Verwüstete Grabsteine im einem jüdischen Friedhof in Philadelphia. Bild: Screen Grab CBS Evening News (Youtube)

Sowohl in Frankreich als auch in den USA haben sich in den vergangenen Wochen wiederholt schwere antisemitische Vorfälle ereignet.

Im Pariser Vorort Bondy wurden zwei jüdische Männer mit einer Metallsäge angegriffen, nachdem sie sie zuvor als „dreckige Juden“ beschimpften worden waren. Die beiden Brüder, 17 bzw. 29 Jahre alt und beide mit Kippa, waren mit ihrem Auto durch den Vorort gefahren, als sie von einem anderen Fahrzeug überholt wurden, dass vor ihnen ausscherte. Nachdem der ältere Bruder das Autofenster öffnete und den Lenker des anderen Fahrzeugs zur Rede stellte, beschimpfte dessen Lenker die beiden Juden wie folgt:

„Ich tu, was ich will auf der Strasse. Ihr dreckigen Juden! Bastarde! Ihr werdet alle sterben!“

Aus Angst vor einem Unfall hielten die beiden Brüder an, woraufhin sich der Insasse des anderen Fahrzeugs mit einer Metallsäge näherte. Die beiden versuchten zu fliehen, wurden aber verfolgt und vom Angreifer geschlagen. Gemäss berichten fiel der ältere Bruder darauf zu Boden und der Täter hielt ihm die Säge an den Hals. Der jüngere Bruder wurde beim Versuch verletzt, dem Angreifer die Säge zu entreissen und musste im Spital behandelt werden. Laut eigenen Aussagen intervenierte zudem der Geschäftsführer einer Bar in der Nähe, „bevor etwas Schlimmeres passierte.“

Das Französische Nationale Büro für Wachsamkeit gegen Antisemitismus forderte gemäss seinem Sprecher die Polizei dazu auf, alles zu unternehmen, um die anti-jüdischen Angreifer zu identifizieren, die als Vater und Sohn nordafrikanischer Herkunft beschrieben wurden.

Derweil wurden in den USA in zwei separaten Vorfällen in St. Louis und Philadelphia innerhalb weniger Tagen jeweils über 100 jüdische Grabsteine verwüstet. Zudem waren bereits am 1. Februar auf einem jüdischen Friedhof in Fort Wayne, Indiana über 50 Grabsteine umgestürzt worden. In der Zwischenzeit haben unter anderem muslimische Aktivisten zu Spenden für den Friedhof in St. Louis aufgerufen, und dabei innert Kürze über 130’000 Dollar gesammelt. Zu den Initiatoren gehörte auch die kontroverse BDS-Aktivistin Linda Sarsour. Weitere muslimische Aktivisten beteiligten sich an den Aufräumarbeiten auf dem jüdischen Friedhof in Philadelphia.

Neben dem Vandalismus ihrer Friedhöfe wird die jüdische Gemeinde in den USA zurzeit auch von einer Welle von Bombendrohungen gegen jüdische Einrichtungen heimgesucht. Dies führte am vergangen Montag zu Evakuierungen von Gemeindezentren und Schulen in elf verschiedenen Bundesstaaten. Seit Beginn des Jahres gab es in den Vereinigten Staaten bereits Dutzende von Bombendrohungen gegen jüdische Einrichtungen, bei der jüngsten handelte es sich bereits um mindestens die fünfte ihrer Art. Die Haaretz veröffentlichte eine komplette Liste der bedrohten Einrichtungen:

Acht jüdische Schulen
N.E. Miles Jewish Day School, Birmingham
Posnack Jewish Day School, Davie, Florida
Charles E. Smith Jewish Day School, Rockville, Maryland
The Hebrew Day School of Ann Arbor, Michigan
Charlotte Jewish Day School, North Carolina
Perelman Jewish Day School, Wynnewood, Pennsylvania
Gesher Jewish Day School, Fairfax, Virginia
(bei einer weiteren Schule ist der genaue Ort nicht bekannt)

Zwanzig jüdische Gemeindezentren
Seigel JCC, Wilmington, Delware
JCC Indianapolis, Indiana
JCCs of Greater Baltimore, Pikesville, Maryland
Kaplen JCC on the Palisades, Tenafly, New Jersey
Betty and Milton Katz JCC, Cherry Hill, New Jersey
Shames JCC on the Hudson, Tarrytown, New York
JCC of Mid-Westchester, Scarsdale, New York
Mid-Island Y, Plainview, New York
JCC of Staten Island, New York
Asheville JCC, North Carolina
York JCC, Pennsylvania
Dwares JCC, Providence, Rhode Island
Oshman Family JCC, Palo Alto, California
Merage JCC, Orange County, California
Lawrence Family JCC, San Diego, California
Stroum JCC, Mercer Island, Washington
Tucson JCC, Arizona
Scottsdale JCC, Phoenix, Arizona
Jewish Community Center of Southern Nevada
(ein weiteres Gemeindezentrum in Long Beach, California, der genaue Ort ist nicht bekannt)

Ein Büro der Anti-Defamation League (ADL)
Anti-Defamation League Regional Office, San Francisco, California

Laut dem New York Police Department nehmen Hassverbrechen im Jahr 2017 stark zu, darunter insbesondere antisemitische Vorfälle. Der Trend in New York deckt sich mit den landesweiten Entwicklungen. Während New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio die Zunahme mit der Wahlkampfrhetorik von Präsident Donald Trump in Verbindung brachte, waren NYPD-Beamte zurückhaltender und erklärten, die Anzahl von Hassverbrechen stünde in Relation zu prominenten nationalen und internationalen Vorkommnissen, ohne solche genauer zu definieren.

Während einer Veranstaltung im Nationalen Museum für Afro-Amerikanische Geschichte und Kultur verurteilte US-Präsident Trump derweil die Vorfälle: „Die antisemitische Bedrohung gegen unsere jüdische Gemeinde und Gemeindezentren sind schrecklich und schmerzhaft und eine traurige Erinnerung an die Arbeit, die es noch immer zu tun gilt, um Hass, Vorurteile und Böses auszuroden.“

David Posner, Direktor für strategische Leistung bei der Vereinigung jüdischer Gemeindezentren in Nordamerika forderte derweil, dass sich „Justizdepartment, Homeland Security, FBI, das Weisse Hause, gemeinsam mit dem Kongress und lokalen Beamten energisch gegen diese antisemitische Plage“ aussprechen müssen.

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