Spanien, Griechenland, Zypern, Rumänien und die Slowakei weigern sich, den Kosovo anzuerkennen, weil sie sich Sorgen über Separatisten in ihren eigenen Ländern machen. Dies war auch das israelische Argument bei der Verweigerung der Anerkennung des Kosovo im Jahr 2008. Die israelische Politik bestand darin, auf beiden Seiten des Zauns zu agieren: Nicht „ablehnen“, aber auch die Unabhängigkeit nicht anerkennen.

Es liegt auf der Hand, dass Israel die Folgen der einseitigen Unabhängigkeitserklärung des Kosovo bedacht hat, welche die Führung der Palästinensischen Autonomiebehörde hätte inspirieren können. In der Zwischenzeit ist das Verhalten der Palästinensischen Autonomiebehörde vielleicht vorhersehbar geworden und Israel ist bereit, das Risiko einzugehen, oder die Spaltung zwischen der PA und Gaza macht es den Palästinensern schlicht unmöglich, eine solche Erklärung abzugeben.

Zurück zum Balkan. In unserer sich verändernden Welt tut sich etwas. Wenn Serbien und Kosovo nach zweitägigen Gesprächen in Washington einen Wirtschaftspakt unterzeichnen können, dann bewegen sich die Dinge wirklich in der Welt – in eine positive Richtung.

Rückblick auf 1998-99: Das Kosovo, mit seiner mehrheitlich albanisch-muslimischen Bevölkerung, brennt. Die ganze Welt befürchtete eine Invasion durch die serbische Armee. Der serbische Präsident Slobodan Milosevic hat es sich zum Ziel gesetzt, den albanischen Widerstand zu zerstören. Aus Angst vor Massakern und Gräueltaten starteten die NATO und die Vereinigten Staaten einen 78-tägigen Einsatz, bei dem die serbische Hauptstadt Belgrad bombardiert wurde.

Hass war tief verwurzelt

Ich erinnere mich, dass ich über diesen Krieg berichtete und zwischen den verschiedenen beteiligten Ländern pendelte. Der Hass und die Abneigung der Serben gegenüber den Kosovaren waren tief verwurzelt.

Ich erinnere mich, dass ich über diesen Krieg berichtete und zwischen den verschiedenen beteiligten Ländern pendelte. Der Hass und die Abneigung der Serben gegenüber den Kosovaren waren tief verwurzelt. Die Idee eines unabhängigen Kosovo war unvorstellbar, weil die Serben den Kosovo aufgrund seiner Geschichte als die Wiege des serbischen Nationalismus betrachten. In diesem Zusammenhang war eines der prominenteren historischen Ereignisse die „Schlacht von Kosovo“ im Juni 1389 zwischen dem serbischen Führer Prinz Lazar und den Armeen des Osmanischen Reiches. Obwohl die Serben besiegt wurden, wurde in dieser Schlacht im Kosovo die serbische nationale Identität geboren. Auf persönlicher Ebene war ich in einen Konflikt geraten. Sowohl die Serben als auch die Albaner halfen den Juden im Zweiten Weltkrieg bei der Flucht vor den Nazis.

Deshalb freue ich mich sehr, miterleben zu dürfen, wie der serbische Präsident Aleksandar Vučić und der kosovarische Premierminister Avdullah Hoti in Washington ein Wirtschaftsabkommen unterzeichnen. Obwohl sie sich immer noch nicht gegenseitig anerkennen, kann man davon ausgehen, dass es in diese Richtung geht. Doch angesichts der Tatsache, dass die Serben die Verlegung ihrer Botschaft nach Jerusalem bis Juli 2021 davon abhängig machen, dass Israel Serbien „respektiert“, müssen wir uns fragen: Bedeutet dies, dass Israel die Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo verweigern muss? Wird dies Israel in eine diplomatische Zwickmühle bringen? Es ist schwer zu glauben, dass sich die Seiten im Weissen Haus zusammengesetzt und nicht verstanden haben, welche Auswirkungen das Abkommen hat, das sie unterzeichnen wollten. Es scheint jedoch, dass die Anwesenheit von Trump für die Umsetzung des Abkommens von entscheidender Bedeutung ist.

Serbien such nach einer Familie und der Kosovo nach Anerkennung

Serbien ist ein wichtiges Land, das seit dem Kosovo-Krieg versucht hat, auf der internationalen Bühne Fuss zu fassen. Im Gegensatz zu Kroatien und Slowenien ist es nicht Mitglied der Europäischen Union geworden. Selbst in der Vergangenheit, unter der Herrschaft von Josip Broz Tito, hat es in der Weltpolitik einen unabhängigen Kurs eingeschlagen und den Einfluss sowohl des Westens als auch des Ostens gemieden. Die jugoslawische Armee behielt zwei offizielle Verteidigungspläne bei, einen gegen eine NATO-Invasion und einen gegen eine Invasion durch den Warschauer Pakt. Heute jedoch sucht Serbien nach einer Familie und der Kosovo sucht nach Anerkennung – und ein starkes Israel liegt genau an der Schnittstelle zwischen beiden.

Im Januar 2017 wurde ich nach Washington eingeladen, um an den Einführungsveranstaltungen von Trump teilzunehmen, die eine Woche dauerten. Es war aufregend. Die erste Veranstaltung, an der ich teilnahm, war das Treffen des designierten Präsidenten mit dem diplomatischen Personal in Washington. Ich wartete geduldig, bis ich an der Reihe war. Eine sehr elegante Botschafterin stand vor mir in der Schlange. Sie wandte sich an den Präsidenten und sagte ihm, dass sie sehr hoffe, dass er ihr Land besuchen würde. Sie war die Botschafterin aus dem Kosovo, Vlora Çitaku, die während des Krieges in der Hauptstadt Pristina lebte. Ich stellte mich ihr vor, und sie sagte mir damals, dass wir Freunde werden sollten. Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass sie vor dem Ende der ersten Amtszeit von Trump eine so wichtige Rolle spielen würde und dass Israel beteiligt sein könnte. In Tagen wie diesen, in denen sich so viele Dinge ändern, können wir nur auf die nächste Überraschung warten. Es ist keine Frage des Ob, sondern des Wann. Es sind Wellen der Liebe.

Boaz Bismuth ist Chefredakteur von Israel Hayom. Dieser Artikel erschien auf Englisch zuerst in Israel Hayom. Übersetzung Audiatur-Online.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.