Pastor Youcef Nadarkhani nach der Freilassung. Foto American Center for Law and Justice.
Lesezeit: 3 Minuten

Nach fast drei Jahren Inhaftierung in einem iranischen Gefängnis, wo er die Todesstrafe wegen Apostasie abwartete, wurde Pastor Youcef Nadarkhani am 8. September endlich freigelassen. Das American Center for Law and Justice, eine Interessensvertretung, die ausserordentliche Arbeit dabei leistete, Nadarkhanis Geschichte bekanntzumachen, publizierte ein Foto des Pastors vor den Toren des berüchtigten Lakan Gefängnis im Norden Irans. Während Nadarkhanis Kinder ihn mit Blumen begrüssten, trug er das verwirrte Lächeln von jemandem, der kaum glauben kann, dass sich das Blatt auf einmal zu seinen Gunsten gewendet hat.

Die weltweiten Apologeten des iranischen Regimes werden zweifelsohne die Freilassung Nadarkhanis als Beweis Teherans Bereitschaft für Annäherungsversuche verkaufen. Deshalb müssen wir uns daran erinnern, – bevor wir uns zu sehr vom Bild eines freundlicheren, sanfteren Irans einlullen lassen – dass Nadarkhani nicht der einzige Christ ist, der für seinen Glauben inhaftiert wurde.

Mehr noch, Nadarkhani wurde nicht entlastet. Einer der christlichen Aktivisten, der seine Misere verfolgt hat, erklärte mir, dass die Anklage wegen Apostasie zwar fallengelassen, jedoch die weniger schwerwiegende Anklage wegen evangelischen Aktivitäten aufrechterhalten wurde. Für diese verurteilte das Gericht Nadarkhani zu drei Jahren Gefängnis. Da er bereits zwei Jahre und elf Monate abgesessen hatte, stimmte der Richter seiner Freilassung zu, unter der Bedingung, dass er eine Geldstrafe für den ausstehenden Monat bezahlte.

Nadarkhani willigte ein und lebt nun in ansatzweiser Freiheit – solange er im Iran bleibt, werden die Behörden jeden seiner Schritte überwachen. Währenddessen verschmachten weitere iranische Christenführer immer noch im Gefängnis.

Darunter etwa Pastor Behnam Irani, wie Nadarkhani ein früherer Muslim, der den christlichen Glauben annahm. Irani sitzt eine fünf-Jahres-Strafe für angebliche Missionierungsarbeit ab, eine Anklage, die die Möglichkeit der Todesstrafe für Apostasie mit sich bringt – genau das gleiche Schicksal, dem Nadarkhani bis letzte Woche entgegensah. Während seiner Zeit im Gefängnis tauchten regelmässig Berichte über Folter und Prügel auf, die er ertragen musste. Ende August berichtete die Christian Post, dass der Pastor mehrfach bewusstlos in seiner Gefängniszelle gefunden worden war; eine Spitaluntersuchung ergab, dass er an einem Blutgeschwür litt. Trotz Versprechungen von Regierungsvertretern, Irani würde eine richtige medizinische Behandlung erhalten, geschah dies laut der Christian Post nicht.

Zusätzlich gibt es den Fall von Pastor Farshid Fathi, einem anderen Konvertiten vom Islam zum Christentum, der eine sechs-Jahres-Strafe im Evin Gefängnis in Teheran – bekannt für seine politischen Gefangenen – absitzt. Iranische Dissidenten geben an, dass Fathi derzeit in Trakt 350 des Gefängnisses festgehalten würde, wo viele Insassen, die zuvor bereits gefoltert worden waren, unter etwas besseren Bedingungen einsitzen.

Wie ich im Juli schrieb, sind diese und ähnliche Fälle ein Teil des seit langem bestehenden Verfolgungsmodells, welches ins Jahr 1990 zurückdatiert, als Pastor Hussein Soodman hingerichtet wurde, weil er sich weigerte, seinem christlichen Glauben abzuschwören. Nadarkhanis begrüssenswerte Freilassung sollte deshalb als Ausnahme verstanden werden, nicht etwa als Regel. Mehr noch, Timing ist alles: Als Kanada seine diplomatischen Beziehungen zum Iran abbrach, nannte der kanadische Aussenminister John Baird das Regime „einen der schlimmsten Menschenrechtsverletzer weltweit.“ Durch die Freilassung von Nadarkhani einen Tag später, versuchen die Mullahs zu beweisen, dass Baird falsch liegt; ein billiger Trick, auf den nur naive Menschen reinfallen werden.

Originalversion: Nadarkhani Released, but Iranian Christians Still Persecuted by Ben Cohen © Commentary Magazine, September 8, 2012.

 

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