Redaktionsarchiv der Neuen Zürcher Zeitung, Foto roland zh. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Was man in der NZZ über Israel liest, erfahren der Leser und die Leserin hauptsächlich aus Beiträgen von Monika Bolliger. Knapp die Hälfte der Beiträge im Monat August (7 von 15) im Ressort „Internationales“ entstammte ihrer Feder und zeigt, wie stets aufs Neue journalistische Standards verletzt und Tatsachen verdreht oder gar relativiert werden. Mit den zu erwartenden Kompetenzen einer Auslands-Korrespondentin haben Bolligers Beiträge kaum etwas gemein.

Bereits die Wahl ihrer Quellen lässt vermuten, dass sie offenbar über ein qualitativ wenig wertvolles Netzwerk und dementsprechende Kontakte verfügt, mit deren Informationen sie dem Leser einen Mehrwert bieten könnte. Denn Zugriff auf offizielle Mitteilungen und/oder Aussagen von Regierungsvertretern oder andere Pressebeiträge hat man auch im Zentrum von Zürich.

Gravierender ist jedoch, dass ihre Haltung zu Israel in jedem Beitrag reflektiert wird, und dies nicht immer nur durch eindeutige Aussagen. Auch eine gezielte Wortwahl soll vor allem eines, Israels Bedenken und Sichtweise zu bestimmten Aspekten herunterspielen, und andererseits Israels Verantwortung und Rolle an anderer Stelle maximieren, auch wenn diese nur peripher mit Israel zu tun hat.

So schreibt sie beispielsweise über die Emotionen anlässlich der Freilassung von palästinensischen Gefangenen (13. August, Hervorhebungen von uns), dass diese „keine grossflächigen Terroranschläge auf dem Gewissen haben, sondern […] in der Ermordung von Einzelpersonen involviert…“. Abgesehen von ihrem verqueren Verständnis von Terrorismus – nur wo viel Blut ist, ist auch Terror – scheint sie sich nie ernsthaft mit den spezifischen Formen des palästinensischen Terrors auseinandergesetzt zu haben. Morde, die aus einer rein politischen Motivation verübt wurden (die Opfer wurden allein aufgrund der Tatsache getötet, dass sie Israelis und Juden waren), als Terrorakt zu bezeichnen, ist natürlich korrekt. Im Übrigen sagt die öffentliche Verehrung dieser Mörder als „Freiheitskämpfer“ mehr über den palästinensischen Willen zum Frieden, als jede noch so wohlfeile Abbas-Rede vor den Vereinten Nationen in New York.

Die Verbindung zwischen der Muslimbruderschaft (MB) und Hamas ist zwar offiziell bekannt und wird auch beiderseits nicht bestritten (siehe Hamas-Charta), einzig Frau Bolliger scheint ahnungslos. Nämlich, so die Journalistin, sei die Hamas „gewissermassen der palästinensische Ableger der Muslimbrüder“ (9. August). Warum Bolliger diese Tatsache relativiert, ist nicht nachzuvollziehen, wirft aber kein gutes Licht auf ihre Kompetenzen.

Richtig absurd wird es aber, wenn Bolliger Israel vorhält, als einziges Nachbarland Syriens seine Grenzen für syrische Flüchtlinge geschlossen zu halten (30. August). Eigentlich nichts Aussergewöhnliches, schliesslich sind Israel und Syrien nicht nur verfeindet, wie Bolliger schreibt, sondern befinden sich formell noch immer im Kriegszustand. Umso bemerkenswerter also, dass Israel Flüchtlinge aus Syrien in Spitälern im Norden des Landes behandelt. Eine Tatsache, die Bolliger zwar kurz und knapp in einem Nebensatz erwähnt, während sie andererseits die geschlossenen Grenzen als besonders mitteilungswert hervorhebt.

Besonders verwerflich ist auch, wenn Sie einen negativen Zusammenhang mit Israel konstruiert, der so schlicht nicht existiert. In ihrem Beitrag „Libanon am Abgrund“ (24. August) heisst es: „In der nordlibanesischen Stadt Tripolis haben zwei Bombenexplosionen 43 Tote gefordert. Israel lancierte einen Luftangriff, nachdem am Vortag Raketen aus Libanon auf israelischem Gebiet eingeschlagen waren.“

Nun könnte man annehmen, Israel habe bei einem Luftangriff auf Tripolis 43 Menschen getötet. Im Laufe des Artikels stellt sich dann aber heraus, dass die Explosionen in Tripolis in keinerlei Zusammenhang mit dem israelischen Angriff stehen, der als Reaktion auf Raketenbeschuss aus dem Libanon erfolgte und bei dem es keine Toten oder Verletzte gab. Hier wird der Leser komplett in die Irre geführt. Zudem hebt Bolliger mithilfe eines rhetorischen Tricks wiederum den israelische Luftangriff hervor (aktives Verb im Hauptsatz), während die Raketen aus dem Libanon in einem Nebensatz (und durch ein passives Verb) abgehandelt werden.

Es wäre Frau Bolliger unbenommen, ihre persönliche Meinung kund zu tun, wenn diese auch als „Meinung“ oder „Kommentar“ deklariert würde; sie dem Leser als „Bericht“ zu verkaufen, kommt dem Versuch einer Indoktrinierung gleich. Die Atmosphäre am Vorabend der neuen Friedensgespräche beschreibt sie wie folgt: „Es stehen sich nicht zwei Staaten mit einem Grenzkonflikt gegenüber, sondern eine Besatzungsmacht und die Vertreter eines Volkes unter Besetzung, während der Vermittler eng mit der Besatzungsmacht befreundet ist.“ Selbstredend hat sie ein solches Urteil noch nicht einmal argumentativ hergeleitet.

Dies sind nur einige Beispiele, die illustrieren, wie es um die Kompetenz der Israel-Korrespondentin der Neuen Zürcher Zeitung bestellt ist. Man sollte meinen, dass gerade ein vorgebliches Print-Leitmedium wie die NZZ etwas mehr Wert auf Sorgfalt, formelle Richtigkeit und gehaltvolle Informationen legen würde.

Gänzlich fehlen im Übrigen Berichte zu „Inside Palestine. Die Auslands-Korrespondentin Bolliger sitzt vor Ort in einer der derzeit dynamischsten Regionen überhaupt und weiss schlicht nichts über die palästinensische Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur, Innenpolitik zu berichten, ausser natürlich wenn es darum geht, Israel an den Pranger zu stellen. Irgendwie Schade.

© Sandra Hoffmann, Shana Goldberg und Michel Wyss

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2 KOMMENTARE

  1. Wer hat etwas anderes erwartet? Die NZZ hat sich von der einstigen Wirtschaftszeitung der Liberalen zur Zeitung der rechten Antisemiten, der Juden- und Israelhasser gewandelt. Ich wundere mich nur, dass dieser Antisemitin die Einreise nach Israel gestattet wird.
    Mit Juden- und Israelhass kann aber auch der Tages Anzeiger (TA) punkten, aber aus der linken Szene. Verantwortlich für die Lügen und verdrehten Tatsachen im TA ist die Frau Claudia Kühner, der Liebling der jüdischen säkularen linken und anti-israelischen Szene.
    Es sind dies die typischen Vertreterinnen von Palästinesertuntschis, die ihren Job darin sehen, Israel zu verleumden. Und der NZZ und dem TA ist das recht.

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