Foto LBJ Library photo by Yoichi R. Okamoto - http://lbjlibrary.org/collections/photo-archive/photolab-detail.html?id=1472, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=503155
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Sirhan Sirhan, der Mörder von Robert F. Kennedy, ist einer der bekanntesten Mörder in der Geschichte Amerikas. Als kürzlich zwei grosse Fernsehnetzwerke Filmausschnitte über die Kennedy-Ermordung ausstrahlten, fand sein Name jedoch keinerlei Erwähnung. Was ist der Grund dafür?

 

von Stephen M. Flatow

Am 5. Juni 1968 gab Sirhan, ein palästinensischer Araber mit jordanischer Staatsbürgerschaft, in einem Hotel in Los Angeles aus unmittelbarer Nähe vier Schüsse auf den Senator ab. Es gab nie eine Diskussion bezüglich Sirhans Motiv. In zahlreichen Interviews nach der Tat gab er an, er habe es aufgrund der pro-israelischen Einstellung Kennedys getan.

Anlässlich des 50. Jahrestags des Attentats gab es in den Medien erneut umfangreiche Diskussionen über die Tat. Um die gleiche Zeit strahlte CNN eine grosse 4‑teilige Reihe mit dem Titel „1968: Das Jahr, das Amerika veränderte“ aus. Ein Grossteil der Serie widmete sich der Präsidentschaftswahl in diesem Jahr, einschliesslich Kennedys Kampagne für die Nominierung der Demokraten. Es gab einen mehrminütigen Filmausschnitt über das Attentat.

Der israelische Premierminister Levi Eshkol, links, mit Robert F. Kennedy im Januar 1964. Foto David Eldan, GOP.

Es ist unglaublich, aber der CNN Sprecher erwähnte zu keinem Zeitpunkt den Namen von Sirhan Sirhan oder dessen Motiv für die Ermordung Kennedys. In dem Ausschnitt wurde die Ermordung dargestellt, als sei sie lediglich Teil der allgemeinen Unruhen im Amerika des Jahres 1968 gewesen, welche auch Proteste gegen den Vietnamkrieg, Rassenkonflikte und die Ermordung von Rev. Martin Luther King Jr. umfassten; Kings Mörder, James Earl Ray, wurde namentlich genannt.

Am 4. Juli wurde im Rahmen der beliebten MSNBC-Sendung „Morning Joe“ ein besonderer 5-minütiger Einspieler über das Kennedy-Attentat gezeigt (im Rahmen des 50. Jahrestags), der von dem langjährigen Anchorman Tom Brokaw gesprochen wurde. Abermals fand erstaunlicherweise keinerlei Erwähnung von Sirhan oder dessen Grund für die Ermordung Robert Kennedys statt.

Die Erklärung dafür ist in meinen Augen offensichtlich. Einige Mainstream-Medienkanäle in den USA sind inzwischen derart positiv gegenüber der palästinensischen Sache eingestellt, dass sie nicht einmal davor zurückschrecken, etwas unerwähnt zu lassen, was die Palästinenser in einem schlechten Licht erscheinen liesse.

Und es gibt nichts, was die Sache der Palästinenser schlechter aussehen lassen würde, als die Tatsache, dass es ein palästinensischer Araber war, der eine der beliebtesten politischen Persönlichkeiten der modernen amerikanischen Geschichte ermordete.

Viele von uns, die in den 1960er Jahren Erwachsene waren, sehen wehmütig zurück und versuchen sich vorzustellen, wie anders Amerika hätte sein können, wenn Bobby Kennedy die Nominierung der Demokraten gewonnen hätte. Mit grosser Wahrscheinlichkeit hätte er Richard Nixon bei der Wahl im November geschlagen und wäre Präsident geworden.

Und das hätte bedeutet, dass der Einsatz der USA in Vietnam sehr viel früher geendet hätte. Nixon wäre nie Präsident geworden und ebenso wenig hätte es Vizepräsident Spiro Agnew gegeben. Es hätte kein Watergate stattgefunden. Auch die Beziehungen zwischen den Rassen hätten einen ganz anderen Verlauf genommen. Und all das löste sich im Rauch einer palästinensischen Pistole auf.

Unbequeme Fragen

Die amerikanische Öffentlichkeit daran zu erinnern, wer Robert F. Kennedy ermordete und warum, wirft Fragen zur Legitimität der gesamten palästinensischen Frage auf, da sie uns an die Grausamkeit und Barbarei derer erinnert, welche sie repräsentieren.

Und nicht nur das. Es bedeutet auch, dass einige unbequeme Fragen gestellt werden müssten, wie etwa die, warum Sirhan bei den Palästinensern als Held gefeiert wird? Während seiner Verhandlung berichtete die Los Angeles Times, die PLO verteile in ganz Beirut Plakate mit dem Konterfei Sirhans, der Zeichnung eines palästinensischen Gewehrs und der Überschrift: „Sirhan Bishara Sirhan: Angehöriger einer Kommandotruppe, kein Attentäter.“

Der palästinensische Attentäter Sirhan Sirhan. Foto California Department of Corrections, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=29397963

Ja, eben jene PLO, von der die Vereinten Nationen, die Nachrichtenmedien und das Aussenministerium nicht müde werden, uns zu erzählen, dass sie moderat und vernünftig sei und den Terrorismus an den Nagel gehängt habe. Wenn dem so wäre, warum bezeichnet die PLO dann Terroristen wie Sirhan als Helden? Und warum sind so viele wohlgesonnene Artikel über Sirhan in der palästinensischen Presse erschienen? Das sind nicht die Art von Fragen, die CNN oder „Morning Joe“ gerne stellen oder über die sie gerne reden würden.

Mindestens 144 amerikanische Staatsbürger wurden seit den 1960er Jahren von palästinensischen Arabern ermordet. Robert F. Kennedy war der erste von ihnen.

Mehrere aufeinanderfolgende US-Regierungen weigerten sich, von der Palästinensischen Autonomiebehörde zu verlangen, ihnen die Mörder zur Strafverfolgung zu übergeben und auch führende Nachrichtenmedienkanäle lehnten es immer wieder ab, dies als ein ernstes Thema zu behandeln oder gar palästinensischen Sprechern diesbezügliche Fragen zu stellen. Der Grund dafür ist: Sirhan Sirhan und andere Mörder von Amerikanern aus dem Rampenlicht zu halten, ist auch eine Möglichkeit, die Sache der Palästinenser weiterhin zu unterstützen.

Stephen M. Flatow ist stellvertretender Vorsitzender der Religious Zionists of America und Anwalt in New Jersey. Er ist der Vater von Alisa Flatow, die 1995 bei einem vom Iran unterstützten palästinensischen Terroranschlag ermordet wurde. Auf Englisch zuerst erschienen bei Jewish News Syndicate.

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