Eines der Ziele der islamischen Kräfte des Iran scheint es zu sein, die gesamte christliche Gemeinschaft, deren Vorfahren seit Jahrtausenden in diesem Land lebten, so zu bedrohen und einzuschüchtern, damit sie aus Angst vor Inhaftierung, Folter und Tod fliehen. Foto Arteen Arakel Lalabekyan - Own work, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73257566
Eines der Ziele der islamischen Kräfte des Iran scheint es zu sein, die gesamte christliche Gemeinschaft, deren Vorfahren seit Jahrtausenden in diesem Land lebten, so zu bedrohen und einzuschüchtern, damit sie aus Angst vor Inhaftierung, Folter und Tod fliehen. Foto Arteen Arakel Lalabekyan - Own work, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73257566
Lesezeit: 4 Minuten

Die Verfolgung von Christen im Iran hat 2018 ein neues Ausmass erreicht wie aus einem ausführlichen Bericht hervorgeht, der gemeinsam von Open Doors, Middle East Concern, Article 18 und Christian Solidarity Worldwide veröffentlicht wurde.

 

von Majid Rafizadeh

„Ende 2018 kam es zu einer beispiellosen Welle von Razzien auf private Hausgemeindenversammlungen, was zu einer grossen Zahl von Verhaftungen führte. Viele Christen wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt oder erhielten vom Berufungsgericht bestätigte Urteile“, heisst es im Bericht.

Trotz solcher ungeheuren Schikanen und Angriffen auf Christen, die in erheblichem Umfang unterdrückt werden, bezeichnet die internationale Gemeinschaft die von Präsident Hassan Rouhani geführte iranische Regierung weiterhin als „gemässigt“.

Erstaunlich ist, dass die iranischen Behörden zwar damit prahlen, dass Christen und andere religiöse Minderheiten unter dem Islam fair behandelt werden, aber das iranische Regime in Wirklichkeit zunehmend auf Christen abzielt, nur weil sie es wagen friedlich ihren Glauben auszuüben.

So wurden beispielsweise in einer einzigen Woche in jüngster Zeit mehr als 100 Christen verhaftet. Im November und Dezember 2018 gab es auch eine beispiellose „Welle von Verhaftungen in den Städten Ahvaz, Chalus, Damawand, Hamedan, Hashtgerd, Karaj, Mashhad, Rasht, Shahinshahr und Teheran. Allein in einer Woche sollen laut einem Bericht 114 Christen verhaftet worden sein.“

Zwei staatliche Organ der Islamischen Republik scheinen für die Auslösung dieser Übergriffe gegen Christen verantwortlich zu sein. Das Geheimdienstministerium und seine angeschlossenen Agenten führen eine ausgefeilte Überwachung der christlichen Gemeinschaften durch. Ihre Aktivitäten im Alltag werden dokumentiert und aufgezeichnet. Die Informationen werden dann an die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) weitergeleitet, ein Sicherheitsdienst, der zu einer Terrorgruppe mutiert ist. Wie der Guardian berichtet:

„Mohsen Sazegara war Gründungsmitglied von Khomenis Sepah (IRGC), ist aber heute ein im Exil lebender Dissident und ein entschiedener Kritiker der Organisation, die er mit aufgebaut hat. „Wir schufen eine Volksarmee, um das Land zu verteidigen und auch in Notfällen zu helfen, aber es wurde zu einem Monster.““

Aufgrund der Informationen, die sie erhalten, führen die Revolutionsgarden Razzien in der gesamten christlichen Gemeinschaft durch und verhaften Bürger. Der Missbrauch hört nicht mit der Überwachung und Verhaftung auf; diesen unschuldigen Bürgern wird dann ein faires und ordnungsgemässes Verfahren oder der Zugang zu ihrem eigenen Anwalt verweigert. Zur Erlangung eines Geständnisses wenden die Vernehmer Gewalt an und greifen laut Open Doors auf Einzelhaft und eine Reihe von physischen und psychologischen Foltertechniken zurück:

„Gefangene werden oft körperlich und geistig gefoltert. Sie werden fast täglich verhört, auch unter lang andauernden Schlägen. Während er im Gefängnis war, erzählte der Religionslehrer und ehemalige Gefangene Morad, wie die Wächter ihm Tee brachten, ihm aber nicht erlaubten, auf die Toilette zu gehen. Ex-Häftlinge berichten auch von Schlafentzug und Drohungen den Familienmitgliedern Schaden zuzufügen – sowie vom Druck, sich von ihrem Glauben zu lossagen.“

Die IRGC beschränkt sich nicht auf Einzelpersonen. Sie hat wiederholt ganze Kirchen geplündert, geschlossen oder das Eigentum von Christen beschlagnahmt. Als Folge dieser Pein haben immer mehr Christen ihren Glauben privat in ihren Häusern praktiziert, eine Praxis, die als „Hausgemeinden“ bekannt ist. Selbst wenn man zu Hause ist, gibt es keine Sicherheit: Die IRCG verstärkt weiterhin ihr Durchgreifen gegen jede christliche Religionsausübung.

Die Behörden des Regimes erstellen dann in der Regel erfundene Anklagen gegen Christen, wie z.B. „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ des Landes. Shamiram Issavi Khabizeh, die Frau von Pfarrer Victor Bet Tamraz, wurde beispielsweise wegen „Mitgliedschaft in einer Gruppe mit dem Ziel, die nationale Sicherheit zu stören“ zu fünf Jahren Haft verurteilt. Das Sharia-Gericht fügte ihrer Strafe wegen „Versammlung und Absprachen zur Begehung von Verbrechen gegen die nationale Sicherheit“ weitere fünf Jahre Gefängnis hinzu. Der einzige Beweis für diese Anklage war, dass sie bei der Ausübung ihrer Religion erwischt wurde. Wie kann das Lesen eines Evangeliums im eigenen Haus eine so grosse Bedrohung für die nationale Sicherheit eines Landes sein?

Eines der Ziele der islamischen Kräfte des Iran scheint es zu sein, die gesamte christliche Gemeinschaft, deren Vorfahren seit Jahrtausenden in diesem Land lebten, so zu bedrohen und einzuschüchtern, damit sie aus Angst vor Inhaftierung, Folter und Tod fliehen. Die Strategie der Revolutionsgarden scheint zu sein den Druck auf die christliche Gemeinschaft fortzusetzen, um die Zahl der im Iran lebenden Christen zu verringern, so dass der Anteil der Muslime steigen kann und die Mehrheit dadurch ein noch grösseres Mass an Kontrolle erhält.

Ein weiteres Ziel scheint es zu sein, die christliche Religionsausübung in den Hintergrund zu drängen. Ihre schlechte Behandlung macht die Christen nicht nur nervös und ängstlich, sondern hindert sie auch daran ihr Evangelium in der Öffentlichkeit zu verbreiten und andere in ihren Glauben aufzunehmen. Die iranische Regierung betrachtet Christen, die im Land bleiben, als Aussenseiter und behandelt sie daher auch so.

Nach dem Völkerrecht ist die iranische Regierung verpflichtet, die Religionsfreiheit zu achten. Doch wie lange wird die internationale Gemeinschaft noch schweigen, während die Rechte der Christen im Iran in einem noch nie da gewesenen Ausmass verletzt werden?

Was braucht es noch, bis diese Moralisten gegen solche Menschenrechtsverletzungen vorgehen, damit die Menschen eines Tages nicht mehr ihre Bibel verbergen oder ihr Leben nicht mehr in Angst vor schwerer Verfolgung leben müssen? Wenn sich die iranische Regierung weigert, Massnahmen zum Schutz der Rechte und der Freiheit der Christen zu ergreifen, können diese unschuldigen Menschen nur um humanitäre Hilfe von der Gemeinschaft ausserhalb ihrer Grenzen bitten, in der Hoffnung, dass sie eines Tages in einem Land leben können, in dem ihre Überzeugungen und Gebete kein Grund für Inhaftierung und Folter sind.

Dr. Majid Rafizadeh ist ein iranisch-amerikanischer Politikwissenschaftler, Harvardgelehrter und Vorsitzender des International American Council on the Middle East. Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute. Übersetzung Audiatur-Online.

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