Start Audiatur Exklusiv SRF und die erfundene «Kehrtwende» der IDF

SRF und die erfundene «Kehrtwende» der IDF

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Blick in die SRF 4 News- Redaktion im News- und Sportcenter. Foto SRF/Oscar Alessio
Blick in die SRF 4 News- Redaktion im News- und Sportcenter. Foto SRF/Oscar Alessio
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Mehrere Schweizer Medien, allen voran wie immer SRF, berichten oder kommentieren derzeit, die israelische Armee habe «zugegeben», dass im Gaza-Krieg über 70’000 Palästinenser getötet worden seien. Grundlage der Berichte und Kommentare ist ein mutmassliches anonymes Hintergrundbriefing eines IDF-Vertreters. Doch die Behauptung einer offiziellen «Kehrtwende» hält einer genaueren Prüfung nicht stand.

«Israel vollzieht Kehrtwende bei palästinensischen Opferzahlen» – so der Titel einer «Analyse» von SRF-Auslandredaktorin Anna Trechsel vom 30. Januar 2026. Die Formulierung suggeriert eine offizielle Neubewertung durch die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF). Wer jedoch weiterliest, merkt rasch, die Grundlage dieser angeblichen Kehrtwende ist kein offizielles Dokument, keine veröffentlichte Untersuchung und auch keine Pressekonferenz der IDF. Es handelt sich mutmasslich um ein anonymes Hintergrundbriefing eines Militärvertreters gegenüber einem israelischen Militärkorrespondenten.

Dieser Unterschied ist von zentraler Bedeutung. Denn eine Armee vollzieht keine Kehrtwende durch anonyme Gespräche. Genau darauf weist die IDF auf Anfrage auch selbst hin. Nach den ersten Berichten stellte sie ausdrücklich klar, dass die kolportierten Angaben keine offiziellen IDF-Daten widerspiegeln und dass belastbare Zahlen ausschliesslich über offizielle Kanäle kommuniziert werden. Diese Klarstellung fehlt in der SRF-Analyse von Anna Trechsel jedoch vollständig.

«Weitgehend korrekt»

Problematisch ist auch Trechsels Behauptung, israelische Medien «von rechts bis links» hätten «breit» über das Briefing berichtet. Diese Formulierung suggeriert einen Konsens, der in dieser Form gar nicht existierte. Tatsächlich griffen nur wenige Medien das Thema auf, am prominentesten die dezidiert linksaktivistische Zeitung Haaretz. Die meisten israelischen Medien berichteten gar nicht oder nur marginal darüber.

Laut Trechsel würde die IDF die Zahlen des Gaza-Gesundheitsministeriums nun als «weitgehend korrekt» ansehen. Beim SRF-Zuschauer bzw. -Zuhörer entsteht so der Eindruck, Israel habe nun akzeptiert, dass die palästinensischen Hamas-Angaben der Wahrheit entsprechen.

Israel hat die Zahlen des sogenannten Hamas-Gesundheitsministeriums aber nie offiziell anerkannt. Das israelische Aussenministerium bezeichnete sie bereits 2024 als «irreführend und unzuverlässig».

Der Analyst Salo Aizenberg hat die Daten des Hamas-Gesundheitsministeriums ausgewertet und darauf hingewiesen, dass dieses – wie in früheren Konflikten – alle Todesfälle pauschal als Kriegsopfer zählt, einschliesslich natürlicher Todesfälle.

Ein Bericht der Henry Jackson Society aus dem Jahr 2025 kam zu dem Ergebnis, dass das Hamas-Gesundheitsministerium den Anteil von Frauen und Kindern unter den Todesopfern systematisch überhöht dargestellt hat. Während das Gesundheitsministerium behauptete, dass über 70 Prozent der Opfer Frauen und Kinder gewesen seien, zeigte die Analyse für den Zeitraum Oktober 2024 bis März 2025, dass etwas mehr als die Hälfte der Getöteten kampffähige Männer waren.

Der Bericht sprach von «statistischen Anomalien» und einer gezielten Verzerrung der Zivilopferzahlen, insbesondere durch das Weglassen von Kombattanten. Frühere Untersuchungen dokumentierten zudem Fälle, in denen sogar Krebspatienten oder von der Hamas getötete Personen als Kriegsopfer geführt wurden.

Die IDF hält weiterhin daran fest, dass mindestens 25’000 der Todesopfer Hamas-Terroristen waren. Sie bestreitet ausdrücklich die Behauptung internationaler Organisationen, wonach die überwältigende Mehrheit der Opfer Zivilisten gewesen sei. Diese Differenzierung ist entscheidend, verschwindet bei SRF jedoch fast vollständig hinter der Erzählung vom «Eingeständnis».

Das Hunger- und Genozid-Narrativ

Bemerkenswert ist, was in der Analyse von Trechsel zwar kurz erwähnt, aber nicht eingeordnet wird: Die Behauptung massenhafter Hungertoter wird von der IDF ausdrücklich zurückgewiesen. Es habe keine gesunden Menschen gegeben, die an Hunger gestorben seien. Diese Aussage ist nicht neu, sie wurde wiederholt gemacht und mit Zahlen unterlegt. Hunderttausende Tonnen Hilfsgüter gelangten nach Gaza, tausende Kinder wurden geimpft, Feldspitäler errichtet, medizinische Evakuierungen ermöglicht und vieles mehr.

Dass es zeitweise zu Versorgungsengpässen kam, wird von israelischer Seite nicht bestritten. Dass daraus jedoch ein gezieltes Aushungern oder gar ein Genozid konstruiert wurde, war von Anfang an eine politische Behauptung und keine belegte Tatsache.

Die IDF hat keinen Genozid begangen. Sie hat keine Hungertoten bestätigt. Sie hat keine offiziellen Opferzahlen veröffentlicht.

SRF-Propaganda oder Fake News?

Natürlich haben auch Politiker reagiert. Allen voran SP-Co-Präsident Cédric Wermuth, der seinen Vorwurf, Israel habe über die Opferzahlen «gelogen», ausdrücklich auf den Artikel der israelischen Zeitung Haaretz stützt. Wermuth konstruiert aus seiner einseitigen «Lektüre» eines einzelnen linken Mediums den angeblichen Beweis für eine systematische Täuschung und stellt Israel als Lügner hin. Ein altbekanntes, gefährliches Muster.

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Foto Screenshot Instagram

Besonders pikant ist dabei, dass ausgerechnet SRF derzeit selbst intensiv über «Fake News», Desinformation und angeblich notwendige regulatorische Massnahmen gegen missliebige Plattformen und Inhalte berichtet – Forderungen, die natürlich regelmässig und gerne wiederum von linken Politikern wie Cédric Wermuth aufgegriffen, unterstützt und vorangetrieben werden. Während also strengere Eingriffe, Verbote und staatliche Aufsicht über Informationsflüsse verlangt werden, genügt im konkreten Fall ein anonymes mutmassliches Briefing, verbreitet über Haaretz, um bei SRF und Wermuth eine unbelegte Schuldzuweisung gegen Israel zu legitimieren.

Dass die Islamwissenschaftlerin und SRF-Korrespondentin Anna Trechsel eine gelinde gesagt «israelisch-kritische» Agenda verfolgt, wurde auf Audiatur-Online bereits mehrfach angemerkt. Zuletzt trat sie im Dezember als «Moderatorin» bei einer Lesung zum Buch «Schau nicht nach links. Tagebuch eines Völkermords» mit Atef Abu Saif im Progr in Bern auf. Was sie beim treuen Fatah-Kader und glühenden Verfechter einer radikalen palästinensischen Nationalideologie, die Gewalt gegen Israel legitimiert, antisemitische Geschichtsverzerrungen verbreitet und Attentäter zu Helden stilisiert, noch moderieren wollte, ist unklar.

Vor diesem Hintergrund muss sich bei der kommenden Abstimmung jeder sehr genau überlegen, ob die derzeitige Höhe der Abgabe für ein vom Steuerzahler finanziertes Medienhaus gerechtfertigt ist, welches den Kampf gegen Desinformation beschwört, jedoch selbst politische Narrative unkritisch reproduziert.

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