Iranischer Pastor kurz vor Hinrichtung?

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Pastor Youcef Nadarkhani

Amnesty International berichtet, dass im Iran im Jahr 2011 viermal so viele öffentliche Hinrichtungen vollzogen wurden wie noch im Vorjahr.[1] Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) befürchtet, dass eine weitere Exekution unmittelbar bevorsteht. Das  Zentralgefängnis in Rasht sei von den Justizbehörden angewiesen worden, die baldige Vollstreckung des Todesurteils am iranischen Pastor Youcef Nadarkhani vorzubereiten, wie die IGFM in einer Medienmitteilung erklärte.[2]

Der Fall des protestantischen Pastors hat für internationales Aufsehen gesorgt. Nadarkhani, der im Alter von 19 Jahren zur protestantischen Kirche konvertierte und seit 10 Jahren als Pastor von Hausgemeinden im Nordiran tätig war und eine ungefähr 400-köpfige Gemeinde in Rasht leitete, wurde bereits im Dezember 2006 aufgrund von „Apostasie“ und „Bekehrungstätigkeit“ festgenommen, nach zwei Wochen Haft allerdings wieder freigelassen.

Im Oktober 2009 wurde Nadarkhani erneut verhaftet, nachdem er sich bei der Schule seiner beiden Söhne (7 und 9 Jahre alt) über einen Regierungsbeschluss beschwerte, der vorsah, dass künftig alle iranischen Schulkinder im Koran unterrichtet werden sollten, obwohl die iranische Verfassung die freie Religionsausübung garantieren würde. Diesmal wurde er wegen „Protestierens“, verhaftet,  wobei die Anklage später erneut auf „Apostasie und Bekehrungstätigkeit“ lautete.

Während seiner Haft wurde Nadarkhani immer wieder dazu aufgefordert, seinem christlichen Glauben abzuschwören und zum Islam zurückzukehren. Um ihn weiter unter Druck zu setzen, wurde im Juni 2010 seine Frau für vier Monate verhaftet. Im September 2010 wurde der Pastor in einem Gerichtsverfahren wegen Glaubensabfall zu Tode verurteilt. Seit dieser Urteilsverkündung versuchten iranische Behörden immer wieder, Nadarkhani zur Rückkehr zum Islam zu bewegen. Doch er lehnt das kategorisch ab.

Sein Fall löste weltweite Solidaritätsbekundungen und Protestaktionen aus, die für ein nicht unwesentliches Medienecho sorgten. Das hatte jedoch zur Folge, dass iranischen Medien begannen, ihren Ton gegen Nadarkhani zu verschärfen. Fars News warf ihm vor, ein Vergewaltiger zu sein und PressTV bezeichnete ihn als Zionisten.[3] Auch war von einer „anti-iranischen Kampagne“ des Westens die Rede. Im Oktober letzten Jahres wurde der Fall auch vom Obersten Gericht an Ayatollah Khamenei zur Begutachtung weitergeleitet und schliesslich wurde das Verfahren an die Erstinstanz aufgrund von „unvollständigen Ermittlungen“ zurückverwiesen. Sowohl die Reaktionen der iranischen Medien als auch das Vorgehen der Behörden dürften auf die Reaktionen, die der Fall im Westen erhielt, zurückzuführen sein. Spitzenpolitiker aus aller Welt, darunter auch Barack Obama und Hillary Clinton oder etwa Guido Westerwelle, der in der Zeit einen Artikel mit dem Titel „Dieser Mann darf nicht sterben“, aber auch aus Brasilien, Australien oder etwa Uruguay wurden Stimmen laut, die den Iran dazu aufriefen, Youcef Nadarkhani freizulassen.

Ausgerechnet die Schweiz, die offiziell einen „Menschenrechtsdialog“ mit dem iranischen Regime führt, hat bis anhin ihre Stimme nicht erhoben, um  sich für Nadarkhani stark machen. Auf Solidaritätsbekundungen und Aufforderungen seitens des EDA oder anderer prominenter Politiker, den protestantischen Pastor freizulassen, wartet man hierzulande vergebens.

In der Zwischenzeit versuchen verschiedenen Seiten weiterhin  verzweifelt, Youcef Nadarkhanis Hinrichtung zu verhindern. In Deutschland traf sich Volker Kauder, Bundestagsabgeordnete der CDU, mit dem iranischen Botschafter und sogar verschiedene islamische Würdenträger aus Deutschland und den USA baten Ayatollah Khamenei, den zweifachen Familienvater zu begnadigen. Bislang scheinen solche Appelle allerdings ungehört zu verhallen.

Michel Wyss

Den vollständigen Bericht von Amnesty International zur Lage im Iran findet man hier.


[1] Amnesty International: Iran – Regierung schafft Klima der Angst, amnesty.ch, 28.02.2012 (aufgerufen am 06.03.2012)
[2] Internationale Gesellschaft für Menschenrechte: Iran: Hinrichtung von Pastor Nadarkhani steht unmittelbar bevor, igfm.de, 22.02.2012 (aufgerufen am 06.03.20123)
[3] Christian Telegraph: Iranian pastor may be charged as a traitor, christiantelegraph.com, 04.10.2011 (aufgerufen am 06.03.2011), sowie PressTV: Convert guilty of security crimes: Iran, presstv.com, 01.10.2011 (aufgerufen am 06.03.2011)

2 KOMMENTARE

  1. Ich finde diese seite super, ok ich bin muslim doch meine eltern haben in jungen jahren mit mir die deutsche serie holocaust gesehen und sie fanden die nazis schrecklich. ich selber hab ein kloss im hals wenn ich daran denke wie unschuldige kinder frauen männer so barbarisch gemetzelt wurden. Leider wurden auch muslime so gerichtet und das in serbien ich denke und hoffe dass das volk israel seine in rechtmässigen platz in dieser welt findet. und des weiteren müssen wir humanisten egal ob jude oder muslim uns auf unsere traditionen berufen.

    ich bin tunesier und fände es super wenn mehr juden die synagogen in tunesien besuchen würden. gott lass uns in frieden zusammen leben und jeden versuch der unterdrückung ob gegen juden oder sunniten mit aller entschiedenheit ZUSAMMEN sthen SHALOM SALAM der tunesier BEN

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