Bethlehem. Foto Majdi Fathi/TPS
Bethlehem. Foto Majdi Fathi/TPS
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Die christlich-griechisch-orthodoxe Gemeinde in Bethlehem war in den letzten Tagen in Aufruhr, nachdem die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) beabsichtigt hatte, zur Kirche gehörendes Land der Geburtskirche zu enteignen.

von Baruch Yedid/TPS

Vor einigen Tagen veröffentlichten elf mit der griechisch-orthodoxen Kirche verbundene Institutionen eine Erklärung, in der sie gegen den anhaltenden Versuch der PA protestierten, die Kontrolle über den Platz vor der Geburtskirche in Bethlehem zu übernehmen.

Die Geburtskirche befindet sich in Bethlehem und hat als vermeintlicher Geburtsort Jesu eine besondere religiöse Bedeutung für Christen verschiedener Konfessionen. Die ursprüngliche Basilika wurde wahrscheinlich um 330 n. Chr. erbaut, aber um 529 n. Chr. zerstört. Es wird angenommen, dass die heutige Struktur kurz darauf gebaut wurde. Sie umfasst rund 12.000 Quadratmeter und besteht aus drei verschiedenen Klöstern: Griechisch-orthodox, armenisch-apostolisch und römisch-katholisch.

Die vom Patriarchen von Jerusalem, Theophilos III., initiierte Erklärung, richtet sich gegen die Beeinträchtigung der christlichen Präsenz in Bethlehem, den Verlust ihrer Rechte, die Schädigung des kirchlichen Vermögens und die Verletzung ihres Rechts, Weihnachtsbäume auf dem Platz zu entzünden. Dem Protest schloss sich auch Michelle Freij an, der Sohn des ehemaligen Bürgermeisters von Bethlehem, Elias Freij.

Die Führer der griechisch-orthodoxen Gemeinschaft haben der PA vorgeworfen, in den letzten Jahren daran gearbeitet zu haben, das Gebiet in der Nähe der Geburtskirche, welches Eigentum der orthodoxen Kirche ist, zu übernehmen und es der Gemeinde Bethlehem und dem örtlichen Regierungsbüro der PA zuzuführen. Der Protest hat sich über die Sozialen Netzwerke rasch verbreitet und den Stadtrat von Bethlehem veranlasst, anzukündigen, dass er die verschiedenen Sektoren nicht schädigen und den Status Quo in der Stadt aufrechterhalten wird.

Geburtskirche in Bethlehem. Foto Berthold Werner auf wikivoyage shared, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23058732

Ein Kirchenvertreter erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur TPS, einer der Führer der katholischen Kirche, Ibrahim Faltas, arbeite seit drei Jahren mit dem ebenfalls katholischen Bürgermeister von Bethlehem, Anton Salman, zusammen, um die Ländereien der griechisch-orthodoxen Kirche zu übernehmen.

Er sagte, die beiden seien gute Freunde geworden, als sie an den Verhandlungen während der Krise von 2002 in der Geburtskirche teilgenommen hatten, bei der sich Terroristen in der Kirche verbarrikadierten und sie erst nach umfangreichen Verhandlungen wieder verließen. Die beiden gelten in Bethlehem als PA-Aktivisten mit Verbindungen zur Fatah.

Der Kirchenvertreter fügte hinzu, dass die Palästinensische Autonomiebehörde kürzlich durch die Stadtverwaltung angekündigt habe, keine der Gemeinden zu diskriminieren oder das Land zu übernehmen. Die Führer der griechisch-orthodoxen Kirche seien sich jedoch der Bemühungen der Behörde bewusst, die Kontrolle über ihr Eigentum zu erlangen.

Zahl der Christen erheblich zurückgegangen

Berichten zufolge wird einer der Führer der griechisch-orthodoxen Kirche von der Palästinensischen Autonomiebehörde verdächtigt, mit Juden in Bezug auf Ländereien zu verhandeln und daher bemühe sich die Palästinensische Autonomiebehörde, seinem Vorgehen durch die Übernahme des Landes entgegenzuwirken. Die Spannungen zwischen Salman und seiner Stellvertreterin Hanna Hananya, die die Forderungen der griechisch-orthodoxen Kirche unterstützt, nehmen immer weiter zu.

Ein Beamter aus Bethlehem erklärte gegenüber TPS, dass die Zahl der Christen in der Stadt seit dem Eintreffen der PA im Jahr 1994 erheblich zurückgegangen ist und derzeit weniger als 22 Prozent der Einwohner der Stadt ausmacht. Er sagte weiter, dass die Weihnachtszeremonien allmählich von einem religiösen christlichen Ereignis zu einem nationalen Ereignis werden, das von der PA gesponsert wird, obwohl diese in den letzten Jahren darauf hingewirkt hat, die Christen ihrer Güter zu berauben.

Währenddessen nehmen die Spannungen unter den griechisch-orthodoxen Christen weiter zu, nachdem die Gemeinde al-Azzariya in der Nähe von Bethlehem eine Ausschreibung zum Betrieb des Lazarus-Grabes veröffentlicht hatte. Die Christen sind wütend, weil sie behaupten, das Land gehöre nicht der Gemeinde und daher sei sie auch nicht befugt, Angebote für den Betrieb des Touristenortes abzugeben.

Ein Einwohner von Bethlehem teilte TPS mit, dass Touristen, die kürzlich das Grab des Lazarus besucht hatten, berichteten, dass eine Reihe von jungen Leuten und Schlägern Eintrittsgelder verlangen.

Vor einigen Monaten ereignete sich im christlichen Dorf Jifna, in der Nähe von Ramallah, ein gewalttätiger Zwischenfall, als Fatah-Aktivisten Christen dazu aufforderten, die Jizyah-Steuer zu zahlen, „damit sie den Schutz der PA in Anspruch nehmen können.“

Jizyah ist eine jährliche Pro-Kopf-Steuer, die nach islamischem Recht für nichtmuslimische Personen erhoben wird, die in muslimischen Ländern leben. Die Steuer ist eine Gebühr für den Schutz, den der muslimische Herrscher den Nicht-Muslimen gewährt und für die Erlaubnis, in einem muslimischen Staat eine nicht-muslimische Religion mit einer gewissen kommunalen Autonomie auszuüben, sowie als Beweis für die Unterwerfung der Nicht-Muslime unter den muslimischen Staat und seine Gesetze. Jizyah wird von manchen auch als rituelle Demütigung von Nicht-Muslimen in einem muslimischen Staat verstanden, weil diese nicht zum Islam konvertiert sind.

1 KOMMENTAR

  1. Man darf nicht übersehen, dass diese Christen in erster Linie auch Araber sind und sich immer wieder gegen Israel gestellt haben. Da gibt es viele Christen die das historische Israel in der Schrift leugnen und offen feindlich gegen IL agieren.
    Und natürlich braucht man von seiten der Araber die Geburtskirche, wenn man nachhaltig darlegen möchte, das Jeschua ein Palästinenser war.
    Wer Israel segnet, der wird gesegnet. Wer Israel verflucht, der wird verflucht.
    Die Christen ernten das, was sie gesät haben.

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