Der Entschluss des libanesischen Premierministers, zurückzutreten, kommt wenig überraschend, wenn man das Schicksal seines Vaters bedenkt, als er in Konflikt mit der Hisbollah und deren Schutzpatronen in Teheran und Damaskus geriet. 

 

von Avi Issacharoff

Die Ankündigung des Rücktritts des libanesischen Premierministers am Samstag in Saudi-Arabien war eine grosse Überraschung, obwohl sie das vielleicht nicht hätte sein sollen. Ebenso wenig wie seine Verurteilung der Einmischung des Iran im Libanon über dessen Stellvertreter, die Hisbollah.

Der Libanon wurde vor einer Reihe von Jahren zum Protektorat des Iran, ein in jeder Hinsicht vom Iran über die Hisbollah, die mächtigste Terrorgruppe des gesamten Nahen Ostens, kontrollierter Satellitenstaat.

Gemeinsam mit Baschar Assads Syrien und der Hisbollah war der Iran verantwortlich für die Ermordung von Saad Hariris Vater Rafiq Hariri, der im Februar 2005 nur wenige Monate nach seinem Rücktritt als Premierminister getötet wurde. Sein Sohn würde einem solchen Schicksal gerne entgehen.

Der einzig wirklich überraschende Aspekt des Rücktritts von Saad Hariri war, dass er mit seiner Ernennung zum Ministerpräsidenten im vergangenen Dezember einverstanden gewesen war. Es ist schwer zu ergründen, was in Hariris Kopf vorging, als er der Bitte des Hisbollah-freundlichen Präsidenten des Libanon, Michel Aoun, nachkam, sich der Aufgabe der Regierungsbildung anzunehmen.

Hariri wusste ganz genau, wer für die Ermordung seines Vaters verantwortlich war und dass sein eigenes Leben in Gefahr sein würde, wenn er nicht tat, was die Hisbollah verlangte. Ebenso war ihm klar, dass die schiitische Terrorgruppe beinahe jeden Aspekt des libanesischen Staates kontrolliert und dass sein eigenes politisches Lager, die Allianz des 14. März, zu einer verfolgten Minderheit innerhalb eines Systems wurde, das vollständig von der Gnade des Iran abhängt.

Es ist nicht ganz klar, was Hariri nun zum Rücktritt bewegte. Nach der Ankündigung seines Rücktritts meldete der Nachrichtensender Saudi-Arabiens, al-Arabiya, es sei erst vor wenigen Tagen ein Komplott zur Ermordung Hariris vereitelt worden.

Laut diesen Berichten war es die Furcht, Zielscheibe eines Mordanschlags zu werden, die Hariri veranlasste, Beirut am Freitag zu verlassen und sich in seine zweite Heimat Saudi-Arabien zu begeben, wo er geboren wurde.

Die Behauptungen über ein Komplott zur Ermordung Hariris und die Beteiligung des Iran daran wurden erwartungsgemäss vom Iran bestritten.

Auf einer am Samstag in Riad abgehaltenen Pressekonferenz attackierte Hariri den Iran und die Hisbollah scharf und beschuldigte sie der offenen Einmischung in die Angelegenheiten des Libanon und der gewaltsamen Übernahme des Landes.

„Feigenblatt für die Hisbollah“

In der gegenwärtigen politischen Realität des Libanon sollte die Vorstellung, dass die Hisbollah einen weiteren politischen Mord plant, kaum überraschen.

In den vergangenen elf Monaten war Hariri zum Feigenblatt für die Hisbollah geworden. Durch seine Ernennung zum Premierminister als einer der wichtigsten Oppositionsführer wurde vorgegeben, der Libanon wahre gegenüber dem Iran seine Unabhängigkeit.

Jetzt aber ist die Farce vorüber, und der Libanon bleibt, was er ohne die Verkleidung war – pro-iranisch, pro-syrisch und unter strenger Kontrolle der Hisbollah. Der libanesische Präsident wird als vom Iran und der Hisbollah eingesetzt angesehen, die libanesische Armee agiert in Kooperation und Koordination mit der Hisbollah, und die schiitische Terrorgruppe macht im Libanon, was ihr gefällt.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Saudis bei der Entscheidung Hariris, zurückzutreten, eine einflussreiche Rolle gespielt haben. Gelinde gesagt waren die Saudis nicht begeistert, als sich Hariri vor weniger als einem Jahr entschloss, den Posten des Premierministers anzunehmen.

Darüber hinaus ist es wahrscheinlich, dass der Bericht über ein Komplott zur Ermordung Hariris, ob wahr oder nicht, aus Richtung Riad kam, obgleich er vielleicht – und nur vielleicht – von einigen westlichen Geheimdiensten stammte.

Die Hisbollah wird ihre Strategien nach dem Rücktritt Hariris kaum ändern. Vielleicht tut sie sogar das Gegenteil. Die schiitische Organisation hat es schon lange aufgegeben, so zu tun, als sei sie nicht stark vom Iran beeinflusst, und sie versucht auch nicht, die Tatsache zu verschleiern, dass sie ihre finanzielle Unterstützung und ihre Marschbefehle von Teheran erhält.

Einzig im Fall einer erneuten Eskalation zwischen Israel und dem Libanon/der Hisbollah könnte der Hisbollah Ungemach drohen.

Nun, da dem Libanon/der Hisbollah das Feigenblatt Hariri abhandengekommen ist, erhält Israel ein grösseres Mass an internationaler Legitimität für ein kompromissloses Auftreten in einem künftigen Konflikt mit der nun wieder als mächtigste Terrorgruppe des Nahen Ostens anerkannten Organisation. Die völlig demaskierte Hisbollah von heute ist schliesslich eine staatlich unterstützte (Iran), staatsbeherrschende (Libanon) Terroristenarmee, die den Islamischen Staat wie einen Haufen Pfadfinder aussehen lässt.

Avi Issacharoff ist Nahost-Analyst bei The Times of Israel. Auf Englisch zuerst erschienen bei The Times of Israel.

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  • Assem Harb

    Wo ist mein Kommentar liebe Redaktion?

  • Assem Harb

    Erstens miserabler Journalismus, schlechte Ausdrucksweise gepart von Wiederholungen die nicht den Tatsachen entsprechen. Ein Israeli verfasst einen Artikel über den Libanon und die Hisbollah, da ist es KLAR dass er niemals Transparent, authentisch und nicht der Wahrheit entsprechen kann !
    Gehen wir den Artikel von oben an und untersuchen den Wahrheitsgehalt des Herrn Avi Issacharoff. Ja die Hisbollah ist durch die Unterstützung des Iran, die MÄCHTIGSTE Verteidigungsarmee des gesamten Nahen Osten und keine Terrorgruppe! Sie sitzt im Parlament der libanesischen Regierung stellt Abgeordnete beteiligt sich an der Regierung und vor allem ist sie demokratisch von der Mehrheit der libanesischen Bevölkerung gewählt und wir unterstützt. Ergo behauptet der Verfasser das mehr als die Hälfte der 5 Millionen Einwohner Libanons Terroristen sind was faktisch eine Lüge ist ! Hisbollah wird weiter wachsen und der einfluss wird noch größer und Israel wird nichts dagegen unternehmen können. USA, Israel, Saudi Arabien werden nie mehr Einfluss auf den libanon haben. Dank Iran Russland China und Sayed Hassan Nasrallah stehen wir heute stärker da als jemals zuvor.

    • Jonas Strant

      Wenn sie von „wir“ reden, wen genau meinen Sie damit? Issacharoff schreibt nirgends das 5 Millionen Einwohner Libanons Terroristen sind. Oder sind sie ein Vertreter der Hisbollah?

      In Ihrem Kommentar bestätigen Sie praktisch alles was im Artikel steht, ausser das Hisbollah einen Terrorgruppe ist. Aber sogar die Arabische Liga erklärte die Hisbollah auf einer Sitzung im März 2016
      zur Terrororganisation. Der Beschluss wurde ohne Gegenstimme gefasst.

      Im Übrigen ist Avi Issacharoff, im Gegensatz zu dem was Sie hier verbreiten, ein sehr guter Journalist.

      • Assem Harb

        Wenn ich wir sage meine ich die Libanesen. Die Mehrheit der Bevölkerung die hinter der Hisbollah steht. Stimmt er schreibt nicht das die Einwohner Terroristen sind aber, dass die Partei die an der Regierung steht und eine große Unterstützung und Zustimmung im Volk genießt als eine ist. Im Umkehrschluss bedeutet es die Menschen die die Hisbollah stark gemacht haben und die sie gewählt haben als Terroristen zu bezeichnen.

        Die Arabische Liga die nicht mal für sich selber sprechen darf. Auf Druck der Saudis und der Emiraten mussten Sie alle zustimmen sonst wird ihr der Geldhahn abgedreht.

        Wenn der Herr Avi Issacharoff ein guter und gebildeter Journalist ist was man von einem Akademiker erwarten kann, dann sollte er unparteiisch berichten und nicht die Antipathie eines Israelis gegen den Libanon und der Hisbollah zum Ausdruck bringen.